Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 7 (1925)
- Issue
- Heft 2350 (6.9.1925)
- Date
- 1925-09-06
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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6. September 1926 Nr. mo Wien, Sonntag Wiener Moraenzeitrma Sefterreich als Hotel Unmerknnsen zu einem Vorschläge -er „Times". Von Egon Tietrichstem. Die „Times" empfahlen den Oesterreichcrn kürzlich, ein Volk von Hoteliers zu werden. Der Rat inag etwas spitz, vielleicht sogar boshaft sein. Die Absicht beiläufig» Illusionen und Träumereien, die Erinnerungen, aber leinet: Nährwert enthalten, zu zerstören. Begreiflich, daß solche Illusionen, das Kokettieren mit der alten Tradition nicht gerade beifällig aufgegebcn werden und ein Dolk, das in der Literatur als „Phäaken" geführt wird, nicht eben mit Jubel in ein Gastwirtcvcrzeichnis übersiedelt. Es ist ein nüchterner, praktischer, wenn auch nicht gepade wohlwollender Rat. Aber, mit Berlaub, hören wir jetzt nicht im eigenen Lande ähnliche Ratschläge, Würde und Noblesse endlich aufzugeben, um das Leben zu retten? Warnt nicht die Universität, warnen nicht die akademischen Berufe die jungen Leute, durch die Engpässe strenger Studien schließlich eine Jntelligenzhöhe zu erklettern, die sich von anderen Höhen durch Mangel an Aussicht unterscheidet? Predigen nicht die berufenen Autoritäten, die Jugend möge Standcsvorurteile opfern, um das Nützliche zu unternehmen? Die „Times" haben nichts anderes getan: Sic haben dem jungen, neuen Oesterreich geraten, die Hofrats-, Generalstabs- und Privilegiencarricre aufzugcben, um den Anschluß an den internationalen Bedarf zu finden. Die natürlichen Voraussetzungen für diesen neuen Beruf sind reichlich gegeben, wie jeder Fremdenführer durch Oesterreich bestätigt: Die Alpen, die Donau, nicht zuletzt Wien selbst sind genug, aber gewiß nicht zu viel gelobt worden. Oesterreich kann cbensoviele Baedeker-Sterne wie die Schweiz aufbringen. Die Schweiz erfreut sich als Hotelicrgenossenschaft des höchsten Ansehens, keinem fällt es ein, Gottfried Keller oder den edlen Wilhelm Tell darüber zu vergessen oder in dem Schweizer Bürger die Personifikation des Markörs zu erblicken. Wir sehen, wieder an der Schweiz, daß mit dem Fremdenstrom der Geldstrom ins Land fließt, daß die Wirtschaft blüht, daß die Ernte der Gewinste hoch emporwächst, warüin sollte man also dieses Beispiel nicht durchaus nachahmenswert, nicht wünschenswert finden? Belustigen wir uns also nicht über den durchaus diskutablen Vorschlag, die Tradition und die sogenannte historische Mission, die uns die Pflicht anferlegte, die bunten Nationen zu vereinigen, als unbrauchbar m Geschichts- Werken friedlich zu bestatten und die Möglichkeiten der Gegenwart zu verzinsen. Unsre Industrie hatte im Frieden, denn zweideutigen Wahrspruch getreu für den Krieg gerüstet, war mit Waffenlieferung, mit Kriegsmunition, mit Panzerplatten beschäftigt. Wir haben — Gott sei dank — die Aufträge des k. k. Kriegsministeriums endgültig eingebüßt. Unsere Industrien klagen über Mangel an Tätigkeit. Wenn wir, wie die „Times" uns empfehlen, das Hotolgc- »veribr intensiv zu pflegen bereit wären und wenn, vor allein:, die finanziellen Kräfte uns in diesen: Streben unterstützten, unsere Industrien wären mit dieser Umstellung ^vollauf beschäftigt. Wi umßten freilich zunächst die zum ,/Volk der Hoteliers" gehörigen Hotels schaffen. Mt den Dolomiten 'haben wir die prächtigsten Hotels verloren. Und unsere angeblich so 'beliebter: „Fre-mdenverrkehrsgebiete", wie das Salzkammergut, Oberösterreich, wie selbst Tirol, werden mit der intensivsten Propagandatätigkeit nicht Hotels im nwdernen, großzügigem Stil aus der zweifellos herzlichen, an Jremdenattraktiorren so reich gesegneten Erde stampfen. Der Gott, der Gletscher wachsen ließ, der kannte keine Leserämne, kein fließendes Wasser, keine Drahtseilbahnen, keine Liftboy. Deshalb werden die Berge und Seen, fromm und bieder, im Naturzustand erhalten. Die Steiermark finden die Steiermärker so wunderschön, daß sie ihr Land nicht durch solche großstädtische Einrichtungen stören wollen, den Fremden bessere Mansarden anweisen und seine:: Wunsch nach Schreibzeug und Löschpapicr mit der Frage erwidern, ivarum er eigentlich nicht zu Hause geblieben wäre. Die Donau, las ich kürzlich irgendwo, sei schöner als der Rhein. Wer sich davon überzeugen wollte, müßte in Ubikationen übernachten, die euphemistisch ,/Nasthöfe" ge-- ugnnt werden. Wenn wir also Fromdenverkehrsindustrielle werden wollen, um den unliebsamen Ausdruck ^Hoteliers" zu Portneiden, dürftet: wir vor allem die Fremden nicht eistladen, Oesterreich zu entdecken, wie einen Forscher, welcher der Wissenschaft jede Behaglichkeit opfert und sich sogar, wenn es sein muß, von den Kannibalen anffvefsen laßt, sondern wir muffen den Freunden vor allem den Komfort der Schweiz geben. As Conditio sine qua non. Wir.dürfen, wenn wir Fremdenverkehrsinteressenten werden wollen, nicht warten, bis Oesterreich entdeckt wird. Wir warten nun 'schon seit Jahrzehnten auf die Entdeckung Oesterreichs durch die Engländer und Amerikaner. Wir müssen ihnen schweizerische Hotel- und Reisekultur vorbereiten, )>amit sie bei uns leben können. Es ist wahrhaftig keine Schande, ein Bckk von Hoteliers zu sein. Es ist bloß einigermaßen peinlich, Fremdenverkehr ohne Hotels, ohne Fremden oder mit Fremden, die Mit sehr ausgiebigen Geldbeträgen das Versprechen zurücklaffen, das nächste Jahr nach Italien zu reisen, eröffnen zu wollen. ' Wir müßten jedoch, um den Rat der Engländer voll evfüllen zu können, nicht nur ein Volk von Hoteliers sondern auch gewissermaßen ei»: Volk von Eisenbahnern werden: können. Selbst der glühendste Patriot wird nicht leugnen, daß man bei uns in die wahrhaft herrlichen Hpen, an die wirklich lieblichen Gebirgssee!: in einer Eisenbahngarnitnr fährt, die, Im Vergleiche zu England, Deutschland, Frankreich, nur bedauernswert genannt wer. den kann. Die Eisenbahitverwaltung führt die Ursache der Beschwerden auf die mangelnde Disziplin des Reifepublikums zurück, .das vielfach Papierschnitzeln und Abfälle im Caupee zuvückläßt . . . was gewiß außerordentlich tadelnswert ist. y Wenn aber die Wiener Bahnhöfe die zweckmäßige Einrichtung von Aufzügen nur für Gepäckslästen und nicht für „Fahrgäste" kennen, wenn die Restaurationen, Büfetts, namentlich außerhalb Wiens, den Nachtverkehr nicht zur Kenntnis nehmen, wenn au den Bahnhchschaltern der Landstationen zwar eine Amtsperson sitzt, die aber nrit der Fahrkartenausgabe nicht fertig wird, fo kann dies nicht der unmilitärischen Disziplin des Reisepüblikunrs zum Vorwurf gemacht iverden. Man müßte sich überhaupt — selbst wenn wir nicht den Vorschlag der Engländer akzeptieren — daran gelvöhnen, in dem Reisenden nicht einen lästigen Eindringling, sondern eine Kundschaft zu sehen, deren Wünsche nicht als »/Beschwerde" abweisen, sondern zu erfüllen trachten. Freilich: Auch zu Hoteliers muß man erzogen werden. Diese Erziehung beginnt bei uns etwas spät. Sie beginnt vor allem damit, daß man die Fremden, namentlich in: Lande der Viehweiden, verfolgt. Und die Erziehung zum Fremdenverkehr müßte vor allem das oberste Gebot «befolgen, die Fremden zumindest human zu behandeln. Ein Volk von Hoteliers nmß vor allem ein Volk höflicher, hilfsbereiter Menschen sein. Hier liegt die höhere Weisheit des englischen Ratschlages. Sin Senkmal Wischer Satdeckertatea. Die nordbrasilianksche Insel „Fernando Raronia". W. Latzki-Bartholdi, der als Delogierter des jüdischen Cmigrat io n sdi r cf tovkm s und der Melthilsskonscrenz zusammen mit -der Emigrationskommisfion des Völkerbundes die südamerikanischen Länder bereist hat, um Giniwanderungsinöglichkeiten für Emigranten zu erforschen, besuchte auf seiner Reife auch die dem nordbrasilianifchrn Strand vorgelagerte Insel Fernando N a r o n i a. Diese Insel, die ungemein reich an Natnrschönheiten ist, dient jetzt der brasilianischen Regierung als De p or t a t i on sstatte für Politische, aber auch Kriminalvevbrecher. Durch den an eine berühmte Portugiesische Mara n n e u fami I i c anklingenden Namen der Insel aufmerksam geworden, ging Herr Latzki-Bartholdi den näheren Umständen und «der Geschichte der Insel nach und ermittelte auf Grund von historischen Dokumenten, wie I. T. A. mitteilt, folgendes: Die Insel ist tatsächlich nach einem berühmte n Portugiesischen Gelehrten, Entdecker und Seefahrer, Fernando N a r o n i, benannt, der, wie geschichtlich feftgsstellt, in der Periode der Religionsversolgu iigen in Portugal zum Scheine den katholischen Glauhen annahm. Damit hat es folgende Beüvandtn'is: Fernando Naroni hat an den portugiesischen Entdeckungsreisen großen Anteil genommen. Er war ein kühner Seefahrer und nutzte die Entdeckungen eines anderen jüdischen Gelehrten, des bekannten Abraham Zacuto, aus, dessen berühmte mathematisch - nautif che Tabelle n erst die Orientierung auf weiten Seereisen ermöglichten. Abraham Zacuto war zur Zeit der Judenanstreibungen aus Spanien nach Portugal ausgewandevt. Seinen nautischen Forschungen und Entdeckungen hatte Portugal die überragende Stellung als Seegroßmacht zu verdanken gehabt. Es ist ferner bekannt, daß ein Jude G abrieI, ein Mitarbeiter Vasco de GamaS, und viele andere jüdische Seefahrer an den bedeutendsten portugiesischen Entdeckungsreisen teilnahmen. Einer dieser Entdecker, Fernando Naroni, hat sich um die Erschließung Brasiliens große Verdienste erworben. Er war es auch, >d0r die erste Konzession 'für die Kolonisierung Brasiliens von der Regierung Portugals erhielt. Er hat zahlreiche Schisse ausgerüstet und den Export brasilianischen Holzes eröffnet. Seine Verdienste sind in einem 'besonderem E d i t t Don Manuel s, Königs von Portugal, verzeichnet uyd gewürdigt. Ihm und seinem Sohne wurde das .B e rf ü g u n g s r e ch t über die Insel für Lebenszeit gegeben und auf seinen Namen wurde die Insel getauft. . ’. 1 :: Kochet Backet Braiet nur mit dem altbekannten KUNEROL Kunerol ist 100u/0 reines Fett aus Kokosnüssen und wird unter streng ritueller Aufsicht Sr. Ehrwerden des Herrn Onerrabbiners S. B. Ehrenfeld, Mattersdorf, helgestellt. 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Unter diesem Titel prangt seit gestern neben beit letzten grisch-germanischen Heldensängen der Hakeukreuzler gegen den Zionistenkongreß an den Mauern und Plakalwändeu Wiens der folgende lustige Herzensergnß: o Verfolgt Ihr die Vorgänge, diesich auf dem Zionistenkongreß abspielen? Begreift Ihr den vo,r den zionistischen Führern selbst eingestaudenen Zusammenbruch des mit soviel Geschrei angvpriesenen Päläststma- Werkes? Zieht die Lohre aus dieser Erkenntnis! Biel zu lauge haben wir deutsHMende Juden dem Zionismus Duldung entgegengebracht, viel zu lange haben wir mit angesehen, wie'diese Menschen unsere Kinder beschwatzen und sich als die einzig wahren Juden ausspielen. Wer Heimatrecht ans deutschem Boden beansprucht, muß auch im Herzen ein ganzer Deutscher sein. _ _ Deutschsühlende Juden, tretet au.7 Ult,ere seile als Kampfgenossen gegen undeutsches Fühlen und Handeln, mag es von fremÄfühlenden Zionisten oder von ftemdländischen Hakenkrouzlern in unser Land getragen werden. Verband nat.'ionaldeutscher Inden. Wien, 1. Beg., Börsogasse 14. Fr ed H 0 r n i k - H a r d e n. Verantwortlich für den Inhalt: cand. rer. Pol. Wältor Eckstein, 9. Bvz., Porzellangasse 45. Ja, wer kommsrtt denn da? Der jüdische Teutone Fred Hornik-Harden und der für dessen Lächerlichkeit verantwoptliche cand. rer. pol. Walter Eckstein, der nationaltoutsche Jude. Wo stäken Sie so lange? Sie waren doch die längste Zeit tpt, Herr Bindchrich-Deütscher Fred Hornik-Harden urw Herr em:d. rer. pol. Walter Eckstein. Der Fred Hornik-Harden, der offenbar hierzulande für den Inhalt seines Rufes ae:s beim Grabe nicht verantwortlich sein kann, ist uns jedenfalls gleichzeiitig mit den Anschlußsteunden ans BeMn beschert worden:; er wird sich ja hier bald ülbevzeugen können, daß er den Anschluß an das Judentum in Oesterreich ebenso wie in Deutschland uneinbringlich verpaßt hal Na, und der cand. rer. pol., der mit jugendlichem Leichtsinn 'die Verantwortung für das Geschtvätz seines trendeutschen Gesinnungsibvtlders auf sich genommen hat. soll uns auch nicht schaden! Jedenfalls scheint er in rebus politicis noch nicht über das Jahr 1867 gekommen zu sein. Er sollte von seinen Eltern noch einige Jchre zu fleißigem Stucken verhalten werden. Nein, meine lieben Jungen, ihr seid zu spät gekommen. Um ein halbes Jchrhundert zu spät. Und auch für die Betätigung von Aasgeiern ist hier kein Platz. Der Zionismüs lebt und wird omh, weM's noltut, auch zeigen, daß er lebt. Geht zurück in eure Grabes ri.h'! Für euch gibt's kein Anferftehen! ktsrnbahnunglM in Unterfteiemark. Unfall des Triester Schnellzuges. Gestern um 4 Uhr 50 Min. früh stieß zwischen der Station Spielfeld-Straß und Ehrenhausen infolge Entlaufens von zehn Lastwaggons aus Spielfeld-Straß der Güterzug 8677 mit einem ans demselben Geleise entgegenkommenden Lastzug zusammen. Zur Zeit des Zusantmen- {*»■1 li\ I t mß '