Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 7 (1925)
- Issue
- Heft 2347 (3.9.1925)
- Date
- 1925-09-03
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 4 Wien, Donnerstag pi^os F, EHRBAR PIAN0S WIEN » Niederlage: Hauptbureaui I. Parkring 18 — Tel. T3B34 iV. MOhlgaaae 30 - Tel. 53468 „Wird Lord P!umer wollen.. / Zur Ankunft des neuen Oberkommissärs in Erez Israel. Anläßlich der Ankunft des neuen Oberkommissärs Lord P l u m e r in Erez Israel widmet ,Haarez" dem böchsten Beamten des Landes die folgenden Zeilen: Ein herzlicher Empfang wurde gestern Lord Plumer bereitet, als er die Bahnstation in Tel-Awiw passierte. Zn diesem Augenblick dachte keiner der Taufenden, die ihm zujubelten, daran, daß Lord Plumer nicht unserem Volke angehört und feine Sprache nicht die unsere ist, weil wir in ihm vor allem anderen den Oberkommissär von Erez I s r a e l, den B e v o l I nt ächtigtcn Großbritanniens erblicken, der die Aufgabe hat, das Land im Sinne des vom Völkerbund Unterzeichneten Mandats zu leiten. Jeder war in dieser Stunde von dem Glauben eysüllt, daß ein mit Vollmachten ausgelstatteter Mann ins Land gekommen ist, um mit Recht und Gerechtigkeit fortzufetzen und in die Tat umzusetzen die Errichtung des jüdischen Natranalheims in Erez Israel, zu welchem Zweck: Großbritannien das Mandat über dieses Land erhalten hat. Jeder einzelne ist von der Hoffnung beseelt, daß Lord Plumer gekommen ist, um die bisherige Arbeit z u bereichern und nicht zu verringern, das Volk zu stärken und nicht zu schwächen und als neuer Ansporn für die Energie des Volkes in dem Ausbau der Ruinen zu dienen. Wird Lord Plnmer wollen — dann wird fein Name tu der Geschichte in der Reihe jener glänzenden Namen der besten Männer Großbritanniens leuchten, die schon vor Jahrzehnten die Rückkehr des Iudetum's nach Zion weissagten und auch praktisch für die Verwirklichung dieses Ideals wirkten. Wird Lord Plumer wollen — wird sein Bild ruhmvoll an den Wänden der jüdischen Häuser allerorten zusammen mit den Bildern Balfours, Samuels und anderer großer Männer prangen ohne Rücksicht daraus, ob sie Juden oder Nichtjuden sind, welche dem Volke behilflich lvaren, im Lande seiner Väter mit der Kraft des Friedens, der Arbeitstüchtigkett in Stadt und Land, in Berg und Tal eine feste Stätte zu errichten. Wird Lord Plumer wollen — dann wird seine Antünst im Lande den Juden Erez Israels und der ganzen Galuth als frohe Nachricht dienen, daß die Idee des Nationatheims einen neuen Freund gewonnen hat, mit dessen Hilfe die Grundpfeiler des jüdischen National-- heinis zum Wohle unseres Volkes und der gesamten Menschheit gefestigt werden. Wird der neue Obevkommissär wollen — dann wird er das Band zwischen der jüdischen und der britischen Nation noch enger und fester gestalten. „Wollen Sie eine Anzeige machen? Bitte, blassen Sie mich nicht an." „Ein—n—e Anzeige? ... Ich melde Ihnen als dem Vertreter der Behörde, daß ich mich langweile. Gibt es keine Belustigungen?" „Gehen Sie heim und schlafen Sie sich tüchtig aus." ,Me meinen? Das werde ich nicht tun. Ich will in dollen Zügen leben. Freilich, Sie können mich hinausjagen, aber wohin werde ich gehen? Wenn ich hierher gekommen bin, so war mir schon nichts anderes Wriggeblieben. Ach, Herr Aufseher. Der Russe trägt eine besondere Langeweile in sich." „Seien Sie so gut und stören Sie mich nicht." „Wo soll ich hingehen? Ich schmachte nach etwas Lustigem." „Nun, gehen Sie ins Kino. Nach zwei. Stunden wird es geöffnet." ,Merci. Das ist ei» tunlicher Rat. Ich wußte, wohin ich ging. Die Behörde weiß immer zu Helsen. Gestatten Sie, daß ich hier einstweilen sitze . . ." „Bitte, über Verhalten Sie sich ruhig." — ,MaS wünschen Sie, Herr?" „Meine Frau ist durchgebrannt. Vielleicht . . „Warum haben Sie nicht achtgegeiben?" ,Kann man aiirf die Weiber immer aufpassen? Es fragt sich nur, was ihr noch fehlte?" „Ja... die Weiber sind ein rätselhaftes Volk. Sie suchen das, Ivas es überhaupt auf der Welt nicht gibt. Ein wunderliches Geschlecht. Haben Sie Verdacht auf jemand?" „Hier ist überhaupt kein Verdacht nötig. Sie ist mit dem Ctckbshauptmaun PerzoF,. durchgegangen." „Warum haben Sie nicht aufgepaßt?" „Ja, fragen Sie nur... Er galt als Freund, wir haben zusammen Billard gespielt, und dann macht er sowas ..." , „Ja—a... im Familienleben muß ntan immer auf der Hut sein," sagte der Aufseher müde und setzte eine Zigarette in Brand. „Rauchen Sie? Das Familienleben ist sozusagen eine belagerte Festung. Die Weiber wollen Romantik und di« Männer gehen morgens ungestriegelt, im zerknüllten Hemd und barfüßig in Pantoffeln. Aber das Weib hat Lackstiesel gern. Moralische Tiefe interessiert es weniger als äußerer Glaniz ..." — „Was wist du?" „Nun, Sie sind noch arg beschäftigt, Wohlgeboren, da werde ich ein bißchen warten. Muß nicht jeder Mensch ein Wiener Moraenzeitung -er landwirtschaftliche Boden du Keren Kairmeth. Die Bodenkategorien. Die landwirtschaftlichen Bodenflächen des Keren Kajemeth tverden nach ihrer Eignung zur Ansiedlung in vier Kategorien eingekeilt: 1. Besiedelter Boden; 2. Boden, der ohne kostspielige Amcliorationen zur Ansiedlung geeignet ist; 3. Boden, der erst nach kostspieligen Amelioratiouen zur Ansiedlung geeignet ist; 4. Boden, der zur Ansiedlung ungeeignet jedoch bewaldet oder zur Beforstung geeignet ist. Nach diesen Kategorien verteilt sich der Boden des Keren Kajemeth, wie aus dessen Rechenschaftsbericht pro 1924-25 hervorgeht, folgendermaßen: Von dein Gesamtbesitz von 15 0.0 0 0 Dunant des Keren Kajemeth sind 71.9 7 3 Dunant besiedelter Boden (das sind 47V Prozent, was einen Rückgang gegen das vorhergehende Berichtsjahr bedeutet, wo der besiedelte Boden 66.4 Prozent des Gesamtbodenbesitzes des Keren Kajemeth betrug). Der ohne kostspielige Am e li ora t tonen zur Ansiedlung geeignete Boden des Keren Kajemeth betrug 4 5.8 3 3 Dun-am (das sind 30.5 Prozent Gesamtbesitzcs gegen 192 Prozent int vorhergehenden Jahve, tvas für die nächste Siedlungsarbeit eine ansehnliche Erleichterung ist). Zur Ansiedlung erst nach kostspieliger Amelioration geeignet sind 12.6 0 0 Dunam (9,7 Prozent des Gesamt'besitzes gegen 7,2 Prozent im Vorjahre). Der zur Ansiedlung u ngeeignete, jedoch entweder bewaldete oder bes o r ft b a x c Bodenbesitz des Nationalfonds umfaßt 2 0.101 Dunam, demnach 12 Prozent des Gssamtbesitzes; dies bedeutete gegen das Vorjahr eine günstigere Situation in bezug auf diesen am wenigsten rentablen Teil des Badenbesitzes, da im Jahre 1923-24 der zur Besiedlung ungeeignete Boden 18,2 Prozent des Gesamtbesitzes des Keren Kajemeth betragen hatte. «e Wische Arbeiterschaft PalWnar. Starkes Anwachsen der ländlichen Arbeiterschaft. Aus Jerusalem wird berichtet r Die Zahl der jüdischen Arbeiterschaft Palästinas ist von etwa 8000 im Jahre 1922 auf etwa 11.000 im Jahre 1924 und ungefähr 16.000 Mitte des Jahres 192 5, gestiegen. Bemerkenswert ist das Anwachsen der ländlichen Arbeiterschaft von 2400 im Jahre 1923 auf 6000 im Jahre 1925. Die jüdischen Kolonien, die 1928 nur etwa 700 jüdische Arbeiter beschäftigten, beschäftigen jetzt fast 8000. Bo« der Wischen Natsonalbibliothek. Mehr »18 100.000 lotoi-gisicri- Biinde. AuS Jerusalem wird uns berichtet: Gemäß dent am 1. Elul abgeschlossenen Ausweis der katalogisierten Bände zählte die jüdische National- und Universitätsbibliothek an diesem Tage 100.241 Bande. bißchen warten, wenn Hochwohlgeboren so arg beschäftigt sind? Bitte, schreien Sie nur nicht . . „Was wollen Sie eigentlich?" „Eine ganz kleine Sache... Zu meiner Frau ist auf einen Augenblick ihre Schwägerin aus Warschau gekommen, mm, und sie hat das Warschauer Wohnungsrecht. Ich Hab dem Herrn Paßbeamten gesagt . . ." „Grit, komme um drei Uhr, wenn ich freier bin." — ,Fräulein, was wünschen Sie? Weinen Sie nicht . . „Darf man daS? Erst sagt er mir immer „ich liebe", „ich liebe" und dann schleppt er alles fort und verschwindet. Und läßt mich in einem Hemd sitzen." „Wer?" „Der Kommis . . „Warum haben Sie nicht aufgepaßt?" ,-Er sagte doch immer, daß er liebt. Er schwur, bekreuzigte sich. Was soll ich jetzt anfangen?" „Gut," sagt der Aufseher, „haben Sie sich in unserem Revier verliebt? Seien Sie ruhig, wir werden Maßregeln treffen." $ Der Schreiber dieser Zeilen sitzt lang aus dem alten abgehärmten Sofa und amüsiert sich über das Kaleidoskop von Köchinnen, Mietern, Gespenstern, Dvunkenen und gehörnten Männern. Endlich erwische ich eine freie Minute und trete zu dem ermüdeten und veMödelen Aufseher. ,Me wünschen?" ,Mn Thema, Herr Aufscher." „Ein Thema?" „Zu einer Erzählung." „Warum haben Sie nicht aufge. . , Aber bitte, was habe ich eigentlich damit zu tun?" „O, und wie noch? Sie sind die Polizei. Wenn Gespenster, betrunkene mid 'betrogene Vtänner Sie etwas angehen, dann . . Der Auffcher fährt sich mit der Hand über den Scheitel. „Sie wollen ein Thema? Haben Sie Berd . . . Hm . . . Warum wollen Sie nicht unser Revier beschreiben. Ist das kein Thema? '. . ." Autorisierte Usbevsetznng von H. Block. 3. September 1925 Nr. 2847 DANUBIA International« TrantportgaiallMhaft m. b. N. Mitglied des Rhenania-Rheinschiffahrts- Konzern (BayeMaeha «ohlfTahrttiruppa) Wien, i. Roteitturmstrasse 13 Telephon 68-3*32, 69-4-51. Telegrammadr.: „Transtianubla" Rhein-Main-Donau-Scliiffalut, Massentransporte, Schiffssammelladiingen, Reexpedltionen, Verzollungen, Einlagerungen In Magazine mit Oeleiseanschltiss 284 Spezialverkehr nach Trias! und Uebarsaa SioniftWe Srganisation (fit das Gebiet der freien Stadt Sämig. Unsere Organisation erblickte während der letzten Jahre ihre Hauptaufgabe in der Werbung neuer Mitglieder unter den aus den verschiedensten Elementen zusammengewürfelten, untereinander nur in loser Fühlung stehenden Tanzigcr Juden der Nachkriegszeit. Wir können insofern ein günstiges Fortschreiten unserer Arbeit konstatieren, als cs uns gelungen ist, einen Stamm aktiver Z i 0 n i st e n heranznziehcn, die den verschiedenen durch die zionistische Wirklicheit von heute gegebenen Ausgaben mit Verständnis gegenüderstehen. Der engere Vorstand unserer Organisation setzt sich zurzeit zusammen uns dem Vorsitzenden, Herrn Doktor Landau, Herrn Sally R 0sen be rg als Schriftführer, Frau C h a s 0 n, den Herren F c l d m a n n (Nationalfouds- und Kassenwart), W 0 z n i a n s k i, Dr. Rose 11thal, Tr. Qstr 0 wski und dem jeweiligen Leiter des Jüdischen Wanderbundcs „Blauweiß". Der engere Vorstand wird unterstützt von der Kcren-Hajessod-Kommission (19 Mitglieder), der K'eren-Kajemeth-Konrmission (11 Mitglieder, der Kulturkonunission (13 Mitglieder) und zwei Kassenrevisoren. Durchschnittlich in jedeut Monat findet eine Sitzung des erweiterten Vorstandes statt, ' dent außer dem engeren Vorstände die Mitglieder der Kommissionen angehören. Aut 1. November jedes Jahres findet die ordentliche Generalversammlnng der Mitglieder statt. Während der Arbeitsperiode vom 1. November 1923 bis 1. November 1924 fanden, abgesehen von zähreichen anderen geselligert und belehrenden Veranstaltungen für die Mitglieder und propagandistischen Veranstaltungen für die dem Zionismus ferner gehenden, 14 Sitzungen des erweiterten Vorstandes statt. Seit >bem 1. November 1924 fanden 10 Sitzungen des erweiterten Vorstandes, deren einer Herr Israel Cohen als Vertreter dev Londoner Exekutive beiwohnte, statt, ferner 17 Vorträge und gesellige Veranstaltungen, von denen 8 der breiteren' jüdischen Oeffentlichkeit zugänglich waren. Von letzteren möchten wir namentlich unserer Makkabäer-Feier Erwähnung tun, die den Höhepunkt unserer Arbeit in jüdisch-kultureller und geselliger Hinsicht in diesem «Jahre «bedeutete, soivie eines öffentlichen Vortrages des .Herrn Kurt Blumenfeld über zionistische Probleme und der von Herrn Rabbiner Segalo witsch geleiteten Univevsitatseröffnungsseier in einer der Gemeindesynagogen. In engem Konnex mit der Organisation arbeitete der am 31. Jänner 1926 begründete Danziger „Tarbuth" (im Vororte Zoppot besteht schon seit längerer Zeit eine Taributh-Organisation), der im Verlaus seiner Tätigkeit seine zum großen Teil auch der Zionistischen Organisation angehövigen Mitglieder fünfmal zu ausschließlich in hebräischer Sprache geführten Diskuffionsabenden zusammen berief sowie in Danzig einen hebräischen Kindergarten und h e b r ä i sch e Kurse für Kinder und Erwachsene ins Leben rief. In den letzten drei Monaten galt ein großer Teil unserer Arbeit der Frage der für den 24. Mai d. I. festgesetzten R epräs entanten wahleu zur Shnagogengemeinde Danzig. Wir stellten als „Jüdische Bolkspartei" eine eigene, ausschließlich aus Zionisten zusammengesetzte Kandidatenliste aus, gegenüber der Liste der ,Mberäl-orthodoxen Partei", die übrigens ihr zweites Attribut sehr zu Unrecht siihvte. Nach cinent von unserer Sette lebhaft gesiihrten Propagandakampf kam jedoch unmittelbar vor der Wahl noch ein Kompromiß zugunsten der Aufstellung einer gemeinsamen Stfie zustande, wobei wir die von uns von vornherein gestellten Forderungen bei der Verteilung der Sitze zugebilligt erhielten. An zweiter Stelle wollen wir Bericht über unsere Keren-Hajessod -Arbeit erstatten: Während des Jahres 1924 konnten wir 1043 Pfund 9 Schilling sowie 1030,05 Dollar an den Keren Hajessod, . London, überweisen. In diesem Jahre haben wir bis jetzt bereits 427 Pfund 8 Schilling 6 Pence soivie 576 Dollar überwiesen; wettere Beträge stehen zurzeit zur Ueberwcisung bereit. Der Keren Kajemth, Danzig, dessen Vertrauensmann der ehrenamtlich arbeitende Herr Feld mann, Danzig, ist, konnte zirka 9000 Danziger Gulden dem deutschen Keren Kajemeth l'Israel zur Weiterbeförderung überweisen. Die Büchsen Propaganda litt zu Beginn der Arbeitsperiode unter den bekannten Erscheinungen in den Inslationsländern, doch ist zurzeit die Zahl der hier ausgestelltett Büchsen in stetem Ansteigen begriffen. Für die össeutliche ProPagalida wurde durch die wiedecholte Aufführung dreier Palästina-Filme in Danzig "und Zoppot gesorgt. Seit dem 1. Juli 1926 arbeitet hier ein int Dienste des Jüdischen Natimtalfonds für Deutschland stehender 5ke reri-Ka je ine thSekr e tär. Durch unser Palästinaamt erhielten im ganzen 179 Personen das britische Visum, davon gehörten 100 der Kategorie A (iToitristen), 36 der Kategorie B (be-