Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 7 (1925)
- Issue
- Heft 2347 (3.9.1925)
- Date
- 1925-09-03
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Men. Donnerstag ©leitet Moeaeußettuira Nr. 284? Mtttette Einwanderer), 88 der Kategorie E (Ehaluzim) an. Die im großen und ganzen befriedigenden Erfolge unserer Palästinaavbeit sind vor allem den: Umstand zu verdanken, daß das Einvernehmen unseres von Herrn Dr. Landau geleiteten Palästinaamtes mit der hiesigen britischen D i e n st st e 111 ein ausgezeichnetes war. An Schekeln wurden wahrend der Jahre 5664 und 5685 hier annähernd 1500 verkauft. Nie Kolonialkriege. Md et Kvirn in Verteidigung. Paris, 2. September. (Tel. der „Wiener Morgenzeitung".) Abd el Krim fetzt den Bau seiner Verteidigungsstellungen in der Bucht von Alhucemas fort. Das Lager von A i d i r wird befestigt und mit Schützengräben versehen. An der Front selbst herrscht noch Ruhe. Die Säuberung des TsulgebieteS schreitet weiter, die französischen Truppen haben Sef es Zaara erreicht, verschiedene Stämme haben ihre Unterwerfung angeboren. Damaskus nicht bedroht. Paris, 2. September. Der amerikanischeKonful von Damaskus ist in Marseille eingetroffen. Er erklärte, daß in der letzten Zeit die Lage in Syrien nicht sehr beunruhigend gewesen sei. Beirut und Damaskus seien nieernftlichbedroht gewesen. Beniczlh verurteilt. Der Ankläger Horthys erhält drei Jahre Gefängnis. Budapest, 2. September. (Tel. der „Wiener Morgenzeitung".) Vor dem Staatsgerichtshofe wurde heute der Prozeß gegen den gewesenen Minister des Innern Edmund Beniczky wegen Beleidigung des Reichsverwesers und Verletzung des Amtsgeheimnisses durchgesührt. Der erst vor einer Woche enthaftete Angeklagte war pünktlich zur Verhandlung erschienen. Ter Staatsanwalt verlangte gleich nach Beginn den Ausschluß der Oes senil ich keit, welchem Antrag der Gerichtshof auch Folge gab. Nach kaum zweistündiger Verhandlung verkündete der Senatspräsident das Urteil, nach dem Beniczky schuldig gesprochen und zu dreiJahrenGesängnis, 15 Millionen Kronen Geldstrafe, drei Jahren Amtsverlust und Aufhebung seiner politischen Rechte verurteilt wird. In die Strafe werden zwei Wochen Untersuchungshaft eingerechnet. Die Geldstrafe kann irn Falle der Nichteintreibung in 150 Tage Gefängnis umgewandelt werden. Beniczky meldete die B erufung an. Mit Rücksicht auf Fluchtgefahr wurde er sofort in Hast genommen. Die Zeitungen dürfen nur das amtliche Kommunique, aber keinerlei Bemerkungen dazu veröffentlichen. Morgen vormittags wird das Strafgericht die zweite Klage gegen Beniczky wegen verbotener Veröffentlichung gemeinsam mit der gleichen Klage gegen den Redakteur deS „Az Ujsag" Thomas Kobor verhandeln. Irr Weltfkiedeuskougreb. Paris, 2 .September. (Tel. der Miener Morgenzeitung".) Der 24. Friedenskongreß wurde heute eröffnet. Es sind 800 Delegierte als Vertreter von 20 Ländern anwesend. Unterrichtsmimster de Monzie hielt die Eröffnungsrede. Er wies aus die internationalen (gintidj* tungen int Haag, in Genf und in Paris hin, die bestimmt seien, den Frieden zu sichern, die aber noch zu langsam und unsicher arbeiten. Die wachsenden w ir t schüftli chen Sch w ier igkeite n a^rr würden bald dazu .führen, daß auch die entferntesten Völker die vertraglichen Verpflichtungen auf sich nehmen werden. Da Herriot nicht zum Kongreß erscheinen konnte, hat auch, der Reichslagspräsident Loebe darauf verzichtet, eine Rede zu halten. Die deutschen Delegierten haben daraufhin beschlossen, kein anderes Mitglied der Delegation sprechen zu lassen. Der Zwischenfall hat großes Befremden erregt. Da« russische MlnorMeugesetz. Moskau» 1. September. (I. T. A.) Soeben wurde ein Gesetz veröffentlicht, welches die Sicherheit der Rechte der nationalen Minderheiten in Rußland betrifft. Laut dem neuen Geletz hat jeder Bürger der Sswiet- Uniqu das Recht, sich in allen zentralen und lokale» RegierungSinstitutionen, während der Sitzungen der zentralen und lokalen Sowiets, sowohl auf politischen als auch auf sozialem und kulturellem Gebiete seiner Muttersprache zu bediene». Wo eine nationale Minderheit die Mehrheit der Ortsbevölkerung bildet, erhält sie da- Recht, eigene BewaltungSkörperschäften zu gründen, in denen die Muttersprache der Minorität die offizielle Sprache ist. Brand bet Alane«. Berlin. 3. Seot-mber (Tel-Komp.). Wie aus Duisburg aemeldet wird, brach heute in den Bureauräumen der Firma Hugo StinneS in Mühlheim in Abwesenhrtt der Angestellten ein Brand au«. Dem Feuer fiel ein großer Teil wichtiger Akten und Geschäftspapiere zum Opfer. Mittelmeer und Orientreise IY2Z PEER GYNT" vom 29. Okibr. bis 24. Novbr. ab fienn« an Genua Während des Herßstes die günstigste Reise* zeit in den sonnigen Süden u. nach Aegypten Unauslöschliche Erinnerungen an STROMBOLI / MESSINA / ATHEN / KONSTAN¬ TINOPEL / BOSPORUS / PALAESTENA / JERU¬ SALEM / BETHLEHEM , NAZARETH / KAIRO mit den PYRAMIDEN / MEMPHIS und die Wüste Sakkara / NEAPEL / CAPRI / POMPEJI Nur I. Klasse inkl. voller Verpflegung von 12Z0 M. an Buchungen und Auskünfte durch: Reederei Viktor Schuppe Berlin NW7, Dorotheenstrasse 30 Drahtanschrift: Seesdiuppc / Telefon: Zentr. 0755-59 sowie sämtlidie Reisebüros des In- und Auslandes Las Budget für Genf. Gestern wurde im Nationalvat eine kurze erste Lesung über den Bundesvoranschlag für 1966 abgeführt. Die Redner aller Parteien ließen erkennen, daß sie mit Rücksicht ans die bevorstehende Völkerbundtagung in Gens sich eine eingehendere Budgekkritik versagen, müssen, Werl doch der Bundes- Voranschlag durchaus nur in usurn Delphini, d. h. für den Gebrauch der österreichischen.Delegation vor dem Bölkevhurtd, bestimmt ist. Da die Regierung dort auch das österreichische Wirtschaftspvoblem zur Diskussion gestellt hat, beeilten sich die Sprecher in der Debatte gestern recht kräftig in das Anschllußhorn zu stoßen, um so die notige Begleitmusik für den Vortrag der österreichischen Abordnung beizusteuern. Man wird ihnen dies in der Gesellschaft der Nationen kaum übel nehmen, kennt man doch das Wort von den guten Patrioten und schlechten MusAaniben. Das Budget wurde dem Finanzausschuß zugewiesen, der jedoch in die meritorksche Beratung des Voranschlages erst nach RüÄehr der Regierung aus Gens eintreten wird. Zum Generalberichtevstatter wurde Abg. Heini gewählt. Ms erster Redner sprach der Sozialdemokrat Dccktor Bauer, der das Sozialversicherungsgesetz urglierte und bemängeilte, daß insolange in die eigentliche Budgetbevatung nicht eidgangen werden könne, als nicht die Detailnach- Weisungen Vorliegen. Das Budget, das den Bolksmassen große Lasten aufevlege, Sonne nicht anders als mit dem äußeren Zwang gerechtfertigt werden. Es soll das Budget sein, mit dem man in Genf die Befreiung Oesterreichs von der fremden Kontrolle durchzusetzen hofft. Das Haus habe im vergangenen Sommer eine Fülle von Gesetzen erledigt, um die Vorwände zu beseitigen, die der Aufhebung der Kontrolle noch entgegenstchen. Nun aber heäßt es: Schluß mit der fremden Kontrolle aus jeden Fall und vollkommener Schluß! Die zweite Forderung ist, daß unsere Freiheit auch nicht weiter durch Vereinbarungen nach Art der vom September des Vorjahres eingeengt werde. Die Negierung hat von diesem Hause und der Bevölkerung die größten Anstrengungen mit der Begründung gefordert,, daß die Erfiillung des Soptomberübcreinkottlmens eine notwendige Voraussetzung unserer Befreiung sei. Diese Voraussetzung ist geliefert worden und wir verlangen, daß aus ihr nunmehr der Schluß gezogen werde. Wir erwarten die wirtschaftliche Sanierung nicht von Gens, nicht aus einem System von Präferenzzöllen. Die Regierung nrüßte mit einer ganz anderen Forderung nach Gens gehen. Sie müßte, wenn sie wirklich demokratisch wäre, vor den versammelten Bölkerbundrat treten und sagen: Wir haben keine Hoffnung, daß ihr uns aus den wirtschaftlichen Nöten befreien könnt, die die Friedensvertrage uns aufevlegt haben. Wir erwarten und erbitten von euch keine Hilfe, wir halben genug von Beratern, EOertisen, Kontrolloren, Wohlwollen und Hilfe. Wir brauchen das alles nicht. Wir brauchen von euch nur eines: Gebt uns die Freiheit wieder, die man uns jetzt geraubt hat. Gebt nns, wM Wir im Artikel 88 ües Friedeilsvertrages die formelle Aiöglichkeit haben: Das Sel'Wsstimmnngsrecht, damit wir ö. Septemöer 1923 SekU A Uns selbst entscheiden können, ob wir dieses Lüben der Rot Unfreiheit weiterführen oder unsere Zukunft innerhalb -er großen deutschen Republik suchen tvollen. Gebt uns die Freiheit und wir pfeifen euch du$ alles andere. Redner kritisierte weiters, daß die Trauerkundgebung für Feldmarschall Conrad zu einer politischen Staatsaktion benützt werde. Conrad habe selbst in seinen Memoiren zugegeben, daß er schon mehr als zehn Jahre vor dem Kriege begonnen habe, den Krieg 51t verlangen. Er gehöre zu den Männern, die die persönliche Hauptschuld an dem Ausbruche des Krieges tragen. Wir verstehen die Pietät vor den Helden des Krieges, aber wir zahlen einem Kriegsbeschädigten, dessen Erwerbsfähigkeit auf 40 Prozent reduziert ist, monatlich 1,20 S. Rente. Das ist der Dank des Vaterlandes. In Versprechung der Zustände beim Bundesherr nannte Doktor Bauer jene Offiziere, die ihre Kommandogewalt mißbrauchen, Schurken. Er wurde hiefür unter großem Lärm seiner Parteigenossen zur Ordnung gerufen und schloß mit der Ankündigung der n a ch s i ch t s l 0 s e st e n Kritik des Budgets und der entschiedensten und entschlossensten Gegnerschaft gegen die Negierung. Ter Großdeutsche Dr. Hampel meinte: Für uns gibt es keine Donaukonföderation, keine Präferenzzölle, sondern nur die Rettung durch den Anschluß an das deutsche Wirtschaftsgebiet. Der Christlichsoziale Dr. Odehrcal erklärte, seiner Partei liege nichts ferner, als mit der Teil nahme an der Leichenfeier für Feldmarschall Conrad eine politische Demonstration zu verbinden. Sie wolle nur einen großen Toten ehren, der sein ganzes Wisien und Denken auf das Großwerden und Erstarken des Vaterlandes aufgewendct habe. Der Landbündler Dr. Schönbauer schließlich betonte, daß das österreichische Volk seine Pflicht gegenüber dem Völkerbund in den letzten Jahren erfüllt habe. Wir können nunmehr das verlangen, was so oft während des Krieges jedem Volke versprochen worden ist: das Selbstbestimmungerecht. Damit war die erste Lesung des Voranschlages b c* endet. Die nächste Sitzung wird in schriftlichem Wege einberufev werden. Italienische Grenzverletzung in Körnten. Nach einer Meldung des Landesgendarnreriebom-- mandos Klagenfurt überschritt am 1. d. eine italieuischeMilitärabteilung von 180 M a n n mit 20 Tragtieren unter Kommando eines Leutnants die Reichsgrenze und marschierte — trotzdem sie ans die Grenzverletzung aufmerksam gemacht wurde und die Grenzsteine deutlich zu scheu waren — mit klingende m Spiel durch den Ort Magiern 'bei Thört. Wie die amtliche Nachrichtenstelle erfährt, wurde die österreichische Gesandtschaft in Rom telegraphisch angewiesen, die nötigen Schritte zu unternehmen. , Zer Kampf «mr Auge. Von Dr. F. B. Herschek (Paris). Unter Ausschluß der Oeffenllichkeit. Da, wo Paris am Pariserschesten ist, an den großen Boulevards, wird es momentan von- Grund auf umgebam — aber Paris spürt es nicht. Das Riesenwerk des „Pereemeut Haußmann" wird Tatsache. Um zwecks Erleichterung des ins Gigantische anwachsenden Autovevkchres den bisher Ln ein Wirvs-Ä kleiner Straßen mündenden Boulevard Haußmann bis zu den großen Boulevards durchzuführen, werden diese sämtlichen kleinen Straßen dem Erdboden glvichgemacht. In, selbst die gesamte Novdferte des Boulevards des Italiens zwischen Rue Le Pelletier und Rue Drouot füllt der Spitzhacke zum Opfer. Außerordentlich belebte Straßenqüge, ein Teil des frequentiertesten Boulevards verschwinden gänzlich von der Bildfläche — aber Paris merkt es nicht. Gin halbes Hundert Häuser, ganze Häuserblocks werden abgerissen — aber Paris sieht es nicht; vm neuer Stadtteil, gang im Sinne des Bonlevardnamengebers Haußmann, dessen Initiative Paris sein > heutiges Ausscheu verdankt, wird geschaffen, ersteht mitten im Herzen der Weltstadt — aber Paris ahnt es nicht! Paris sicht und ahnt nichts, weil die Oeffentlichkoit von dieser immensen Baustötte ausgeschlosien ist. Wo sich nicht fünf- und sechsstöckige Häuser schoben, da steigen jetzt 30 Meter hohe, dichtgeschlossene, von oben bis unten mit Plakaten und An- Vündigungen bedeckte Holzwände empor. Von den Hunderttausenden, die tagtäglich an den Holzwänden vorbeÄaufen. oder sich vor ihnen, die Anpreisungen studierend, stauen, ge wahrt keiner, welches grandiose ZerstövungSwevk sich mw wenige Spannen von chm entfernt jenseits der Latten vollzieht. Dev Wett größtes Baby. Wenige Minuten westlich dieser Reklamewand, jenseits des Opernplatzes, wo der Boulevard des Capuoines endet und der Boulevard Made-lßine beginnt, sicht 20 Meter über dem Straßenpflaster Tag und Nacht, bei Sonnenschein und Regen ein Mann auf einer Leiter, die bei Wmd in entsetzenerregender Weise hin und her schwankt. Er weist auf ein ungeheures Baby hin. Der Kops dieses Babys ist 17 Meter hoch, seine Augen sind je 2.90 Meter breit, sein Nasenrücken mißt gleichfalls 2,80 Meter, der Mund hat eine Breite von 4 Meter. Insgesamt bedeckt es eine Fläche von 1072 Quadratmetern. Irr den ersten Tagen ihres Erscheinens erregten das Riesen--