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Wiener Morgenzeitung · 1925-09-03 · Heft 2347 (3.9.1925) · p. Seite 3

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
7 (1925)
Issue
Heft 2347 (3.9.1925)
Date
1925-09-03
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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Nr. 2347 Wien, Donnerstag 1. Der Kongreß stellt fest, daß entsprechend dem Wontlant nttid Goist des Mandats di« Verwalduttg Palästinas in der Weise zu führen ist. daß der Aufbau des Mi-schcn Nationalhetmes durch Schaffung politischer, administrativer nnid ökonomischer Bedingungen aktiv nnterstmtzt wird, itls-befondere daß durch Artikel 6 des Mandats die Mische Eiirwandcvimg erleichtert und die Schaffung geschlossener Mischer SiMumgen auf staatlichen n.ud brachliegenden Ländereien gefördert wird. 2. Der Kongreß stellt fest, daß die bisherige Berücksichtigung 'des jüdischen Schullverkes im Budget der Regierung in keiner Weise den gerechten Ansprüchen der Möschen Bevölkerung entspricht, und beauftragt die Exekutive, die rascheste BeMiWing dieses Zustandes hetbeizuführet». 3. Der 14. Kongreß wiederholt den Beschluß des 18. Kongresses wegen der Legalisierung des Waad Loumi «und des jüdischen Gemerrrdeftatuts und verpflichtet die neue Exekutive, für die raschere Erfüllung der Forderungen des organisier ton jüdischen Iöschuiv bai der Mandatarnracht -und der PalÄstinaregierii^r'g sich einzusetzen. Daß insbesoirdere die von der britischen Verwaltung befolgte Etnw>anderungspol»tik den Angelpunkt der Widersprüche zwischen den Bestimmungen und der Ausführung des Mandates bildet, wird durch zwei die Einwanderung betreffende Resolutionen des Kongresses noch besonders hervorgohoben. Sie lauten: 1. Der Kongreß konstatiert, daß die freie Mische Ein- .waüdorung nach Palästina, deren Leitung und Regulierung durch die Jewijh Agency besorgt wird, die Grundlage der Arbeit am Ausbau des nationalen Heimes ist. 2. Der Kongreß stellt fest, daß das von der Paläistin-aregierung vor kurzem publizierte Ginwandernngsgesetz nicht mir die vorhandenen Alijahbeschvänkungen kodifiziert, sondern noch weitere Beschränkungen emführt. Der Kongreß erklärt, daß diese Beschränkungen sich in Widerspruch mit den Bestimmungen des Mandates befinden, und verpflichtet die Exekutive, die Abschaffung dieser Beschränkungen im Sinne der Forderungen der Zionistischen Organisation zu verlangen. Allen böswilligen Enbstellungen Wer die politischen Methoden des Mrfbaues des Mischen Nationalheims -in Erez- Jfraell zum Trotz «und gegenüber allen militanten Auslegungen idevsoVben stellt der Kongreß fest, daß die ans die Annäherat ng an d>ie A r ab e r gerichtete Politik unverändert fovtbestcht, indem er erklärt: Der Kongreß beauftragt die Exekutive, die Polit ik der f r e u n d s ch a s t l >i ch e n Annäherung dem arabischen Volke gegenüber in der gleichen Art fortzusetzen, wie sie in den Resolutionen des 12. und 18. Kongresses Ansdruck gefunden hat. Die Notwendigkeit, die jüdische Siedlmtg in Palästina beroits jetzt ans aine feste politisch-organisatorische Grundlage zu stellett, hat der Kongreß -in fügender. Weise zum Ansdruck gelbracht: Der Kongreß betrachtet die Organisierung des jüdischen Iischnw in Palästina als eine der Vovbodingungen für e.in>A gesunde und organische Eirtwicklimtg des jüdischen Gemeinwesens in Palästina. Der Kongreß bet rach tot die Assesath HanÄvchajim und den Waad Lomni als die legalen Vovtreimtgsorgaine des jüdischen Iischnw. Der Kongreß erwartet, daß sämtliche Inden Palästinas ausirahrns'los mr den Wahlen zur Assesath Haniwchajim tei'ltiohinen und zur Stärkung und Ausgestaltung der höchsten Repräsentanz des Iischuw beitragen werden.' Zugleich mit alle»» biofett Feftstelktugon hat der Kongreß deutlich ausgesprochen, daß der bisherige politische Apparat der Zionistischen Organffation unzulänglich ist, woraus vielleicht nmnche der politischen Fchlschläge der letzten Zeit zu erklären sittd. IN dieser Hinsicht genügt es freilich nicht, der Exekutive bindende Aufträge ztt geben, sondern es muß, da Dar Polizeirevier. Bon Arkadij Awertschenko. Haben Sie wenigstens eine blaffe Ahnung Vv4t den. Agenden der behenden russischen Polizei? Dann sitzcrt Sie einmal eine halbe Stunde lang i» der schwülen, verstänkerte»» Kanzlei eines Polizeireviers. Das ist so lehrreich. . . . Der Revi-eranffeher sitzt über einem halb beschriebenen Papier, hebt dann den Kopf empor und fragt methodisch: „Und was sohlt dir?" „Mir hat tuau den Sanwivar gestohlen, Väterchen." „Wo hast bu damals deine Augen gchabt?" Der Revierarrfseher weiß vorzüglich, daß seine Frage Ivoiter nichts ist, als eilte fruchtlose und überflüssige Berschlepptmg der ihm obliegenden Pflicht: das Frauenzimmer zu verhören, Protokoll atlifzustelle»» und datttt die Missetäter attsfindig zu machet». „Warum hast du Aiaulaffen seil gehalten?" „Eben das ist's. Ich war in der Krämerbude gelanseit, da kmu der Hund, goß das Wasser hinaus, schüttete die Kohlen auf die Erde und ward geschen." „Er" .. . „Woher weißt du es, daß „er" es gewesen mtb nicht „sie"?" Die Köchin hüllt sich in ihr Tuch, wischt sich mit dem Zeigefinger die Nase un>d gibt ttach einigen» Nachdettlen zu: „Es kattn anch sie gewesen seit» . . . Wer weiß es? „Hast dt» Verdacht auf jemand?" „Den habe ich." „Nun?" ,Ms ist irgettd eit» Gauner goloesen . . . ." „Ei, wie witzig du mtr bist . . . Bleib derweil sitzett, ich werde alles tnachen." „Was wüttschett Sie Herr?" ,Mei mir ist es feucht." „Was ist feucht?" „Meine Wohnung." „Na — utdd?" werden lovhl zugeben, daß ich in einer fenchten Wohnung nicht bleiben taitu ., Wiener Morften-teRnnst die vorhattdenct» Mittel klein sind, der zionistischen Ooffentlichkeit die Wichtigkeit einer Berstörkuilg des polöischett Apparates vor Äuget» geführt werden, um durch ihre Mithilfe die Möglichkeit des Ausbaues zu halbe»». Diese Erkenntnisse bringt die nachstchende Resolution der politischen Konrntission zrinr Ausdruck: ' Der 14. Zionisten kougreß lenkt die Aufntcrksanikeit der zionistischett Oeffotvilichkeit auf die No-ttvendigkeit eitres Ausbaues und einer Erweiterung des politischen Apparates der Organisation. Die Exekutive wird ausgefordert, Schritte zu unternehmen, um hmreichende Mittel für die Organisierung der politischen Arbeit zu sicher»» und geeignete Kräfte für diese Arbeit herailzubilden. Die Erkenntnis von der Notwendigkeit einer Verstärkung der politischen Position war Wohl zum Teile auch für die Festsetzung der Richtlinie»» maßgebend, welche für die Erweitern t» g der I e w»sh Agency zu gelle»» habe»». Es ging unter attderem auch darum, der. Mandat-armach» gegenüber auf die rostlose Erfüll»»t»g sämtlicher Bedingungen vo»» seiten der Zionistischen Organisation hinzuweiscn. um den Bertragsparttter dadurch auf die ihn» obliogettdet» Pflichten aus dem Mandatsvertrag hinz>»lenke>». Die Diskuss im» über die Erweiterung der Jew'ish Agency hat at»f dem Kongreß einen breiten Raum eingenommen. Die Beschlüsse, welche aus ihr resultieren die Resolution über die Jewösh Agency im einzeliten zu tviederholen, erscheint Wohl überflüssig, da sie bereits in der „Wiener Morgenzeitung" vom 26. Augtlst in ihrem volle»» Wortlaut erschienel» ist), stellen im Grunde genonlmen ein Pr o v i s o r i u m dar, indem die vierte der Jewish-Ageney-Resolutionen seststellt, daß jene Verfassung, welche mit dom Charakter eines Usbereinlomntens zwischen der Zionistischen Organisation u»»d den Vertretern jüdischer Gemeinschaften aus verschiedetret» Teilen der Welt auf dem Council der Jowish Aget»cy beschlossen iverden soll, zunächst für einen Zeitraum von drei Jahren von» Tage ihrer A»»nahme vom Con»»cil in Kraft tritt. Die zur Beratuilg und Annahme der Bevfasstudg einzuberusende Councilversamtnlutrg soll erst zusammentreten, wmrn außer den Bevt>retern der Zionistischen Organösation nicht weniger als fünfzig Mitglieder des Councils bestellt wurden, die mirrdostens sechs Länder vertreten. Auf dem Kongreß wurde nachdrücklich fostgeftellt und tnit Bekräftigung durch den Präsidenten der Organisation, Herrn Prof. Weizmann, den» Zionistifchen Aktionskomitee als bindende Richtlinie übermittelt, daß unter der» sechs Lmtdern, aus denen sich die ersten fünfzig nichtzionistischetl Mitgliöder des Councils zusamme»»zusetzen haben, Letzte Kurse. New-Vork,2 Stptetnber. (Tel.-Komp.» Berlin 23.80, London Kabel 4.85V«, 'London Scheck 4.87Vi«, Atnsterdmn >40.29, Paris 4.69^Brüssel 4.50. Rom 3.94%. Madrid 14.32. Zürich 19.33 Stockholm 26.84. Oslo 20.50. Kopenhagen 24.54 Wien 14 Budapest 14, Prag 2.96»/., Belgrad 1.76%, Athen 148, Buetros Aires 40%«. Rio de Janeiro 18.40. Bukarest 49% New-Dork»/2 September. (Tel.-Ko»»»p.) Weizen rot Winter 163%. Weizen hart Winter 166%, Mais 108%. Hafer 47%. Roggen 97% Ehikago, 2. September. (Tel.-Komp.) Wetzen per September 151% Dezember 151%. Mai 155%: Mais per Septetnber 94% Dezember 84%, Mai 88%; Hafer per Septeinber 37%, Dezember 41%. Mai 45%: Roggen per September 87%. Dezember 93%. Atat 99%. Dmr Aufseher fällt es gar nicht ein zu saget», daß ihn diese Sache »»ichts angcht, oder daß er sich wundert, wie man nur mit solche»» Kleiitigkeiten zu ihm kommen kann. Aber der» eilrzigen Luxus, der ihn» zugänglich ist, seine Arbeit auf ei tröge Augenbl icke hmauszuschieiben, will er sich nicht entgehen lassen. „Wer hat Sie geheißen, eilte fotrchie Wohttung zu mieten?" „Als ich sie mietete, ist sie trocken gewesen." „Sie saget» aber selbst, daß sie feucht ist." „Als wir übevsiedeltei», stellt^ es sich heraus, daß sie feucht ist. Auf den Tapete»» erschiene»» solche Flecket», daß sie schlii»»u»er ansfehen als eilte Landkarte." „Haben Sie Verdacht auf jemand?" „Wieso? ich verstehe Sie nicht recht . . „Hm. . . Ich wollte fragen, ob Sic Schadeitersatz verlangen?" „Wie soll tnan ihn verlangen? Bon der Fettchtigkeit elrdsteht die Gicht. Manchmal ist sie gerade ei»» Zeitvertreib und mit 10 Rnbel gut befahlt, und nwnchmal ko»»»»»»t sie so, daß auch 1000 zu lrietrig sitld." Eine langiveilige Paufe. „Wo waren Sie eigetttlich, als die Woh»»»»t»g gemietet wurde? . . ." „Aber ich sagte doch, daß sie trockei» war." „Gut . . . Ihre Adresse? Ich koinntc »Mib tmtersuche die Frag: und. . ." „Sie wütrschen?" „Herr Aufscher. Sie köntte»» sich nicht vorstelle»», daß ich in letzter Zeit keine Nerve»» mehr int» Leibe behalten habe. Bllchstäblich keilte." Wahrscheitllich ioar es r»m die Nerven der Da»»»e in mittlerer» Jahren »licht schlin»n»er bestellt, als uu» die des Auffehers, de»»n er greift zu den» Stück Papier, schlägt dann die Hände über den Kbps ^usan»n»c»» »»»»d crkmtdigt sich: „Schöpfen Sie Verdacht auf jemand?" „Bllchstäblich alle Nerve»». Ilnd nachts -st es zun» Fortlaufe»»." „Was de»»n?" „Ge.spettster . . . Alle sind sich eitrig darüber, daß es Gespeiffter sind. Jon»a»»d Pocht, wandelt, läßt Sache»» fallet», 3. September 1927, Seite 3 "TV9 Kochet Backet .Bratet nur mit dem altbekannten KU N E RO L Kunerol ist 100% reines Fett aus Kokosnüssen und wird unter streng ritueller Aufsicht Sr. Ehrwerden des Herrn Oberrabbiners S. B. Ehrenfeid, Mattersdorf, hergestellt. Es sollte in keinem Haushalte fehlen! KUNEROLWERKE A.-G„ WIEN deren Nominierung für die konstituierende Vevsammlung des Councils notwendiig ist, sich die heule nmßgebendstcn Länder des jüdischen Lebens, nämlich Amerika, Polen und Erez Israel, befinden müssen. Dies ist von besonderer Wichtigkeit, da r»nr dadtlrch der konstituierende Council der erweiterten Jewi-fh Agency wenigstens eimgermaßen jenen Charakter einer wirklichen jüdischen Repräsentanz echält, den ihm seine ursprünglich vovgeschene Bildung auf Grultd eines itrzwischen nicht znstandegokommenen jüdischen Weltkongresses hätte verleihen sollen. Der bei der Abfassung der Jowish-Agency-Resolutivn nvaßgebende Wuti-sch, die über die Erweiterung der Jewish Agency bestchenden Mein>»ngsverischiedenheitet» zu übcr-bvücken, hat freilich im Artifbau dieser Rffolutionen manche Unklarheit trttd sozusagen Unausgeisprochenheit zur Folge gehabt. Besonders hewovstechen-d ist tu dieser Bezichuttig der Riß zlvische-n Punkt 5 und Punkt 6 der Resolution. Punkt 5 betont schr stark das Festhalten an Artikel 4 des Mandats, laut welchem die Zionistische EMkutive als Mische Vertretung zu gelten hat, Punkt 6 dagegen deutet die Eventualität der Aendevung dieser Bestimmung an. Hier wäre Klavheit angezeigt gewesen: Ist eine Aenderung dieser Bestimmnng des Arttkels 4 des Mandats in Aussicht gemen und durch wen? Es darf nicht üiberschen werde»», daß gerade im Interesse der rechtlichen Gvur»dlagen unseres Aufbau- Werkes irgend ein Rütteln am Mandatsvertrag gafährlich ist,' beginnt eine Seite mit Abä»»derungsivorschläge»», so wird ein Präzedenzfall geschaffen, der bei geänderter politischer Situation (u»»d politische Dituationer» fi»»d nicht stabil) zur lat»gsarnen Untevhöhlmrg der Mandatsbestimmnugen Ha»»dhabe bietet. (Weitere Artikel folgen.) spricht,' und um» Mitternacht entsteht ein Gcheul, daß wir alle verrückt werden." „Warum haben Sie es soweit komn»er» lassen?" „Wir? . . . Was konnten wir dagegen tun?" „Haben Sie Verdacht auf jenrand?" „Nicht im geringsten. Ich bin überzeugt, daß wir vor einen» Rätselstchen. Es wandelt, läßt Sachen fallen und spricht . . ." „Wieviele Seele»» sind es?" „Wer der»»»?" - „Nun . . . diese Gespenster." „Woher soll ich das wissen? Wahrscheirllich ein einziges.^ „Sie sagten, daß sie sich unterhalten. Wie soll ein Ge» sperrst sich mit sich selbst unterhalten?" „Sie »»»nssen das besser wisset», ob so etwas nwglich ist oder nicht." Der Reviera-nfseher verfügt über sehr tnan-gelhafte Kenntnisse der Bewohner des Jenseits, aber als ein Vertreter der Behörde wird er sich nicht foppen lasse»» »md sagt daher mit viel Ueberzeugnug: „Es ka»»n iricht. Es irruß eine»» Genossen haben. Also gut. Bernhigetl Sie sich, gnädige Fran. Wir werden der Sache nachgehen u»»d die Missetäter sollen ihre verd»e»»te Strafe erhalten. Ihre Adresse? Habe die Ehre ..." — „Was hast du hier zu suchen?" „Meine alte Mutter ist geftorbe»»." „Hast du ans jenrarrd Verd . . . h>»» . . . 'Nun, möge sie in den Himniel kot»»-n»en. Woran ist sie gestorben?" „Gott n»ag es wissen. Sie war gute hundert Jahre alt »uid ist seit drei Jahren nicht aus den» Bett gekoi»».tnen." "Warum hast du nicht a'chtgegebet»?" lallt der Vielgeplagte zimr hulldertsten Male. ,/Schon gt»i. Warte eitlen Augenblick." — „Was wü»»schen Sie? Ätehmet» Sie den Zyl»»»- der von» Kopf. Sie sind in eine»,» Aintsrailm. Vorsicht, Sie sind mit der Hand im Titltcnfaß . . . Was wollen Sie eige»»tlich?" „Herr Rovierauffcher, mir ist so langweilig?" „Trinken Sie weniger mtb die Langeiveile wird vergehen? „Sei find ein Spaßvogel: trinke ich etwa nicht ans Langoweile?"

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