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Wiener Morgenzeitung · 1925-09-02 · Heft 2346 (2.9.1925) · p. Seite 4

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
7 (1925)
Issue
Heft 2346 (2.9.1925)
Date
1925-09-02
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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Seite 4 Wien, Mittwoch gen Schritte unternommen werden. Was unsere Arbeit im einzelnen anbelangt, so kann ich mitteilen, daß in FranzösiscbMarokko bei «der ersten Tournee des Herrn Halpern in den ersten Monaten ungefähr 100.000 Franken für den Keren .Haftssod aufgebracht wurden. Diese Summe hat sich seither durch die Arbeit in der fpaniselx'n Zone erhöht, so daß bisher in ganz Marokko etwa 500.000 Franken für diese Zwecke aufgebracht wurden. Zn Tanger haben wir einige altbewährt« Zionisten, so Herrn Dr. B e r l i a v s k Y, einen alten Chowewe-Zionisten aus Palästina und Dr. Spivakof, in Casablanca den Advokaten Dr. Kagan, der aus Rußland stammt. Diesen Herren bin ich für ihre Unterstützung meiner zionistischen Arbeit zu vielen: Dauk verpflichtet. In der Kriegszone in Marokko leben etwa 25.OVO Juden, die sich hauptsächlich mit Land w i r t s ch a f t beschäftigen und mit den a r a b is ch e n Schciks i n g u t e m E i n v e r n e hm e n leben. Es ist leider zu befürchten, daß sich ihre Lage durch die jetzigen Operationen sehr verschlimmert. Schon vor meiner Abreise, die ich wegen des KriegsgllistandeS im Flugzeug von Casablanca nach Marseille zurücklegen mußte, wurde mir mitgeteilt, daß zahlre i ch e jüdische F l ü ch t l i n g e in Meli l I a n n d T e t u a n airgekommen sind. Frankreichs Kolonialkriege. Bor der Offensive in Marokko. Paris, 1. September. (Tel. der „Wr. Morgenzeitung".) Die Offensive gegen Abd cl Krim wurde nunmehr von den französischen und spanischen Truppen ausgenommen. Während Kriegsschiffe die Stellungen der Risleute in der Bucht von Aleuhernas beschossen, haben französische Truppen ohne Schwertstreich einige Massivs in der Gegend von Dahar besetzt. Abd el Krim, der in der Gegend von Scheyab eine Umgruppierung vornehmen will, hat persönlich das Kommando 'der Risleute gegen die Franzosen übernommen. Untergang eines Truppendampfers. Fes, 1. September. (Havas.) Wie verlautet, soll der spanische Dampfer „Quinto", der Truppen nach Albuc e m a s beförderte, gesunken sein. Der Aufstand der Drusen. London, 1. September. (Wolfs.) Die „T i m e nretden aus Jerusalem: Nach offiziellen Berichten ist die Lage im Drusengebiet unverändert. Cs wurden Verstärkungen von 1500 Manu abgesandt, weitere 1000 Mann werden erwartet. Da auch Panzerwagen, und Tanks angesordert worden sind, ist anzunehmen,, daß mit der Ausbreitung der 11 n r u h e n gerechnet wird, weil im Drusengebiet selbst Tanks kaum verwendet ^werden können. Daß die Drusen ihren Widerstand seit längerer Zeit vorbereitet halben, geht daraus hervor, daß ihre Familien aus der Gefahrenzone entfernt worden find. den öffentlichen Kämpfen, die von Tausenden besucht wurden, zu siegen. Mas früher ein Mittel zur Menschenbildung ivar, wurde jetzt S e l b st z w e ck, und damit verlor die Gymnastik ihre hohe Bedeutung. Die Athleten vernachlässigten in ihrem einseitigen Bestreben ihre allgemeine geistige und körperliche Ausbildung und wurden unbrauchbare Mitglieder der menschlichen Gesellschaft, deren einziger Vorzug die rohe physische Kraft war und nicht die 'Harmonie zwischen Körper und Geistesbildung. Tie Gymnastik erhielt sich später nur noch vor der Athletiik als reine Heilgymnastik, diätetischen und therapeutischeil Zwecken dienend. So sah die Körperbildung bei den Griechen bereits aus, als diese mit den Juden in Palästina in Berührung kamen. Diese nunmehr entartete oberflächliche Gymnastik ahmten die assimilationslüsternen Juden nun noch oberflächlicher nach, als sie an sich schon war. Das nördlich von Jerusalem erbaute Gymnasium war im wahrster: Sinne des Wortes nur eine «Nacktschule". Man legte weniger Wert aus die Ausbildung als auf das „Nackt"gehen, und rvas damit in Zusammenhang stand, auf das „Unbeschnittensein", um sich in nichts von den gricch'.schen Jünglingen zu unterscheiden. Gegen dieserlei Hebungen weniger als gegen die dadurch hervorgerufene Außerachtlassung jüdischer Volkssitten, ferner gegen die in den Zirkussen zur Schau getragenen Bernfsathletenkünste und widernatürlichen Gladiatoren- und Tierkämpfe wandten sich das Geschlecht der Makkab ä e r und ihre Gefolgschaft und deswegen verbot der Talmud der: Besuch und die Beteiligung am Bau von Zirkussen und Stadien. Nicht immer hat die Kunst und die Erziehungslehre dieselben Prinzipien gehabt, wie sie die Griechen hatten, beziehungsweise wie sie die Juden des biblischen Zeitalters bis zur Entstehung des Talmuds besaßen. Der Geist der Mönche, von dem das Mittelalter beherrscht wurde und der mit der Zeit auch die Juden infizierte, glaubte den Menschen reiner und geläuterter, die Seele fesselloser und göttlicher zu machen, wenn man den Körper nicht nur rncht pflege, sondern im Gegenteil ihn noch viel mehr vernachlässige und entkräfte. Man vergleiche nur einmal die Statuen und Bilder der alten griechischen Zeit mit denen unseres Mittelalters, dort schöne, harmonisch durchgebildete Idealfiguren, hier fast ausschließlich häßliche Leiber. Fasten, Geißelung und jede andere Art Kasteiung wurden gepriesen, mx um die natürlichen Bedürfnisse des _Wiener MorKerrzeUima_ Die MkerbuMagmlg. Oesterreich und Mossul die wichtigsten Traktanden. — Das Ergebnis der Expertise. Genf, 1. September. (Schweiz. Dep.-Ag.) Die beiden wichtigsten Traktanden der morgen beginnenden Session des Bölkerbnndrates sind die Mossulfrage und die Frage der w i r t s ch a f t l i ch e n S anierung Oesterreichs. Wie mau vernimmt, sind die beiden BLlkerbundexPerten R i st und L a yt o n, die die wirtschaftlichen Verhältnisse Oesterreichs an Ort und Stelle untersucht haben, zu dem Schlüsse gelangt, daß dieses Land als selbständiger Staat durchaus lebensfähig ist. Sie hoben die Feststellung gemacht, daß die wirtschaftlichen Schwierigkeiten in Handel und Industrie keine spezifisch österreichischen Nebel sind, sondern in allen Ländern anfgetreten sind, die einen Zusammenbruch ihrer Valuta erlitten haben. Tie Experten sind überzeugt, daß diese Schwierigkeiten zu beheben sind, wenn die Nachbarstaaten Oesterreichs diesem Zollerleichterungen verschossen, und wenn der österreichischen Industrie Auslandskredite gewährt werden. Ferner stehen auch einige Mindcrheitenprobleme auf der Tagesordnung. Die sechste V ö lk e r b n nd v er s a m m l« n g erhält ihre besondere Bedeutung durch die bereits heute aufgenommenen Besprechungen Chambcrlains, Bria nds und Banderveldes über den S i ch e r h e i t s P a k t. Nach dem Zusammentritt der Konferenz der juristischen Sachverständigen in London ist man auf die Entwicklung der Frage des Sicherheits- Paktes sehr gespannt und, obwohl nach der allgemeinen Uebcrzeugung der Eintritt Deutschlands in den Völkerbund kaum t nt September stattfinden dürfte, bildet nichtsdestoweniger diese Frage einen der Hauptgesprächsstoffe der bereits zahlreich in Genf eingetroffenen Diplomaten. Daneben wendet sich das Hauptinteresse der M o s s u l f r a g e zu, mit der sich der Völkerbundrat am Mittwoch beschäftigen wird. Nach dem Referat des schwedischen Außenministers U n d e n werden C h a mb e r l a i n und T e w f i k R u ch d i B e y den englischen und den türkischen Standpunkt in dieser Frage darlegen. Der amerilavistze Bergarbeiterstteik. Philadelphia, 1. September. (WM.) Durch den Bergarbeiterstreik, der gestern um Mitternacht aungebrochen ist, sind 826 Schächte von 272 Berglbauunternehmungen betroffen. An den: Ansstand sind 156.000 Bergarbeiter beteiligt. Die Avbeitseinstelluug ilst ohne Ruhestörung erfolgt. Streikposten wurden nicht ausgestellt. Körpers möglichst zu ersticken. Dieser vollkommen unjüdische Geist drang auch in unsere Reihen und Hielt sich, von wenigen Gegenden jüdischer Siedlungenabgesehen, in den Ghcttis das ganze Mittelalter durch b:s in die Neuzeit und Gegenwart. Wer noch das Glück hatte, vom dritten Lebensjahre ab -den ganzen Tag über in der dumpfen C'h cd erst ube zubringcn zu müssen, wer nie nach seinem dritten Lebensjahre ein Spiel in seine .Hand bekam und selten Sonne, Sand, Licht und Satft zu sehen bekam, dafür aber schon mit fünf Jahren die halbe Bibel auswendig und Talmud lernen mußte, der weiß von diesem Geiste genug zu sprechen. Des „Robben" Ehrgeiz bestand darin, gut gedrillte, blaßwangige, rein geistige Geschöpfe zu züchten, in: übrigen die Natur und den eigenen Körper als ein Mysterium zu betrachten; für die Ausführung aller talmudischen Vorschriften trug er Sorge, nur nicht für diejenigen, welche lauten: Bon der gesamten Körperkraft der Welt gehören 90 Prozent den Juden (Esth. Rabb. 101 d) und „Alle seid ihr schön, alle Riesengestalten" (Si-sre Deutn. 043, P. 143 a). Nicht würde selbst jener ausgesprochene römische Antisemit T a z i t u s von diesen -Juden zugeben müssen (Hist, ü, 6): Corpora hominnm salubria et sorenlia läborum, „Der Körperbau jener Menschen (Juden) ist ein durchaus gesunder und den Strapazen gewachsener". Unbeachtet ließen die Lehrer der Chad-arim den Ausspruch (Nod. 38a): „Der Geist Gottes ruht nur auf... und auf kräftig gebauten Menschen." So dachten die Juden nahezu z w e i Iah rtausende, solange sie im Galuth leben. Man kann diese Gedankengänge verstehen: Als das jüdische Volk seine staatliche Selbständigkeit e i nbüß te, verlor es den Sinn für das Vaterland, während der Sinn für das Nationale blieb, nur in verwandelter Form. Damals verlor es auch den Sinn und die Liebe zur körperlichen Betätigung, das (Geistige nahm überhand, die Vaterlandsliebe machte eine Metamorphose durch, sie wurde die Liebe zum „tragbarch" Vaterland, der Thora, deren Studium des Juden Tag und des Juden Nacht ausfütlte. Hiezu kamen die dauernden Verfolgungen und die freiwillige oder unfreiwillige Einpferchnng in die Ghetti. Jede körperliche Erziehung, jeder erhalten gebliebene Sinn für GtzWäM wurden von den damalMn Juden nicht September 1925_ Nr. 2346 Sodnfott, »er gmnngrantenschrrik. Ein Tcportationsgeseh. Der Deputierte des amerikanischen Kongresses, Albert I o h n s o n, gefällt sich immer mehr in der Rolle des Jrnmigrantenschrecks. Johnson ist der Führer der extremsten cinwandcrcrseindlichen Gruppe im Parlament von Washington, mit deren Hilfe alle in den letzten Jahren beschlossenen Gesetze zur Einschränkung der E i n wa n de r u n g in den Vereinigten Staaten zustande kamen. Nun hat sich Jchnson, wie uns aus Newfjork berichtet wird, au die Spitze einer neuen Kampagne gestellt, die im Kongreß ein neues Gesetz erzwingen soll, durch welches dem Leiter des EirOvanderungsamtes das Recht eingeräumt wird, «Personen, die seiner Meinung nach niemals hätte,: in Amerika hereingelassen werden sollen, oder solche, die seit ihrer Einwanderung sich als unenvünschtc Elemente erwiesen haben, kurzerhaich zu deportiere n". Daß Johnson in diesen: Bestreiten von den Ku-Klux- Klans mit den ihnen eigentümlichen Mitteln unterstützt wird, ist natürlich, da ja dic Politik sowohl Johnsons als auch der Klanleute sich in erster Reihe gegen jüdische und katholische Einwanderer richtet. Aber auch in anderen Kreisen, besonders in den Gruppen der Prostibitionisten, der Mkeholgcgner, wird der neuerliche Vorstoß gegen die „Fremden" begrüßt. Einen: Journalisten, der Johnson über die Ziele seiner neuen Aktion befragte, sagte er: «Nach meiner Ansicht wünschen alle gut iulformierten Bürger dieses Landes eine größere Entschiedenheit in der Behandlung von Fremden, die für unsere Bürgerschaft eine Gefährdung oder eine Last bedeuten. Nach den geltenden Gesetzen darf ein Fremder, der bereits fünf Jahre im Lande ist, auch dann nicht deportiert werden, wenn er ein Einzelvcrbrechen begeht oder der Allgemeinheit zur Last fällt, ja selbst dann nicht, tvenn sich mch fünfjährigem Aufenthalt in: Lande Herausstellen sollte, das; er aus ungesetzliche Weise ins Land gekommen ist. Diese fünfjährige Seßhaft'.gkeitsbegünstigung muß cmfgchoben werden. Ich will das Recht erzwingen, den Fremden wann immer unter bestimmten Voraussetzungen ansdemLandezuweisen." 11m möglichst viele Handhaben für Ausweisungen zu gewinnen, will Johnson auch eine Verschärfung der Strafgesetze und strenge Freiheitsstrafen einführen, für Fremde, die entweder selbst ungesetzlich ins Land kamen oder hiebei mitgewirkt halben. Johnson ist übrrigens überzeugt, daß die Mehrzahl der Mitglieder des Ausschusses für Einwan de vnngsange'logenhei len seine Anträge unterstützen wird. Milktiirdiltatnr in Kanton. London, 1. September. (Reuter.) Die Blätter melden aus Peking: Die Wa mp oa-Kadetten haben in Kanton eine aus drei Generalen bestehende Regierung eingesetzt. als mit Erziehung zusammenhängende Aufgabe angesehen, sondern als ein für höhere Ziele wertloses, dem bloßen Vergnügen oder gar unsittlichen Zwecken dienendes Tun angesehen. Im Jüdischen sagt man für turnen „k u c z k e u" (gleich tummeln), etwas, loo'$ höchstens kleinen Kindern ziemt. ' Nun diese mönchische Lebensauffassung hat die mo- -derne Zeit allmählich anfgegüben, und die erwähnten Chadarim, in welchen den ganzen Tag über ununterbrochen gelernt wurde, sind heute schon fast ausgeftorben. Jene „Jutellektnellcu" und „Geistigen", bei denen Körperkultur unter ihrer Würde steht, bei denen bleiche Gesichter, kraftlose Gestalten als „sein", gebildet und interessant angesehen werden, verschwinden allnüihlich von der Bildfläche, sofern sie nicht zur ausgesprochenen Dekadenz gehören. Heute wissen bereits die breitesten Massen, daß eine gesunde Körpereutwicklung nur durch Leibesübungen und Sport erzielt wird, welche frisches Leben und frischen Geist in den Menschen hineintragen. Der: Auftakt zu dieser Belebung der Leibesübungen gaben die Männer der Renaissance, der italienische und der deutsche Humanismus, später der Philanthroplsmus (Basedow, Franck, Guts-Muths, Biet, Pestalozzi und der Bahnbrecher im Turnen Ludwig Jahn). Stets ging die lvahre Gymnastik und der wahre Turn- und Spvrlbetrieb, der wie oben geschildert die Liebe zur Gemeinschaft weckt, mit vaterländischen Bestrcb u n g c n einher. So fiel auch die Entsteh u u g de r j ü d i s ch e n T n rne rschaft zusammen mit der Geburt der nationaljüdischen und z i o n i st i s ch e n B ewcgn n g. Und so Ware» auch die F ü h rer der z i o n i st is che n B c w e g u n g gleichzeitig die Urheber der j ü d i s ch e n T u r n e r s ch a f t, vor allen: Max N v r d a u und Pros. M a n d c l st a n: nt. N a tioualjnde u sind es überall gewesen, welche die meisten jüdischen Turnvereiue gegründet haben. Selbst an beit Stellen, wo sich die Gründer und Führer dieser Vereine diese Bezeichnung verbaten, waren sie doch unbetvußt oder manchmal auch ungewollt Nationaljuden. Der Verband, der heute die Führerschaft in der gesamten Turn- und Sportbewegung bei den Juden inuehat und der einzige derartige ist, ist die im August 1003 artläßlich des Baseler Kongresses gegründete interterritoriale „jüdische Turnerschaft", der spätere „M a k t a b i - W e l t v c r h a u d".

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