Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 7 (1925)
- Issue
- Heft 2344 (31.8.1925)
- Date
- 1925-08-31
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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31. August 1926 Gerte b Nr. 2344 Men, Montag iv m 'v? I-Uttft AUVWB1KTKJ1VG Hgpetheken, Anleihen, Pfandbriefe, Sperkaseenguihaben Fachmännisch* Beratung VMMimtfNat-SIMTIIAlJI MRMNWt Elehhornitnsie 3, Parterre Telephon Kurförit 5520—21 Sprechstunden von 4—7 Uhr nachm., Sonntbend von 130-S SO Dr. MoseS logt des weiteren eine Anzahl wichtiger Mitteilungen vor, die dem Aktionskomitee zu überweisen find, in bezug auf die künftige Gestaltung der .Kongresses, um die Arbeitsfähigkeit de» Kongresse» zu echölM. Danach soll, wa» die Neuwahl der Exekutive betrifft, der Präsident vom Kongreß gewühlt werden, er hat die Exekutive zusammenzustellen und sie dem Plenum zu präsentieren. Die Tagesordnung de» Kongresses soll in drei Teile zerfallen, von denen sich der erste mit einem Ueberblick über die Lage der jüdischen Volkes befaßt und die Generaldebatte enthalt. In den zweiten Teil fallen die Beratungen der Kommissionen und die Abstimmungen über die Beschlüsse, in den dritten die Wahlen. Der dritte Punkt betrifft die Umgestaltung der Kommifsionsarbeit. Jede Kommission soll höchsten» 12 bis 1« Mitglieder zählen, damit ein Teil der Delogierten frei von KommPonSavbert <m den Arbeiten des Kongresses teilnehmen könne. Diese Vorschläge werden als Material dem Mtionskomitee überwiesen. Dr. Moses liegt hierauf folgenden Antrag vor: Mit dem Abschluß der Generaldebatte gilt di« Decharge für die Exekutive ohne Beschluß als erteilt, es sek denn, daß auf Grund eines ausdrücklichen Antrages ein entgegengesetzter Beschluß gefaßt wird. Dor Antrag wird einstimmig angenommen. Referent Brodctzky bringt sodann folgenden KommissionSboschluß vor: „Die Landesverbände Skandinavien, Finnland, Spanien und Portugal sind ausnahmsweise, falls sie die Mindestzahl von 1000 Sche- «altm nicht erreichen, berechtigt, einen Delegierten zum Kongreß zu entsenden, sofern sie tvenigstens 200 Scheckelzahler aufweisen." Dr. Ben Zion bittot, denn Antrag auch aus die Länder des fernen Ostens auszudehnen. Alfred Berger spricht dagegen. Dr. HeÜmann beantragt, den ganzen Paragraphen zu streichen. Der Antrag Hellmann wird mit 67 gegen $5 Stimmen angenommen. Prof. Brodetzky legt folgende Anträge in bezug ans das Aktionskomitee vor: „$e* Zentralrat (I ahreskonferenz) wird abgeschafft. Im kongveßlosen Jahr hat eine zu diesem Zweck ein« bernfene Tagung des Aktion skonritees das Budget für das nächstfolgende Jahr zu beschließen. __ 2. | 49 wird tarn folgt abgeändevt: Abs. 1: Dem MtionSkomnee obliegt die Beratung und Beschlußfassung über wichtige Angelegenheiten der Zionistischen Or^nrsatlon m der Zeit von einem Kongreß zum anderen. Es «st berechtigt, Beschlüsse zu fassen, soweit diese nicht den Beschlüssen des Kongresses widersprechen. . , t. . . Abs. 8: Das AMonskon'dtoe dient ferner der Beratung und Bewachung der Ausführung aller. Aidgelegenbeiten, dre vom Kongreß beschlossen worden sind sowie zur Boausslchtictitivfl aller z^nist'scheu Institutionen. a . * ,, Ms. 8: Es Ift Aufgabe des Mionskomliees, innevhalb des vom Kongreß fesigt.,etzten BtvdgetS Einzelbest:mmungen zu treffen. „ „ . . . Abs. 4: Wenn unvorhergesehene Umstande cs erfordern, kann das. Aktionskomitee m.t Z we i dr i tt e l m e^ r ge \ t Aenderuugen in oem sistgeseyten Budget beschließen.' Die Anträtle werden a n g e r: o m m e n. r 3 Das Akt'onsromitee Ist berechtigt, m einer Atzung, in der m-.bestens drei viertel der Aktionskomiteemugueder vertreten sind, rnit nuer 'Dreiviertelmehrheit der Anwesenden die Exekutive abzuberufeu, wobn der Exekutive das Rech: des Appells an einen a o..h c rrden: liche n Ko ugrs. zusteht. Gin solch-r B^chl.'ß n't nur möglich, wenn der be.refteude Antrag m irr Digrsordnrna d-rr Sihung .r-nuntikgcmäß angekündigt wrtrSe. 4. In § 47 wird Abs. 2 gestrichen. f § 47 soll tvie folgt lauten: Das Aktionskomitee wKlt sein eigenes Präsidium, das im Einvernehmen mit der Exekutive fsir regelmäßige Einberufung des Aktionskomitees zu! ^Die Vorsitzenden des Kongreß-, und . des Mrengerichtes sowie der Kongreßanwatt gÄ)0ren dom MtionSkonritee ohne Stin,mrecht an. Der Mtrag der Kommission wird airgemmim«:. Weiters wird angonontmen: Die Exokutive wird au f gefordert und ermächtigt, das O r g a n i s a t >i o n s st a t u t und das Wahlreglement mit den Beschlüssen des Kongresses in Einklang zu bringen und eine, entsprechend diesen Beschlüssen, revidierte Fassung deS Statuts und des Wahl r eglem ent s auszuarbeiten und dein Aktionskomitee zur Genehmigung vorzulegen. Die Geschäftsordnung des Kongreßgerichtes n»td das Statut des Ehrengerichtes solle,; den, Mionskomitee zur Genehmigung dorgelegt werden. Bei der Beratung dieser legislativen Maßnahmen sind dm; Mionskomitee die Vorsitzenden de§. Kongreßgerichtes und des Ehrengerichtes sowie der Kongveßanwalt beizuziehen. Law Steru (Jugoslawien) erörtert einige in der Kommission aus Zeitmangel unerledigt gebliebene Fragen. Da aber seine Anträge nicht die Zkommission passiert haben, wird ihn, das Wort nicht erteilt. Jean Fischer stellt die Anfrage, weshalb die Organ!- sationSkommission nicht die Frage einer obersten Rechnungskammer behandelt und sich nicht mir dvnr dringend notwertdigen Pensionsstatut für die Beamten und mit der Frage der Jnkompatibilität der Funktionen und der Funktionäre befaßt har. ES tritt eine halbstüMge Panse ein. Um dreiviertel 7 Uhr wjpd die.Sitzung wied.er erWet, Referent DrrSKmor a k legt den Budgetvorschlag der KolonisationSkommissivn vor, der insgesamt 300.000 Pfund umfaßt, davon 70.009 Pfund für die MittelstandSalijah. Dieser Vorschlag wird erst nach der Dovlage des allgemeinen Budgets zur Abstimmung kommen. veireffenh den Kolonisationsfand» wird beantragt: Der Kongreß weist die Exekutive an, den Beschluß de- IS. ZioniftenkongresseS wegen Schaffung eines Kolonifationsfonds im Rahmen der Keren Hastflod nach Vorschlag Dr. Ruppins ausznführen. (Angenommen.) Die Kommission leM die Aufnrerksamkeir der Exekutive auf dir Notwendigkeit, daß zwischen dem Keren Hajessod, respektive dem KolonisationSfondS und den Siedlern feste Verträge abzuschließen ftrtb, und wünscht, daß die diesbezüglichen Musterverträge so bald als möglich dem Aktionskomitee zur Beschlußfassung vorgelegt tverden. (Angenommen.) In bezug auf die Bodenpolitik wird erklärt: 1. Der Jüdische Nationahontzs ist der Träger der Bodenpolitik in Erez Israel, auf dem Lande rvnK in der Stadt. 2. Auf dem Lande sollen vor allem Bodenerwerbungen in größeren zusammenhängenden Flächen erfolgen, um der Zionistischen Organisation di« Durchführung ausgedehnter Kolonisationspläne zu ermöglichen. 3. Der Keren Kajemeth hat eine zielbewußte st ä d t i s ch e BodenPolitik zu führen, die vovtviegend darin bestehen soll, daß er an der P e r iph «riederSt ätzte Böden zwecks Gründung vorstädtdscher Siedlungen erwirbt, die noch zu angemessenen Preisen zu haben sind. Ausnahmsweise können auch Böden in den Städten für wichtige nationale Institutionen bereitgestellt werden. 4. Die Richtlinien zur Bodenpolitik der Zionistischen Organisation werden vom Kongreß festgestellt. Me zionistischen oder, unter der Kontrolle der Zionistischen Organisation stchenden Institute, di« irgend einen Einfluß auf di« Bodenpolitik ausüben können, müssen sich diesen Prinzipien unterwerfen. Den außerhalb der Zionistischen Organisation stehenden Institutionen oder Personen, die sich mit Bodenkauf befassen, wird die Zionistische Organisation Anerkennung und Unterstützung nur dann gewähren, wenn sie sich diesen Prinzipien der Bodenpolitik fügen. (Angenommen.) - Die Dubkommission für Arbeitsbeschaffung beantragt durch den Referenten Dr. Schmorak die folgenden Resolntlimren: 1. Bei der Verausgabung des für das Arbeitsdepartement bestimmten Budgets sind entspreche,w die Interessen der jemenitischen Arbeiter und des „Hapoel Hamisrachi" zu berücksichtigen. (Angenommen.) 2. Die Exekutive wird beaustragt, binnen drei Monaten beim Ar« bei'tsdepartenvent e i n e n B e i r a t aus Vertretern d e r i m Lande bestehenden Arbeiterorganisationen ins Leben zu rufen. (Angenonrmen.) Die Einwanderung. Der Referent der Mijah-Kvmmission vertritt die fol* geraden Anträge: 1. Der Kongreß fordert die Exekutive auf, die notwendigen Schritte bei der Palästinaregievung zu unternehmen, um die Quarantänebedingungen' sowie die Ausbootung der Olim in den palästinensischen Häfen zu verbessern und so zu organisieren, daß sie der Würde der jüdischen Mijah entsprechm. (Arrgenommen.) Auf eine Anfrage von Glouska wird erklärt, daß über die Gründung * eines PalLstinamies in Aden noch gesprochen werden soll. - 2. Der Kvivgreß stellt fest, daß die von der palästinensischen Regierung eittgehobene« Einwanderungssteuern und Bifagebühren eine schwere Belastung der Alijah von A r b e i t s e >l e m e n t en urck des zionistischen Alijahbudgots bedeuten und fordert deshalb die Exekutive ctuif, für eine lveit gehende Reduzierung derselben einzntreten. M e r e m i n s k y schlägt dor, statt „weitgehende Reduzierung" die Worte „Aufhebung dieser Gebühren" zu setzen intb das Wort ,^Kisagebühren" zu streichen. Die Resolution tvird mit diesem Ame,chement angvmmmwn. Präsident Motzkin unterbricht die BerhaichÄnvg über diesen. Gegenstand und erteilt Dr. W e i zm a n n das Wort. (Stürnrdscher Beifall und Händeklatschen.) Wekzmannr Abschiedsworte. Präsident Weizmonn: Verzeihen Sie, daß ich nrir erlaubt habe, den Gang der Geschäfte zu unterbrochen. ES liegen zwingende Gründe vor, über die ich keine Kontrolle hckbe, die mich veranlassen, noch hrute abzureisen. Ich tverde in einigen Minuten den Kongreß verlassen. Ich bin mir bewußt, daß einige Fragen noch ungelöst sind, aber ich habe die feste Ileberzeugung, daß die Zufammenistellung der Exekutive rmd die noch strittigen Fragen sich auf dem besten Weg« der Erledigung befinden. Ich bin auch überzeut, daß datz Präsidium des Kongresses alles dazu beitraget, wird, daß diese Fragen, die, wie ich hoffenicht mehr die Schärfe haben, die sie vor drei Tagen hatten, in würdiger Weise ihre Erledigung finden. Herr S o ko low war so steun'dlich» in dieser Frage auch für mich zu handeln tlnd das zu tun, was ich vielleicht sonst getan hätte. Wenn ich mich jetzt vom Kongreß verabschiede, so geschieht das m bem Wunsche, daß er zu einem baldigen guten, würdigen Ende kommt. Ich hoffe, daß eö gelingen wird, noch, heute den. Kongreß zu beschließen und lvi! jetzt Ihre Zeit nicht m Anspruch neh- E,« eine Schlußrede zu Wen, Ich wjll nur eines pelrwmn / kurt / Foorrures Htutiee Nouveautia Moriz FLEISCHMANN WIEN, L, GRABEN 28 Telephon-Nnmmer 68*4*79 « sagen: Der Kongreß hat gestern einen schicksalsschweren Entschluß gefaßt ' in bezug ans die Jewish Agency. Es sind viele Zusätze hier vorgebracht worden, die, tvie ich schon gestern erklärt halbe, in die künftige Verfassung einzubeziehen sind. Ich glaube, wenn wir den anderen im Gefühl des Vertrauens und der Zusammenarbeit entgegenkommLN, dann werden viele Dinge, die gestern schwierig erschienen sind, vielleicht in einem Jahr nicht mehr so schwer sein. Eines haben wir schon erreicht. Wir haben etwas erfüll^ was uns im Mandat als Pflicht vorgeschrieven war. Wir mußten ei ne fernsten Versuch machen, die anderen heranzuziehen. Der Anfang ist jetzt gemacht worden, und von unserem Standpunkt ist alles geschehen, was auf diesem Wege geschehen konnte. Jeder Weg, den wir gehen, lbirgt in sich Gefahren und Schwierigkeiten, iut*h davaum sind wir Zionisten, um diese Schwierigkeiten zu überwinden, und äch glaube auch, daß gerade im Vertrauen auf die zionistische Kraft wir diesen Weg betreten haben. Das ist alles, was ich zu sagen habe. Ich habe an dieser Stelle noch Herrn Rothenberg, der in der Frage des Aufbaues des Counc i l eine Rolle spielen wird, den Dank auszusprechen für seine Bemühungen in dieser Richtung. Ich glaube, daß, solange emir nicht möglich fein wird, nach Amerika zu kommen, und seine Freunde diese Sache mit Würde und Kras.^betreiben werden. Indem ich Ihnen einen guten Abschluß des Kongresses wünsche, danke ich Ihnen auch im Namen des Herrn S o ko low für das Vertrauen, das sie uns gestern ausgesprochen haben. Sie haben dadurch die Möglichlke.it gegeben, in der schwierigen Periode, in die wir eingetreten sind, mit mehr Ermutigung zu arbeiten. Wenn wir uns auf dem nächsten Kongreß treffen,- dann werden wir, hoffe ich, einen großen Schritt weitergekommen sein, mehr Land erworben haben, die Immigration wird gesttegen sein und die inneren Schwierigkeiten werden vielleicht weniger schwer sein. Wenn auch die Außenstehenden sich manchmal denken Mffen, daß unser Kongreß wie ein Hexenkessel aussieht, sie mögen wissen, daß wir in die kurze Spanne von zwölf Tagen das hlneinpressen müssen, was sonst ein Parlament in sechs bis acht Monaten ruhiger Avbeit tut, einer Arbeit im eigenen Lande — und das ist vielleicht die Hauptschwierigkeit in der Erledigung unserer Geschäfte. Nochmals, zum dritten Male, wünsche ich Ihnen i einen würdigen und guten Abschluß des Kongresses. Ich danke Ihnen für die Freundlichkeit, die Sie mir und meinen Kollegen haben zuteil werden lassen, und nun ans Wiedersehen nach guter und fruchtbringender Arbeit! Die Versammlung erhebt sich und bringt Präsident Weiznvann, wahrend er sich von den einzelnen Mitgliedern -des Präsidiums und der Exekutive verabschiedet, stürmische, minutenlang anhaltende Ovationen dar. Präsident Motzkin unterbricht um drewierte 9 Uhr die Sitzuug. Rach halb 11 Uhr wurde die Sitzung wieder ausgenommen. Die Anträge der Einwanderungskommissivn wurden wertevberaten. Die eingehende Aufa'rbeitung des sehr detaillierten Materials erforderte lange Zeit. Die durch die ungeheure Arbeitslast niedergedrückte Spannkvaft der Delegierten belebte sich wieder, als die Anträge über das Erziehungswesen und die ' Resolution über die Universität behandelt wurden. Die Erziehungskommission schlug die folgende Resolution vor, die der Kongreß gegen ein Amendement von Rabbi Usiel (Misrachi) a n n a h m. 1. Der 14. Kongreß begrüßt die Eröffnung der hebräischen Universität in Jerusalem und sieht in ihr ei» epochales Ereignis in dem historischen Prozesse der Renaissance der hebräischen Sprache und Kultur. Er dankt allen denen, die an der Begründung der Universität mitgewirkt haben, insbesondere Herrn Dr. Weizm a n n für seine vieljährige, zielbewnckte und hingebungsvolle Arbeit zur Verwirklichung des Gedankens der hebräischen Universität. 2. Der Kongreß beschließt, daß das der Zionistischen Organisation gehörige Universilatseigentum dem neu gegründeten Kuratorium nicht vor der Festlegung der endgültigen Verfassung der Universität übergeben werden darf. Die endgültige Entscheidung über die Verfassung der Universität bleibt dem Aktionskomitee Vorbehalten. In der Verfassung der Universität ist für die Sicherung des bestimmenden Einflusses der Zionistischen Organisation in den VerwalinngSlörpern der Universität Vorsorge zu treffen. Die Exekutive wird beaustrtagt, dahin zn wirse», daß der Zentralsitz des Kuratoriums sich vorerst —w«?"3S5Sr - ^-»?aFFT* K*£r*«W3iPAT*’ mwwQM mwmu ,>M