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Wiener Morgenzeitung · 1925-09-03 · Heft 2347 (3.9.1925) · p. Seite 6

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
7 (1925)
Issue
Heft 2347 (3.9.1925)
Date
1925-09-03
Page
Seite 6 (sequence 6)
Language
German
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Seite 6 Men, Donnerstag Wiener Morgeirzettimg 3. September ISST And und der tollkühne Mann auf der schwankenden Leiter Avffchen. Di« Menschen sammelten sich in verkchrsstörender Weise an, betzde zn bewundern. Aber nun hat man sich an beide gewöhnt und gönnt ihnen beim Bovübergehen kaum noch einen Mchtiyen Mick. Der kühne Mann ist nämlich ansgestopft und auf seiner wackligen Letter festgebunden, und das Baby ist nur ein ReAamoplükat für eine Seffenffrma, wenn auch als größtes ReKameMkat der Wett noch durchaus bemerkenswert. Der Eiffelturm in manischen Flennmen. Doch wcyu sich mit Hauswöniden begnügen, wenn der Eiffelturm zur Vensügung stcht! Dies sagte sich der sehr bekannte Inhaber einer Autosabrik, deren augenblickliche Profperität allerdings im umgekehrten Verhältnis zur ausgewandten Reklame sichen soll. Dachte stch's und mietete sämtliche vier Seiten des Eiffelturmes, wenn er auch nur die Seite in Anspruch nahm, die der .^ichtstadt" und der allabendlich in märchenhaftem Lichtevgkanz prangenden Weltausstellung der dekorativen Künste Angewandt ist. Der Eiffelturm wirkt jetzt in den Zlbend- und Nachtstunden nicht mehr als „Ding an sich", sondern als Träger der gigantischesten Lichtreklame, die die Wett bisher gesehen hat. Während oben von der Spitze eine rote Flammen kaskade ins Nichts stürzt, sim- Mn auf der immensen Fläche von 300 Meter Hohe kaloidoskopavtvg fortgesetzt verwirrende Lichteffekte aus und leuchten sekundenlang feurige Schlangen, Kreise, Spiralen, wirbelnde Punkte, phantastische Riesenblumen und Arabesken aus Paris hernieder, bis alles mit einem Schlage erlischt und gleich daraus der ganze Turm vermittels Tausender und aber Tausender von gelben GMhlampchen den einen ans je neun Stockwerke hohen Buchstaben geformten Nomen in den Nacht- Himmel bvüllt. Keine Nacht in Dijon. Den größten Lichttrnmpf aber spielt seit einigen Wochen Dffon aus. Dicht bei Dijon liegt ein mächtig hoher Berg. Aus diesem hat man einen Louchtturm errichtet. Dieses Leuchttuvmes Feuer soll als Wegweiser für Westeuropa dienen. Wo immer am nächtlichen Himmel ein Flieger hoch in Lüften seine Bahn zieht, ob über Frankfurt, über Brüssel, über Marseille oder über Bordeaux; er sieht den leuchtenden Punkt aus nachtdunkler Erde, der Dijon bezeichnet. Dijon wird ihm seine richtungweisende Nachtsonne, gleichgültig, welche Richtung er verfolgt. — Das Milliarden Hefnerkerzen starke Licht von Dijon hat aber, so paradox es klingt, auch seine Schattenseite. Diese wirkt sich in seiner immensen Lichtfülle aus, die jeden Schatten aus Dijon und Umgegend verbannt. Gewiß, der Zustand ist für den Säckel der Gemeinden von Dijon Stadt und Land ideal, da nächtliche BeleuchtungSLosten nun dank der unermüdlichen Mitternachtssonne nicht mehr entstehen. Aber die Einwohnerschaft des im allgemeinen ein wenig verschlafenen Provinznestes Dijon beklagt sich wegen der plötzlich abgesagten Nächte über Schlaftosigkoit, und die Liebespaare gar verwünschen die stete Sonne von Dijon. 100.000 Franken und 5500 Kilometer für eine Zeile. In Ser ober italienischen Landschaft Friaul, bekannt ob chres sächsischen" Italienisch, das heißt ihres eigenartigen Dialektes, Idrte ein biederer Maurer namens Ottavia Bottecchia. Dieser radelte jeden Morgen zur Arbeitsstätte. Eines Tages fiel ihm aus, daß er schneller fuhr als seine Kollegen. Er war ein heller Kaps und nützte die Qualitäten seiner Boinmuskeln aus, indem er an freien Sonntagen die lokalen Straßenrennen seiner Umgebung bestritt. Bald hatte er in und um Fviaul keinen Gegner mehr. Das ewige Siegen in seiner Heimat wurde ihm schließlich langweilig r.nld er beschloß, vorläufig wenigstens, die Maurerkelle an den häuslichen Nagel zu hangen. Er begab sich weiter fort, erst mitten nach Italien hinein und, als er auch dort wicht zu siegen mvshörte, in die Hochburg des Radsportes, nach Frankreich. Dort Mitteiluvse» aus dem Publikum. Wieder zu haben ’ MM Bureau: Or)g.frani.Zioareltenpapier ivD Wn.i>/r Dem verehrungswürdigen Ehepaar JAKOB und ETT1 HAMBURGER entbieten die herzlichsten Glückwünsche zur GOLDENEN HOCHZEIT David und Else Nebenzahl Kultus- und Justiz-Talare sowie Barette in den mannigfaltigsten Ausführungen erhalten Sie vorrätig oder auch nach Mass nur» bei der altbewahrten Speslalflrma , Rudolf Goldstern, Umformicrungsamtoli Gegründet 1866 W EM, II. TABOR8TRA88E «4 Telephon 45-6-29 Lieferant vieler in- und ausländischer Kultusgemeinden. Zahlreiche belobende Anerkennungsschreiben. 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LewiS, Mitzflied der Londoner Redaktion der Jüdischen Telegraphenagentur, gestorben. Mr. Lewis war fett vielen Jahren als Journalist und Schriftsteller tätig, er verfaßte ein vieMeachtoüeS Werk über Syndikalismus und gab auch zwei Bände Essays Wer Gegenwartsfragen heraus. Gemeinsam mit Mr. Paul G o o d m e n verfaßte er das in England viel gelesen« Buch „Probleme of Zionism". In früheren Jahren nahm er hervorragenden Anteil an der Arbeiterbewegung in England. Shäter schloß er sich der zionistischen Bewegung an und war Ehrensekretär der Zionistischen Bereinigung London-West und Mitglied des Sekretariats der Zionistischen Weltorganisation. Die Gattin des Verstorbenen ist die bekannte Schriftstellerin C. Gasooigne H a r t l e y. * Tödlicher Unfall eines Autodiebes. In der Nacht zum 29. August haben der 18jährige Ernst Klocker und August G m e in e r in Gemeinschaft mit dem Arbeiter Albert Dürr aus Lauterbach ein Personenauto im Werte von 12.000 S., welches vor dem Hotel Post in Feldkirch stand und dem Artur Brendler ans Bregenz gehörte, entwendet und sind damit davongefahren. Das Auto wurde auf der BundeSstratze bei Nenzing stark beschädigt aufgefunden. Dürr, der den Wagen gelenkt haben dürfte, lag tot hinter dem Auto. * Die Frauenleiche anf de« Schienen. Auf der Eisenbahnstrecke Stendal—Berlin, kurz vor der Station Schönhauserdamm, wurde Dienstag abends auf den Schienen eine weibliche Leiche gefunden. Man nahm zuerst an, daß eine im Zuge mitfahrende Person überfallen, beraubt und aus dem Coupe geworfen worden sei. Ein Herr und eine Dame wurden auch zuerst der Täterschaft verdächtigt. Nun hat der angebliche Mord eine überraschende Aufklärung gefunden. Nach einer Mitteilung der Reichseisenbabndirektion Hannover hat sich das junge Mädchen, dessen Leichnam auf den: Bahndamm gefunden wurde, in einem Anfall von Verfolgungswahn aus dem Zuge gestürzt. Die Tote ist mit der Beamtin Lampersbach aus Berlin identisch. * Verhaftung des Hochstaplers Färber. Ein Hochstapler, der schon oft den Behörden z-u schassen gab. hat in letzter Zeit in Wien unter der Maske eines Dr. E l e r s, Kunstkritiker des „Berliner Tageblattes", verschiedene Betrügereien und Diebstähle verübt. So hat er dem Mitglied der Mailänder Scala, Com. Luigi Montesanto, gelegentlich eines Besuches einen kostbaren Ring und dem bekannten Schanspisler Dr. Baratoiff (Ben Zwi), den er für eine Filmaufnahme zu gewinnen vorgab, eine goldene Uhr und eine Fünfdollarnote gestohlen. Es wurde festgeftellt, daß per Dieb der frühere Schausipioler Julius Konrad Färber ist. Nun traf aus Sas-jburig die Nachricht ein, daß Färber dort bei einem Besuche der Foslsspiett verhaftet wurde. Er bat in der letzten Zeit auch noch einige andere Personen geprellt. * Versorgungshaus Landesgericht. Am 31. August stellte sich der 36jährige Posten- und unterstandslose Skonttst Eduard Brenninger beim Kommissariat Favoriten mit der Selbstanzeige, daß er in der Nacht eine Fensterscheibe der Bankfiliale der Länderbank am Keplerplatz im Werte von 204 S. zertrümmert habe; er begründete sein Vorgehen Mit dem Wunsche, durch seine Verhaftung Unterkunft und Verpflegung zu erhalten. Brenninger wurde dem Landesgericht wegen boshafter Sachbeschädigung eingeliefert. versuchte e>r sich gleich in dem größten Nennen der Wett, dem vier Wochen dauernden Straßenrennen ,Mund um Frankreich". Ex hielt sich so ausgezeichnet, daß eine große Fahrradfrrma auf ihn auifmerksam wurde und ihn engagievte. Bottecchra hat nun Jahr für Jahr nichts anderes zu tun, als die 5500 Kilometer ter französischen Rundfahrt zu absolvieren. (Wenn ex außerdem noch Rennen fährt, so ist das seine Privatangelegenheit.) Die nächst ihm besten Fahrer der Welt werden engagiert, ihm, dem Erwählten der Firma, unterwegs zu Holsen, ihn zu führen, ihn aufzumuntem. Der Fabrrksdiroktor. in oiigener Person ist in seinem: 2&uto immer in Bottecchias Nähe, um stets da zu sein, wenn er oder irgendein Ersatzteil gebraucht wird. Am jedem Etappenzicll stehen vier Masseure berstt, die sich ans den angekonrmenen Bottecchüa stürzen, seinen Körper von Staub, Schweiß und Stvatzenschmutz befreien und durch Massage und Frottierung die Evnvüdungsstoffe aus seinem Körper treiben. Sämtliche Nahrnngs- und Kräftigungsmittel stehen ihm natürlich kostenlos zur Verfügung. Mehr ails 100-000 Franken werden ausgewandt, damit Bottecchia in tadelloser Verfassung durch die in der Julisonne glühendem Ebenen Frankreichs, über die eisstarrenden Pässe der Hochpyrvnäen und Hochalipsn kommt, daß ihm Steigungen und Talfahrten, Hitze und Kälte, Regem und Schnee vier Wochen und 6500 Kilometer lang nichts anhaben, damit er als Erster wieder nach dem Ausgangspunkt Paris zunnckkehrt. damit die eine Firma in einer Zeile der Sportwelt verkünden kann: Auf unserem Fabrikat hat Bottecchia die Tour de France gewonnen! ßonrad b. Mendorfs Begräbnis. Mit rnilitärstch-m Gepränge, wie es in der Republik noch nicht vorgekommen ist, wurde gestern nachmittags der verstorbene Feldmarschall Conrad v. Hötzendors zu Grabe getragen Die Leichenfeier fand im Militär asino statt, wo der Sarg noch Einbringung de» Toten aus Mer enthe m aufgebabrt worden war Nach der feierlichen Einsegnung trugen die Musiker der Oper e«nen Trauerchor an« »Gösterdämmeiung* vor. Dann hielt Bundesminister B a u g o i n die Trauerrede, wo-auf der ehemalige Kriegsminister K r o b a t i n Abichiedsworte svr'ch. Der §arg wurde in den Leickeuwogen gebracht und der Zug letzte sich in Bewegung. An der Ecke der Mariahilierstraßr und Baben» bergerstroße wurde der Sarg in einen Ga awaqeu gehoben, auf dem auch die Kränze untergebracht wurden Einer stammte vom Re chspräfidenteu H t n d e n b u r g. Ein Kran« hatte ichwarzg^lbe Schleifen welche die Worte trugenr^Dem tavteren Feldmarschall — K a i s er in Z 1 t a lt'it d Kai' er Otto". Der Kondukt rog an zahlreichem Publikum vorbei zum Hietzinger Friedhof, wo die Bestattung erfolgte- * Der Gesundheitszustand Wiens im Juli. Der Krankenstand war im Juli gegen den Bormonat gesunken, jedoch etwas höher als im Bergleichsmonat des Vorjahres. Es starben 1884 Personen gegen 1821 im Vormonat. Die größte Zahl der Todesfälle entfiel auf Krankheiten der Kreislauforgane. Im Berichtsmonat wurden 28 gerichtliche und 63 sanitätspolizeiliche Obduktionen vovgenommen. E (Teppiche, selten so billig!) Vorhänge und Decken. Günstige Gelegenheit. OrendL 1. Bez., Fleischmarkt 1. * Keine Betriebsstörung im Kritzendorfer Strombad. Wie uns miigeteiilt wird, bleibt das Zkritzendorfer Stvombcw bis aus weiteres geoffnÄ. Der Betrieb erfährt keinerlei Ein» schränkunig. An den Hütten und Kabinen wurde durch das Hochwasser kein Schaden angerichtet, die Zufahrtsstraße und der Gehweg sind nur wenig beschädigt. * Aufhebung des Kolportageverbotes auf dem Praterster«. Das von der Polizeidirektion am 3. August d. I. erlassene Verbot des Straßenverkaufes von Zeitungen und sonstigen periodischen Druckschriften auf dem Praterstern sowie In oeffen unmittelbarer Umgebung wrrd mit 3. d. äußer Kraft gesetzt. * Erweiterung der Lesestuuden in der Bibliothek der Israelitischen Kultusgemeinde. Der Lesefaal der Brbliothok (2. Bez., Ferdinandsstvaße 28) ist von nun cm Monta« bis Donnerstag von 2 bis 8 Uhr, Frevtcvg von 8 bis 2 Uhr, Synmtag und christliche Feiertage von 8 bis 1 Uhr vormittags geöffnet. * Ein Denkmal für gefallene Angehörige des jüdische« Selbstschutzes. In O r s ch a, in der Nähe von H o m e l, wurde, wie I. T. A. berichtet, den im Pogvom des Jahres 1908 getöteten Mitgliedern des jüdischen Selbstschutzes ein Denkmal erriichtet. Das Denkmal tst das Werk deS jüdischen Bildhauers B r a z e r. * Tod des größten indischen Sanskritisten. Der größte aller indischen Sprachgelchrten, der Senior der Wissenschaft von Sanskrit, ist mit Sir RamkrWna Gapal Bhandarkar dahingegangen, dessen Tod von englischen Blättern gemeldet wird. Er wuchs 1838 als Sohn eines kleinen Beamten im Ratnagiri-Bezirik aeboren und zeigte früh eine gwß« Begabung für die Sprachwissenschaft. Infolge seiner bahnbrechenden Arbeiten wurde er Pwfeffor des SanSkrit am Deccan College in Puna. 1872 gründete er die Zeitschrift „Indian Antiquach", die er Viole Jahre herauSgab. Er veröffentlichte zahlreiche Abhandlungen Wer die Grammatik des Sanskrits, nrachte kritische Ausgaben wichtiger DanSkrittexte und erstattete in sechs Bänden einen inhaltsreichen Bericht über seine Nachforschungen nach Sanskritmanuskripten im westlichen Indien. * Oefsentltchkeitsrecht für die jüdische Volksschule. Der vom Jüdischen Schulderem erhaltenen Mi-'chen Volksschule, 20. Bez.. Denisaasie 33, wurde vom Bu-ndesmiwisterium für Unterricht mit Erlaß vom 19. Juli d. I.. Z. 1Ü.774-4-1W6, vom Schuljahr 1084-25 cmgoftmgen das Oeffentlichkeitsrecht verliehen. Gchulnachricht. E Reue Stenographie, und kaufmännische Kurse. Maschin» schreiben aß 3. September. Schutt Weigmann, 1. Bez., Wollzeile 5.

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