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Wiener Morgenzeitung · 1925-09-01 · Heft 2345 (1.9.1925) · p. Seite 6

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
7 (1925)
Issue
Heft 2345 (1.9.1925)
Date
1925-09-01
Page
Seite 6 (sequence 6)
Language
German
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I Sette 6 Wien. Dienstag unter Aenderung des ursprünglichen Angriffsplanes, Jonathans strategische Idee zu eigen gemacht; der AnSbruch einer verhältnismäßig kleiner britischen Streitmacht ans jener Felsendeckung brachte in die türkischen Reihen eine solche Verwirrung, daß sie über den Jordanfluß geworfen werden konnten. Die Engländer nahmen die Stadt Jericho und sicherten sich damit den Besitz von Erez Israel. Sie Fahne im Weslbahnhof. Nsstroy hat bekanntlich für die Reise nach Amerika fest- -gestellt, daß es bis Hütteldorf geschwind geht und sich nur nachher ,cher Wog a bißl ziagt". Bei der Heimkehr von der Dommerreife ist's gerade umgekehrt. Die Fahrt von der Westecke Frankreichs vergeht im Nu, aber von Nenlengjbach bis zum Westbanhof dauert es drei Ewigkeiten und noch eine Kleinigkeit länger. Wir hatten ja, seitdem wir die Grenzen unseres teuren Hoima-tlandes überschritten, so manche Plage über uns ergehen lassem Zuerst die o-du-meinösterreichischc Zollrevision, bei der der wachere Finanzer es für notwendig erachtete, jeden meiner verharschten Aas Wort „vertreten" kann für diesen Grad nicht mehr als ausreichend angesehen werden) Schuhe gründlich zu prüfen, ob er nicht doch peinlicherweise „neu" sei, fostzustellen, ob die Jacke mit den mächtigen Fettflecken nicht vielleicht ein letztes Erzeugnis der kapriziösen Pariser Mode sei, und meine eidesstattliche Brsicheruug einzuholen, daß ich mit dem angoknabberten Lebkuchen und der halben TafÄ Linld-Schcckolade keinen Kauditenladen zu eröffnen gedenke. Auf diese Prozedur folgte die ungleich schmerzhäftere eines politischen Gespräches der durchaus bodenständigen Stammgäste in einem braven FeMirchner Gasthaus, schließlich ein Zusammentreffen mit einem reisigen Kämpen vom Hakenkreuz, der die ganze Zeit nach vernichtenden Bosheiten rang und, da ihm kein, aber auch nicht der dümmste Einfall kommen wollte, seinen ganzen Geist in ein breites Grinden legte, mit dem er jede unserer Bewegungen begleitete. Wir hatte» uns von einem Leipziger Pastor erklären lassen müffen, daß und warum Frankreich ehestens noch bei „den Ohren genommen" werden müste, und hatten zwischen St. Johann im Pongau und Linz einer Auseinandersetzung über die Vorzüge der „habbscheiiigen" Fütterung beigewohnt, leider ohne in Erfahrung zu bringen, was das ist. Trotz alledem ist der Weg von Neulengbach b,s Wien der ärgste Reisoschreckeil.* Immer wenn man den Kopf zum Fenster hinausstreckt, begierig, „Hütteldorf" zu lesen, inuß man feststellen, daß der Zug wieder einmal „aus der Strecke" hält. Wilde Reform-Pläne für den SonntagSbahnverkchr tauchen auf, unterirdische Geleise, selbstverstä-M.ich nur für die Feruzüge, untevwi'chlen den Boden Wiens, eine elektrische Riosenlampc- Da läuft der Zug in den Westbcchnhof ein. Gespräche mit dem Träger, der wünscht, daß man ihm das Handgepäck durchs Fenster „außerfchupft", Gespräche mit den Mitteis-ondvn, die das keineswegs wünschen, landesübliche Liebenswüvdigjkevten. Schließlich steht man doch unten aus dem Perron und wird langsam, aber sicher zum Ausgang geschoben. Der breit« Strom der Reisenden. Ausflügler, Sonntagstouvisten erfüllt den Gang. Mürrische, nrüde, verärgerte Gesichter. Träg schleicht alles dahin. An ei-ner Stelle beloben sich mit einem Male die Mienen, die Augen blitzen, man hört lachen, spöttisch und hämisch, aber auch vergnügt und gemütlich. Bor einem der Keinen Warteräume weht eine blauweiße Fahne. (Das heißt, wenn ich ganz ehrlich sein soll, muß ich gestehen, daß sic eigentlich weiß-blau ist.) Ein paar Worte in deutscher und hebräischer Sprache besagen, daß die Teilnehmer am Zionisteukongreh .Auskünfte und Ratschläge eircholen können. Und drei Männer mit blau-weißen Armbinden stehen um die Fahne geschart unh spähen in die Menge, ob sie gesucht werden. Sie sehen ein bißchen abgespannt und Ärgerlich aus und der jüngste wischt sich ohne Unterlaß die Stirne. Es ist sicherlich kein Vergnügen, ein paar Stunden lang die Aeußerungen eines sonntägig bewegten Wienertnms anzuhören. Ein merklich angeregter Spießer stellt fest: „Dö8 san ja Juden" und findet diese Tatsache so bemerkenswert, daß er sie staunend immer von neuem wiederholt: „Na, so was, dös san ja Juden und stellen ft da her". Nun ist es für so manchen Wiener wirklich erstaunlich, daß Juden sich gerichig in voller Oeffentlichken zu ihrem Judentum bekennen. Aber ich fürchte, der brave Mann wird sich an diese Erscheinung gewöhnen müssen. „Mir scheint, mir san g'fchlt ausg'stiegen," witzelt ein Geistreicher, ,chös is die Westbahn von Jerusalem." „Rechr haben s'. die Juden," erklärt ein älterer Mann mit einem mächtigen Rucksack, „haben mir amal an eucharistischen Kongreß bei uns g'habt derfen so a an zionistischen abhalten." Ter Zionist trocknet sich mit verstärkter Inbrunst die Stirne. „Sixt es," belehrt ein Vater den Sprößlirrg. „so weit san ma scho". „Schabt's da was?" erkundigt sich der Sohn nicht allzu respektvoll. „Mama, Mama," flüstert ein junges Mädchen aufgeregt, „schau, dort steht etwas Hebräisches." Die Dante mit Bulbilkopf und Kniekleid blickt flüchtig nach links. „Wir wollen lieber nach unserem Gepäck sehen," antwortet sie hoheilsvoll. Anscheinend gehört sie zur „Israelis" und empfindet die Fahne als „Taktlosigkeit". Fast keiner geht vorüber, ohne die Fahne zu beachten. Höhnen die einen, so lächeln die andern. Die Witze, au denen es in Wien ja nie fchlt, find ausnahmslos gutmütig gehalten. Immer wieder hört man, daß „nix net dabei is". „Schalvnt!" sagen ein paar junge Stimmen hinter mir. Ich wende mich um — drei Mädchen und zwei Burschen, die von einer Bergtour kommen. Die Fahnenwächter gaben lächelnd den Gruß zurück. Im selben Augenblick irrten zwei Männer auf die kleine Gruppe zu. Der Marin mit dem Schweißrüchiein erstrahlt in Wonne. Di« Hitze, die Müdigkeit. die durnmen Reden, alles ist vergessen ~ da sind -wei Männer, di? eine Auskuusl brauchen. K. M. _Wiener Morsienzettme« Sie Böllerbundtagmig. Genf, 81. August. (Tel. der ,Mr. Morgenzcitung".) Die Tagung des Völkerbundratts wird übermorgen durch Briand feierlich eröffnet tverden. An derselben nehmen teil: Chamberlain, Seialoja, Dr. Benefch» der, durch dringende Amtsgeschäfte an dem rechtzeitigen Eintreffen verhindert, vorläufig durch den ffchechoslowakischen Gesandten in Bern Wewerka vertreten werdet wird, A n i n o n e s, spanischer Botschafter in Paris, Vicomte Ifhii. japaniscl^er Botschafter in Paris, Hbmans, Belgien, der schnredische Außenminister Professor U n b c n, der 'brasilianische Minister Franco und Minister G u a n i, Uruguay. Am gleichen Tage wird auch das F i n a n z k o m i t c e seine Beratungen aufnehmen. Dieses setzt sich aus ter M e u l e n (Holland). N i s m eher (England), S t x <b* ko sch (Südafrika), Dubais (Schweiz), B i a n ch i n i (Italien). P o s p i s ch i I (Tschechoslowakei), Wallenberg (Schweden), einem Repräsentanten .Japans, Belgiens und Frankreichs zusammen. Einen breitet! Gegenstand der Beratungen dos Dölkerbundrates wird die österreichische Frage einnehntcn, die sofort dem österreichischen Komitee zur Prüfung zngewiesen werden wird, dem Chamberlain, Briand. Seialoja, Be ne sch, Doktor Z i m ni o c m a it und Dr. Mataja angeboren. Ein Knimdier — Präsident der Völkerbund- Versammlung. Paris, M. August. (.Havas.) Wie „Petit Paristen" meldet, sind Briand und C h a in b e r l a i n ülbereingekornnien, der Völkerbundversamml-ung für die Prästedentschaft bctt kanadischen Senator Dandnrand vorzuschlagen. Sie wollen auf diese Weise die neuerliche französisch-britische Annäherung symlbolisieren. Abreise Dr. Zimmernmns nach Genf. Generalkommissär Dr. Zimmer man ist gestern abends zur Volkerbuudtagung nach Genf alb-ge reist. Reise des Wiener italienischen Gesandten nach Gens. Wie die Politische Korrespondenz erfährt, ist der italienische Gesandte Bordanare infolge einer Weisung seiner Rogierintg nach Rom albgereist und wird fich von dort nach Genf begeben. Während seiner Mwostnheit wird Legationsrat A n r i t i di« Geschäfte der Gesandtschaft führen. Lueien Wolf nach Gens abgereist. London, 30. August. Mr. Lucien Wolf und Mr. I. M. Rich sind am 27. August nach Genf abgereist, mn der Tagung der Bölkerbun'dversariimlilng und des Volkerbundra te? i zuwohnen. Der Nationalrat. Der National rat hält heut« eine Plenarsitzung ab, in der die Regierung den Staatsvoranschlag für 1926 einbringen wivd. Wie in parlamentarischen Kreisen verlautet, soll auf Grund einer Vereinbarung der Parteiführer noch in derselben Sitzung die erste Lesung der Vorlage durchgeführt werden und die Zuweisung an den und Budgetaus-schuß erfolgen. Sine SrNörnng Sr. Seipel». In der gestrigen Sitzung der christlichsozialen Bereinigung besprach Bundeskanzler Dr. Ramek die Borkomntnisst der letzten Wcchen und stellte fest, daß die gegen Dr. Seipel feit längerer Zeit erhobenen Vorwürfe und Beschuldigungen auf Grund der Ergebnisse der aus anderen Anlässen geführten Untersuchungen absolut unbegründet erscheinen. Die Behauptungen Wer eine' mangelnde Einigkeit zwischen der Regierultg und der Leitung der christttchsoztalen Partei sind als haltlose Erfindungen oder böswillige Quertreibereien zu werten. Dr. Seipel erklärte hierauf Mitteilungen aus dem Publikum. TAPET EN-WALLIS Wien, >., Wlppllngeratrasso 18 To'ophon 6T»»0r, «0-2-VL_t10*0 Wieder su heAen I »H. Bureau: Drlg. Iraai. ZtgarellBnpapiBr JV/D «i«. >»/r GEG WIEN, XII. A. G. FABRIK8QA8SE 4 BIS 8 TELEPHON 82448 TÜREN UND FEN8TER AUS HOLZ GESCHÄFTSPORTALE UND EINRICH¬ TUNGEN FÜR ALLE BRANCHEN .1 -. INNENDEKORATIONEN —— KOMPLETTE WOHNUNQSEINRICHTUNQEN ENTWÜRFE U. OFFERTE KOSTENLOS . ""m. 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Ein goldenÄ Brust kreuz mit oder ohne Diamantett sei ihm weder von der Kaiserin, noch von irgend jemand anderem geschenkt oder auch nur angeboten worden. Ei» solche- Kreuz besitze er nicht und habe es niemals -besessen. Don einem Abkommen irgend einer österreichischen Partei oder Gruppe mit den Erwachenden Ungarn oder mit einer anderen Organisation ähnlicher Art habe er niemals, weder amtlich noch außeramtlich, irgend eine Kenntnis erhalten, könne da-her an einem solchen Abkommen auch nicht, weder unmittelbar noch mittelbar, beteiligt sein oder gewesen sein. _ (Sin neuer griechischer Geschäftsträger. Berlin, 31. August. (Wolfs.) Der Legati-onSrat bei der griechischen Gesandtschaft Dr. K u t fa l e x i s wurde zum griechischen Geschäftsträger inWienev» nannt und wivd demnächst seinen neuen Posten antreten. Sie zwangsverwaiiung Marienbads «nr provisorisch? Prag, 3cl. August. Die „Prager Abendzektu-ng" meldet: Die in der letzten Sitzung der deutschen Oppositionsparteien ei-ngesetzte Delegation ist heute beim Ministerpräsidenten Svehla erschienen, um mit ihm unter anderem in der Frage der Beschlagnahmen in Marienbad" zu 'beraten. Der Ministerpräsident erwarte bezüglich der Zwangsvvvwaltung in Marienbad, daß diese Maßnahme nur p r ov is-o ri s ch fei und daß die Stadtverwaltung in Marienbad bei der definitiven Regelung der Frage zur Mitarbeit werde hevangezoen werden. Was die Beschlagnahme der beiden dem Stift Tepl gehörigen Meierhöse anbange, ivevde er sich beim Bodenamte informieren. Bom Dampfer AN«». Infolge der durch den Weltkrieg und den Versailler Vertrag allgemein veränderten wirtsmastlichen Lage ist die deutsche Seeschiffahrt hinsichtlich der Passagierbesörderung vor neue Aufgaben gestellt worden. Das gebadete, jedoch verarmte Publikum verlangte eine billige und doch einenr gewissen Komfort Rechnung tragende Beförderung nach Uebersec, und dem sozialen Empfinden der Zeit schien eine Unterbringung einer möglichst großen Zahl auf möglichst kleinen.Raum, wie sie noch vielfach vor dem Kriege üblich war, nicht mehr angemessen. Es ergab sich so eine Trennung des. ehemaligen Zwischendecks in emc dritte Klasse und ein offenes Wohndeck, daim Vergleich mit dem früheren Zwischendeck geräumiger, Ser und luftiger ist. Die wirtschaftlichen Bedingungen Häven hier stilschaffeno erwiesen. Wenn früher eine Reise für diejenigen, die nicht in ver Lage waren, sich einen Kaiütenplatz auf einem großen Dampfer zu leisten, mit großen Entbehrungen und Einschränkungen verbunden war, so bietet jetzt die Seereise in der dritten Klasse auf einem Dampfer einer großen deutschen Reederei eine Aufeinanderfolge von Tagen veS AuSruhenS und der Erholung für Körper und Geist. ES hat sich nun auS der starken Inanspruchnahme der dritten Klasie durch den Mittelstand ein Dampfortyp heraus gebildet, der keine Kajüte führt, sondern die Passagiere nur in der dritten Klasse und im Wohndeck befördert, das Dritte- Klasse-Spezialkchiff Auch die Hugo-Stinnes-Linien haben diesen neuen TYP in ihre Flotte ausgenommen und den ursprünglich als Frachtschiff gebauten und in Dienst gestellten, der mit den Huao-Stinnes-Linien in Fahrplangentetnschast stehenden AriuS-Reederei in Danzig gehörenden Dampfer „ArtuS" zu einem Dritie-Klasie-Svezialschiff umbauen lassen. Als solches verließ er am 24. Juli 1824 erstmalig den Hamburger Hafen nach Südamerika. Der Dampfer „Artus" kann nach seinem Umbau in den Dritie-Klasse-Kammern 218 Personen und in dem außerordentlich hohen und luftigen Wobitdeck 488 Passagiere über den 8»n befördern. Ein Gana durch das Schiff zeigt viel önes und Erfreuliches. Ist das wirklich ein Dritte-Klasseiff? wird sich der Beschauer erstaunt fragen, wenn er die zwei-, drei- und vierbeltigen Kabinen betritt. Sein Auge wird Mit Wohlgefallen auf die Wascheinrichtnngen mit fließendem Wasser fallen und sich an den iiübsch genllistertell Vorhängen erfreuen, blute,' denen nn 7„a? die Betten verschwinden mrd den wiump mf eerleihen. Sehr ü

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