Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 7 (1925)
- Issue
- Heft 2349 (5.9.1925)
- Date
- 1925-09-05
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
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«r-NiS DK», So»«»« des Welwevbanbes des Hechaluz -ur Verteilung der Hach- .scharaihgekder auf die einzelnen Länder, in den einzelnen Ländern Hachscharcchkommistionen bei den Pcrlästinaämtern einzufehen, gemäß der Zusammensetzung der Palästinaämter. Die Hachscharahkmmnissionen in den Ländern haben di« Aufgaben, die Bugets der verschiedenen Hachscharahgruppen zu Prüfen, die Hachischarähgolder Proportionen unter ihnen laut ihren Bedürfnissen m verteilen und alle Hachscharahgvuppen zu kontrollieren. 'Der 14. Kongreß bestätigt die allwelÄiche Hechaluz 'Hamisrachi, den Hechaluz Hamevkchi der allgemeinen Zionistiischen Organisation, die Organisation Hechaluz Hamisrachi, die sich vom Misrachi abgetrennt hat, die Organißationen Haschomer Hazair. Haschomer Trumpeldar, Brich Hanoar. die >besondere Chalnzorganisation in Lettland sowie alle Chailuzorganifationen. die von deil ,zionistischen sZ-raktionen gebildet worden werden, als Ehalll.zorganisationeu für Hachscharch und Alijah, und gibt ihnen die gleichen Rechte, die der 13. Kongreß dem We-ltverlbande Hechaluz ge- 'gobon hat. Der 14. Kongreß fordert, daß sich alle Chal'uzmganilsationen zu einer allaomeinen überparteiliche,: Cha- 'luzorganisation zusammenschließeil. Damit sind, allerdings nicht geitug inechrdisch, die in letzter Zeit ziemlich stark hevvorgetrctcuei: Parteiautonomen Strömungen bei der Lieolungsvorbereitu-ng und Oualifikation der Einwanderer einigermaßen gehenunt. (Ein weiterer Artikel folgt.) Zionistische Arbeitspartei Hitachduth. Heute, halb 8 Uhr abends, tm Lokal, 2. Bez., Glockengasse 30, Mitgliedervevsamnllung. Es werden sprechen: Sprinck-ak, Kaplan, Äatznelson, R»belsky und Friediand über das Thema: „Resultate des Zionistenkongresses". Gäste willkonrmen. Gsrneint ist jener vorzeitige Abschied, den Präsident Weiizmann von: 14. Zionistenkong re ß genommen hat. Ich vergegenwärtige mir die große,: u.nd die unvergänglichen Verdienste des Führers: die Gründung der Äernokratitschen Fraktion unter der Präsidentschaft Herzls; das erfolgreiche Eintreten für den „praktischen Zionismus" in der Aera Wolssohn (tatsächlich hat uns vor den, Völkerbund die bis dahin geleistete praktische Palästinaarbeit nicht minder genützt als das „historische Recht"); die Erwirkung -der Ballfonr-Doklaration und des Mandates; die Eröffnung der hebräischen Universität. Ich vergesse nicht die aufreibende Werbe- und Aufklärungsarbeit, welche Weizmann mit inbrünstiger Hingabe persönlich geleistet hat, und der nicht zum geringsten Teil die Erweckung der amerikanifchen Inden zu danken ist. Noch in: Winter dieses Jahres sahen wir ihn bis zur physischen Erschöpfung am Werk. Er kan: aus Deutschland, sprach in Wien drei- und viermal im Tage, eilte nach der Dschechoflvwakei, führ nach Amerika, dann zu den: anstrengenden Akt der Uuiversitätsfcier nach Palästina, alles in rasendem Tempo. Und tvenn man die großen Taten, die ihm zu danken sind, in die eine Wagschale wirft, und wenn nran auch alle Emt.vände der Opposttion gegen seine Pollitilk vernachlässigt, und wenn man nichts auf die andere Wagschale logt, als sein Verhalten am jüngsten Kongreß — sie sinkt und man darf nicht schweigen. Vor Erledigung des Budgets durch das Plenum, v o r Behandlung der brennenden Orgauisatioi^-, Kultur- und Palästinaftagen erschien der Gestor des Zionismus auf der Tribüne, ersuchte um Unterbrechung der Verhandlungen und teilte mit, daß er sich entfernen müsse. Er konnte nicht darauf hinweifeu, daß er beit Grund für das unerhörte Verlassen des Zionistenkongresses, dem der Präsident veranttvortlich ist, auch nur dem Senate des Kongresses unterbreitet, daß der Permanenzausschnß diesen Jüdisches aus der philosophischen Literatur. Von Sigma. In der letzten Zeit erschienen einige Werke ans den: Gebiete der Philosophie und ihrer Geschichte, die für nns Juden ein besonderes Interesse Haiden, weil sie mittelbar oder unmittelbar Grundfragen des Judentums und der Juden berühren. Der jüdisch-rnateviirlistische Deismus. Das ausgezeichnete Werk „Ergebnisse und Probleme der Naturwissenschaft, eine Einführung in die moderne N a t u rph ilos o p h i e" von Bernhard B a v i n k, liegt in zweiter, vollständig neu bearbeiteter und erweiterter Auflage vor.*) Während die an die Namen Schellings und Hegels sich knüvfense Naturphilosophie of old im leeren Rann: der Phantasie Gedankenkonstruktionen ausführte und so die „wirkliche Welt aus der Natur der Vernunft neu zu schaffen" behauptete, behandelt die morderne Naturphilosophie die allgemeinen Probleuie in: engen Anschluß an die Naturforschung und deren Ergebnisse. Sie sucht vor allem den Einfluß der Naturwissenschaften auf die Weltanschauung festzustellen und zu erforschen, in welchem Verhältnis das Naturerkennen zu anderen Gebieten der Kultur 'steht, insbesondere zur Kunst, Religion und Sittlichkeit. Das stattliche, lebhaft und klar geschriebene (und sehr schön ausgestattete) Buch führt de,: Leser die Ergebnisse der modernen Physik, Chemie, Biologie, Astronomie und Erdgeschichte vor und geleitet ihn bis zu den Proble- „,en, die gegenwärtig die Forscher beschäftigen. Wir gewinnen derart ein zusammenfassendes, aber alle Einzelheiten klar hervorhebendes Bild der gegenwärtigen Naturerkenntnis und der Fortschritte, die sie in den letzten *) Verlag von S. Hirzel, Leipzig. Wiener Movgenzeituria Verkauiulellc in Wien, Baden, Klöstern ea> bui$, Krems, Mlstelbadi, Mödling St. kalten. Stocheren, Waldhofen, Wr.-Nensiadi HUMANIC MWMAM Grund als zwingend erkannt und gebilligt habe. Er nahm Wege,, dringlicher Behinderung Urlaub und eine jubcllnde Ovation begleitete ihn aus dem Saal. Aber dann stockte die Maschine. Der Präsident der Zionistischen Weltorganisation hatte ihr zu viel zngemutct. Zun: ersten Male gingen die Delegierten auseinander, ohne die Zionistische Exekutive gswähst zu habe«. Es ist wahr — und Weizmann durfte sich mit Recht darauf berufen —, daß er vor jeden: Forum, vor zionistischem, zioilsfrenndtichem, antizionistischem, nichtjüdischem Forum — hundertprozentigen Zionismus repräsentiert. Die Sammlung seiner Ansprachen, die vor kurzem erschien, die Reden, die man aus seinen: Munde vor Jahren und neuerdings im verflossenen Winter in Wien hörte, beweisen es unwiderleglich. Und wo Ghaim Weizmann anftrat, war er gewiß ein adeliger, ein mutiger Sachwalter des Zionismus. Für feine Person. Aber schon auf dem vorletzter: Kongreß und völlig auf diesen: Wiener Zionistenkongreß mußte man erkennen, daß diejenigen nicht im Unrecht sind, welche gegen We.iz-ma.nns Agencypel-itik auftreten, weil sie ihr den Niedergang der Zionistischen Organisation zuschreiben. Nur ein Führer, der an die Kraft, ja an die Notwendigkeit des Kongreßzionismus nicht mehr g!l a n 'b t, nur wer überzeugt ist, daß diese von den organisierten Zionisten gewählte gesetzgebende Körperschaft für das palästinensische Aufbauwerk gar keine oder 'bloß untergeordnete Bedeutung hat, konnte das zionistische Parlament so behandeln, wie es Weizmann in Wien tat. Theoretiker haben die crweiterete Jewifh Agency, wie sie Weizmann erzielen will, als die gegenwärtige organisatorische Form der vor Jahren cingeleiteten Bündnis- Politik erklärt und bejaht. Der. Präsident scheint auf die lBündnisfähigkeit des zionistischen Teiles keinen großen Wert zu ilegcn. Die zionistische Partei, deren Parlament New'Vork, 4 September. (Tel.-Komp., Berlin 23.80, London Kabel 4.84"/,,, London Scheck 4.81'/,. Amsterdam 40.18, Paris 4.69, Brüssel 4.45'Rom 3.99V2, Madrid 14.18. Zürich 19.30, Stockholm 26.82. Oslo 21.50, Kopenhagen 25.29. Wien 14, Budavest 14, Vraq 2.96',„ Beinrad 1.78',., Athen 149, Buenos Aires 40#/3i. Rio de Janeiro 13.40. Bukarest 49'/, Nelv-Vork, 4 September Del.-Komv.) Weizen rot Winter 163»,.. Weizen hart Winter 165»/.. Mais 111»/, Hafer 47'/,. Roggen 10V Ehikago. 4. September. (Tel.-Komv.) Weizen ver September 151'/. Dezember 151'/», Mai 155'/,: Mais ver Sevtember 97'/, Dezember 85'/«. Mai 89'/.: Hafer ver Sevtember 38'/z. Dezember 42'/,. Mai 46' ,: Roggen ver Sevtember 90. Dezember 94'/. Ma» 99-/. hundert Jahren gemacht hat. Ueberall wird die Beziehung dieser Erkenntnisse zu den letzten Fragen des Menschengeistes eingehend erwähnt. Lange vor dem Weltkrieg hat sich unter den wirklich schöpferischen Geistern der Naturfvrschung eine allgemeine Abkehr vom Materialismus vollzogen. Der Weltkrieg, der die Gemüter aufs tiefste erschütterte, hat diese Bewegung auch in die Reihen der breiten Schichten der Gebildeten getragen und sie in das entgegengesetzte Extrem getrieben. Zahlreiche Scharen, die vorhin zu Haeckel schworen, laufen jetzt Steiner nach. „Auf monistische Sonntagspredigten folgen spiritistische Sitzungen und telepathische Experimentaluntersuchungen." Wer sich aus diesem wilden Chaos der Meinungen einen Ausweg zu einer gesunden Weltanschauung sucht, tut am besten, nach dem vorliegenden Buche zu greifen. „Wenn die angebliche naturwissenschaftliche Weltanschauung der Materialisten ein Phantom war und ist, so ist eine Weltanschauung ohne Naturwissenschaften erst recht eine völlige Unmöglichkeit." Ter erkennt,üstheoretische Standpunkt Bavinks ist der kritische Realismus. Recht unklar und ein wenig gekünstelt ist seine Unterscheidung zwischen Deismus und Theismus, in Wirklichkeit unterscheiden sie sich von einander nur dadurch, daß erster:' Bezeichnung von: Lateinischen, letztere vom Griechischen sich herleitet. Es gibt aber nur drei Grundtypen für die Weltanschauung: Theismus, Pantheismus, Atheismus. Der Pantheismus ist die Welt als Ganzes genommen ein großer Organismus, den sich die einen, wie Spinoza und Fechner, bewußt, andere, wie zum Beispiel Hartmann, halb oder ganz unbewußt denken, die ersten nähern sich den: Theismus oder bekennen sich ganz zu ihm, die letzteren gehen bis hart an den Atheismus heran. Ter landläufige Theismus, das heißt, die Gottesvorstellung des „Mannes aus dem Volke" — worunter bisweilen auch hervorragende Gelehrte gemeint sein können, insofern sie in ihrem Spe'ialgebiete stecken geblieben und nüyt eazn gewinn,':"., sind, * über die letzten Fragen nachzudenken — stellt sich Gott __ 6. September 1926_ @ett* 3 vom zionistischen Gestor derart behandelst wird, ist nichl b ü n d n: s f ä h i g. Hevzl ging vom jüdischen Kapital, das ihn nicht verstand, nicht verstehen wollte, zum Volk, ging — das Wort wurde vom Chaim Weizmann am Wiener Kongreß mit mevl.viirdigom Unterton ausgesprochen — zur „anonymen Maste". Weizmann geht von der zionistischen anonymen Masse zum nichtziomstischen jüdischen Kapital. Ich weiß, es geschie-ht, weil er mit dein zionistischen Gelde allein das Land nicht bauen kann, und weil er überzeugt ist, daß die anderen mitbauen werden im Sinne und unter den nationalen Kantelen des Mandates. Aber daß er dabei den neuen Partner so hoch einschätzt, den ölten bewährten, den zionistischen Partner hingegen von vornherein, bevor noch der Council gebildet ist, so überaus gering bewertet — das ist der springende Punkt. Daß er den Zionistenkongveß bloß zur Botierung des Vertrauensvotums benützt und ihn dann unverzüglich sich selbst überläßt — das ist die Bestätigung der Befürchtungen, die wegen der zukünftigen traurigen Rolle des Kongreßzionismus in der neuen Agence-Aera gehegt werden. Die Mitschuld tragen die unbedingten Weizmann- Anhänger. Sie stimmen dem Führer begeistert zu, wenn er nach einer Belehrung des Planums, es müsse doch bedenken, daß man nicht im luftleeren Raun: spreche, von der Kongreßtribüne aus feststellt, die zionistische Politik gegenüber der Mandatarmacht und dem Völkerönnde werde von der Ziomstischen Exekutive so geführt, daß man vor dem Nirwana stünde, wenn den Präsideute,: der Organisation ein Eisenbahrmngslück träfe. Sie überschiitten die Oppositionellen, lvelche ihre entgegengesetzte Meinung sormnlieren und deren Vorschläge zur Je-wish Agency von Weizmann selbst als sehr beachi.'lNswert bezeichnet werden, mit stürmischen Pfu.irnfen und sie legen ein Verhalten an den Tag, welches (in Erinnerung an die Lueger-Zeit) bei einen: nicht unerheblichen Teil der Weizmann-Anhänger das harte Urteil heraus fordert, ihr Programm heiße Doktor Chalm M>eizmann. Und sie haben rediich mitgoholfen, daß der Führer, der den Kongreß als jüdischer Staatsmann eröffnete, ihm noch vor Begiun der entscheidenden Arbeiten den Rücken kcbrie — bei Gott nicht wie ein Staatsmann. Otto Abeles. Ser zweite Beniezky-Prozeß. Brniezky freigesprochen, Kobor verurteilt. Budapest, 4. September. (Ungar. Drll.-Korr.-Bur.) Ter Gerichtshof hat Kobor wegen verbotener Vcröffentlicknng zu eine n: M o n a t G e s ä n g n i s und f ü n f M i llionen Kronen Geldstrafe verurteilt. Edmund B e n i c zk y wurde s r e: ge s p r o che it.. . In den Kreisen der Opposition ist eine Bei.vcgung fiir die Einberufung des P a r la m e n ts im Gange. Abgesehen von dem Teuerungsproblem, wollen die Oppositionsparleien die durch die Verurteilung Edmund B e n i c z k y s wieder aktuell gewordene Affäre der Er-- mordung Somcgyis und Bacsos im Hause aufrollen. Die Ausweisung der Svtanten. Berlin, 4. September. (Tel.-Komp.) Der Versuch der deutschen Regierung, die polnische Regierung zu einem gegenseitige,: Verzicht auf die weitere Ausweisung vou Optanten zu bewegen, ist gescheitert, Der polnische Außenminister Graf Skrzynsk: hat dem deutschen Gesandten in Warschau schriftlich mitgeteilt, die polnische Regierung lehne es ab, über das Schicksal der noch in ^beiden Ländern verbliebener: Optanten zu verhandeln. als den Konstrukteur, Mechaniker und Auszieher der großen Weltenuhr vor. Zu den: Gedanken der I m m a n e,: z Gottes kann sich die Denkkraft des Durchschnittsmenschen nicht leicht emporschwingen, denn dazu gehört eine gründliche wissenschaftliche und logische Schulung. Es ist sehr erstaunlich und ärgerlich, daß Bavink diesen Mechaniker- und Uhrenaufzieherstandpnnkt als „echt jüdisch-materialistischen Deismus" bezeichnet, „der freilich einen unverkennbaren Einschlag auch in: Christentum bildet, aber von diesen: doch immer wieder zugunsten eines den: Pantheismus verwandten Jmmanenzgedankens zurückgedrängt worden ist, vor allem da, „wo der Einfluß des germanischen Elementes in der christlichen Religiosität zur Geltung gekommen ist . . ." Erst vor kurzen: hat ein sehr berühmter Bonner Professor der evangelischen Theologie in einer schönen Studie über den Gottesgedanken das Gleichnis vom großen Mechaniker der Weltenuhr, der sie täglich neu aufzieht und ewig in: Gang erhält, breit ausgesponnen. Man kann von Bavink nicht verlangen, daß er auch in der jüdischen Religionsphilosophie bewandert sein soll. Aber schon aus den Psalmen und aus den: jüdischen Gebetbuch hätte er sich überzeugen können, daß gerade das Judentum den Jmmanenzgedanken immer wieder mit größtem Nachdruck betont, so daß er sogar in der Frömmigkeit des jüdischen Durchschnittsmenschen sich tief eingewurzelt hat und auch in: jüdischen Volkslied und Sprichwort nachklingt. Es ist beinahe schmerzhaft, in einem so vortrefflichen, gediegenen und vornehmen Werk auf diesen unrichtigen und verletzenden Satz zu stoßen. Henry Bevgsons Philosophie dev Religion. „Henry Bergson, der Philosoph moderner Religion", nennt sich ein schönes Buch von Pfarrer Tr. Emil Ott*), *) Druck UM Berlac, von B. G. Deubner in Leipzig. Aus Natur- und Ge'Geswett, 4M, Bändchen.