Mannheim
Compact Memory

Wiener Morgenzeitung · 1925-09-06 · Heft 2350 (6.9.1925) · p. Seite 3

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
7 (1925)
Issue
Heft 2350 (6.9.1925)
Date
1925-09-06
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
92% known words query
IRI
…/2979076-2981191-2981436--23987-3011486
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

£*. 2680 WffKWf ■ipyir IWnlfg WMffli|filllH Sefterreich ist lebenssSW. -er Bericht d« BSlkekbundrr-rrten. -WWMHMM Genf, o. Sspteniber. Die beiden Experte» des Völkerbundes, Professor Rist und Mr. Lay ton, haben dem Völkerbun'drat Hron Bericht über die Wirtschaftslage Oesterreichs unterbreitet. Zweck der Untersuchung war, die Beziehungen sasttzustellen, die den gegenwärtigen Wrtschaftsverhältnissen im Zusammenhang mit dem finanziellen Saniemngswerk zukommen und zu ergründen, ob die wirtschaftliche Lage Oesterreichs geeignet sei, die erreichte finanziell Stabilisierung zu gefährden. Der vorliegende Bericht beantwortet dieise Frage in beruhige nder Weise. Ms Anhang zu dem Berichte veröffentlichen die Experten eine Erklärung des Finanzministers über das zukünftige österreichische Budget, ein Memorandum der Arbeiterkammer und einen Bericht über die soziale Gesetzgebung Oesterreichs. Im erste» Kapitel, das von der Wirtschaftslage Oesterreichs handelt, stellen die Experten auf allen Gebieten einen sehr deutlichen Fortschritt fest, der noch deutlicher zum Ausdrucke gekommen wäre, wenn die Fiuanzikrise vom Jahre 1924 die Besserung nicht zum Teil verschleiert hätte. Die Steigerung der Zinssätze und der Kapitalsmangel, die sie im Jahre 1924 zur Fölge 'hatten, seien zum Teil die Ursache dafür, daß der Konsolidiornngsprozeß und die Anpassung in Industrie und Handel nicht voll zur Geltung kamen. Die Experten sind voll Anerkennung für die Lei st ungen der österreichischen Industriellen und für die Anstrengungen, deren Ergebnis sich seit zwei Jahren durch eine fortgesetzt steigende Produktion fühlbar macht. Andererseits ist die Handelsbilanz ins Gleichgewicht g ek o m m e n trotz der bedeutenden Kapitalseinbuhen. Die Erträgnisse der österreichischen Kapitalsanlagen im Auslande, die Einnahmen des Fremdenverkehres und die FremdenkreÄiie haben in steigendem Maße das Handelsdefizit ausgeglichen. Wien. Der Bericht widerlegt das Schlagwort vom „Wasserkopf Wie u" und betont, man würde sich sehr täuschen, würde man schließen, daß mit der Zerstückelung des Reiches Wen ausgehört hat, zum Wirtschafts- . leben Oesterreichs beitragen zu können. Es sind hauptsächlich die Wiener Industrien, d'e den österreichischen Export vor allem alimentieren. Im Jahre 1924 stellten die Wiener Industrien 7 9 Prozent des T o t a l b e t r ages der A u s f u h r dar. Die Zwischenhändler der Hauptstadt verkausen ihre Produkte nach wie vor im ganzen europäischen Orient, und dieser Handel ist noch beträchtlich, obwohl er einen Teil seiner alten Bedeutung verloren hat. Der Donauhasen Wien hat e neu Teil seiner Vorkriegstätiglkeit wiedergefunden. Die Kaufleute der verschiedensten Teile der Welt werden weiter von Was man auch immer spricht und schreibt. 3ijjotctte«sPapler „OLLESCHAU“ bleibt Wien durch die Vorteile angezogen, die eine große moderne Stadt besitzt. Die Wiener Kaufleute sind, dank ihrer vollkommenen Kenntnis der Donaumärkte, * bic natürlichen Vermittler zwischen ihnen und dem Westen. Noch wichtiger ist, daß Wien nicht aufgehört hat, der größte Finanzmarkt des europäischen Orients zu sein. Die zahlreichen, im übrigen natürlichen Anstrengungen, welche die Tschechoslowakei, Ungarn, Jugoslawien machten, um große, unabhängige Bankinstitute in ihren eigenen Hauptstädten zu schaffen, waren natürlich nicht ohne Einfluß auf die international« Stellung der Wiener Banken. Doch hat die Gründung' dieser neuen Finanzzentren durchaus nicht vermocht, wie man annahm, für den Wiener Platz das Sterbeglöcklein läuten zu machen. Tatsächlich ist der Bereich der Wiener Banken durchaus nicht auf die kleinen Dimensionen des gegenwärtigen Gebietes von Oesterreich beschrankt. Zwischen diesen Banken und denen der Nachfolgestaaten werden für beide Teile vorteilhafte Beziehungen aufrechterhalten und entwickelt. Der Wiener Geldmarkt bleibt nach wie vor in weitem Ausmaß der V e r m i t tler für die Aufteilung fremder Kredite weiter Regionen, und die Wiener Banken interessieren sich stets für Unternehmungen von großem Umfang und großer Zukunft. Wien bleibt mit einem Wort das Zentrum der sichtbaren und unsichtbaren Ausfuhr aus O e st e r r e i ch. Aus diesem Grund spielt es eine e r strangige Rolle in einem Land, das ein großer Importeur geworden ist, und wenn es einige Monopole verloren hat: seine wesentlichen Funktionen haben für Oe st erreich ihre Wichtigkeit bewahrt. Diese ermutigenden Anzeichen gestatten die Feststellung, bafc Oesterreich trotz aller unbestreitbaren Schwierigkeiten sich langsam wieder erhebt und seine wirtschaftliche Tätigkeit parallel mit den finanziellen Reformen, die es unter der Aegide des Völkerbundes vollbracht hat, neu organisiert. In keinem Augenblick ist während der beiden letzten Jahre die Stabilisierung der österreichischen Valuta bedroht gewesen. Die N a t i o n a l b a n f hat fortgesetzt steigende Reserven an fremden Devisen aufgehäuft, die heute das österreichische Geld den b e st f u n d i e rtcu Währungen Europas gleichstellt. Das budgetäre Gleichgewicht ist voll gesichert. So konnte die Frage, die den Sachverständigen gestellt wurde, nämlich ob nach ihrer Ansicht die wirtschaftliche Lage Oesterreichs die vollbrachte finanzielle Stabilisierung in Gefahr bringen könnte, in ihrem Bericht in beruhigender Weise beantwortet werden. Indessen 'hat ein anderes Phänomen im Laufe der letzten Jahre immer bedrohlichere Formen angenommen, d. i. nämlich die Arbeitslosigkeit, die 17 Prozent der österreichischen Arbeiter im Laufe des letzten Winters betroffen hat und die heute noch das Ausmaß aller früheren Jahre übevtrifft. Die Experten »kommen zu dem Schluffe, daß das Problem der Arbeitslosigkeit ein Problem des Absatzes ist und „Der schwarze Mann." Skizze von Henri Barbusse. ,-Hört zu," sagte Jean-Jean, „und Ihr iverdtt erfahren, was ihm zugestoßen ist, dem Mandolino. Also seit fünf oder sechs Wochen war der „Schwarze Mann" in der Umgebung von Arrit wieder aufgetaucht. ,-Er ist wieder gekommen, der „Schlvarze Mann?" ,Mu wenig!" erwiderte Jean-Jean. ,/Lr warf Steine nach den Kärrnern der Sandgruben, eine Frau legte er glatt ans den Rücken, bloß weil er im Dickicht, zwischen zwei Bäumen hervor, sein teuflisches Gesicht anftauchen ließ. Eines Nachts hatte er die Meierei von Castiat ausgesucht, die Kellertür eingedrückt und daraus ein Faß. Und natürlich war er dann, wie zu eurer Zeit, — seinen dämonischen Gewohnheiten getreu — plötzlich verschwunden, ohne daß »Km wußte, wohin; er verdampfte, löste sich wie ein schmutziger schwarzer Rauch auf. Wer eines wußte man imnter sicher: daß hier die Kutscher ein Bein gebrochen, daß ihnen dort eilte Schulter ansgerenkt »war; die schwangere Tont ine war auf der Straße ansgefischt worden und mit einer Maske aus Lohnt und einer ebensolchen Schürze ins Dorf zttrückgekonuneu; na, und der Castiat hatte eines Morgens seinen Keller offen und ein Faß leer gefunden. Man sprach in Arrit 'von nichts anderem als von diesen Dingen; die Frauen wurden sachte auf die Männer zornig, weil sie den „Schwarzett Mann" — doch immerhin einen der ihrigen — ruhig seine schlimmen Streiche aussühren ließen. Die Männer ballten die Fäuste, Mandolino und die anderen, und (während die Weiber tobten) wiederholten sie' untereinander intmer wieder leise das Geständnis, daß man eigentlich vom „Schwarzen Mann" sprechen müßte. Eines Tages sagte der Maire zu Mandolino: ',$>» wirst mit dem ,-Schwarzen Mann" ein Ende machen!" Mandolino dachte nach, runzelte die Brauen, preßte die Zähne auseinander und antwortete allen Ernstes: „Ich inache mit dem „Schwarzen Manu" ein Ende." Mandolino wohnte, wie Ihr wißt, oben itt dem letzten Haus, unt.veit des Busches, der auch unter dem Nanren der „Fagot" bekannt sein wird; dort trieb sich zweifellos der „Schwarze Mann" rmcher, Ivofern er nicht gleich in der Hölle wohnte. Mandolino war übrigens Korse. „Ich glaube es zu ahnen: Martdolino war selbst der „Schwarze Mann!" „Nein. Ant Morgen nach dem Tage, wo unser Freund den Auftrag des Maires übernontmen hatte, verließ er bei Morgengrauen fein Häuschen. Auf dem Erdwall vor seiner Türe machte er sich beim ersten kühlen Däntmer des Tages daran, seinen Karabiner zu laden. Aber ohne daß er cs ahnte, sah ihm jemand dabei zu. . „Der „Schwarze Mann"!" „Nein, nicht der ,-Schwarze Mattn". Jttt Gegenteil, sein Töchterchen Mella! Ihr habt sie nicht gekannt, denn sie war damals, als Ihr Arrit mit der Hauptstadt vertauschtet, noch nicht in Sicht . . . Ich sagte mit'Recht: im Gegenteil . . . denn dieses Mädel war so zierlich und weiß, Wie der Mann abstoßend und dunkel aussah. Ihn konnte man noch nicht einntal mit dent rußigen Rauch eines Winlerkamins vergleichen, während sie höchstens dem Rauch einer Kerze glich. Dieses niedliche Geschöpf, das aus Zufall so zeitig aufgewacht und unbemerkt hinausgehuscht war, blickte aus einem Versteck, aus dem das Juwel ihres Haares hervorleuchtete, in die Landschaft hinaus. Diese war sehr schön, mit dem silbernen Morgennebel, der ein leichtes Gewand über die Erde zu breiten schien . . . Uebrigens sah das junge Mädchen mit ihren blauen Augen, die wie Johanniswürmchen in der Nacht funkelten, den Borbereitun-- gen des Vaters zu. . ." „Ich ahne, was sich zugetragen hat! Mandolino sah etwas sich bewegen, glaubte, es wäre . . ." „Nein. Mandolino lud sorgfältig, seinen alten Karabiner. Fingerspitzenweise nahm er das Pulver, schüttete & im Mt i Audi $ie, gnädige Frau hoffen wir, diese Wodie in unseren neu eröffneten Mezzaninsalons begrüssen zu können. Die neuesten Pariser Modelle von Kleidern, Mänteln, Pelzen werden Ihnen gerne vorgeführt. 7/4 Damenkonfektion daß es geilöst ist, «wenn man für die Jndustrieen g cnügend sichere und große Märkte findet. Die Experten werfen daher die Frage auf, ob ai'icfj t die Hauptursachc in der den Wiede raufban Oesterreichs verzöge vndon protektionistischen Politik zu suchen ist, die alle Donaustaaten, die einstmals zusammen eilte Einheit bildeten, mit hohen Zollschranken umzäunt hat. Das zweite Kapitel des Berichtes beschäftigt sich mit dem Protektionismus, der gegenwärtig in Zentraleuropa geübt wird, und seine Fcllgen. Der Bericht viergleicht 'den Güteraustausch zwischen den Nachfolgestaaten untereinander und mit den anderen Ländern vor und nach denr Krieg und stellt fest, wie u u g e h e u c r stark die gegenwärtige Ausfuhr hinter dem Borkriegsniveau zurückbleibf. Der Außenhandel Oesterreichs mit der Tschechoslowakei und Ungarn zusammen überschreitet kaum 70 bis 80 Prozent des Handels vvr dem Kriege. Eine solche Beschränkung der Ausfuhr hat natürlich eine große Abnahme der Kaufkraft in den Donauländern den anderen europäischen Staaten gegenüber zur Folge. Geschützt von den neuen Zollschranken versucht jeder Staat, neue Unternehmungen zu gründen, obgleich die alten Unternehmungen derselben Art schon bei seinen Nachbarn bestehen und die gemeinsamen Bedürfnisse befriedigen könnten. Die unglücklichen Folgen dieses Vorgehens treffen nicht nur Oesterreich allein. Alle Donanländer haben darunter ztt leiden, nur ist O e st e rr e: ch wegen der engbegrenzlett Möglichkeiten seines inneren Marktes am härtesten getroffen. Das dritte Kapitel beschäftigt sich mit dem Kapitalsmangel, an dem Oesterreich leidet. Dieser bedeutet im Zusammenhang mit dem Mangel an Absatzgebieten das größte es in den Lauf, dann preßte er mit Ladestock und Schlegel das Pulver immer aufs neue zusammen . . . Wie die Dosis regelrecht in den Sack hineingepfropft war, führte er ebenso eine Vorladung, ein eingefettetes Läppchen ein, dann die Kugel . . . Dann hing er die Waffe um, stieg hinunter auf eine von der Natur geschaffene Plattform, die den denkbar günstigsten Beobachtungspunkt darstcllte; man übersah von da den ganzen Saum des „Fagot", den zwei Hohlwege umklammerten und der fünfzig Fuß tiefer lag. Steingeröll, Erdmassen verbargen die Plattform, die einer in die Flanke des Abhanges geschnittene Stufe glich, welche für den Fuß eines Riesen gemacht schien. Mandolino stellte seinen Karabiner neben sich, lehnte sich an den Stumpf einer Kiefer und erwartete mit weitgeöffnetett Augen das Erscheinen der verdammten Silhouette unter den Espen des Waldsaumes. Aber es gibt kein Auge, das sich nicht auf die Dauer schließt — und besonders dann, wenn einer mit aller Gewalt die Lider aufreißt. Es war noch keine Stunde vcrgattgen, daß der Champion von Arrit voller Eifer seinen Posten eingenommen hatte. Mit zusammengepreßtem Gebiß stand er da; sah aus, als würde er es nie wieder anseinanderkriegen; — da wurden ihm die Lider schwer. Ein-, zweimal reckte er gewaltsam den Hals, hustete; riß sich wieder empor; dann sank er — trotzdem er: „Nein!" murmelte — durch die Reglosigkeit überwuttden, langsant auf die Erde. In dem Augenblick stieg zu Mandolino eine zierliche, sonnenbeschienene Gestalt herab. Was hatte sie in der letzten Stunde gemacht? Das kann ntan nicht wissen; sie näherte sich jedenfalls so leise wie leuchtend dem großen Schläfer, wie ein Sonnenstäubchen einer Fee. Sie lachte, als sie sah, bis zu welchem Grad er beivegungslos war. Ohne Zweifel führte sie etwas im Schilde. Geräuschlos schleicht sie heran, greift nach den» Karabiner." „Ah, jetzt weiß ich, was geschieht: ein unglücklicher Zufall , * *

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.