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Wiener Morgenzeitung · 1925-08-30 · Heft 2343 (30.8.1925) · p. Seite 4

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
7 (1925)
Issue
Heft 2343 (30.8.1925)
Date
1925-08-30
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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Seite 4 Wiener Mor-enzettung Mische Kunst wSyreud der Kongreßtagel Btsprochen v«« Vska« Ro>««fetd. In Milieu von Polliik, PoEkistaWe.uuK stM» P.«« u, ww @( SBkivcmtratlt, Orgamfotum, >«l.Wr Spannnng, Bum. Mt«. M, diich gG, es i„ «tzN den (Lt®,. mtU, - durch Berührung mit einig«« iudilchenKnnst. Muj. de« aus JeruMm htMergcholie« M werken zur Besinnung kommen, welch hetterer Zufall, welch Mränviikruges" Hier damwt d.i.i (vP/ «nbemcttlcä Glück! Ich wünsch- « tot s«g-nann.-n S?Wt,--L Hi-f ist L g greßgästen", die als Kompavsene gedacht waren für dr« swltet ohne Literatur, ja - mau könnte btt K ö Kongreßvechandlungen, als Denronstrationsobjekt für die -*...<*«.» . c “T* I^cit Lange Reche der indolenten Wiener Juden, als IBrderet österreichischen Fremdenverkehrs, der E „eisernem Besen" von allen unerwünsö^en ElSmetlten sei es auch nur inr Stadtpark — gereinigt werden soll. .Heil ihnen allen, an deren Wesen die Welt genesen soll. Palästina schickt ein paar Dutzend bemalte Leinwände. Gemalte Men» fchen. MturauSschnitte, Menschen in SLaturauSschnitten bwlische „Motive", also Motive (welch peinliches Wort), und jene Aneinanderreihung ^bon Farbe und Linie, die man mit dem technischen Begriff,DÄd" bezeichnet. Ich gestehe: diese Malerei hat mich peinlich berührt. ES war, als sollte dokumentiert werden, daß dem Aufbau eines Landes durch Kulturmenschen die ,Mrnst" Pate stehen, daß nun einmal Nach europäischem Gefühl Kultur ohne bildende Kunst etwas Fragmentarisches bleiben müsse. Wo ehrlicher Wille, Ringen mit -er Form, ja sogar Ueberspannen des Talents vorhanden, lasse ich all dies als gutes Vorzeichen für die Zukunft gelten. Aber was mir verdächtig vorkam, war das Kopieren unserer europäischen Stiwermischung, das Nachahmen unverstandener KompositionSbestrebungen und schließlich das brutale Photographieren der Natur. Ein Lichtblick — einige Landschaften, in denen palästinensische Lust und palästinensische Bödeitgestaltung (naturgegebene Form) zu ahnen find, ein Lichtblick — einige Stücke mit solider Malerei im Handwestlichen, also mehr Handwerk als Kunst. Wie diese zwei sich vermischen, so daß man kaum errät, wo das eine beginnt, das andere anshört, kan nran in der Sezession bei mi PüNn erfahren. Die Bibel liegt im Original und im Stuck auf. Da läßt sich konstatieren, inwieweit sie illustrativ gsdücht < - . ... i . iirii 2 t ’lfi 30. August 192» Nr. LAS und erfunden, inwieweit sie als Bildwerk gejMtet ist. Rein äußerlich unterliegt ein solches Wörk dem Zwang des Zyklischen: der Aneinanderreihung gedanklicher oder seelischer Stoffe, der Anektodenkette, also die intiekhalb einer, langen Reiche von Episoden Nicht immer Hbhenpunkte.haben kaum Das will sagen, daß es 6ei jsderii zynischen Werk mastere Momente geben muß M im Künstler und im Stoff., Und seltsamerweise fallen die beiden Pole: Künstler UNd Stöff nlcht immer zusammen. Lyrischen Episoden gibt Partn dramatische Spannung, tragische Begebenheiten kleidet er itt den farbigen Mantel episoder Poesie. Zusammengeh asten wird der ganze Zyklus Mitsamt de» Nebenstudien durch einen ,/literarischen" Grundton, durch eine geistreiche, auch im PhilEoxjischen niemals versagende Synthese von biblischem UMfKhl und modernen Ausdrucksformeln, so daß ein Werk Austattße gekommen ist, an dem nur reifster Kunstgeschntück gefallen ohne Malerei. Eine wunderliche Ueberraschung bietet im Kunstsalon der B u k u m (Hugo Heller auf dem Bauernmarkt), der seWgMrige Leflek yry, von dem ich vor 20 Jahren geschrieben hatte, daß er der Tragiker unter den Landschaftern sei. Man staunt, mit welcher Liebe Ury sich hier „mouvönm" Stoffett, der Großstadt, zugewendet hat: verregnete Straßen, beleuchteter Asphalt, nebeltriefende Kutscher, sogar Akte!' Alles blendend gesehen, mit echter Freude am Gegenstand und an -der — Radiernadel. Sin einziges Stück, eine Baumstudle, erinnert an den grübelnden und kämpfenden Ury der Neunzigerjahre. Je öfter :ch die Arbeiten des Malers und Gra phikers Josef Bubko (im Kunstsalon Würthle) seihe, desto überMgter i ich von der konzenltrierten Kraft ttnd Selbstbeherrschn::^ ..ses Künstlers, der bei aller Kenntnis moderner Kompösitwns lehre, bei allem Raffinement in der Technik des Holzschnittes — mert vergesse sogleich dies verpönte Wort anmutet. Der Stoff wird vom Handwerk in die schönste Harmonie gebracht, besonders in den allerkleinsten Formaten; und überall Erfindung, Geist, Charakter, tvas inan Strucks Arbeiten nicht durchwegs zubilligen kann. Ein Mick für das KonMthüüs, daß ein paar Wiener Plastiker dem .MlUftteil" Niveau gegeben haben, lieber den Bildhauer Karl, Duldig küün ich das jüngst hier abgegebene Urteil mix wiederholen; ergänzend die Specksteinfigur und die Terrakotta» Maske erwähnen, die mir vm Wust der Gegenstände entgangen waren. Max Farbniatin stellt sich mit -seiner Holzplastik „Tanzende Jude n" in die erste Reihe unserer Bildschnitzer. Welcher Opferniut, ein Werk zu s-chMtzU, das -nicht weniger symbolisiert als religiöse Exstase, seelische Verzücktheit, wissend, daß sox gar die Chance dss 'Bevrerktwerdens.fast Null ist! Ueber^ aus stark die Holzplastik „Der Gelehrte", die ich dem Leset wenigstens in der Reproduktion gern vorgeführt hätte, keck u-nd originell bas GipsmotM zu Typen von Mendele M-ocher Sforim, von kühner Musikalität die Bronzeplastik „Das Lied von der Erde", augeregt durch Gustav Mahlers Musikwerk. Von den ausdvucksnttd eindrucksreichen Plastiken des jNUgeU Samuel ZiMmerwaUN vukest Ve. i« -TiHeftn Beit« Wirkung, ohne Dietxweng, garantiert unechldHeh Vom Vo'ksgtsundhelfsanit bewilligt (Nr. dH) «•In AtaMthrmlM«! K«ln«S SCflMdfflM erscheint mir der „Moses" (Holzplastik) als das reifste Werk. Zunächst rveil cs durchaus von jeder Schablone entfernt ist; und weiters, weil hier das eigentliche Pro» blenr der Figureivplasttk: Druck auf die Basis als statisches Motiv und Streben nach L-oslösnng VMr eben dieser Basis (znsanttuetWfttßt als Schlvöben) als labiles M«otw arn aller reinsten gelbst erscheint. Daß ZstmNLtmailn sich auch ans die Finessen der Maierialwirstlttg versteht, beweist seine vorzügliche PorträkbSste des Pianisten Cherniavsky. .Wenn ich nochnmls aus dia Wsrke des viel zu wenig gewürdigten Heinrich Hschmattn hintveife, so geschieht dies im vollen Bewußtsein ainar kunstkritlschen Vcrautwort-ung Und mit dem Nachdruck eines Menschen, der für die im Schatten labenden, fast stummen jüdischen Künstler sprechen muß, damit Überhaupt von ihnen gesprochen wird. Besonders schlimm ist es uM das Betstäu.dms für die Plastik beim jüdischen PMlknUl bestellt. Schübe, daß die ällzltciftige Köschästigung mit Lheatek, Musik und LsteMnr tzins Bernachläffigung öor bildenden Kunst zur Folge hat. m Jakob Lsw, fälschlich dem Kütlstgewerbe zuge-Mt, hät außer einüM Bronzen ein Herzl-Relief in Stein geschaffen. Auf einer fast viereckitztztt, schmucklosen Platts HerzlS Kopf von vorne gesehen, besonders der Bart stark stilffiert, das Ganze einem Symbol Mstvebtrch, das doch so viel WiEchkoit und Wahrheit enthält wie HerM eigones Leben; ein« Lösung des KünssterlscheN, die in stch selbst eine Begründung findet, Jede andere Lösung würde in der Allegorie versanden. JH will meinten kritischen RnUdgarvtz nicht beeMn, ohne Nochmals aus .Hettrhka Kerners Speckstein- und Terrukvttaptaftllen Uiid auf die MatmorMaÄe von SlÄva Horowitz aufmerksam zu inacheN. vielleicht Wrdett einzelne ^aUgreßbesucher" meinem RnuLtzaW folM. Jod aus Petroleum. Aus Riga wird. gsMÄdetr Ke rüssisHün Jngeniour. Konst änt i n ow, MiMiev des gwl flifcheu KlNuitses 8er RpAdekUng, der ein elsktMytisches Vü Lyoner Seidanhaus ■ l/AUl »M«»»»«!»»Mi«»»» rn i..t.!. u^i.i UztA-_l.\ - Snr noch diese Woche) Sensationeller Preisabbau! .eiöyet: Aeck «v v »|. u ii 11 ii u uv, ^NitMitd des geolo- . ... Regierung, der vttt MrtMytffck^s Mr» .'cchren cmSgeüvbeitöt hat, Mr Md aus WöthältiM RÄckständen darzustellen, ist es nach Moskauer Meldunaen jetzt. St« lungen, fein Verfahren soweit j,u verbessern, dütz die russische Regürung nun daran gchen will, diese MeMode nchüstriell »it verwerten. Die Erfindung macht es tttSÄi«. die ÄÄtchungßr« kosten der Joddätstelluira soweit htzvabMrüaen, daß der Verkaufspreis des Jods auf den vierten Dml deS bis Nun geltendön Marttpveises festgesetzt werden kann, und voraussichtlich ^wkrd infolge der großen Mengen Jods, die zum Verkaufe werden dürften, der Preis Noch weitet sticken. atrgwoietr wollten, gingen swir hinaus zum Schluß öder in deti <Äai' ten zu seinen Füßen, itm dort spazieren zu gsheil tkttv den großen Zauber dieses Ortes zu genießen, benu ditzses Schloß und dieser Garten sind wie ein Vers, eitle Sitbphe aus den Strophen des großen Gesanges, den Göst sebttet Welt geschenkt hat — das rheinische Deutschland. Jugendliche Gespräche führend, begegneten wir hie und da Einheimischen, den „jungen Bourgoois", ünd Ge ftchtern der Engländer, die nur zur Berunstailtung jedes schönen Fleckchens Erde geboren sind. Einmal stießen wir auch auf ein blondes Mädchen, entert „Backfisch", wunderbar schwank und ebenmäßig gewachsen, mit jetten lustigen, neugierigen Augen, dis alles, was ihnen aus dem Wege begegnet, in sich einsaugen. Die geschäftige Älte, die sie begleitete — scheinbar ihre Mutier —, Merkte sofort, ivornit es ihre Tochter uns angetan hatte, und säh sie mit verhaltenem Aetger an, der mit etwas Einbildung vermengt war. Dos Mädchen war nicht etwa schön wie alle Mädchen, deNett wir sonst begegneten; aber wenn ein Bildhauer ein Modell der Jugend in ihrer vollen eNgslsgleichen Reinheit gesucht hätte, hätte er keine schönem Gestalt als sie, kerne reinere Anmut als sie finden können, die über ihvön gartzen elastischen Körper flutet«. Und wie wir nicht wußten, wözu und warum, feDfcfl* sowenig wüßten wir, wer von uns eS zuerst tat; aber unsere Blicke trafen sich — und warm wären unsere Blicke und ergötzten sich einer am andern. nM aUgK^dnckS wußten wir» daß wir glücklich sind, weil ss ltt dieser schönen Welt ein gutes Herz, ein gutes Aüg« Md> eine segenspendende Sonne gibt. Sicherlich blicken einander die ziichtigen Birke» , und di« erste Frühlingssonn« vor Pessach so ätt. Mit der Absicht, das Mädchstt zü tbbffsN, MbN wir auch am nächsten Tage zum Schloßberg. DtesMäl digogneten wir ihr nicht, aber nach zwei Lägen sähest wir fie wieder in Begleitung ihrer Mutter, und ivtMr btzr MneteN sich Unsere Blicke. Wir sähen wähl, daß die Me nicht sehr entzückt war. aber wir taten, als ob wir es nicht bemerkten Und gingen an Muttör Und.Tochter ehrfurchtsvoll Und nicht yeraussördörnd vorbei. Die kl eilte Blvndine schleuderte einett Sprühregen dös Liebreizes ihrer großen, neugierigen, azurblauen Augen ä-Uf uns. Was kümmerte uns die Alte, die uns ungnädig an sah? Wir fanden Germge an den Augetl iihrer Tochter. Und so oft von mm an einer von uns sie traf, erzählte er es seinen Kollegen und sie <beNetdeten ihn den ganzen Tag. IM Verlause des Sontttlers brachten jvir hemus, in welcher Alle« si-8 mit Vorliebe spazieren gingen und an MlchölN Tage sie Überha-upt n-icht kamen. Manchntal senkt« sie die Augen zu Bodeu und Miete in komischer Weise ihre wolkenlose St irrte, und wir dachöett, daß di« Alt« nufer von ferne gewalhr wurde Und sie von Uns warnt«. Manchmal öffnete sie west ihre bläuen Augen uns enitzegött Und wir sägten: heule tst der Mtett ihr Kasse« g-üt g «raten. Unsere Welt der WisseUschast und Poesie wurde noch schöner, den» ein lieber und güter Engel mit blauen Augen und bloudöM Haar schwebte Über ihr. Bach nicht langer Zeit war es uns klar, däß wir alle — sowohl der gedankenschwere Philosoph, als auch der Themiker, der künftige Nachfolger Viktor Meyers, wie der Schüler Jellineks, em werdender Demosthenes seines Zeitalters und auch ich, euer gehorsamer Diener — an dissem Mädchen mit Unserer Seele hingen. Die Sache war jedem von UNS MS dem Munde seiner Kollegen bekannt und Nicht etwa, west er e» selbst fühlte. Fühlt denn die MvlY« die KM. die sie zur Bvttn« lvendei? Di« Sache war so einfach und sellbstvevständlich, daß wir M nicht m einander Mnmn. Ihnen Namen kannten toir nicht, wußten, auch uicht, jivte et zu rtsähven wäre. Sie war Wn und das ivar genug für sie und für uns. Ihre Mgvn Vvrvieborr. daß sie, toetrn sie uns trafen, svoh lvar — attw däM bestand unser Glück. Es schien uns, als ob ste auf ander« MW Uns gar nicht sa-h — und lvenn sie sie sah, daß ihr Blick so kalt Web. Was brauchten wir Meiht? Dia Ftobtonvovlage wurde in der Welt Deutschlands imittet vordringlicher, all« Zeitungen itrcceu voll davon, alle Herzen stürmisch erregt und auch lvir vier Studenten, die zukünftigen B«rühUltheit«U, Iva von nrit ihr beschäftigt — bis sie uns tat der GM« traf. Eines Abends, als wir zum Schloßberg hlUaufgiitgött, um ßu sahen Und gesehen zu werdetr, kam uns dl« Blondine entg«g«tt. Ihr« Mütter war nicht mit ihr, aber — weh' unseren Augen, die solches sehen nrußten! — zwei hübsche JUNgeüs in Matroseriuuisovnl begleiteten sie Und ihr edles Msichtchett leuchtete ihueu zu. Uns bsnvrkte sie gar nicht, auf uns blickte ste nicht, auch , nicht ein Stäubchen des liebreizenden Sprühregens ihrer Augen siel äus uns. SvlbstverstöMich: Wie sollte auch ein kleines Mädchen Nicht verliebt sein? .Hatte es doch gaitz TeNtschlaltd die Mottejiborlage attgetäll . . . st-nfere Welt lag nicht siilstet vor uus, aber sitz lvar von selbst leer geivorden. Auch unsere Promenade war überflüssig geworden. Um sie nicht wieder zu treffen, verließen wir jene Alle« und wortlos kehrten wir Nach Hause zurück. Am nächsten Tag meldete unser Kctrtt, daß er sie mit eigenen Ailgett gestzheU hak« Mit b«N ztvei Etrosen links und rechts. Wir ivären süßt betrübt, als wir das hörten, aber aus ganzem .Herzert verstehen wir dem ßteimm, blonden Mädcheni NieiliäNd tänu den.MäNjäckeit" widere stvhen. Wir erfuhren, daß ÄlMm tztntz hübsche List «rfurt'del» hatte, Um de,t gauzell Wdetl DeutschkäNds seinem Wttteil gefügig zu urächetn er ließ eine kleine Flott« dö« Rhetu hstmuffahren und voll dort ven Neckar bis Mannheim. Nach Heidelberg kä-tit jtvar dl« Flott« tticht. äver, thvk Matroftll kalnen auch ljäch HtztMöerg. tttld wo div „Ptailjäckell" Well Fltß hstrsetzten, «rläug der ÄofttzelltWitts Mk

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