Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 7 (1925)
- Issue
- Heft 2350 (6.9.1925)
- Date
- 1925-09-06
- Page
- Seite 6 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Seit« 6 Dien. Sonntag Wiener Morgenzertimg 6. September 1886 Skr. SS« Lyoner Seidenhaus | “WlÄSffi!,1 Moritz Krausxjun., l,Kohlme*serg. 7 gegenüber Hotel Metropole) | und SefiulfurtiKIt r intereaaef BMUMIoenSi die In untrer I MISSE40JB4n9ft | CNefburg) ausgestellten i Moee'le eigener B> Zeugung | ■nzeltlBeke sind w OrlginauBngtvaprel'en I. Kehlmeaa rgaeeo f erhältlich stotzes rollte der Triester D Zug auf dem anderen Geleise vorüber und fuhr in die hinüberragenden Trümmer hinein. Fünf Passagiere und sechs Eisenbahn bedien» stete wurden durch Glassplitter leicht» ein Zollbeamter und ein Eisenbahnbedien steter schwer Verletzt. Beim Güterzug wurden die Lokomotive sowie mehrere Güter» wagen beschädigt. Der D-Zug erlitt durch diesen Vorfall eint mehrstündige Verspätung. Gestern mittags stieß in der Halle des Franz-Josef» Bahnhofes der zum Abgehen nach Gmünd bereit gestellte Zug infolge zu großer Geschwindigkeit beim Einfahren mit drei am Ende der Halle stehenden Waggonzusammen. Zwei Waggonstellten sich auf. einer wurde auS dem Geleise gehoben. Verletzt wurde niemand. Heimlehrer-Poft. Da wir die löbliche Gewohttheit haben, unsere Ferren im Auslande zu verbringen, und für die Mitteilung: „Halloh, halloh! Wunder der Technik, ganz neues Hosenträgerpatent" oder „Frische Sendung echt russischen Kölnerwassers", nicht gerne das teure Auslandsporto bezahlen, lasien wir uns unsere „Post" nicht nachsenden. Die wird vielmehr von einer hilfsbereiten Nachbarin getreulich auf-- gestapelt, so daß uns bei der Heimkehr immer drei mächtige Stöße mit Briefschaften erwarten. Während ich in den Schränken und Koffern herumkrame, umschleicht mein Mann diesen Berg, wirft scheue Blicke auf die obersten Blätter und zupft hie und da eine Karte oder einen Brief heraus, wie ein Kanarienvogel (mit dem er sonst keine Aehnlichkeit hat) an den Salatblättern zupft. Von dem Inhalt der Korrespondenz werde ich durch kurze Mitteilungen auf dem Laufenden erhalten: „Die Jella hat schon wieder einmal geheiratet. — Covosricol wird in einer neuen Packung ausgegeben. — Die Frau Dr. Pempelberger hat eine andere Telephonnummer — glaubst du, daß man ihr gratulieren soll?" Selbstverständlich bin ich mir klar darüber, daß die Frage sich auf Jella und nicht auf die Telephonnummer bezieht, immerhin beantrage ich aber doch eine geordnetere Untersuchungsmethode. Aber bei dem bloßen Vorschlag entflieht der Herr Doktor ans Ende der Wohnung und nähert sich dem Berg erst wieder vorsichtig, tvenn er mich ganz von meiner Arbeit gefangen glaubt. Zu einer wirklichen Durchsicht kommt es also immer erst, bis ich dazu Zeit finde, zunächst die Teilung zwischen unseren Briefschaften vorzunehmen. Dabei gibt es jedesmal heftige Kämpfe, da mein Mann — er liest nicht gerne Briese, aber er beantwortet sie noch viel weniger gerne — von jeder schriftlichen Mitteilung, die nicht seine beruflichen Angelegenheiten betrifft, und trüge sie noch so deutlich seinen Namen, grundsätzlich erklärt, sie sei „eigentlich" an mich gerichtet. So wird meinem Haufen so ziemlich die gesamte „Privatpost" zugesellt und ich muß auf keiner geringen Zahl von Ansichtskarten mit zinnoberrot glühenden Gletschern, unverschämt blauen Seen und hilflos grinsenden Dirndln feststellen, daß es den Leutchen sehr gut geht, und man dasselbe von uns erhofft, sowie etliche launige und atemraubend geistreiche Bemerkungen über den „Wettergott" zu mir nehmen. Die unterschiedlichen Grüße, Verslein und Wünsche, Berichte, Scherze und Anfragen lassen sich in einem Satz zusammenfassen: Ferien sind etwas sehr Schönes, aber sie sin!» nicht jene Zeit, in denen der Geist seine Triumphe feiert. Wenn man drei Dutzend Ansichtskarten gelesen hat, glaubt man schließlich, daß Genua am Millstätter See liegt und Toblach in den Pyrenäen — alle die Orte aber ganz, ganz dicht nebeneinander. Denn es wird von überall genau dasselbe berichtet. Nach den Karten kommen die Briefe. Meine Familie schwärmt nicht fürs Briefschreiben, so siztd nicht allzu viele Korrespondenzen von Verwandten darunter. Nur eine alte Cousine meiner Mutier „ergreift" alle Vierteljahr „die Feder" und teilt mir gewissenhaft mit, wer von den Angehörigen in einem kleinen böhmischen Städtchen, die ich nur dem Namen nach kenne, gestorben ist, geheiratet hat, einen Buben bekommen hat oder „nichts Neues" zu berichten Anlaß gibt. Das ist sehr aufregend. Da — ein Brief, aus Amerika. Eine ehemalige Schülerin, die als Zwölfjährige knapp vor dem Weltkrieg übers große Master gefahren ist und mir von Zeit zu Zeit noch Grüße schickt; ihre Mutter ist vor kurzem gestorben und das junge Mädchen ist nun ganz allein in dem fremden Land. ES geht ihr — sie ist Stenographin — nicht gut, aber sie „macht sich das Leben". Der Brief strotzt von AnglieiSmen und fließt von Heimweh über. Bon Heimweh nach dem schönen, guten, gemütlichen Wien an der dreimal blauen Donau. Daß die Donau grün-grau ist, daß man sie vom Stephansplatz nicht sieht, hat Jung-Berta schon längst vergesten, und daß das gemütliche Wien längst gestorben ist, mag ich ihr nicht erzählen. Sie würde es ja doch nicht glauben. Also unterhalten wir uns in unseren Briefen immer von einem Schatten, von einem Wien, das meiner jungen Freundin jenseits des Ozeans vielleicht viel näher ist als mir. Die Wehmut dieser Betrachtung weicht nüchternen Erwägungen, wenn ich zu den Briefen der Fürsorgebedürftigen greife. Es ist eine ganz nette Anzahl eingetroffen. Bon einer Frau liegen gleich drei da. Im ersten bin ich noch eine simple „Frau Doktor", im zweiten hatte ich die „Profeflorenwürde" erreicht, im dritten spricht sie mich schon „Frau Obermedizinalrat" an — also jedenfalls schnelle Karriere. Die Vorwürfe, daß ich „einfach wegfahre" und sie „so dastehen" laste, steigern sich dementsprechend. Und sie schließt in der „ganz bestimmten Erwartung . . Leider erfüllen sich mitunter auch die allerbestimmtesten Erwartungen nicht. So hat das alte Fräulein sicher darauf gerechnet, daß der Sommer ihren Rheumatismus heilen oder doch mindestens bessern werde, damit sie wieder ihrem Berufe (sie ist Erzieherin) nachgehen kann. Aber erstenwar, wie sie mir mitteilt (der einzige Wetterbericht, den ich mit Zntereffe lese), in Wien kein Sommer, sondern „eine Herbst-Bestie", zweitens ist es ihr noch immer nicht gelungen, Aufnahme im Badener Heim zu finden, und drittens liegt sie zu Bett und wartet auf mich. Ich sehe nach dem Datum — drei Wochen wartet die Frau und hat keinen zweiten Mahnbrief geschrieben. Obwohl sicherlich jedes Wort der Klage wahr ist. Von den beiden alten Schwestern, den Töchtern eines angesehenen jüdischen Rechtsanwaltes, hat die Kranke ein neues Stützmieder bekommen müssen, und weiß nicht, womit sie es bezahlen soll, die „Gesunde" mußte wegen eines Frauenleidens operiert werden. Die Nervenkranke schreibt mir einen wirren, fast unleserlichen Brief voll Selbstanklagen, aus dem ich nur so viel entnehmen kann, daß er ihr herzlich schlecht ergangen ist. Von der alten Witwe mit der kranken Tochter liegen auch ein paar Zeilen da, die ungefähr beginnen: „Da doch jetzt alle besseren Leute auf dem Lande sind, erlaube ich mir, mich an Sie zu wenden . . und die 81jährige läßt mir Mitteilen, daß sie bettlägerig ist. Während ich darüber nachdenke, wem ich für diese Hilfsbedürftigen erfolgreich anbetteln könnte, ohne daß er „schon wieder!" sagt oder mir vorwirft, daß sich die Fälle „wiederholen", greife ich nach dem nächsten Brief. „Hochgeehrte Frau!" heißt die Ueberschrift. Ich habe von meinem Vater die Abneigung gegen Briefe geerbt, die ein „Hochwohlgeboren" auf dem Umschlag und ein „Hochgeehrt" in der Anrede aufweisen. LanMhrige Erfahrung hatten meinen Vater darüber belehrt, daß solche Briefe meist von Leuten geschrieben werden, die „etwas wollen". Aber auch erprobte Schlußfolgerungen können mitunter nicht zutreffen. In dem „hochgeehrten" Brief liegt Geld, schönes, braves, jugoslawisches Geld, und eine Frau, die ich nicht kenne, eine Frau, die nichts von mir weiß, als daß ich mitunter von Hilfsbedürftigen um Rat gefragt werde, schreibt mir, sie wolle nicht ihre Sommerreise, aus die sie^ sich so sehr freue, antreten, ohne mir für ein paar „jüdische Schwestern, denen der Sommer keine Freude» bringt", eine kleine Spende zu schicken. In einem Brief aus der Tschechoslowakei liegt ein Scheck und der Auftrag, das Geld Leuten zukommen zu lasten, „die es brauchen können". Na, dem Manne kann geholfen' werden. Uebrigens schärfen mir beide Schreiber nachdrücklichst ein, daß ich ihren Namen nicht veröffentlichen dürfe — allzu großes Zutrauen zu meiner Diskretion scheint man also gerade nicht zu hegen. Es sind natürlich keine Riesensummen, die ich da bekomme, wenn sie für den einzelnen auch sehr stattliche Beträge ausmachen. Aber die bloße Tatsache, daß jemand ungemahnt, unaufgefordert, ohne Anwendung jener kleinen, sanften Zwangsmaßnahmen, die jeder von uns so genau kennt, Geld schickt, macht mir von neuem Mut. Zum mindesten Mut genug, um — auch noch andere Leute an-, zubetteln. Aufgemuntert durch die beiden Briefe gehe ich beherzt den Rest meiner Korrespondenz durch. Ein neugegründeter jüdischer Fürsorgeverein in Böhmen erweist mir die Ehre, mir ein paar freundliche Zeilen zu senden. Ich freue mich der neuen Kämpfer gegen das Elend, die da erstanden sind. Zum Ausgleich liegt der (gedruckte) Brief einer dem Hakenkreuz nahestehenden „Jungmannschaft" da, die für irgendwelche, ganz gut kaschierte Rassenkampfzwecke Geld braucht und auf unsere „in Treuen bewährte deutsche Gesinnung" vertraut. Da ich leider keine Möglichkeit finde, der geschätzten Gesellschaft meine Ansicht über diese Zurnutung aus dem Briefumschlag bekannt zu geben und fünfzehn Groschen viel Geld sind, begnüge ich mich damit, den Wisch in den Papierkorb zu werfen. Aber da liegt auch ein Brief, sauber mit Absenderadresse versehen, den ich scheu in die Tiefe meiner Schreibtifchlade versenke. Ter Brief ist von einem Arbeitslosen. Ohne den Umschlag zu zerreißen, weiß ich ganz genau, was in dem Brief steht. Obwohl ich fast drei Monate nichts von der Familie gehört habe, bin ich sicher, daß die Verhältniste sich nicht gebessert haben. Für den abgebauten geistigen Arbeiter gibt es keine Hilfe. Vielleicht hat sich des Lungenleiden seiner Frau verschlechtert, vielleicht ist eines von den schwächlichen Kinder auch erkrankt. . . Nein, ich wage es nicht, den Brief zu öffnen. Wenn ich auch viel Not gesehen habe — ich wage eS nicht, diesem Elend ins Auge zu sehen. Dem Mann ist nicht zu helfen. Denn er will arbeiten. Klara Mautner. Sie öffentliche Sicherheit in Men. Rückgang der Kriminalität. Aus einer von der Wiener Polrzeldiroktron veröffentlichten Statistik über den Zustand der öffentlichen S i ch e r» heit in Wien im Jahre 1924 ist zu entnehmen, daß der allnrähUche Rückgang der Kriminalität auch im Jahre 1924 angehatten hat. In diesem Jahre ist in Wien bei einer Einwohnerzahl von nahezu zwei Millionen Seelen ein einziger R a u b m o r d f a l l vorge-kommen. Besonderstark erweist sich der Rückgang der Kriminalität beim Diebstahl. wo der Ws all an Polizeiintörventionen fast ein Drittel gegenüber dem Jahre 1983 beträgt, AeiU Betrug ist dagegen der Abstieg der Elnilieferungen wettaus geringer. Am klarsten läßt sich der Rückgang der Kriminalität durch nachstehende Daten des Sicherheitsbureaus, wo die schwevsten Kriminalfälle behandelt werden, illustrieren: DaS Sicherheit-- buveau erledigte im Jahre 1SL8 8866, im Jahre 1928 2690 und im Jahre 1924 mehr als 192« Fälle. Während im Jahre 1923 noch 1262 Beschuldigte den Gerichten eingettefert wurden, beliefen sich die Cinlioferungen im J<chre 1984 nur mchr auf 829. Don den Arrestanten waren kn Haft wegen Kreditpapier» Verfälschung vm Jahre 1938 79, rm Jahre 1934 46. Wegen Mordeim Jahre 1933 18. im Jahve 1934 24, wegen Raubeam Jahre 1923 7, rm Jahre 1984 8, wegen Diebstahls im Jahre 1923 1489, im Jahre 1924 926, wegen Betrügerm Jahre 1923 883, im Jahre IM 601. Der Bericht bemerkt, daß trotz de- Börsenkraches im Jahre 1924 und der in seinem Gefolge auSgelbrochenen wirtschaftlichen Krise die sinkende Tendenz der Kriminalität keine ausschlaggebende Beeinträchtigung erfahren habe, wenn auch diese Erscheinung in einzelnen Belangen insbesondere hinsichtlich Krida usw. entsprechend auf die Gestattung der Kriminalität wirkt. Verittoldrdorf. An weinbekränzten Hügeln hingelagert dehin sich knapp vor den Taren Wiens der alte Markt Perchtoldsdorf Ms. Sei: Jahrzehnten ist dieser schöne Ort mit seinen langgestreckten BiUenkolonien eine beliebte Sommerfrische der Wiener, die ihn auch sonst gerne an Sonntagen besuchen, um den „Henrigen" seiner sonnigen Fluren zu schlürfen oder auch in den bewaldeten Bergen, die sich im Hintergründe des Perchtoldsdorfer RebengeländeS erheben, Amg' und Lunge zu erquicken. Die meisten Fremden steht Perchtoldsdorf aber, tpenn am zweiten Sonntag nach dom Fronteichnamstage seine Hauerinnung zu dem weil und breit bekannten sarbenprächttgen Schauspiel des „Umganges" ausrückt. Denn Perchtoldsdorf ist. wenn es auch einmal fast ganz protestantisch war, nach 'langwieriger und schrittweiser GcgenveformationsarLeit bis auf einige jüdische Billenbesitzer I nnd einem jüdischen Arzt schon lauge wieder streng katholisch, j Der Bürgermeister des Marktes, Herr Hochmayer, ein eisiger! Christlichsozialer, der im übrigen sehr viel für die Hebung des I Ortes tut und mit großem Verständnis seine Denkwürdigkeiten I pflegt, wird aber vielleicht nicht sonderlich «davon erbaut sein, s daß auch Perchtoldsdorf seine jüdische Geschichte hat. Im i 14. Jahrhundert besaßen zahleiche Juden m PerchtoDdsdorf j Häuser und Grundstücke und gegen Ende desselben Jahrhun! derls nannte sich der Marttrichter Hans Lang, also einer der Amtsvovgänger des heutigen Bürgermeisters, .Markt, und Judenrichter". Mein schon im Jahre 1431, zur Zeit der Wiener Ge serah, verschwand die Perchtoldsdorfer Judengemeinde vom Schauplatz der Geschichte und 'hinterließ nur das heldenhafte Andenken der Mischen Frauen, die sich dort und im nahen Mödling, «um der Zwa-ngstcm.se zu entgehen, selbst das Leben nahmen. Perchtoldsdorf für uns also oin heiliger Ort, ein Orr. der das Gedenken an jene Märtyrerinnen bewahrt, die Himmel» hoch über einem großen Teil der Jüdinnen von heute stehen. Wie oft opfern doch diese ohne äußere Nötigung Volk und Glan den, um nur einem Tanzschul- oder Bu«reau'bekainrten die Hand fürs Leben reichen zu können, ohne zu bedenken, daß auch das jüdische Voll als historisches Ganze ein Interesse daran Hai, fein« Töchter nicht Frsmvstämmi-gen hingegeben zu sehen . . . Lange Zeit sah Perchtoldsdorf nach diesen grauenvollen Er. eignissen de- Jahre- 1421 keine Juden «und auch zur Zeit, als in Wien das zweite Ghetto im ,Mieren Werid" in voller Blüte stand, kam es vor. daß eine Jude, der in Perchtoldsdorf Wein getauft hatte und diesen wegführcn wollte, durch den Marttrichter mit Gewalt daran gehindert wurde, o'bwchl im sOen Jahre (1666) der Rat von Perchtoldsdorf m Anbetracht der finanziellen Bedrängnis des Ortes beschlossen hatte, für die Zulassung der Juden zu den Wochenmävkten einzutreten. Solch« Zweideutigkeit im Verhalten der österreichischen Bevölkerung gegenüber den so nützlichen und doch so ungern gesehenen Juden mutet «uns auder neuesten Geschichte Oesterreichs ziemlich bekannt an; di« PerchtoldSdorfer Bürgerschaft bekam aber nur -u bald andere Sorgen und erfuhr nun in grausiger Progression am eisernen Leibe Im Jahve 1603 durch barbarische Tüvkeichotden das Schicksal, das sie ihren jüdischen Mitbürgern einst bereitet hatte, indem fast die ganze männliche Bevölkerung niedergemetzelt, Frauen und Kinder in die Gefangenschaft geführt und der ganze Markt ein Raub der Flammen wurde. Langsam nur erholte sich Perchtoldsdorf, das durch Siedler aus allen Teilen Deutschösterreichs wieder aufgebaut wurde und sich auch Wetter nach der allen Freiheiten und Gerechtsame erfreute. Im Jahre 1719 wurde vom Perchtoldsdorfer Markt» richter daletzte Todesurteil gefällt und vollzogen und noch heute wird im Rathause der umfangreiche Akt in dieser Angettgrnheit aufbewahrt, dem das sogenannte Taschenfettel beigebunden ist, mit dem die Berbrecherin — denn um eine solche handelte eS sich - ein ihr andertrautes Kind nmgobracht hatte. Die Tat als solche kann uyS zwar nicht sonderlich in Staunen versetzen, da heute kaum ein Tag ohne Kindermord vergeht. Während aber jetzt diese Kindermorde bloß immer wieder auf eine der Üaffendsten Wunden unserer Zeit Hinweisen, für die nicht umsonst das Verbot des Tötenim Dekalog in unmittelbarer Nachbarschaft de- Verbotes der sexuellen Unsittlichkeit sicht, da die Uebertretung deS einen Verboteoft zur Uvbertretung de» anderen führt, ist dieser PerchtoldSdorier Kindermord in seinen Motiven so kindlich naiv, wie eS nur auS dem Aberglauben und der Unwissenheit feiner Zeit erkläct werden kann. Die Wrderin Ä>a| nämlich keine „ledige Mutier", sondern eine Fra«,