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Wiener Morgenzeitung · 1925-09-06 · Heft 2350 (6.9.1925) · p. Seite 7

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
7 (1925)
Issue
Heft 2350 (6.9.1925)
Date
1925-09-06
Page
Seite 7 (sequence 7)
Language
German
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Wiener Moraenzertrrna 6. Teptembek Seit«? **». «***?_Msn, GonMg die sich in ihrer kinderlosen Ehe unglücklich gefühlt und in ihrem Lebensüberdruß beschlossen hatte, auf dem Umwege über die Ermordung eines KinbeS diese- Leben von sich zu werfen. Die im Jahre 1421 dem Verfolger entronnenen Juden an- Wien und den niederösterreichischen Landgeineiirden und somit auch a-uS Perchtold-dovf fanden zum Teil in den der Familie Esterhazy gehörenden „Sieben Gemeinden" des Henri« gen DurgenlandeS eine neue Heimat und pflmyten dort in verhältnismäßiger Ruhe den in mannigfachen Verfolgungen nur gekräftigten Geist echten Menschen, uird Judentums fort. Eine vielleicht nicht so ganz bedeutungslose Fügung deS Schick« sals wollt« nun, daß fast 400 Jahre später, im Jchre 1810, in einer dieser Gemeinden, und zwar in Eisenstadt, ein Christ daS Licht der Welt erblickte, ein Mann, der nach jüdischer Auffassung zu den Gerechten unter den Völkern gezählt werden muh, die ebenso Anspruch auf einen Anteil am Leben der künftigen Welt haben wie die Gerechten in Israel. I o s e f H y r t l hieß dieser Mann, der, fast erblindet, die letzten zwanzig Jahve seines langen und an Werken -überaus reichen Lebens in PerchtoldSdarf zubrachte, als sollte er aus der Pflegestätte unverfälscht jüdischer Geistes- und Herzensbildung, die feine Vaterstadt in seinen JngeMochre« darstellt«, wahrhaft christlichen Geist in jenen Ort MMlanzen. in dem einst jüdische GlaubenKzeugen mit dem „Echad" auf den Lippen sterben muhten. Hyrlt ivar als Anatmn berühmt, doch was ihn so sehr von unseren wissenschaftlichen Kapazitäten von heute unterscheidet, über deren Antisemitismus man sich auf jüdischer Seite nicht genug wundern kann, ist oben der Umstand, dah seine Gelshrsanrkeit nicht bloß bernfSmähige Geistesbildung, sondern vor allem echte Herzensbildung war. Unter den vielen Schriften Hyrtls, die im PerchtoDsdorfer Hyrtl-Mufeum einen ganzen Schrank feines Studierzimmers füllen, interessiert den Juden und Nichtmediziner am meisten die über das Arabische und Hebräische in der Anatomie; in geisteSgeschichttlcher Hinsicht am wichtigsten ist aber sicherlich seine Schrift gegen den Materalismns, die den großen Naturforscher evst in seiner wahren menschlichen Größe zeigt und ihn zu einem Vorläufer und BorauMnder des jüdi« schon Philosophen Bergson stempelt. Bei HyrtlS Einstellung gegenüber den höchsten Fragen der Menschheit ist es weiter gar nicht verwunderlich, daß er fein ganzes Bevmögen der Errichtung eines großen Waisenhauses, das in Mödling erbaut wurde und feinen Nanreu für immer verewigt, und einer Kindetbewahranstalt in PerchtotdSdors widmete. Er selbst aber lebte äußerst einfach und anspruchslos und in seinem Arbeitszimmer wird noch jetzt, 30 Jahre nach, seinem» Tode, der unscheinbare, verschossene Rock gezeigt, den er aus seinen Spaziergängen trug. Auf einem dieser «chraziergänge geriet der greise Gelahrte in einen Wirtshausgarten, in dem einige Studenten saßen. Hyrtl trank in einem Winkel ruhig sein Gläschen Wein und kümmerte sich scheinbar nicht im geringsten um die Sticheleien der Studenten, die sich über den ihnen unbekannten Mann im einfachen Rock luftig machten. Ehe er aber fortging, schrieb er «inen Zettel, den er auf seinem Tische liegen ließ, und die Studenten machten recht verdutzte Gesichter, als sie auf diesem Zettel die folgenden Worte lasen: ..Wenn mancher Mann wüßte, wer mancher Mann war' (Mb' mancher Mann manchem Mann manchmal mohr Ehr Hyrtl." Es gäbe wohl wahrscheinlich auch iveniger Judenhaß» wenn Juden und Judentum besser gekannt und verstanden würden, und der große Gelehrte und Mensch Hyrtl in seiner bescheidenen Einfachheit, die den Spott nlklustiger Jugend her« ausfovderl, ist das beste Bild der Situation unseres Dockes, des Volkes der Schrift im Exil. Verkannt und oft auch verachtet ist es ein Hyrtl unter den Böllern, ein. Träger der Tugend und des Lichts und wird unentwegt Gutes stiften und die Leuchte der Erkenntnis hoch halten, bis alle Führer der Volker, wie Hyrtl sein und alle Perchtoldsdorfer der Welt ihrer Geschichte die Erkenntnis abgecungen haben werden, daß alle Gewalt nur wieder Gewalt zeugen muß und nur die Liebe besteht. _ L. Mose s. * Die kleinste Republik. Bisher galt als di« kleinste. RepuMif Europas immer, der Miniatuvstaat von San Martina. Es gibt aber noch ein winzigeres Staatsgebiet, daS ist die kleine Insel Tavolara, die etwa zwölf Kilometer von Sardinien entserrtt im Mittelnreer liegt. Dies Eiland hat eine Länge von kaum ztvölf Kilometer und wird von 55 Menschen, bewohn:. Tavolara erlarmt« seine staatliche Selbständigkeit im Jahre .1836, als die Insel der Bartolioni-Famili« überlassen wurde. Bis 1882 regierte hier friedlich Paul der Erste als König. Bei seinem Tode aber erklärten die Inselbewohner ihr Land für eine Republik. Nach der Verfassung wird der Präsident kür zchn Jahre gewählt und sowohl Männer wie Frauen haben 'Ltimmrecht Sie Sioniftitche Organisation in 8 tauen. Bor dem Kriege stand der zionistische Rayon von Litauen unter der Kontrolle der zionistischen Zentrale von Rußland. Infolge des Kriegsausbruches ruhte fast die ganze zionistische Arbeit in diesem Kreise. Nach der Anerkennung Litauens als selbständiges, unabhängiges Land im Jahre 1919 schritten die Zionisten Litauens an den Wiederaufbau und die Befestigung der zerstörten zionistischen Arbeitsgebiete. In der damals «inberufenen zionistischen Landeskonferenz lourde eine neue Zentrale mit Doktor Benjamin Berger an der Spitze getvählt. Diese Zentrale besteht auch heute uoch und nimmt einen sehr angesehenen und wichtigen Platz im öffentlichen und nationalen Leben des litamfchen Juden tnms ein. Es bestehen heute bereits vier zionistische Landeskomitees und die Zentrale steht mit 90 litauischen Städten in ständiger Verbindung und Korrespondenz. Die Organisatton besitzt ein eigenes Tagblatt, das unter dem Titel „Die jüdische Stimme" von .Herrn Rubin stein redigiert wird und als einziges jüdisches Tagblatt in Litauen einen erkennbaren Einfluß auf das gesamte jüdische Laben Litauens ausübt. UeberdieS gibt die Organisation eine hebräische Halbmonatschrift ,Led Lita" heraus. Redakteur dieser Zeitschrift ist Moses Cohen. Die zionisti sche Zentrale erhält auf e.gene Kosten ein hebräisches Leh rerseminar und nimmt an allen Kulturarbeiten der Tar buth in Litauen aktiven Anteil. Für die Erfolge diese! Tätigkeit sprechen daS große hebräische Schulnetz in Litauen welches ein- Anzahl Volksschulen und Gymnasien umfaßt sowie die große Zahl der Kinder. Jünglinge und ältere! Menschen, die die hebräische Sprache bereits vollkourmer beherrschen und sich ihrer als Umgangssprache bediene» Hevvorzuheben sind ferner die von der Ziouistischer Organisation gegründete und erhaltene Bibliothek nnl Lesesaal auf den Namen Abraham Mapu sowie die dm". Jugendorganisationen, und zwar der Verband der zion.','tischen Studenten Al Hamischmar, ferner Makkabi und du Scouts, welche alle dem Geiste nach zionistisch sind. De» Einfluß des zionistischen Geistes in: gesamten öffentlicher »rationalen Leben »nacht sich bei allen Aktionen fühlbar. Er beeinflußte den Aufbau der nationalen Autonomie, dir Schaffung des jüdischen Ministeriums, des Nationalralcs. des Verbandes der Gemeinden usw. sowie auch im Landtag Der Vorstand der Zionistischen Organisation in Litauen. (In der Mitte sitzend: Minister a. D. Dr. H. Rosenbaum-Minsk.) in den städtischen Verlvaltmrgen wie auch in den nichtzionistischen Organisatior^n der zionistische Eirrfluß sich immer durchsetzt. Obgleich der Zionismus auf seinem Wege immer auf Widerstand von rechts und von links stößt, hat er bis jetzt in feiner Galutharbeit stets den Sieg davor»- tragen können. J»n Jahre 1923 schuf die zionistische Zentral« eine Abteilung zur Verbreitung der Kolonialbankaktien, bisher wurden etwa 8000 Aktien »lntergebracht. Auch die Privatinitiative mtter den Juden Litauens hat die zionistische Arbeit mit Erfolg belebt. Während der letzten zwei Jahve halben Juden aus Litauen Zehntausonde von Pfund in Boden, Pflanzungen und Jndnstrieunternehmunger: in Ercz Israel invoftiert. Seinerzeit hat die zionistische Zentral« in.Litauen auch bei der Regelung der DurchzugSjvanderung der aus Rußland gekommenen Chäluzim wertvolle Arbeit geleistet. In: Palästinaamt sind die Vertreter sämtlicher Richtungen im Zionismus vertreten, die Auswanderung ans Litauen nach Erez Israel »rächst von Tag zu Tag an und in jüngster Zeit beginnt auch der Mittelstand und die bemitteltere Klasse nach Palästina auszuwandern. Zur Gründung und Erhaltung der landwirtschaftlichen Farn: Kibusch, in welcher die Chaluzin: aus Litauen ihre landwirtschaftliche Vvvschnlung erhalten, — gegenwärtig sind 50 Chaluzin: dort beschäftigt — sowie bei der Gründung der Tischlerwerkstätte Awodah, in welcher eine groß« Zahl Chaluzin: ihre Fachausbildung erhalten, hat die zionistische Zentral« in Litauen große Beträge beigcsteuert. Aus beiden Unternehmungen sind bereits' mehrere Challczim »:ach Erez Israel geschickt »vorder:, lvo sie sich auf ihrer: Arbeitsgebieten außerordentlich belvähven. Die zionistische Zentrale betrachtet es auch als ihre Aufgabe, die Produkte Er«; Israels in Litauen zu verbreiten. Sie hat seinerzeit Erzeugnisie des Bezalel im Werte von 260 Pfund bestellt und unlergebracht. Trotz der wirtschaftlichen Krise im Lande, welche auch die Lage der Juden verschlechtert hat, wird die zionistische Arbeit auf allen Gebieten, so auch zugunsten des Keren .Hajesiod »:ud des Nabroualsonds, mit Liebe und Aufobfe rung geleistet. Dem ziomstischen Zentralrat in Litauen gehören an; Präsident Dr. Benjamin Berger, Sekretär A. Rabinowicz und die Mitglieder A. Jdelson, Dr. M. Wolf, M. Jätkonöki, M. Cohen, Dr. A. Lapin, I. M. Elferin, Dr. Feldstein, L. Cernes, Dr. I. Robinson, R. Rubinstein und Dr. M. Schwarz. Der singende Hahn von Kairo. Ju Kairo, der ägyptischen Märchenstadt, hat sich ein, Episode zugetvagcn, die in: ganzen Morgenland jetzt schallend« Heiterkeit erweckt. Ein wohlhabender Kaufmann, der seit Iah' reu nur noch seiner religiösen Erbauung lobt und alltäglich private Berfammilungor: in seinem Hanse abhält, bei denen eifrige Diskussionen über schwierige Probleme des Koran gefi'chrt zu tverden pflegen, lud vorige Woche einen angeblicher maurischen Scheich, dem der Ruf besonderer Frömmigkeit vorausging, zu Gast bei sich ein. Ter Scheich nahm nach einigem Zieren die Einladung an. In der dritten Nacht, die er in den« Hanse seines Gastfrcnudes zubrachte, erivachtc dieser plötzlich gegen Mitternacht von dem: Krähen eines Hahnes. Schlaftrunken fragte er sich, woher das Tier wohl gekolmnen sein möge, denn tveder von ihn: selbst noch von irgend jemandem in der näheren und ferner«:: Umgebung wurden Huhne: gehalten. Während er so sann, ließ sich der Hahn von rrouen: der nchnreu. Aber diesmal krähte er nicht, wie or zuerst getar hatte, sonder.»» begann zu singrn, m:f eine zltvar unverkenuba: 'hahnenart'ige, aber gleichwohl außerordentliche melodiös« nnt > F Eine neue Art Seife für die Familienwäsche Uta lv»« o!n P»ket lYInt» h» 3 bl» 4 Liter «iedendem Weiser ontor stetem Umführen «of. .\Isdenn ifloüsc uum «liu IjÖsubk in einen Wa&chtrog mit tanw&mcro \V»8»«jr und weiche die Wüsche denn eilt. ... F iliWM i« kl« LuX'FsbFibBQ.

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