Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 7 (1925)
- Issue
- Heft 2349 (5.9.1925)
- Date
- 1925-09-05
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 5349 ©fett, Gamßks Mn Settvaaft" de» ttm Vornan brr „Wiener Morge«reitimg«» ei« packendes Dttd aas de« jüdt.chea Lebe« Amerikas, beginnt rnsrgen üonntas ten I. Septmter i« unserem Blatte zu erscheine«. Sie Selchwifter unserer Erde. Bo« Dr. Peter Traf. DK Kreise de- Lebenähneln sich sehr, so riesenhaft auch Ihre Gröhenunterschted« sein mögen. Für die kleinsten Sedewesen, für die Bazillen, mag ein einzelner Mensch $0« ,/dte Welt" sein. Denn ein Mensch kann Millionen und Milliarden von Bazillen beherbergen und ernähren. Für die Menschen wieder ist die Erde die Welt, da sie Millionen und Milliarden von Menschen ernähren und beherbergen kann. Für die Erde wieder ist daS Milchstraßensystem die Welt, denn tat ihm lebe« Millionen und Milliarden von Sternen. Dar Milchstraßensystem wieder ist nur ein« spiralförmige Anhäufung von Sternen, wie wir im Weltraum derartiger Spiralen mehrere kennen. Wir sind mit dieser Kenntnis zwar an der Grenze angelangt, die unsere Sinne wahrnehmen können, wahrscheinlich aber noch nicht an der Grenze der Kreise des Lebens selbst. Jedez Lebewesen gehört innerhalb seines LebenSkreiseS der Familie als engster Gruppe an. jeder Lebewesen Hai Eltern und Geschwister. Mir uns Menschen und auch für die Tiere der Erde ist daS eine ganz selbstverständliche Vorstellung. Sie gilt aber auch für die Sterne, die wir unS ebenfalls als Lebewesen vorstellen müssen. Lebewesen ganz anderer Art zwar, aber doch Lebewesen, den« auch ste werden geboren, entwickeln sich, werden alt und sterben schließlich ab. Für dir Welt draußen ist die Erde ei« Stern» sin kleiner Stern in einer Gruppe von Geschwistern, die sich alle um ihre Mutter, die Sonne, scharen. Unsere Erde kennen wir genau, aber ihre Geschwister, die Planeten, die nachts zu uns Herüberblicken, sind uns nur sehr „entfernt" bekannt. Das wir ober von ihnen wissen, zeigt uns, daß es sich in der Sonnenfamilie um sehr verschiedenartig« Geschwister handelt, so daß ein Vergleich recht interessant« Tatsachen zutage fördert. Di« Planeten haben daS Gemeinsame, daß sie nach der Äant- Laplaeeschen Theorie, die heute nur noch bedingt in Geltung ist, Kinder der Sonne sind und die Sonne umkreisen. Sonst aber zeigen sie groß« Unterschiede. Mutter Sonne ist ein glühender Gasball, der über den leuchtenden Gasschichten noch eine Hülle von Gasen minderer Dichte hat, eine Art Atmosphäre, deren Absorption die dunklen Frauer.hoferschen Linien im Sonnenlspeklrum verursacht. Diese Sonnenatmosphäre besteht in der Hauptsache aus Wasierstoff mit Beimengungen von Helium und Koronium. Don den Kindern der Sonne, den Planeten, herrschen ähnliche Verhältnisse nur bei den großen Planeten Jupiter» Saturn und Uranus. Der berühmte schwedisch« Astronom und Chemiker Svante Arrhenius sagt über diese drei Sterne in seinem „Lebenslauf der Planeten" (Akademische Verlaggesellschaft Leipzig): „Nach ihren Dichten zu urteilen, sind sie aller Wahrscheinlichkeit nach, gleich der Sonn«, durchweg gasförmig, wen» man von den Wolkenbildungen absieht, die, wie es scheint, die äußere Begrenzung dieser Himmelskörper ausmachen. Daß auch in ihnen, wie in der Sonne, äußerst zähflüsiige Gasmassen vorhanden sind, scheint daraus hervorzuHdhen, daß an ihnen eigentümliche Flecken erscheinen, die gleich den Sonnenflecken lange bestehen bleiben. Vergleicht man nun den Zustand der Erde mit dem ihrer drei großen Brüder, so ergibt sich nicht die geringste Ähnlichkeit. „Die Lufthülle der großen Planeten geht allmählich und ohne Sprung in die inneren Gasmassen über," sagt Arrhenius. „so daß sich keine bestimmte Grenz« angeben läßt, wo die Atmosphäre aushört und btc dichteren Sch chten beginnen." Auf der Erde dagegen hebt sich die Lufthülle scharf von der festen Kruste des Gesteins oder dem Meeresspiegel ab. Aus diesem Grunde stehen die kleineren inneren Planeten der Erde viel näher als ihre großen Geschwister. Merkur, Dmus und Mars sind wie die Erde mit einer erstarrten Gesteinslruste umgeben, in deren Innerem sich vielleicht noch glühende Gas« befinden und über deren fester Oberfläche dann die Atmosphäre schwebt. (LS bestehen aber doch auch zwischen diesen Planeten und der Erde grundlegend« Unterschiede. Beginnen wir mit dem Merkur, dem der Sonn« am nächsten stehenden Planeten. Er zeig; der Sonn« immer dieselbe Seite, so wie der Mond uns immer dieselbe Seite zukehrt. In der Praxis bedeutet das. daß er seine Umdrehung verloren hat. Die Folge davon ist. daß die der Sonne ständig zugekehrte Seite bis auf etwa 400 Grad erwärmt wird, während die der Sonn« ständig adgekehrte Seit« fast bis auf den absoluten Nullpunkt, sicher aber auf unter 200 Grad Kälte abgckiihlt ist. Eine Folge dieser Tatsache ist dar völlige Verschwinden der Atmosphäre auf dem Merkur. Dies« Erscheinung wird so erklärt: Di« Molekel der Gase haben eine hohe Eigenbewogung, die sich bei Erwärmung steigert. Bei Wasierstoff» dem leichtcsten Gas. erreicht die Geschwindigkeit dieser Eigenbewegung bet 0 Grad schon 1,84 Kilometer in der Sekunde. Bei einer Temperatur von 150 Grad Wärme steigert sie sich auf 3,29 Kilometer in der Sekunde, bei 400 Grad, der heißesten Tem. peraiur auf denr Merkur, aber auf rund 5 Kilometer in der Sekunde. Sin Körper, der sich mit dieser Geschwindigkeit von einem Planeten von der Masse des Merkurs fortbowegt, kann durch die Anziehungskraft dieses Planeten nicht zurück, gehalten werden, so daß von der Merkuratmosphäre ein ständiges Abwandern der Gase staufinden muß. Diese Gase wandern eurweder zur Sonne, oder sie schlagen sich auf der von der •. ‘ KW#. US* Wiener Mvrae«ze1t<rirz Sonne siäMg abgekehrien minus 200 Grad kalten Seite d«S Plan«««« in gefrorenem Zustande nieder, so daß heute jedenfalls keine Atmosphäre mehr auf dem Merkur vorhanden ist. Eine eigentliche Atmosphäre haben also außer der Erde nur noch die BönuS und der MarS. DaS Vorhandensein einer GaShülle auf einem Planeten erkennt man an der Stärke der Rückspiegelung der Sonnenlichter. Man bogeichnet dar als Albedo, dabedemet die Weiße eines SterneS. Die in den Gashüllen schwebenden Wasierteilchen» Staubteilchen und Eis» nädelchen haben ein viel größeres Spiegelun-gsvermögen als feste Gesteinsmassen oder di« Meeresoberfläche. Der Merkur, der keine Atmosphäre besitzt, wirft nur etwa 7 v. H. des empfangenen Sonnenlichtezurück, unser Mond ebenfalls nur 7 v. H.» da er aus ähnlichen Gründen auch keines Atmosphäre besitzt. Dir Großplaneten dagegen, die sich noch vollkommen im Gaszustand befinden, zeigen Werte von 66 v. H. bei Jupiter, 63 v. H. bei Daturn und gar 73 v. H. bei Uranus. Verreicht man mit diesen Werten di« entsprechenden Zahlen für DeNuS und MarS, so ergibt sich für Venus mit 59 v. H. also unzweideutig dar Vorhandensein einer starken Aimosphäre, während MarS nur IS,4 v. H. des einfallenden . Sonnenlichtes zuvückwirft, so daß man für ihn nur eine geringe Atmosphäre annimmt. Für die Erde hat man eine Rückstrahlung von 47 v. H. errechnet. Der MarS besitzt also; nur eswa ein Drittel der Erdatmosphäre, während für die DenuS etwa dieselbe Atmosphäre in Betracht kommt, nur mir : größerem Gehalt an Wasievdampf. Man nimmt an, daß die BenuSluft etwa zehnmal mehr Wasserdampf enthält als die ' Erdlust. Di« Venus ist mfolgedesstn ständig von einem Dolkenschleier eingehüllt, der eS u.ts unmöglich macht, die Oberfläche di-eseS Planeten zu sehen, der es aber auch dem; Sonnenlicht unmöglich macht, bis zur Oberfläche der Venus - vorzudringen Unter der dichten Wolkendecke dieses Planeten herrscht eine gleichmäßig verteilte Temperatur, da starke Luftströmungen die Unterschiede Mischest Aequator und den Polen ständig auSgleichen und außerdem der Wolkenmarrtel als Wärmeschutz gegen die Außenwelt wirkt. Die Temperatur auf der Venus berechnet sich auf 47 Grad im Mittel, bei einer Feuchtigkeit, di« etwa sechsmal stärker ist als im Durchschnitt auf der Erde oder dreimal stärker als am Kongo, wo eine miitlere Temperatur von 36 Grad herrscht. Arrhenius vergleicht den heutigen Zustand auf der Venus mit dem, der auf der Erde zur Steinkohlenzett geherrscht haben mag. Der MarS dagegen hat, wie sein Albedo zeigt, eine bedeutend geringere Atmosphäre. Die Stärke der Sonnenbestrahlung beträgt auf dem Mars nicht die Hälfte von der auf der Erdd, genau nur 43 v. H. Di« mittlere Temperatur des MarS liegt daher bedeutend tiefer als die der Erde und sicher unter dem Gefrierpunkt des Wassers. Es ist bisher übrigens nicht Mitteilungen aus dem PubMum. wieder w heben ■ Bureau: gng.fram.ZiganttsiigajiiBr Wo m GEG a.g. WIEN, XII. FABRIKSGASSE 4 BIS 8 TELEPHON 82 3-48 TÜREN UND FENSTER AUS HOLZ GESCHÄFTSPORTALE UND EINRICH¬ TUNGEN FÜR ALLE BRANCHEN ----------- INNENDEKORATIONEN ----------- KOMPLETTE WOHNUNGSEINRICHTUNGEN ENTWÜRFE U. OFFERTE KOSTENLOS .>r-inn-■ EXPORT ■ r-n—^- Kultus- und Justiz-Talare sowie Baro.ie in den mannigfaltigsten Ausführungen erhalten Sie vorrätig oder auch nach Maas nun bei der altbewährten epesialfirma Rudolf Goldstern, Umf ormierungsamiali Qegründei 1866 W EN, II. TABOR8TRA88K 84 Telephon 45-6-29 Lieferant vieler In- und ausländischer Kuttusgemelnden. Zahlreiche belobende Anerkennungsschreiben. 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Welche Aussichten unter solchen Umständen für organische Leben bestehen, braucht nicht weiter ausgesührt zu werden. Das Märchen von den Marsbewohnern gehört in das Reich der dichterischen Phantasie, im Rahmen wisienschaftlicher Ueberlegungen haben diese Fabelwesen keinen Platz, Im Gegensatz zum MarS bietet die Venus günstige Bedingungen für das organische Leben. Freilich menschenähnliche Wesen können auch dort nicht be-! stehen, aber ein üppiger tropischer PflangenwuchS, wir er auf der Erde zur Steinkohlenzeit herscht«, darf auf der VermS angenommen werden. Die Geschwister der Erde zeigen also sehr große Unterschiede, man kann ihnen die Verwandtschaft wirklich nicht „ansehen". Man muß aber auch gestehen, daß es wiMich nicht viel sit. was die Bewohner der Erde bis jetzt von den Geschwistern ihres HermatsterneS erkundet haben. Unsere Sinne und unsere Werkzeuge sind eben nur für den Bereich der Erde geschaffen. __ Amerikanische B ermSgen und ihre Besteuerung. BaS Präsident Coolidge, Rockefeller, Morgan und Charlie Chaplin zahlen. New-Aork» 4. September. (Tel.-Komp.) Wie im Vorjahr, hat die Steuerbehörde auch heuer die S t e u e r l i st e hervorragender amerikanischer Persönlichkeiten und Unternehmungen zur öffentlichen Einsicht aufgelegt. Der Andrang des Publikums in das Zentralsteueramt war enorm. Unter bekannten amerikanischen Finanz- und Jndustriemagnaten fiel die Steuerleistung des jüngeren Rockefeller auf, der für das Jahr 1924 7,5 Millionen Dollar an Einkommensteuer gezahlt hat. William Wrigley. der ^Kaugummikönig", zahlte 3 Milltonen Dollar, genau den sechsfachen Betrag als I. P. Morgan gezahtl hat. Die Einkommensteuer des Präsidenten Coolidge für 1924 beträgt 15.000 Dollar gegen 6645 im vergangenen Jahr, woraus hervorzugehen scheint, daß der Präsident im Jahre 1924 finanziell bester abgeschnitten hat als im Vorjahr. Großes Interesse erweckten die Steuerleistungen der Filmstars. An der Spitze der Kinokönige und Königinnen steht Douglas F a i r b a n! S, der für das abgelaufene Jahr 180.000 Dollar Einkommensteuer gezahlt hat, immerhin um 45.000 Dollar weniger als 1923. Gloria Swanson hat 60.000 Dollar an Steuern bezahlt, während die Steuerleistung Charlie Chaplins nur beu äußerst bescheidenen Betrag von 350 Dollar erreicht. Genau soviel zahlte für 1924 die W i t w e nach dem verstorbenen Präsidenten Wilson. Der Automobilkönig Henry Ford zahlte über 8 Millionen Dollar Einkommensteuer. Unter den mächtigen Jndustriekonzernen der Vereinigten Staaten steht die Ford-Automobilgesellfchaft mit! einer Steuerleistung von 16,4 Millionen Dollar für 1934 att der Spitze. Die U. S. Steel Corporation folgt mit 11 Millionen Dollar an zweiter Stelle. Im weiten Abstand, felgen die Union Pazifie Eisenbahngefellschaft mit 3,5 und die Standard Oil Company mit 8,3 Millionen Dollar. Die weitaus niedrigste Steuer unter sämtliche«; Notabilitäten des amerikanischen öffentlichen Lebenzahlte« Oberst John Coolidge. der Vater de- Präsidenten. Seine gesamte Einkommensteuer für 1984 beträgt — 3 Dollar.