Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 7 (1925)
- Issue
- Heft 2343 (30.8.1925)
- Date
- 1925-08-30
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Leite 2 Wien, Sonntag Htm*» 30. August 1025 Nr. WD s PHYSIKAL..DIATET1SCHE HEILANSTALT I. HANOIS EJNGELEITBTB SOMWBIBLQUELLBNSADBR *19 Bad *n b.Wlen batte «beendet. Präsident Motzkin unterbricht imr 10 U-Hr 10 Minuten die Sitzung. Die Spannung des .Hauses steigt immer mehr. Der ganze Kongreß fichlt, daß die nächsten Mmrten die Entscheidung bringen müssen. Um 11 Uhr wird die Sitzung wieder ausgenommen. Di« Exekutive betritt den S-al» an der Spitze Weizmann und Sokolow. Das .Haas und die Galerien bereiten ihnen eine minutenlange stürmisch« Ovation. Die Spannung wächst, als Vorsitzender Motzkin dem Obmann des Permanen^ausschusses Abgeordneten G o l d- Le rg Las Wort erteilt. Goldberg fuhrt aus, daß d>c'r Pcrmaneuzausischuß feit vorgestern m ununterbrocheiren Beratungen den Sinu der von den einzelnen Parteien abgegebenen Deklarationen geprüft hat, Mt fest" zustellen, wie sie gemeint sind und wie sich die 'Parteien zu der qbtretenden Exekutive stellen, Er verliest sodann in hebräischer mnd englischer Sprache folgende Erklärung, welche hieraus der Obmann-, Stellvertreter des Pexmanenzausschusses Dr. Leon Reich deutsch wiedergibt: „Angesichts der Erklärung, dt« vom Präsidenten der Organisation im Namen der Exekutive abgegeben worden ist, hat der Permanenzansschutz nach Anhörung der Vertreter der Kongreßgruppen mit weitaus überwiegender Majorität festgestellt, daß die Deklarationen zur Abstimmung zum Absolutorium vom 86. August keineuGrundzurRücktrittserklarupg der Exekutive vom 27. August geboten haben. Der Permanenzansschutz hat vielmehr mit Weitaus überwiegender Stimmenmehrheit festgestellt, -atz die weitere politis ch e L e i t n n g der Organisation durch die Herren \ Prof. Dr. Chaim Weizmann und Nahum Sokolow im unbedingten Interesse des Zionismus liegt, «nd fordert sie auf, an der Spitze der Bewegung zu verbleiben," Nachdem die Resolution auch noch in französischer Sprache verlesen worden ist, ordnet der Vorsitzende die A bsti mmung an. Sie ergibt . 217 Stimmen für, 15 Stimmen gegen dieResolntiM und 18 Stimmenthaltungen. , . Während der Abstimmung herrscht im Saalle UM? heure Erregung. Als der Vorsitzende fragt, -ver für die Resolution stimmt, streckt „.sich eine uMbersehbarc Menge von Armen mit roten Karten empor und es ist fast unmöglich, die Zählung vorzu-nehmen, Es dauert auch geraume Zeit, bis sie beendet ist. Ass'die Mitglieder der padikailen Gruppen ihre 15 Stimmen aügaben, ertönen P f u i-- r u f e von der Galrrrre. Präsident M o tz k i n'-, ermahnt die Galerie zur Ruhe und droht die Räum u n g an. Dar Präsident stellt nun an das -Hans hie Nachfrage^ wer sich der Abstimmung enthalten habe/ Es erheben sich auf der Linken 18 Karten. (Leibhafte Unruhe und Bewegung.) Infolge der'langen Dauer der Pause hatten zahlreiche Delegierte das Haus verlassen' und wurden erst knapp vor der Abstimmung durch Ordner hevbeigeholt. Der Präsident eimnziert ° nunrnehr n a chma ls das Resultat dieser Abstimmung, die ein Novum in der parlamentarischen Praxis darstellt, Die Sitzung hatte wieder das Gepräge der großen Enüscheidungstage. Der Andrang der Publikums war derart, daß er sogar alle Erwartungen der Polizei übertvaf. Alle Tore zum Konzerthaus wunden durch Polizisten und Ordner besetzt und strengste Kontrolle geübt. Als in den Abendstunden sich der Sitzungsbeginn verzögerte, entstanden im Foyer und in den Stiegenausgä'ngen Stockungen, so daß es einnml sogar nötig toar, die Gänge zu räumen. Im Saal herrschte bald tropische Hitze. Die Spannung war sehr stark, aber doch nicht so wie Mittwoch nachts. Gegen 10 Uhr trat ein Stimmungsumschwung ein. Man erfuhr aus dem Permaneuzausschuß, der seit den frühesten Morgenstunden fast nnunteribrochen getagt und eine Expertise vovgenonMen hatte, daß sich noch vor Torschluß Schwierigkeiten ergaben indem die Linksparteien und der Misrachi je zwei Sitze in der Exekutive für sich gefordert hatten. Schließlich konnte auch dieses Hindernis bereit i g t werden. Präsident Weizmann und Präsident Sokolow wohnten der Sitzung bei. Zehn Minuten nach 10 Uhr hatte Herr Motz-iir die Sitzung unterbrochen, und zwar, wie er hir^ufügte, für unbestimmte Zeit. Die Delegierten und die Besucher strömten aus den weitgeöffneten Türen in die Couloirs, und eg entwickelte sich bald ein unbeschreibliches Gedränge. Am lebhaftesten ging es in den schmalen Stivgengängen beim Permanenzansschutz zu. Endlich um dreiviertel 11 Uhr kam als' erster der Czevnowitzer Delegiert« Dr. Vierer heraus und teilte den Harrenden mit, die Einigung sei gelungen und die Abstimmung werde sofort erfolgen. eilte nu« wir« der in den Saal zurück und die Ordner hatten viel zu tun, um die Türen freiMhatten und den Einlaß zu regeln- Präsident Weizmann, devan der Spitze der Exekutive im Saal erschien, wurde mit einer Be ifallssalve lhe- Es W dam steigerte, M er auf jeinsA Aitz Mtz nahrn. Die Galerien und die MajSritätspartejen erhoben sich von ihren Sitzen. Nur mit Mühe konnte der Vorsitzende Motzkin, neben dem Herr Sokolow saß, die formelle Wiedereröffnung der Sitzung aussprechen. Dann trat tiefe Stille ein, die bis zur Verlesung der Resolution anhielt. Bei der Nennung der Namen und Hokolstvs wiederholte sich der Beifall. * Nach -er Abstimmung, deren Verlauf oben geschildert wurde, bekam -er Kongreß rasch seine sachliche Physiognomie; cs begann di« Debatte über die Jswffh «geney, Der Berichterstatter des politischen Ausschusses, Herr Rottenberg, leitete um halb 12 Uhr nachts dte Diskussion über die Bovschläge betreffend die Erweiterung der Jewish Agency Md den zu höldendeu Beirat ein. Unseren^Lesern sind diese Vorschläge aus her Nummer vom 28. August bereits bekannt. Der Berichterstatter spricht englisch. Der Saal und die Galerien sind wieder bis auf das letzte Plätzchen gefüllt, da sich bk Nachricht verbreitet hat. daß Präsident Weizmann selbst im Lauf« der Debatte das Wort ergreifen werde. Der Berichterstatter Rottenberg erklärt in seinem Referat, welches dann von Herrn Cohen ins Deutsche übersetzt wird, daß her Gedanke der Jewish Agency in den letzten Jahren in der zionistischen und jüdischen Oeffentlichkeit so oft besprochen wurde, daß sich w e i t e r e A u sf ü h r u n g e n erübrigen. Cr gibt dann einen h i st orischen U e b e r b l i ck über die Entwicklung des Ageneygedankens, insbesondere in hen Bereinigten Staaten. Dort wurde dieser Gedanke durch die Wirksamkeit Welzmanns und Rnppins vechreitet, und es haben auch bekanntlich zwei Konferenzen mit den übrigen Palästinafremchen Amerikas stattgesunden. Die Resolutionen wuvden in der Kommission mit überwiegender Mehrheit angenommen, doch haben sich die Minderheitsparteien Vorbehalten, dem Kongreß Amendements vorzulegsn. Der Berichterstatter verlieft nun die Resolutionen der Kommission konform den Mitteilungen unseres Plattes. Del. Soloweitschik begründet sodann in ausführlicher Rede das Minoritätsvotum der radikalen Opposition. Während seiner Rehe erscheint Weizmann, der in einer Loge geweilt hatte. Soloweitschik spricht sich entschieden dagegen aus, daß die Leitung der Jewish Agency aus der Hand der Zionistischen Organisation an eine Körperschaft übergehe, die vorwiegend' aus N i ch t z i o n i st e n besteht. Darin liegt eine große Gefahr für dis'zionistische Betvegung, der nür eine ganz . minimal« materielle Unterstützung empfehlen wir federn Kongresslell* nahmer den Besuch des führenden Leopoldstädter Warenhauses I Wien, II. Teborstrasse 48 ingrot wqAm 4M.ii ln detail Billigste Einkaufsquelle für sämtliche Textilwaren. LeinBswareD IMlUAMll'WlMW ta-wollM vH OmM UW. 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Insofern Vieser ZnsaMinenschluß in der Form der Erweiterung der Jewish Agency durchgoführt werden soll, nmh die Organisierung der erweiterten Agency auf der Basis demokratischer Wahlen und des Prinzips der g e m e i n s a m e n B e r a n t w o r t u n g der Mitglieder sämtlicher gewählter Körperschaften erfolgen. Es sind noch fünf Redner zu dieser Frage vorgemerkt. Uebcr Antrag des Delegierten Dr. Leon Reich wird Schluß der Debatte ohne Anhörung der vorgemerkten Redner a n g e n 0 tu m e n. Der Antrag auf Wahl von Generalrednern wird abgelehnt. Ben G u r i o n erhält das Wort. Die Sitzung dauert unl hreiviertel 1 Uhr fort. Sie wjrd für einen Augenblick zwecks photographischer Aufnahme des Kongresses unterbrochen. Ravpard über die Weirmann-Frage. (Eigendienst der „Wiener Morgenzeitung^-) Nelv-Nark, 86. August. In einem Gespräch mit einem Vertreter her I. T, A. erklärt Professor Rapparp, das bchmnte Mitglied der Mandatskommission des Völkerbundes, er sei erstaunt über di« ans dem Wiener Kongretz sich zeigende Opposition gegen Professor Weizmann. Der Präsident der Zionistischen Organisation ist einer der größten Staatsmänner und es wäre' unklug, ihn nicht )oiederzuwahlen. Die öffentüche Meinung Europas steht ohnchin Heu Arabern günstig gegenüber. Wenn man von England hie Zurückziehung der Balsour-Deklaration verlangen würde, so könnte der Fall eintreten, daß das englische Par* lament die Deklaratton aufhebt. WeiMann hat seine staatsmännische Eigenschaft dadurch bewiesen, daß er nichts Unmögliches perlangt. Die Annahme des Weißbuches Churchills war ein kluger Schritts der der Exekutive das Vertrauen Englands -rächte. Es ist zu bedenken, -atz die Mandatskommission des Völkerbundes sich mit vierzehn Mandats!ändern zu befassen hat, von denen Palästina nur eines ist. In diesem Land hat die Regierung die Aufgabe, die Interessen einer Minderheit zu fördern. Dev Eindruck der Wei.zmnnn-Krise in England. (Eiaendienit der „Wiener MargenzesiiiW".) London, 20. August. Die Erklärung Weizman-ns, daß er die Leitung nicht wieder übernahmen wolle, hat in Engitand Aufsehen heworgerufen. Die englische und jüdische Presse eriwartet, daß Weizmann feine Resignation widerrufen iverde. Die Londoner. ZiomstengrNippe hat unter dem ersten Eindruck der Nachricht sofort eine Sitzung emberufen. Ser Gaskrieg des Ku-Klux>Klan. Aus New-Aork wird uns berichtet: Der Ku- Klux-Klan hat jetzt, den Fortschritten der Kriegstechnik folgend, sein Arsenal an Kampfmitteln zeitgemäß ausgestaltet. Infolgedessen bedient er sich jetzt auch des Mittels der Gasbomben. Als kürzlich Tausende von Gegnern des Geheimbuudes eine zu Reading in Massachusetts stattfindende Versammlung von Mitgliedern des Klans zu sprengen versuchten, wurden sie mit Bomben, die mit Tränengas gefüllt Ivaren, empfangen. Sie schritten darauf znnt Sttirm. und cs entwickelte sich eilt lebhaftes F e u e r g e f e ch t, bei dem es aber erfreulicher-' Weise keine Opfer gäb, da die Polizei rechtzeitig auf dein Kampfplatz erschien und energisch Ordnung schaffte. » —>— —■—- * Für 19 Kinder die Ehrenlegion. Man hat in Paris mit der Ehrenlegiolt vor kumem eine Mntt-er von 19 Kindern ans» Mtchnet. „l'Oeiwre" schreibt baut: Der Staat tut, was er tarn», aber tut er auch alles, was er sollte? Man erteilt denstni'Mn Pensionen, die dein Staate anerkannt ante Diens.'-.' -Mistet hatten: |ver kann sich rühmen, für den Staat si' viel Mlviistet zu haben als diese Mutter? Die Naiisonnenrc wew'» Vgen. daß es ein« Dummheit ist. die Skeptiker wecken o'» Schultern Hochzielen, die Egoisten werden sagen: „Es ist Sache"., Aber die Tatsache ist da: 19 Kinder. £ mitie eines kleinen Beamten, die ans einer r! ’ä) kenne die Ji-.' ine» ’.i » habe die Maina iir diesen Tagen getroffen, natürlich erwar:.". sie wie^r ein Baby. „Ich wollte, cs würde ein Mädchen." . „Glich sie leichter zu erziehen'?" — „Nein, aber da sie nur gm zwei Jahre junger iväre als Anna, könnte sie ihre AiigesEil- WU tzgW sxlckM»." 6949794^9331