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Wiener Morgenzeitung · 1925-08-30 · Heft 2343 (30.8.1925) · p. Seite 7

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
7 (1925)
Issue
Heft 2343 (30.8.1925)
Date
1925-08-30
Page
Seite 7 (sequence 7)
Language
German
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Nr. 3343 Wien, Sonntag Wiener Morgenzeitung 30. August 1986 Seit« 7 Herren- und Damen-Wäsche-Fabrik Otto Taussig L Co. Wien, XII., Dunklergasse 13 Fernsprecher 8'’-0-92 _ _ Telegramm-Adresse Comptoir 82-3-27 00 Wäschetaussig Spezfalabieilung für exquisite Kragen, Mansdieiien und Plastron« Kampfes. Wie soll es die Jugend wissen, daß dies eine Politische Lüge ist? Die Menschheitsidee geht den Weg des Wirkens. Sie wird, indem nach ihr gehandelt wird. Der Kampf ist das Geschäft der politischen Partei: die Arbeit ist das Wirken der Idee. Dias« Arbeit wölkten wir unserer Jugend gc'ben. Das Ziel ist ewig. Die großen sozialen - Ideale der Menschheit bleiben unvergänglich. Wir lärmen und wollen sie unserer Jugend nicht vorenchalten. Wir wissen aber einen besseren Weg für unsere Kinder Mr Erreichung des sozialen Ideals als den Kamps öiner politischen Partei um die Macht des Tages. Die Organisation in der sozialen Arbeit müßte durch die Organisation der Jugendarbeit ergänzt werden. Die Jugend als solche soll die soziale Arbeit leisten. Nicht einen ober den anderen zur Arbeit erziehen, sondern die jüdische Jugend selbst ist das Ziel. Gelänge es, die Jugendbewegung mehr als bisher hierauf eiiHuftellen, so würde als unmittelbare Folge davon auch ein gewisser Ausgleich zwischen Jugend und Elternhaus in Erscheinung treten. Das Politisieren der Jugend ist es, welches sie in den Kampf treibt gegen dar Elternhaus. Der Gegensatz zu der alten Generation, 'welcher notwendig und natürlich ist, darf nicht mchr mit den heutigen Methoden auSgetragen werden. Die Familie ist schließlich die Grundlage der sozialen Gebilde, und man kann nicht ein« ideale Gesellschaft anstreben, indem man die Familie zerstört. Die Form der sozialen Arbeit von heute liegt aber auch der älteren Generation näher als eine soziale Kampftendenz, wenn auch sin Gegensatz zwischen Men und Jungen auch Hier zwöifeHaft vorhanden ist. Die Jugend soll der sozilaen Arbeit Mrückgegeben werden!. Die altjüdifche Wohltätigkeit hatte in der Jugend eine ihrer Säulen. Die neue Zeit gab der Wischen Wohltätigkeit neue Formen und lockerte die Verbindung der Jugend mit ihr. Diese Verbindung soll wieder enger gestaltet werden. Die Jugendorganisationen und die sozialen Arbeiter müssen einander verstehen, müssen zueinander finden. » Mischer Lebe» in Sesterreich i« Wort n«d Md. In den nächsten Taigen erscheint unter obigem Titel das vom Schriftsteller Jakob Krausz herausgegebene Jahrbuch für das Jahr 6696 (1926-1926). Außer dem hebräischen und deutschen Kalendarium und einem reichhaltigen Adressenmaterial über sämtliche jüdischen Gemeinden, Organisationen, Vereine und Institutionen in Wien und Oesterreich enthält das Jahrbuch äußerst wertvolle Beiitvage zur Geischichte der wichtigsten jüdischen Organisationen und Wohlfahrtsanstalten während der letzten zehn Jahre, sowie Abhandlungen über verschiedene Gebiete der Kulturgeschichte der Wiener Juden. Das reich Nustvievte Jahrbuch wird ohne Zweifel sowohl als verläßliches Nachschlagewerk für jedermann, der irgend «in persönliches, organisatorisches oder geschäftliches Interesse hat, mit den jüdischen GeMinden, Verbänden und Anstalten iit Oesterreich in Beziehungen zu treten, wie auch als Quellenbuch für die Geschichte der Juden in Wien'und den Bundesländern starke Verlbreitung finden und populär werden. DaA hundert Olktavseiten starke Buch kostet fünf österreichische Schilling, mit Postzusendung sechs Schilling. Bestellungen nimmt schon jetzt der Herausgeber, Schriftsteller Jakob Krausz, Wien, 2. Beg., Taborstraße 1—3, 2. fötotf, entgegen. Diplomatisches Verfahren wege« einer Thorarolle. Die KolozSvärer Staatsanwaltschaft erhielt in den jüngsten Tagen vom tschechoslowakischen Ministerium des Aeußern eine Zuschrift, in der das Ministerium unter Einhaltung aller diplomati'chen Formen um die Verhaftung des tschechoslowakischen Staatsbürgers Zoltön Jczkovies eriucht. Die tschechoslowakischen Behörden beschuldigen Jczkovies, im Jahre 1933 eine Thorarokle e n t w e n d e t zu haben. Jczkovies wurde bei der KolozSvärer Staatsanwaltschaft verhört. Er sagte aus, im Februar 1933 habe er die telegraphische Nachricht bekommen, sein Vater sei in Alsä-Szlattna gestorben Auf diese Verständigung reiste er hin, sorgte für die Beerdigung seines Vaters und nahm als Alleinerbe die Erbschaft an sich. Unter den Mobilien befand sich aber eben diese Thorarolle. In Alsü-Szlaiina war nämlich kein jüdischer Tempel, die Gemeindemitglieder hielte«. den Gottesdienst im Hause einer Witwe HerSkovleS ab. Einige wohlhabende jüdische Bürger, w auch der Vater deS Jczkovies, haben je eine Thorarolle gekauft und zur Benützung leihweise dem Betbause übergeben, jedoch mit Vorbehalt des Eigentumsrechtes. Als JczkovicS die Erbschaft anforderte, wollte die Witwe die Thorarolle nicht ausfolgen. Die Angelegenheit gelangte vor den R a b b i. der dis strittige Thorarolle als Eigentum des Jczkovies erklärte. Nun ging Jezkovie' ins Bethaus und nahm die Tborarolle an sich. AlS er von Alsä-Szlatina wegreiste, wurde er in BeregszäSz verhaftet und nur regen eine Kaution von 10.009 tschechischen Kronen auf fteien Fuß gestellt. Derzeit sckweben diplomatische Verhandlungen zwischen Rumänien und der Tschechoslowakei in betreff der Staatsbürgerschaft des Jczkovies. Die Intervention Skerreichlscher Wirtschaft»- Vertreter in Polen. Wie wir erfahren, find gestern die Vertreter der österreichischen Wirtschaft, welche mit Polen wegen einer Milderung der WirtschaftSvorschriften verhandelten, aus Polen w'eder zu ückgekehrt. Die Interention hatte insofern Erfolg als für Importe, die auf Best klungen vor dem 20. Mai zurückgingen, die also noch zu den niedrigeren Zöllen eingeführt weiden, ein Kontingent vereinbart wurde. Bei den weite, en Importen ist bezüglich der Geschäfte der Wiener Messe ein Weitko tingent von fünf .Goldkronen zugestanden worden, um den Fo tbetrieb der Messe zu ermöglichen. Wenn d e beiden Kontingente erledigt sein werden, wird wegen eines neu n Kontingents verhandelt werden Im übrigen sollen Ende September die polntsch-ö nreichilchen Wirtschaftsver andlungen neuerlich beginnen. Wegen der Devisenausfuhr sind vo,läufig teilte Erleichterungen zugestanden worden. Allen — voran! Hochwertfae Herrenstoffe per Kassa zu kaufen gesucht Anträge unter „Qualitätsware 620“ an die Adm. des Blattes K i e ib e t f) u u s SUllM-Preist! CerslI-'-Uiobratuufl . , 8 60*— Goratl-Ulfter ..... S 65.- Gerstl'tSportangug . . 8 70.— 0®r*tt-SB«tewroor . 8 58.— GersU-Ütbrtrotl . . . 8 75.— GersU-eumtmmantd . 8 22.— Gerstl-SRobtÜofe ... 8 12.— Gerstl-ßnabfnanjug . , L 18.— $ etoOuotvhe HERREN .KLEIDER DAUEM.KLEIDER BERREN-WÄ8CHE (Wegründet -*«»> 25 Schaufenster Sin sonderbarer Volksglaube. Das Mälyistoker Watt „Das neue Leben" erzählt folgenden Fall russischen Aberglaubens aus der jüngsten Zeit: In eines der kleinen Bvtlhäuiser Laim vor einigen Tagen während des NachmMagsgottesdienstes sine Russin in mitt- 'loren Jahren und bat den Tempeldiiener, ihr für einige Groschen zwei Dentpolkerzen zuüberlqssen. Der Tempeldiener folgte ihr, in der Annahme, daß fr« das Dienstmädchen einer jüdischen Familie fei, die gewünschten Kerzen aus. Zur großen Uebevvaschung der Anwesenden entzündete jedoch die Frau die Kerzen, befestigte sie an einem Belpnlt, starrte das Licht unverwandt an, As die Kerze ausgebrannt war, und entfernte sich daun. Unter den Judetr entspann sich eine Debatte davübor, welche Bewandtnis es mit dieser Frau und der brennenden Kerze haben mochte. Jeder vermutete dahinter irgend eine tiefe Tragödie. Der eine meinte, daß die Seele der armen Frau vielleicht von einem schweren Verbrechen an Juden gepeinigt werde, das durch dieses Kevzenopfer im jüdischen Bethaus gesühnt werden soll. Andere wieder waren der Meinung, daß es sich um eine abtrünnige Jüdin haMe, die, von Gewissensbissen getrieben, auf diese Weise ihr Herz erleichtern möchte. Niemand hatte es gewagt, die Frau in ihrer Handlung zu stören. Erst bei der Mr faßte der Tempoldienor Mnt und fragte einen Russen, der draußen auf die Frau gewartet hatte, nnr den Sinn der ganzen Szene. Der Russe gab nun folgende Aufklärung: Unter den Gläubigen der russisches Kirche herrscht der Volksglaube, daß man eilten Feind am sichersten verüvünschen und ,>verschelten" könne, wenn man an einent heiligen Ort zwei Kerzen anzündet, sie unverwandt anblickt und dabei im Stillen an die Flüche und Verwünschungen derckt, die dem Feinde zu-gedacht sind. Da aber die orthodox-russische Kirche geschlossert war und die Frau offenbar es mit den Bevwünschungett ihres Feindes sehr eilig hatte, fei sie in das „indische Heiligtum" gekommen... Wem diese Verwünschungen der fromnten Russin galten. konnte tticht feftgestellt wevdett, da nach diesem Aberglauben Diskretion tticht so sehr Ehrensache als Borbedingr.'Ng für den Erfolg ist. Allgemeine Sendebersnche der enropillsche» Rundsbruchsender. Heute nachts Beginn. Wie schon mehrfach berichtet, wurde auf einer im .Juli dieses* Jahres in Genf abgehaltenen Sitzung der Union Internationale de Radiophonie der für Rundfpvuch-- zwecke zur Verfügung stehende Wellenbereich neu aufgeteilt. Da jedoch eine derartige Aufteilung vom grünen Tisch einer Konferenz aus unmöglich scheint, wurde gleichzeitig vereinbart, daß in den Nächten vom 31. d. auf den 1. September, vom 2. auf den 3. Septentber, vom 4. auf den 5., vom 7. ans den 8., vom 9. auf den 10. und vom 14. auf den 15. September in der Zeit zwischen 11 Uhr und 1 Uhr nachts lvesteuropäischer Zeit, das ist zwischen 12 Uhr und 2 Uhr nachts mitteleuropäischer Zeit, alle europäischen Sender gleichzeitig auf den ihnen zugewiefenen Wollen senden sollen, um durch ein möglichst weitverzweigtes Beobachtnngsnetz eventuell auftretende gegenseitige Störungen konstatieren zu können. Das Ergebnis dieser Versuche soll dann die Basis für eine endgültige Regelung liefern. Jede Station wird sich alle drei Minuten abtvechselnd in der Landessprache und französisch melden. Zwischen den Meldungsrufen wird Musik oder Sprache übertragen werden. Da diese Versuche für die klaglose Durchführung des kontinentalen Rundspruchdienstes von ausschlaggebender Bedeutung sind, werden alle Radioliebhaber ersucht, sich der Sache zur Verfügung zu stellen, indem sie die Sendungen der eigenen Station beobachten und auf? kürzestem Wege melden, falls sie durch benachbarte fremde Wellenlängen gestört werden. Eine Meldung müßte kurz die Typenbezeichnung des Empfangsgerätes und Aufstellungsort enthalten und wäre an die Ravag, Wien, Stubenring, einzusenden. Alle österreichischen Radiohörer mögen, je nachdem sie gewöhnlich Wien oder Graz abzuhören Pflegen, ihre Beobachtungen auf eben die Station konzentrieren. Radio- Wien wird sein« Sendung auf Welle 458 Meter, Radio- Graz auf 560 Meter durchführen. i Die Hitgo-Alnnes-Llnlen. Geplant und gegründet während des gewaltigen BMerringrns, entstanden ans der bedeutenden Kohlenreederei der Hngo-Stinnes-G. m. b. H. in Hamburg, deren Flotte durch das Versailler Diktat, mit Ausnahm" eines kleinen Schiffes, den Feinden zum Opfer fiel, begannen die Hugo-Stinnes- Linien mit dem ungeheuer schnellen Aufbau ihrer' Flotte erst nach dem Kriege. Aut 8. Februar 1931 läuft als erster Neubau der Dampfer .Hindenburg" auf der Bremer Vulkan-Werft in Vegesack vom Stapel, ein vorbildlicher Typ eines ' großen Frachtdampfers, der auch eine beschränkte Zahl Passagiere befördert. Daran schließet! sich die Stapelläufe der Dampfer „Tivpitz" im März in Flensburg .und „Ludendorff" auf dem Bremer Vulkan. Am 20. April tritt Dampfer „Hindenburg" als damals größtes deutsches Schiff feine erste Reise nach Südamerika an, im Mai „Ludendorff". Dampfer „Havenstein" läuft im gleichen Monat vom Stapel mH das Motortankschiff,Ostpreußen", das in der Hauptsache aus Druckbörperu von U.-Kreuzern hergestellt ist, verläßt die Helgen der Germania- Werft in Kiel. Dampfer „Tirpitz" nnd den Artusbampfer,/Oliva" sehen wir im Juni ihre Ju-ngfermeHen antreten. Im Juli trifft Dampfer ^Hindenburg" vott feiner ersten Fahrt wieder in Hamburg ein und ein Schwesterschiff der .Ostpreußen", das Motortankschiff Oberschlesien" läuft vom Stapel. Am 11. August wird Die „Ostpreußen" nach erfolgreicher Probefahrt abgenommen, ant 24. August tritt Dampfer Ravenstein" seine erste Fahrt an. Dett größten Tonnagezuwachs erfahren die Hugo-Stinnes-Linien im Oktober dttrch dett Ankauf von sielbett Dampfern der Reederei Nordstjernen in Stockholm und den Ankauf des Dantpfers „St. Lawrence River", dett die Deutsche Dampfschiffahrtgesell^chaft Hansa als Dampfer .Krouenfus" erbaut und an England infolge des FriedensdÄtats vott Versailles abgeliesert hatte. Dieses Schiff verläßt am 20. Oktober als ,^-cheer" den Hamburger Hafen erstmalig unter der Reedereiflagge der HuM-Stinnes-Linien. Im gleichen Monat wird der Dlenst nach Kuba und dett Golfhäfen ausgenommen. Zwei der nn Oktober erworbenen schwedischett Dampfer werdet: als „Hilde Httgo Stitmes" mrd „Ernst Hugo Dtinttes" in dett Dienst gestellt,' im Dezember wird von Englatid der frühere Woermattndampfer „Professor Woerntann" erivotbett, der als „General Satt Martin" im August des nächstett Jahres seilte erste Fährt als Sünnes-Dampfer autritt. Für das tiächste Jahr sind als Stapelläufe zu verzeichltetl die Danrpfer ,/Eniil Kirdorf" am 26. Februar, ,Karl Legten" am 20. Mai und „Adolf v. Baeyer" am 14. Oktober, alle drei ans der Akarinewerft in Wilhelmshaven Ferner ist für 1922 Palästina-Ausstellung bis Dienstag den I. September nur

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