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Wiener Morgenzeitung · 1925-09-06 · Heft 2350 (6.9.1925) · p. Seite 4

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
7 (1925)
Issue
Heft 2350 (6.9.1925)
Date
1925-09-06
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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4 _Wen, GpmckW Uebel. woran der wirtschaftlich« Mnderenjba« Ocherreicht leidet. Der Kepikaltzmangel wird fett# Mt Me bcr ZkNssatze fühlbar. Leine hauptsächlichste Ursache ist die Langsamkeit in der Neubildung von Ersparnissen. Aber schon jetzt können Anzeichen einer Senkung der Zinssätze scstgastellt werden, die eine steigende Verfügbarkeit der Geldmittel zur Folge haben; denn die Kredite, -ie immer zahlreicher nach Oesterreich .strömen. tragen zu dieser Lösung bei. Die Herabsetzung der Zinssätze ift jedoch nur bei kurzfristigen Anleihen zu bemerken. Gerade die langfristigen Anleihe« fehlen Oesterreich noch, und war sowohl für seine Landwirtschaft als auch für seine Industrie. Dieses Kapital wird Oesterreich unter der Voraussetzung finden, daß seine Finanz-, und Getdpslitik keinen Zweifel über den Willen Oesterreichs bestehen läßt, das budgetäre Gleichgewicht zu erhalten und rechtzeitig jedes Aufflackern ernrr Spekula t i o n, ähnlich jener des Jahres 1924, z u «bekämpfen. Das vierte Kapitel untersucht, in welchem Maße die österreichische Industrie im Internationalen Wettkampf durch gewisse Umstände beeinträchtigt ist. Das sind die Lasten seiner sozialen Gesetzgebung, die Arbeitslasten und die Steuerlasten. Die Experten beschränken sich darauf, ans den Mitteilungen, die ihnen von den Arbeitgebern und Arbeitnehmern geliefert worden sind, zu folgern, daß die Arbeitsleistung und die Arbeitslöhne ungefähr wieder auf das Niveau von ehedem zurückgekehrt sind, ohne daß die sozialen Lasten unter der Voraussetzung einer Einschränkung der Arbeitslosigkeit Oesterreich seinen hauptsächlichsten Konkurrenten gegenüber relativ schlechter stellen als vor dem Kriege. 22as nun die. Steuerlasten anlarrgt, so treffen sie ungefähr 17 Prozent der p r o d u ktiven Einnahmen, ein Satz, der hoher ist als vordem Kriege, aber den man in vielen der in den Krieg verwickelt gewesenen Staaten antrifst. Das fünfte Kapitel enthält die wesentlichsten 2 chl-ußif-olg e ru ngen, denen die Experten gelangen. Oesterreich ist zweifellos lebensfähig. Die Krise der Arbeitslosigkeit ist nicht durch einen organischen Fehler seines wirtschaftlichen Aufbaues bedingt, sondern ist durch die außergewöhnlichen Verhältnisse hervorgerufen, die in den letzten Jahren unvermittelt die natürliche Expansion der Industrien nach Märkten, zu denen die geographische Lage und die Geschichte Oesterreichs sie bisher hingewiesen haben, plötzlich und unvermittelt angeschnitten haben. Wann man Oesterreich die Möglichkeit bietet, seine Produktion auch abzusetzen, so wird sich die Anpassung der österreichischen In-' dustrie ohne schwere Erschütterungen vollziehen. So bedarf es zweier äußerer Bedingungen, um den Wiederaufbau der österreichischen Wirtschaft zu beschleunigen: weitere Absatzgebiete und KaPitalSz nf uhr. Zn diesen äußeren Notlvendigkeiten kommen noch innere, und zwar: 1. Aufrechterhaltung einer aus «str eng es budgetäres Gleichgewicht und Stabilität des Geldwesens gerichteten Finanzpolitik. 2. Fortsetzung des schon begonnenen Werkes der Hera^ setzung der Ge ste hungspreife ln, der gesamt e n I n d u st r i e. Zum Schluß weisen die Experten darauf «hin, daß die gleichen Voraussetzungen nicht nur für O e st e rre ich, sondern für ganz Europa gelten. „Nein. Sie langt nach dem Karabiner, zieht ihn weg; dann erinnert sie sich, was ihr Bater gemacht hat und folgt feinem Beispiel. Sie nahm winzige Erdhäufchen und führte ste sorgfältig in den Lauf eiu.. Immer nach dem Vorbild ihres Vaters stampft ste dann die Erde mit dem Stock zusammen und füllt und füllt hinein . . . Es dauerte lange, bis die Waffe voll war. Ihre zehn Finger waren ganz schwarz geworden und ihre Hände hatten außerdem fünfblätterige Kleeblätter auf ihre Backen gedrückt. Sie nickte mit dem Kopf und redete sich leise Mut zu, um bis ans Ende zu gelangen. Wie sie fertig war, stellte sie die Waffe genau an denselben Ort, wo sie dieselbe gefunden und flüchtete, das Kielwasser eines leisen Lachens hinter siH lassend. . . War dieses dünne Lachen, das perlend verklingt, ihm doch ins Ohr gedrungen? Oder fühlte er instinktiv, daß eine finstere, untersetzte Gestalt aus dem Gehölz auftauchte? Wie dem auch sein mochte — Mandoline erwachte, und wie er die Augen aufgerissen hatte, rieb er sie wütend; er war ziemlich erschreckt aufgefahren; denn der „Schtvarze Mann" stand nur noch fünfzig Schritte entfernt von ihm. Ja, zwischen zwei weißschimmernden Stämmen zeichnete sich der Stierkörper und daS struppige, rußige Gesicht des teuflischen Wegelagerers ab. Mandolino stieß auf Korsisch — das dem Italienischen ähnelt — einen Fluch aus, streckte den Arm seitwärts aus, umfaßte seinen Karabiner, prüfte das Zündhütchen, legte an, feuerte." „Und", fügte Jean-Jcau noch hinzu, „älS wir nach zwei Tagen den armen Mandolino zum Friedhof schafften, hatten wir trotz aller Nachforschungen keine Spur von feinem Kopfe finden können ..." Nach diesen Worten senkte Jean-Jean sein glattrasiertes Gesicht, mit den violettsarbigeu Backen, der Terrakoitastirn und den Allgen, die schwarz waren wie Schmieröl. (Autorisierte Uebertraaung ans denl Französischen von Johannes Kunde.) __roiwt atugtiMrttiMft_t Ser VSlkerbnndrat. Genf, 5. September. (Schwerz. Dep.Ag.) Der Völkerbundrat hat vorlllittags unter dem Vorsitz des französische» Ministerpräsidenten P a i n l c v c eine öffentliche Sitzung abgehalien, die in erster Linie der Frage der Minderheiten galt. Der brasilianische Vertreter Meliofrauco referierte in Gegenwart des litauischen Gesandten in London Galvanauskas und des litauischen Gesandten in Bern Dr. Z a n n i u s über Klagen gewisser Bevölkerrmgskreise hinsichtlich der öffentlichen Schulen, der Anwendung der litauischen Sprache zur Führung der Geschäftsbücher und gewisser Unregelmäßigkeiten bei der Durchführung der Agrarreform. Ter Völkerbundral nahm einstimmig die Artträge des Berichterstatters au, wonach es der litauischen Regierung überlassen wird, die unter der Bevölkerung ausgetretene Beunruhigung zu zerstreuen. Der Bollerbundrat nahm ferner einen Bericht ChamberlainS über die Tätigkeit der Kontmist fion für den Schutz der Frauen und Kinder im nahen Orient entgegen und beschloß, die Völkerbundversammlung zu ersuchen, diesen Bericht der Kommission auf die Tagesordnung zu setzen. Weilers nahm der Bölkerbttndrat einen Bericht Doktor B c n e s ch' über das Ansuchen der internationalen Konferenz zur Kontrolle des Waffenhandels entgegen, die Aufmerksamkeit des Bölkerbundkomitees für die progressive Kodifikation des Völkerrechtes auf das Protokoll zu lenken, das diese Konferenz zur Bekämpfung der V e r w e n d u n g giftiger Gase zu Kriegszwecken verfaßt hat. Der Völkcrbundrat hielt sodartn eine vertrauliche Sitzung, gleichfalls unter dem Vorsitz Painleves ab. Der Rat beschloß nach einem Bericht C h a m b e r l a i n s, die National Conference os social Works, die panamerikanische Union und den Canadian social fervicc eouncil cinzuladen, vor der nächsten Tagung des Rates je drei Kandidaten für den Posteit als Beisitzer im Komitee für den Kinderschuh, das der Rat zu schaffen beschlossen hat, zu bezeichnen. In der nachntittags abgehaltenen öffentlichen Sitzung wurde eine Petition ungarischer Ansiedler aus einigen Dörfern der jetzt zw Rumänien gehörenden Gebiete Siebenbürgens und des Banats behandelt. Der rumänische Gesandte in London Titulescu erllärtc, daß es.sich bei der Expropriation dieser Kolonisten nicht um eine Verletzung des Minderheitenvertrages handle. Die rumänische Regierung fei aber bereit, unter die Ansiedler der sechsundzwanzig Dörfer, die bereits eine Entschädigung vom ungefähr 300.000 Goldfranken. erhalten haben, eine weitere Summe von 700.000 Goldfranken zu verteilen. Der Bölkerbttndrat erklärte sich nach einent ausführlichen Bericht des brasilianischen Vertreters Mellofranco mit dieser Lösung einverstanden. Gine Soirderkonferenz der kleinen Entente. Paris, 5. September. (Wolfs.) Wie der „Petit Parisien" aus Genf meldet, findet morgen eine Sonderkonferenz der Vertreter der kleinen Entente statt, die sich in der Hauptsache mit der österreichischen und der ungarischen Frage, dagegen nicht mit dem Vorschlag eines obligatorischen Schiedsgerichtsvertrages zwischen den Balkanstaaten beschäftigen wird. Lar Moffottomttee. Gens, 5. September. (Schweiz. Dep.-Ag.) Das vom Vvlterbundrat gestern ernannte Komitee z-ur Prüfung deS Verfahrens in der Mossulfrage, das aus dem Berichterstatter, dem'schwedischen Außenminister, Il/ndet, dem spanischen Botschafter in Paris Quinones de Leon und dem Gesandten Uruguays in Paris G u a n i besteht, wird nicht nur den britischen und den türkischen Vertreter, sondern auch die nach Mossül entsandte Untersuch u n g s k o m m i s s i p it. atthören. Alban glaubt, daß das Komitee nicht vor Ablauf einher Tage in der Lage sein -wevde, beim Völkerbundrat Anträge zu. unterbreiten. Letzte Kurse. Rrw-Aork, 5 S. ptrmber (Tel.-Komp.i Berlin W.8Ü London abel 4.84*/,, London Scheck 4.81'/,«, Amsterdam 40.27, Port» ,60. Brüssel 4.46»Rom 4.-. Madrid 14.20 Zürich 10.21, Stockholm 26.81. Oslo 21,60. Kopenhaaen 26.09. Wien 14 udavrst 14, Prag 2.08'/*, Belgrad 1.78. Athen 148'/,, uenoS Aires 40'/.,, Rio de Janeiro 18.60. Bukarest 49'/, New°AorU» d. September lTel.-Komv.) Weiten rot Winter 1631/*, Weizen hart Winter 164'/,. Mais 111'/,. Hafer 46, Roggen 08'/,, Ehikago, 6. September. (Tel,-KomV.) Wetzen per September 101'/,. Dezember lb0»/8 Mat 1*4'/.: Mats per Sevtember 97'/, Dezember 86, Mar 89'/,: Hafer per September 88'/,, Dezember 42 Mat 4b'/, Roggen per September 88'/,. Dezember 08*/,. Ma« 98'/,. Dnhffetnife Betritt* Zoo, Berlin Hardctuergatr »7 DUUwluO Oul Direktion t N. vq» Benedito Treffpunkt der Fremdenwcli Berlin« 5>Ubr>T«e * Soup? prüf fix * Bxq Uite KQdie Kodlis M«rl .«n Toanlw« - ' tt 7 . Korop<«al«t P»tey Kr. uder am -Uvl»r 6. ÄeOemVtt IW Nr. 288V Durch Dr, Noffbauers *ctieh Beste Wirkung, ohne Diätzwang, garantiert unschädlich Vom Volksgesundlieitsamt bewilligt (Nf.911) Kein Abführmittel Keine Schlldcfrüee D*p0t: AP<l™!!CE. RÖMWCtreN KAUER* WIEN, L WOLLZBILE 13/4 1106 Palästina—krez Nrael. Mn Protest der arabischen Exekutive. lEigenvtenst der „Wiener Morgenzettung".) Jerusalem, 4. Ssptember. D:e P a l a st t it c1t f i f charabische Exekutive hat soeben Schritte nutetnommen, um gegen die Pa l ä sti na reg t e r u n g B es ch w e r d e zu erheben, weil sie auf den amtlichen Drucksorten, Postwertzeichen und sonstigen offiz ellen V-rlautbarunge» auch die Buchstaben Aleph und Jod, die Anfangsbuchstaben der hebräischen Bezeichnung für Palästina'. Erez Israel,- gebraucht. Die arabische Exekutive stellt 'dieses Vorgehen als eine Verletzung des Paragraphen 22 des P a l äst inamandates hin. Anmerkung der Redaktion: Der von der - arabischen Exekutive ins Treffen g« führte Artikel 22 des Mandates hat folgenden Wortlaut: Englisch, Arabisch und Hebräisch sollen die ossiziellen Sprachen Palästinas sein. Alle. Erklärungen oder Inschriften in arabischer Sprache auf Marken und Geld in Palästina sollen in hebräischer Sprache wiederholt werden und all« Erklärungen oder Aufschriften in hebräischer Sprache sollen in arabischer Sprache «wiederholt werden." Erschwerung der Nnwauderuug nach Mexiko. (Eigeüdiensi der „Wiener Morgenzertnng".) 1 New-Iork, 5. September. Große Ueberraschung hat hier die Meldung hervorgevufen, daß die mexikanische Regierung eine neue Ei,nwand er ungs Verordnung herausgegeben habe, durch .welche die bestehenden Einwanderungsbeftimmungen , eine bedeutende Verschärfung erfahren. Diese neuerlichen Einwanderungsbs'chränLungen ..werden hier als das endgültige Sche; t e r « aller in der letzten Zeit aufgetquchten P l ä n e ciiner größeren Einwanderung von Juden n a ch M e x i k o gedeutet. Bekanntlich hat der Joint, che er sich zur Durchführung der jüdischen Kolonisation in der.Krim entschloß, auch mit der mexikanischen Regierung Unterhandlungen wegen einer stärkeren jüdischen Einwanderung gepflogen. Es wurde damals verbreitet, daß die Regierung vor: Mexiko selbst verschiedene Begünst'igungen für eine jüdische Einwanderung angeboten habe, doch wurden diese seinerzcitigen Meldungen schon damals, von der mexikanischen Regierung dementiert. Die Paläftimrwarrderung aus Ruftlarrd. Aus Moskau berichtet I. T. A.: Me offiziell mitgeteilt wird, sind im Monat Juli d. I. aus Rußland über den Hafen von Odessa nach Palästina 900 Persone na usgewandert. Mkxikanischer Parlamenlarlsmur. Rew-Aork, 6. September. (Tel.-Komp.) Der mexikanische Abgeordnete M a c i g hat nach einer Meldung aus Mexiko seinen Kollegen Manuel Perez Leim Verlassen der Kammer wegen eines Wortwechsels, den Leide vorher Lei der Behandlung von Agrarfragen hatten, erschossen. per Semotiftr a ttoitsflreit der Beamte». Sprengung des FünfnndzwavzigerauSschusses. In der gestrigen Sitzung des Exekutivkomitees des FünfundzwanzigerauSschusses der Staatsangestelltenorganisationen erklärte der Vertreter der Gewerkschaft christlichsozialer Angestellter in öffentlichen Diensten, daß der Zentralvorstand dieser Gewerkschaft bo. schlossen habe, seinen Mitgliedern zu empfehlen, an dem De monstrations streik der Bundesange^ st e l l t e n am 10. d. nicht t e i l z u n e h m e n. Zur Begründung führte er an, der Zentralvorstand siche aus dem Standpunkte, daß die Aufhebung der Koutrollt das wichtigste Ziel der Gesamtbevölkerung sein müsse. Dsi Beamtenschaft erhoffe, daß in Gens solche Beschlüsse faßt werden, nach denen die Möglichkeit bestehe, m Nahmen des Normalbudgets die materiell« Lage der Beamtenschaft zu bessern. Ant Schluß seiner Erklärung bemerkte der Vertreter der chrisb lichsozialen Angestellten, daß die Mitglieder seiner Gewerk« schüft in Konsequenz dieses Beschlusses ihre Mandate im F ü n f u n d z w a n z i g e r a u s s ch n ß nieder« gelegt haben.

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