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Wiener Morgenzeitung · 1925-09-09 · Heft 2353 (9.9.1925) · p. Seite 2

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
7 (1925)
Issue
Heft 2353 (9.9.1925)
Date
1925-09-09
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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Gei re - Wien, Mittivoch Wiener Moraenzektuna 9. September 1986 Rr.M» Zionistisdies Landeskomitee für Oesterreich Donnarstag MattOnmOOtina OlymplasSla 10.September,8Uhrabends I IßLIDDMWl III 1. öorirh. Lotgssss aber den XIV. Zionistenkongress Sarao! tlct 8annl>ng! Von Rabbiner Jakob Friedmann, Wien. Die radikalen Zionisten sind nrit -er Politik Weiz- Manns unzufrieden. Die Exekutive — so wird geklagt — sei nicht nrit der nötigen Energie gegenüber den Tendenzen zur Schmälerung unserer im Mandat anerkannten Rechte aufgetreten. Ebenso fei die inneriüdische Politik des Präsidenten von seiner eigenen Schwäche und Resignation angekränkelt. Die Erweiterung der Jowish Agency, wie sie Weizmann anstrebt, gefährde die Verwirklichung unserer nationalen Ideale, und schon der Versuch allem, um jeden Preis nichtzionistische Elemente in die Jewish Agency einzubeziehrn, trage zur Erschütterung des Glaubens an die Bedeutung der Zionistischen Organisation bei. Diese Anwürfe gegen die Exekutive wollen aber der großen Mehrheit der Zionisten nicht cinleuchten. Denn cs ist absolut unnachweisbar, daß Weizmann es der Mandatarrnacht gegenüber an dem nötigen Nachdruck wirklich hat «fehlen lassen und ob ein etwaiges Uebermaß von Energie in den vorliegenden Fällen zweckdienlich gewesen wäre. Und was die Erweiterung der Jewish Agency betrifft, so wird sie einerseits im Mandat unter bestimmten Voraussetzungen zur Pflicht gemacht, andererseits gehört sie auch gewissermaßen zum zionistischen Programm. Die nationale Heimstätte ist für das ganze jüdische Volk, nicht nur für einen Teil bestimmt. Demgemäß muß die Zionistische Organisation auch die anderen Bolksteile zur Mitarbeit, der selbstverständlich auch eine Teilnahme an Rechten entspricht, heranziehen, nich nur aus finanziellen Gründen, sondern auch im Interesse der vom Zionismus angestrebten nationalen Renaissance, deren Förderung nur durch die mehrfache Verknüpfung aller Volkstolle mit dem im Aufbau befindlichen nationalen Zentrum denkbar ist. Da der jüdische Weltkongreß noch leider fern ist und der direkte Anschluß an die Zionistische Organisation vielen Juden infolge politischer oder Psychologischer Momente schwer fällt, so soll die Jewifh Agency die Brücke bilden. Die übermäßige Furcht vor nichtzionistifchem Einfluß ist eher geeignet, den Glauben an die Bedeutung der Zionistischen Organisation zu erschüttern, als der Versuch, nichtzronistische Elemente in die Jewish Agency einzu beziehen. Vorsicht ist da allerdings geboten, aber die Richtlinien, die der letzte Kongreß diesbezüglich festgelegt hat, schließen, dünkt mir, jede Gefahr aus. Handelt es sich doch zunächst nur um ein Provisorium! Die raditalzioniftische Opposition kommt gewiß aus ehrlicher Ueberzeugung, jedoch ist die Zweckmäßigkeit chrer Form sehr zu bezweifeln. Wenn man die Politik Weiznmnns mißbilligt, muß man nicht seine vorzeitige Abreise, die vielleicht keinen Aufschub litt, als Flucht und die Auswahl von Männern in die Exekutive, mit benen er am gedeihlichsten arbeiten zu können glaubt, als Beschimpfung des Kongresses hinstellen. Es wird ferner behauptet,.die große Mehrheit für die Vertrauensresolution sei unter dem Drucke des Präsidenten zustande gekommen. Gesetzt, daß dies auch zutrifft, so geschah es doch nur im zionistischen Jntereffe. Wir alle wissen und Weizmann weiß es ebenfalls, daß er gegenwärtig unersetzbar ist und die volle Autorität haben muß. Es wäre daher ein Verbrechen am jüdischen Volke, wenn er aus Furcht, der Herrschbegierde geziehen zu werden, anders gehandelt hätte. Das einzige, was man an Weizmann auf dem letzten Kongreß aussetzen konnte, war der Mangel an diplomatischer Geschmeidigkeit, der manchmal zutage trat. Manches Wort oder manches Tun und Lassen war vielleicht geeignet, hie und da Mißstimmung hervorzurufen. Wenn man aber darüber nachdenkt, wie sehr er überbürdet ist und was ein jüdischer Führer an Kritik und Vorwürfen, die nicht immer berechtigt sind, auszustehen hat, so wird man derartige nervöse Erscheinungen begreiflich finden. Die Haltung der radikalen Zionisten auf dem Kongreß ist, von ihrem Standpunkt aus betrachtet, verständl ch, hingegen ist die Art und Weise, wie sie jetzt ihren Kampf weiterführen, verhängnisvoll. Weizmann ist nun einmal wiedergewählt und man darf seine Autorität, die ec zur Erfüllung der schweren Aufgaben so dringend braucht, nich: untergraben. Man verwende lieber die rethorischen und journalistischen Kräfte zur 'Kräftigung der Zionistischen Organisation und zur Ste gerung der .üdischrn Opferwilligkeit für Zion, von de« der raschere Ausbau unseres Nationalheims abhängt. Denn die Erstarkung der zionistischen Positionen in der Diaspora und in Erez Israel «st m>hr geeignet, unserer politischen Leitung die gewünschte Energie und Zuversicht zu verleihen, als eine Kampagne, die innen wechsilftitiges M ß rauen weckt und außen die die Feinde ermutigt. _ O&euabbiner Ir. «Haie» über den 14. LioMrnIonMß. In einem vom Zionistischen Landeskomitee für Oesterreich veranstalteten Massenmeeting, welches morgen Donnerstag um 8 Uhr abends in den Olympiasälen, 1. Be;., Rotgasse, statt findet, wird Oberrabbiner Dr. CHajes über die Erg<duisft des 11. Ziouistenkongresses sprechen. Lehren des zionistischen Fronenkongresfer. Bon Anitta Müller-Cohen. Tic Paradoxien von heute sind die Gemeinplätze von morgen. Scheint auch der Name einer Weltorganisation der zionistischen Frauen heute noch eine Paradoxie — kann man wissen, ob er morgen noch ist? Es unterliegt keinem Zweifel, daß eine Organisation der zionistischen Frauen eine 8-otwendigkeit ist. Die Anfänge, die heute allein noch vorhanden sind, versprechen jedenfalls viel. Die Klugen unterdrücken also das obligate skeptische Lächeln und würdigen den 8. Kongreß der zionistischen Frauen, der diesmal in Wien stattgcfunden hat, wie er es verdient. Der Kongreß der zionistischen Frauen hat uns in manchem enttäuscht. Wir mußten uns sagen: es sind einige Institutionen in Palästina vorhanden, welche von der Frauenorganisation geschafft» wurden, sonst aber nichts. Um der Wahrheit die Ehre zu geben, muß wohl betont werden, daß diese Institutionen in jeder Hinsicht mustergültig sind; aber sie können es trotzdem nicht vergeffen machen, daß alle Kraftanstrengungen der Frauen darauf gerichtet ist, sie zu erhalten, die für sie notwendigen Mittel aufzubringen. Sonst nichts. Von all dem, was wir uns unter zionistischer Frauenarbeit vorstellen, von nationaler Agitation, von kultureller Zielstrebigkeit, von ausgedehnter Frauenpropaganda, ist nichts zu merken. Was bei jeder Organisation, die als ungenügend empfunden wird, der Fall ist, wiederholt sich auch hier. Entweder sieht mau sich veranlaßt, sie zu negieren, ihre Existenz nicht zur Kenntnis zu nehmen, oder trachtet man, unter Benützung der Vorarbeit, die schon geleistet ist, die Organisation besser zu machen. Wir gehen von der Tatsache aus, daß die Organisation notwendig ist. Eine Zusammenfassung der zionistischen Frauen ist aus propagandistischen Gründen nicht weniger als aus kulturellen Motiven unerläßlich. Was bereits da ist, ist ein verheißungsvoller Anfang. Allerdings nicht mehr. In den einzelnen Ländern gibt es bloß kleine Gruppen von Frauen, welche nicht eigentlich berechtigt sind, als Vertretung der zionistischen Früuen ihres Landes zu fungieren. Es läßt sich trotz allem nicht leugnen, daß die W. I. Z. O. die erste gelungene Form einer Organisation der zionistischen Frauen ist. Sie hat immerhin begonnen, eine Weltorganisation zu werden, wenn sie e8 auch im gegenwärtigen Moment noch nicht ist. In der Knospe liegt zumindest ebenso sehr bereits die Blüte, wie in dem Blühen das Welken. Es ist eine Plattform da, um die zionistischen Frauen zu organisieren, und es ist nur eine Frage der Zeit, wann dies endgültig gelingt. Das, was wir vermissen, ist einstweilen die geistige Triebkraft. Der -ideelle Gehalt tritt viel zu sehr hinter der Realität der Budgetaufbringung zurück. Es ist ein schwacher Trost, daß dies ein Fehler ist, den die Frauenorganisation mit der zionistischen Bewegung überhaupt gemeinsam hat. Es läßt sich aber nicht absehen, wie ohne ideelle Triebkräfte eine Bewegung ausgehaut werden kann. Es ist schwer, über den Zirkel hinauszukommen, den für die Frauenorganisation die Frage der Geldaufbringung bildet. Umsonst wird kulturelle Arbeit, ideelle Propaganda gefördert, wenn dafür die Mittel nicht vorhanden sind. Die Länder, welche große Beträge für die Erhaltung der Anstalten der Frauenorganisation in Palästina widmen, Australien, Kanada usw., legen auf die Kulturarbeit scheinbar kein besonderes Gewicht. Sie bestimmen ihre Spenden für die einzelnen Institutionen. Diejenigen Länder jedoch, die sozusagen den idealistischen Sauerteig in dem Kuchen darstellen, sind eben jene, die materiell wenig leisten oder auch leisten können. Es kann nicht ausbleiben, daß unter diesen Umständen die Frage auftaucht, ob zum Beispiel Oesterreich solche Forderungen überhaupt stellen darf. Dieser Gegensatz zu den Spendern ist ein alter und immer wiederkehrender. Es läßt sich nicht absehen, wie ihm ausgewichen werden soll. Mittel und Wege sind immerhin manche vvrgeschlagen worden. Es hieß, man müsse eine Informations- Zeitschrift schaffen. Natürlich ist zu befürchten, daß eine solche Zeitschrift den Weg der Frauenzeitungen überhaupt ginge, und dies nicht nur wegen Mangel an Mitteln, sondern auch ebenso sehr wegen Mangel an Mitarbeitern. Biel mehr Erfolg versprechend wäre eine systematische Frouenprvpaganda in den bestehenden zionistischen Blättern. Eine Möglichkeit wäre es noch, .von der Londoner Zentrale aus einen Informationsdienst für die Frauenarbeit in den Ländern zu erhalten. Es muß wiederholt werden: der Wiener Kongreß hat ein wenig entmutigt. Mit der Propaganda allein ist noch immer nichts getan. Tie ideellen Grundlagen müffen gestärkt werden. Die Kritik ohne positive Arbeit ist stets fruchtlos. Das, was bereits da ist, muß vor allem erhalten und weiter ausgebaut werden. Es ist die Pflicht der zionistischen Frau, in erster Reihe die bestehenden Institutionen in Palästina zu unterstützen. Dann aber heißt es, den Willen aufzubringen zu dem großen Schritt darüber hinaus! Wieder ein Wer der amerlkanWe» «inwanvernngsgesetzes. Selbstmord wegen der drohenden Deportation. Aus New-Aort wird nns geschrieben: In der Letzten Zeit hänfen sich die S e l b st in o r ü e v o n E i n w a nd er e r rr, die plötzlich zur Deportierung -in ihre alte Heimat verurteilt worden. Eine schreckliche Tragödie -trug sich erst vor einigen Tagen im Spital der Träneninftll von Eilis- IStand zu. Der 06jährige Samuel Tennenburg, der vor acht Monaten von ftinen Kindern, die schon viele Jahre in Amerika leben, aus Deutschland herübergebracht wunde, war vor einiger Zeit au Asthma erkrankt. Tennenburg siel niemanden zur Last, denn er arbeitete Wohl schwer, ober verdiente immerhin so viel, um seine Frau und zwei noch unversorgte Kinder anständig erhalten zu können. Tennenburg, der früher in Deutschland lebte und dort eine große Bäckerei betrieb, Wurde infolge ftiner Evkrankung auf Verfügung der EinwanberungLbehorde au-s die Liste der zu deportierenden Personen gesetzt und sofort in das Spital von Ellis-JAand gebracht, das für ihn gewissermaßen zu einem Jnquisitenispital wurde. In ftiner Veltzweifl-nng, daß er wieder aus seinem Berus und von ftiner Familie gerissen werden sollte, beging Damu-ot Temieniburg in einem unbewachten Moment Selbstmord, iudsm er durch einen Stich ins Herz seinem Leben ein Ende bereitete. Tennenibuog und seine Fauvilie waren in der ganzen Gegend ihres Wohnortes Brooklyn außerordentlich bal-iebt und bei dem Leichenbegängnis des Opfers der Immigrationslbarbarei wurde der Entrüstung über die unmenschlichen Bestimmungen der amerikanischen Einwanderungsgefttze laucher Ausdruck verliehen. Die amerikanische Einwanderung. Washington, 8. September. (Wolfs.) Die soeben veröffentilichte Einwanderungsstatistilk zeigt, daß das neue Einwanderungsgefttz in wirksamer Weise den Zustrom der Ausländer zurückhielt. In dem mit -dem Monat Juki endenden -letzten Einwanderungsjahre sind nach der Statistik insgesamt 294.090 Personen eingewandort. Dies bedeutet gegenüber dem Vorjahr einen R ückgäng um 6800 Personen. 93.000 Personen sind in ihre alte Heimat zurückgebchrt. Sie Moffulfrage. Die Tüskei verlangt eine Bolksaivstinttnnng. Genf, 8. September. (Schweiz. Dep.-Ag.) Wie verlanttet, hat die türkisch« Delegation von der Regierung «in Angora telegraphisch die Weisung erhalten, in der Mossulftage unnachgiebig zu bleiben und wem: möglich eine Volksabstimmung ün strittigen Gebiet zu beantragen. Der Berichterstatter des Bülkevbundra-ties, der schwedische Minister des Aoußern Nnden, Hai seine Besprechungen mi-l Vertreten! der britischen und der türkischen Delegationen fortgesetzt. Die BevhaMnn'gen gehen langsam vovwärt-S. Mau zweifelt daran, daß der Bölkerb'undrat i« seiner gegenwärtigen Tagung zu einer Lösung der Frage gelangen wird. Man fpvicht bereits davon, daß die AiMlogenheit voraussichtlich den Rat auch in seiner Dezembertagung beschäftigen wird. Ler Krieg in Marotte. Verluste dev Spanier. (Eigendieust der „Wiener Morgenzeit-mig".) Paris, 8. September. Die vevei-nigte spanisch^franMsche Flotte hat gestern und 'heute eine Beschießung der befestigten Stellungen der Rifkabykn durchgefühvt. Die Spanier versuchten sodann auch eine Landungsaktion, die aber bald aufgegeben werden mußte, da die hartnäckig Widerstand leistenden Rifleute den Spaniern schwere Verluste beibrachten. Abd el Krim -versucht, die Verbindung zwischen Tanger und Larasch abzuschneiden. Er selbst kommandiert an der Ostfront, ivährend die Westfront von seinem Brüder geleitet wird. Nachmittags kamen Meldungen aus Fes, daß die Spanier Tetuan entsetzt hätten, da die erlittenen Verluste eine JrontveMrzungd notwendig gemacht hätten. Eine amtliche spanische Meldung behauptet, daß nachmittags eine Truppenlandung in der Bucht von Al-hucemaS geglückt -sei. 6ine politische Polbeiabteiluug in Sachsen. Dresden» 8. September. (Tel.-Komp.) Die sächsische Regierung hat die Schaffung einer politischen Polizeiabteilung beschlossen. Beim Dresdener Polizeipräsidium wird eine aus 30 Mann bestehende Spezialtruppe gebildet. Ebenso soll auch in Chemnitz und Leipzig eine politische Abteilung der Polizei errichtet werden. _____ Set deutsch-englische -andelivertrag. London, 8. September. (Wolfs.) Wie das Foreign Office mitteilt, wurden heute die ftatffi!atfon2ittfunben; zum deutsch-englischen Handelsvertrag ausgetauscht.

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