Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 7 (1925)
- Issue
- Heft 2342 (29.8.1925)
- Date
- 1925-08-29
- Page
- Seite 8 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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Wiener Moraenzeiturra 29. August 1925 Nr. SSV Seite 8 Wien, Samstag Keine Hochwaffergesahr für Wien. Die hydrographische Abteilung der niederösterreichischen Landesregierung meldet r Die Dona nnebenflü sie sind bereits fallend, die Donau selbst noch leicht steigend, so daß für hente früh am Reichsbrückenpegel ein Wasserstand von + 845 zu erwarten ist. Die von Unter-Kritzendorf nach 5t lüsternen burg-Kierling führende Allee ist nnpasiierbar. Am linken Ufer ist das InundationSgebiet von Tulln bis über die ReichSbrücke überschwemmt. Tie Hochwassergefahr kann aber als geschwunden bezeichnet werden. Die Kongreßbesncher welche den 2. Bezirk passieren, werden Gelegenheit haben, das «führende ^eopoldstädter Warenhaus Brüder Schis fim a xx n in der Taborstraße 48 zn besuchen und sich van der .Devise dieses Hauses „Erstklassige Qualität — billige Preise" gu überzeugen. Roch ist der Lämmer n'cht zu Ende und deshalb ist es ratsam, sich die besonderen GelogenheitSkäufe in leichten Sommerstoffen, wie Crepe de Chine und Crepe ^Marocaine, zmiutzc gn machen sowie sich Kleidervoile in allen Farben urw Dessins zum SenfationSPreis Von nur 98 Groschen pro Meter airzuschasfen. Ueberaus preiswert sind auch Lernen, Gradel, Weben, Haus- und Leibwäsche sowie Textilwaren aller Art. Für die Wohnung liegen zu allcrbilligsten Preisen Vorhänge, Teppiche und Steppdecken auf. Znm bevorstehenden Herbst haben die Brüder Schifsmann alle nur erdenklichen Neuheiten vorbereitet, darunter in erster Linie prima >R egen Mäntel in allen Größen zum außerordentlichen .Preise von 19.80 Schilling. Infolge der geringeil Regie ist cs dem genannten Hause möglich, auch dem Mittelstand überaus -billige Ware zu liefern, u'm so mehr, als es sich hier um ein reich assorrieries, von Fachleuten zusammenstestelltes Fabriks- -wger allergrößten Stils handelt. Die zahlreichen Schaufenster a.den ein Bild von der Gediegenheit der Auswahl und die sehenswerte Innendekoration ist ein Bewis für den Geschmack dieses führenden Lcovoldstädter Warenhauses, das sich täglich zahlreicher Besucher aus allen Schichten der Wiener Bevölkern ng erfreut. _ Im redaktionellen Teile enthaltene entgeltliche Mitteilungen sind durch ein vorangesetztes e gekenzeichnet. Wien, 28. August. * Archivar Dr. Zivier gestorben. Nach einer Mitteilung aus Breslau verstarb dort der fürstlich plesfische Archivdrrektor Dr. Esechiel Zivier. Der Verstorbene war ein hervorragender Kenner der Geschichte der Dulden in den Ostländern. Er beschäftigte sich sehr viel mit jüdischen Fragen und veröffentlichte viel beachtete Beiträge ans dem Gobiote der Geschichte der Juden in Posen und Schlesien. Er verstarb noch vor der endgültigen Vollendung seiner großangelogten Geschichte Polens, die er für die von Professor O n ck e n heran s>gcg übe ne „Allgemeine Staatengeschichte" schrieb. Das Archiv, dem er Vorstand, hat er aus eigenen Kräften aus dem Nichts geschaffen. * Vermißt. Seit Dienstag wird der 26jährige Konditor Ferdinand Maresch, 13. Bez., Bowitschgasse 8, vermißt. Er hatte seine Wohnung umr 8 Uhr früh verlassen und etwa 300 S. mitgenommen; mittags sollte er wieder zuhause sein. Es wird vermutet, daß er das Opfer eines Unfalles oder eines Verbrechens wurde. E Kleider- und Gummimäntelfabrik Georg Mayer, Wien, 2. Bez., Taborstraße 39. Telephon 40-0-46. Engros-Exoort. * Der Kampf um den Gebackspreis. Gestern fartlbcn im Bundeskanzleramt Verhandlungen nrit den Vertretern der Bäckergenossenlschaft über eine Herabsetzung des Preises für Semmeln von 6,5 auf 6 Groschen statt. Dre Bäcker erklärten, auf eine solche Ermäßigung nicht e-iugehen zu können. Die Wirtschastsvolltzei verlautbarte gestern in einem Commumque, daß sie aiuw weiterhin in einzelnen Betrieben die Kalkulationen überprüfen nrvd bei Ue der preisen die Strafanzeige erstatten werde. j * Selbstmord im Hotel. In einem Hotel in der Leopoldstadt hat sich gestern ein junger Mann, der dort als Beamter Alfred Bretter, 25 Jahre alt, aus Braj, gemeldet war, erschossen. E Annoneen-Melzer. Neue Telephon-Nummer 78-1-68. E Höhenkurort Semmering, 2 Stunden von Wien, 1000 Meter Seehöhe, herlichster Aufenthalt mit Höhenluft-, Mast- und Liegekuren, Sport (Tennis, Golf, Reiten, Auto und Touristik), Hotels, Sanatorien und Pensionen in allen Preislagen von 10 Schilling aufwärts für Zimmer und Verpflegung. * Selbstmord eines Wieners in Ischl. Aus Bad Ischl wird gemeldet: Der nach Wien zuständige 29jährige Joses Re ingrub er erhob sich vorgestern nachts aus seinem Bette und ries seiner Frau zu: ,Hn meiner Brieftasche ist ein Brief »für dich, ich kann nicht mehr anders, verzeihe mir!" Gleich darauf jagte er sich eine Kugel in die linke Brustseite, die das Herz ouichbohrte und am Rücken wieder austrat. Familienywistigkeiten sind das Motiv der Tat. * Eisenbahnunglück in Ungarn. Wie aus Budapest gemeldet wird, ist heute nachts der von Debreczen kommende Personenzug in der Station KarczagPuszta infolge falscher Weichenstellung entglei st. Der Lokomotivführer wurde .getötet, ein Eisenbahner s ch w e r, fünf Passagiere und ein Eisenbahner leicht verletzt. E Zu der schicken und reizvollen Um- und Ausgestaltung der Tanrenmode der letzten Zeit hat nicht zum mindesten die Strickwarenmode beigetragen. Unter den führenden Markenfirmen dieser Branche am Wiener Platze lei an erster Stelle die „Enka", Strickwarenfabrik, Wien, 7. Bez., Seidengasfe 35, hervorgehoben, deren Modelle in Jumpers, Mänteln, Kostümen, Westen, Pullovers und Tportstrumpfwaren sich durch erstklassige Ausführung sowie künstlerische Farbendessins anszeichnen und in geschmackvollster Form sich den einzelnen Landeswünschen anpassen. * Die Wiener internationalen Hochschulkurse. Dienstag den 1. September werden in der Universttä' zum vierten Male die Wiener i n t e r u a t i o n a I c n H o chs ch u lku rs e eröffnet. Es wurden eine Reihe der hervorragendsten Wissenschaftler aus Amerika, Deutschland, England. Frankreich, der Schweiz;, Italien und der Tschechoslowakei fl©,uralten, die neben österreichischen Universitätsprofessoren Vorträge aus den verschiedensten Wissensgebieten halten werden. Die Kurse sind jedermann auch einzeln zugänglich. * Ein botanischer Garten in Erez Israel. Heute, 10 Uhr vormittags, sprechen der Palästinenser Botaniker Dr. Ephraim H a - R e u b e n i (hebräisch) und Frau Chanach H a - R e ubeni (deutsch) im natnrhistorischen Saal.des Akademischen Gymnasiims (2. Stock) über das Thema: „Die Gründung eines Gartens der Flora der Propheten und Talmudisten." Den Vorsitz führt der Dichter Saul Tjchernichowsky. Eintritt frei. Jede Modefrisur ohne Frfseur mH unseren natnt#»tr®nen, im Tragen imsiohtborr.il Sobeitel-BanAftatix, Bablkopf- Poi üokun aus dau ergewelliem Haar Unentbehrlich für Landaufenthalt und Reisen In alle« Farben und Freisen lagernd S p e x 3 aI-S aIon für HennEfSrbtingen in allen Nuancen, Ausbesserungen von verfärbten Haaren in separierten tageshellen Räumen DAUERWELLUNG mit den ttodornaton, nflneste am« than Apparates, gar aeohs Koaale haltbar Haarfärbe-Postlche und Dnuerwellhaus P. NAEGERL, WIEN VI., Gumpeadorferatr täte Nr. 14 T«1sphon97B 485 Ta'ephon 978 Besichtigen Sie unsere . 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Die Staatliche graphische Lehr- und Versuchsanstalt, Wien, ichretbtr Das Iustophot darf als eine notwendige Ergänzung der photographischen Ausrüstung. namentlich für die. unter verschiedenen und ungewöhnlichen Lichtverhältntssen arbeitenden Photographen bezeichnet werden. ' * Kereii-Kajenieth-Kongreßarbeit. Behufs Besprechung der letzten Aktion — Sammlung bei der Schlußsitzun'g des Kongresses — findet eine dringende Zusammenkunft aller Führer der Gruppen und Selbstkontin« gantler hente Sarnstag um 6 Uhr nachmittags im Keren- Kajemeth-Bureau, 1. Bez., Kärtnerstraße 28, statt. * Misrachi-Dorträg«. Heute, 4 Uhr nachmittags, werden in der Großeit Synagoge Bech Israel (Polnifche Schul), 2. Bez., Leopoldsgasse,' folgende Misrachi-Führcr Vorträge halten: Sejmdeputiertcr Rabbiner Brodt (Äpno), iüabbi Ä. Teiteldau m (lliew-Nork) und Rabbiner Hage r (Neustadt). Eintritt frei. * Modistenschule, 1. Bez., Mahlerstraße 13, 2. Stock. Schon heute werden täglich Einschreibiuigen für die 1<',-Mo- »ats-Kiiric zur Fachailsbildnng vorgenonimen. Daneben gibt es auch Unterricht in der Dauer eines Monates solvie Ein- 'zelstunden für Damen der Gesellschaft, die ohne frenrde Beihilfe allein ihre Hüte schick und billig anfertige» wollen. * Bestens empfehlen wir allen Kvngreßbosiichern so4vie den in geschäftliche.n Angelegeicheiten nach Wi.'u konunenden Freunden das seit Jahrzehnten beftrettommicv! Hotelrestaurant Guth, 2. Bez., Hollandstraße 14. * Durchreisevisa in den tschechoslowakischen Grenzstatio. nen. Die tischechchloüvakischen, an Von internailonalen Strecken liegenden Grenzkontrollstationen können von nun ab die Durchreiscviifa jenen Nesi'oirden (mit Ausittohme der Staatsangohöri« gen Sowjetrußlands) erteilen, welche ihren Paß mit dem Visum des betreffenden Nachbarstaates versehen haben und ai.f Grnnd der Eisenbahnsahrkarte nachvoisen können, daß das Ziel ihrer Reiise außerhalb des Gebietes der Tschechoslolvakei liegt. Für dieses an der Grenze cnisgesbell-te Visum ist die doppelte ViisitNlgebühr zu entrichten. Bühne und Kunst. Cvnagogattonzert. Ein anläßlich des Kongresses im Äeopoldstädter Tenlpel veranstaltetes Konzert zeigte dem Laien, welch' reichen Schatz an alten shnagogalen Rielodien das Judentum besitzt. Die ausgezeichnete Wiedergabe der Gesänge durch oen Männerchor des Sy na go g e nsängc rv erb a ndes unter Leitung von Professor S. Braslavsky ließ den Wunsch nach häufigerer Abhaltung solcher musikalischer Andachten rege werden, zugleich freilich auch den Wunsch, der Synagogalgesang nwge doch endlich nach all den Irrungen der letzten Jahrzehnte wieder zur Ursprünglichkeit und Einfachheit znrückfinden. Am stärksten wirkt er eiben doch — man spürte das so recht bei den prachtvollen Solovorträgen des Obevkantors Gerson Margit lies —wo seine orientalische Melodiik noch nicht in eine europäische Fassung ge-, «zwängt ist, wo er noch nicht in der Schablone des Taktes rhythnlisch erstarrt ist, wo dem Vortrage der um das seelischen Ausdruckes willen so wichtigen kleinsten Zwischentöne noch Raum gelassen ist, wo die Melodik iloch nicht durch har- >m>onische Maskierung und unechte Kadenzen verfälscht ist. Mehrstimmige harmonische Bearbeitungen von S u l z c r und Lewandows'ky mögen ja für den Laien ganz hübsch?lingen, sie erwecken jedoch grundfalsche Vorsielllingen von. dam Wesen der altjüdischen Musik, und der von B r a sl a v s k y zu ganz sonderbarer Mischform vertonte 30. Psalm greuzt in seinen chorischen Partien hart an Liedertafolei. * Die musikalische Forschung weiß, wie beim limbildeit her Formen gerade das Feinste und Charakteristischeste auch des jGedainkens verloren gehen kan». Das Feinste und Charakteristischeste der Synagogalmuisrk ist neben der Jntervallgliederrmg üben die orientalische Freiheit und Be-veglichkeit der kleinsten rhythmischen und melodischen Werte. — Erich Hornbostel, der gründlichste musikalische Kenner des Orients und der Primitiven meint gelegentlich, daß kein Mensch daran denike, Wolkenkratzer aus Stroh oder mit Steinwerkzeugen Automobile zu bauen, daß man aber wohl versuche, primitive Melodien zu Opern zu verkoniponiereii. Einer solchen Verkomponierung zu Opern kommt die Mißhandlung der alten Synagogalmelodien durch die Sülzec mtd Lewandotvslky an übler Wirkung gleich. Denn die alten Gesänge müssen auf diese Weise alles Rhapsodische und Improvisierte, die uueMiche Mannigfaltigkeit der mit den Halbtönen wechselnden und in diese eingelegten Zwischentöne, all die Legatos, Stakkatos, Bebialgen und Portamentos, kurz, alles iOriontallsche, allmählich verlieren und so durch ihre europäische Umbildung verdorren. Wenn man schon durchaus die einstimmigen Melodien zeitgemäß für mchrere Stimmen setzen oder instrumental begleiteit will, so versuche man es doch mit einer Mordtk, die dom Orient näher stcht, als die Tonika-Donlinailten-Har- >monik. (Joachim S t u t s ch e w s t y hat gerade jetzt in seiner 'im Jnival-Berlag erschienenen Beachoitung jüdischer Volts-' weism bescheidene aber richtig enlpfnndene, beachtonAverte „Versuche" darin gemacht.) Auch in der bildenden Kunst hat ja das Judentum nicht imurer am Orient sestgohalten. Der Pragor Baumeister der Altneu-Schpl, der gleichzeitig auch den Prager St. Veits-Doln baute, hat in der Synagoge die gotischen Spitzbögen beibehalten, er hat jedoch, um die an das christliche Kreuz gemahnende Vierzahl der Bögen zn ver- Uleiden, nicht vier, sondern fünf Bogenlinion an der Decke znsanlineillanfen lassen. Wie dort an die Stelle der Vierzahl ->H> Fü»s;ahl trat, so müßten in der Akkvrdlk neue, der ^..üvlänbifch'christlicheu Harmonik wesensfremde melodische 807789063^ 02730309