Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 7 (1925)
- Issue
- Heft 2342 (29.8.1925)
- Date
- 1925-08-29
- Page
- Seite 7 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 2342 Wien, Samstag Wiener Morgenzeituns 29. August 1928 Seile % Ae' ' . Versuchsflatlon in Lel-Awitv. (Aus einem Gespräch.) Landkarten unv Zeichnuttgen, Diagramnte und Tabellen bedecken eine ganze Wand. Darunter Glaskisten mit Erdsorten, Früchte -er verschiedensten Art. Es ist dies der Pavillon der landwirtschaftlichen Versuchsstation der Zionistischen Organisation auf der Palästinaausstellung im Konzerthaus. .Herr Dr. Felix Mentschikowsky, Leiter der chemischen Abteilung der Versuchsstation, hat hie Freundlichkeit, mir bei der Besichtigung des Pavillons an die .Hand zu ge-hen, und siehe, nach seinen Erläuterungen kommt Leben «in die toten Tabellen, in die stummen Exponate, und sie erscheinen als Symbol der merkwürdigen Verwandlung, die ein Volk und ein Land erfahren... Bei der ungeheuren Arbeit, die die jüdischen Kolonisten Palästinas zu leisten haben, ist es schade um jeden sehlgegangenen Versuch, nur jedes Quantum Energie und Geld, das nicht, in rationellster Weise den besonderen natürlichen Verhältnissen des Landes vollste Rechnung tragend, verwendet wird. Die Möglichkeit solcher Fehler ist aber um so näheliegender, als die Inder: rrach Palästina aus Ländern wandern, deren natürliche Bedingungen vollständig anders geartet sind, so daß mich eine eventuell mitgebrachte landlÄrtschaftliche Erfahrung nicht immer die erwarteten Erfolge zeitigt. Um so mehr bedarf des systematischen Ratschlages der aus dem Galut'h stamimende Städter, der zur Schalle kommt — und aus solchen Elementen sbesteht ja die überwiegende Mehrzahl unserer landwirtschaftlich tätigen Siedler. Unter diesen Umständen ist es verständlich, wie bedeutsam für eine gesunde E n t w i ck l u n g der j ü d i s ch e n L a n d w i r t s ch a f t in Erez Israel die Tätigkeit unserer Versuchsstation in Tel-Awiw ist, die eine systematische Erforschung des Landes und aller seiner Teile in bezug auf das bessere Gedeihen aller in Frage kommenden Pflanzen und Pflanzensorten betreibt. Diese Funktion muß notwendigerweise über den nationalen Wert hinaus für alle Landesbowohner von größter Bedeutung sein, irrdem sie ihnen den Weg zur wirtschaftlichen Erstarkung andeutet. Und so ist es auch nicht weiter tvunder zu nehmen, daß sich an die Spitze dieser Versuchsstation (die übrigens der Jerusalemer Universität angegliedert ist) der bekannte Gelehrte und ehe null ige Präsident der Weltorganisation Prof. Otto Marburg gestellt hat. Vorr bum Funktionell der Versuchsstation sind vor allerll zwei hervorzuiheben: 1. die Erforschung der Bodenbeschaffenheit, von der der einzuführende Landwirtschastszüveig geradezu abhängig ist und 2. die Auswahl derjenigen Pflanzen und Psianzensortell, die den lokalen Bedingungen anr bestell angepaßt sind. Was die Bode n beschaff enheit und die durch diese gebotene P f l a n z e n k u l t u r betrifft, kann gesagt werderl, daß säst die gesamte Oberfläche Erez Israels nutzbar gemacht werden kann, denn gerade aus dem unfruchtbaren Boden gedeihen anr besten drei Baumarten, denen eine überaus hohe wirtschaftliche Bedeutung zukommt. Der F e i g e n b a u m, der Johannisbrotb a u m llnd die Rizinus st a u d e müssen nur gepflanzt werden und wachsen dann ohne jede weitere Aufsicht. Daß die palästinensischen Feigen zu den besten gehören, und also nicht der Gefahr der Verdrängung ausgesetzt sind, beweist die Tatsache, daß sie in der Reichsausstellung i n Wembley den zweiten Preis errangen. Jlll getrockneten Zustand sind Feigen eine gesuchte Delikatesse, deren Exportfähigkeit ohne weiteres feststeht, werden doch allein aus dem Hasen von Smyrna jährlich Feigen für zirka 10.000 Pfund Sterling rrach Europa und Amerika exportiert. Die zweite Oualitätssorte wird für den sehr gangbaren Artikel des Feigenkasfees verwendet, von dem zum Beispiel das alte Oesterreich vor denr Kriege für 10 Millionen Friedenskronen jährlich aus Italien bezogen hatte. Schließlich können die Produkte dritter Güte wegen ihres hohen Zuckergehaltes mit Erfolg zur Gewinnung voll Alkohol verwendet werden. Der Hauptvorzug bei Iohannisbrotbau m- Pflanzungen liegt in einem dadurch gegebenen billigeir und äußerst nahrhaften Viehfutter, desserr Mangel die Milchindustrie Palästinas gegenwärtig so sehr hemmt. Auch der N i z i n u s st r a u ch, der auf jedem Boden anstandslos gedeiht, ist ziemlich rentabel, wobei zu bederlken ist, daß auch seine Blätter als Nahrung für den Sei den wurm verwendet werden können. Jnr besonderen ist darauf zu achten, daß bei Anlegung von Pflanzungen auf den Boden Rücksicht gebnommen wird, wobei der Landstrich mit dem Chainräboden (hauptsächlich längs der Küste) für Plantagenk u l t rr r, insbesondere sür Orange u, in Betracht kommt. Sehr fruchtbarer Boden bedeckt die weite Fläche z w i s ch e n Gaza rr n d Berseb a, die im Altertum das landwirtschaftlich blühende Hinterland des Philisterreiches bildete. Infolge der überaus dünnen Bevölkerung dieses Gebietes kam: es als tvertvolle Reserve für eine künftige P'lantagenkultur betrachtet werden. Ein schlverer Tonboden — Salaga — bedeckt den Enlek rrild das Jordantal und eignet sich bestens für Weizell und Durra. Besonders günstig erscheinen die Verhält» isse im Jordantale, wo Boden, Wasserüberfluß rrild hohe Temperatur bei einiger Mühe einen Ertrag Vor der Abreise empfeh en wir jedem Kongressteilnehmer den Besuch des führenden Leopoldstädter Warenhauses Wien. il. Taborstrasse 48 Engros Ye ephon 47-1-79 En detail Billigste Einkaufsquelle für sämtliche NM». Strumpf- und Wirkwaren Hera- und Barnen-. Herren- und DamenwM Regenmäntel etc. etc. ENORMES LAGER Infolge kleiner Regien ausserordentlich billige Preise!! sichern würde, der demjenigen des Nildelta, bekanntlich des fruchtbarsten Gebietes der? Erde,' nicht nachstehen würde. Schließlich sind die versumpften Gegenden, wie sie sich gewöhnlich im Unterlauf der Flüsse bilden, von allergrößter Wichtigkeit. Nach entsprechender Drainage würde ihr salzreicher Boden eine vortreffliche Grundlage für Obstgärten liefern. Interessant ist die natürliche Quelle an Düngern, .die die Einfuhr von künstlichen Düngemitteln fast überflüssig macht: auf der Stelle alter Städte in Palästina sind Jahrtausende hindurch SNckstoffverbiudnnigen enthaltende Ablagerungen in solcher Menge konzentriert, daß sie den Bedarf a u f I a h r e hinaus decken könnten. So benützen anch unsere Chaluzim in Nahalal Dünger für ihre Felder, die wahrscheinlich ihre Stammesväter vor 2000 Jahren dort ablagerten. Um die Frage der Pflanzenauswahl kurz zrr streifen, soll nur aus die Erfahrung hingewiesen werden, die uns lehrte, daß eine Einfuhr von Saaten aus demAusland, wie sie früher beliebt war, nicht zu empfehl e n ist. 'denn die Pflanzen bringen oft die nötige Widerstandskraft für die völlig geänderten Bedingungen nicht auf und degenerieren. Dagegen wurden überaus erfolgreiche Verstlche mit der Selektion unter den verschiedenen autochthonen Pflanzenarten Palästinas gemacht, die zu ihrer allmählichen Berede ung führt. Generalftrett der Bergarbeiter in Amerika. Ab 1. September. London» 28. August. (Tel. der „Wiener Morgenzettnng".) Nachdem gestern die. Verhandlungen Mischen den Grubenbesitzern und den Bergarbeitem in Pennsylvania e r g e b n i sl o s abgebrochen werden mußten, hat der Präsident des Bergarbeiterverbandes die Einstellungen derArbeitin den Kohlengruben für den 1. S e p t e m b e r angeordnet. Sie Kommunisten in Kanton? Die Wirren in China. P a r i s, 28. August. (HavaS.) Die Blätter melden aus Washington: Wie man erfährt, sollen die Ko m m u n i st e n K a nt o n b e s e tz t haben. Abbau der Wumrwaager. Zwischen Oesterreich unv der Schweiz. Bern, 28. August. Hier sind Vorschläge der österreichischell Regier ung eingetroffen, die die A b f ch a f f u n g d e r S i ch t v e r m e r k e im Verkehr zwischen Oesterreich und der Schweiz Vorschlägen. Man hofft, daß der schweizerische B u n d e s r a t den Vorschlägen der iffterwichischen Regierung z u st i m men wird. Zwischen Deutschland und Amerika. Berlin, 28. August. Auf Grund von Abmachungen zwischen D e rr t s ch l a n d und den Vereinigten Staaten erhalten die deutschen Reichsaugehörigen die zrlr Einreise rrach Amerika und denr amerikanischen Jnselbesitz erforderlichen Sichtvermerk gebührenfrei, ebenso nnigekehrt amerikanische Staatsangehörige Sichtvermerke zur Einreise nach Deutschland. Diese Vistrmfreiheit gilt ab 1. September. Amerika vevlangt aber die Sicherheit, daß es sich nicht um Einwanderer handelt. Vom 1. September ab werden ferner die Sichtgebühren zwischen Deutschland und Jugoslawien.für die beiderseitigeu Staatsallgehörigen hara b g e s e tz t. _ Die Firma Stimies verschwindet. Berlin, 28. August. (Tel.-Komp.) In der Liquidation der Stinnes-Masse ist, wie die „Vossische Zeitung" 'berichtet, eine entscheidende Wendung eingetveten. Das Stützuugskonsortium, an dem bisher 22 Bankfirmen beteiligt waren, hat beschlossen, sich aufzulösen. Dler von 'der Sechandlung gewährte Kredit wird zurückgezahlt. Die gesamte Schuldenlast des Stinnes-Konzevns bej trägt gegenwärtig 112 Millionen Mark, wozu 8 Millionen j Mark Bürgschaften kommen. Der Restibesitz wird von den! Banken auf 140 Millionell Mark beziffert. Die volle Be-! sriedigung sämtlicher Gläubiger ist nach Erklärung des j Stützungskonfortiuiüs gesichert. Es hat sich jedoch als nötig herausgestellt, auch das wertvolle private Kolonialgeschäst der Familie Stinnes, das man ursprünglich der Familie voll erhalten zu können glaubte, der Masse dienstbar zu machen, indem man es einschließlich des Schiffsraumes, der Hafen-! und Lagerplätze in eine Aktiengesellschaft mit 25 Millionen! Mark Kapital einbringt. Interessenten sollen für die Be-! terligung vorhanden sein. Die neue Gesellschaft erhält eine j Option auf das wohl wertvollste Rechtsobjeft der Stinnes- > Masse, die Zeche in Karnap. Doch scheint es, daß man diese Zeche anderwärtig zu verwerte.lt hofft und die Option absinden will. _ Iankotv geht? Schwere politische Differenzen mit dem König. Sofia, 28. August. (Del.-Komp.) Der seit langem latente Konflikt zwischen König Boris und dem Ministerprä'sidenten Zanke Im ist heute offen zum Ausbruch gekommen. Den unmittelbaren Anlaß zur Zuspitzung der. Gegensätze zwifchlerl Krone und Regierung gab der Gnadenakt, durch welchen König Boris einige Todesurteile in Kerkerstrafen umgewandelt hat. König Boris hat dieser Tage den Führer der demokratischen Partei, Malinow, empfangen und anch sonst wiederholt seinen Willerr kundgegoben, die Regierung Zankvlw durch Ausnahme hervorragender Führer der demokratische Opposition auf eine breitere parlamentarische Grundlage zrr stellerl. Zankow hat mm offen gegen König Boris Stellung genommen. Er empfing heute die Sofioter Pressevertveter und erklärte ihnen in entschiedener Weife, daß zu einer Erweiterung des Kabinetts durch Allfnahme oppositioneller Führer kein Anlaß vor'tiege und betonte, daß an dem gegenwärtigen Kurs in Bulgarien nicht gerrittellt werden dürfe. In politischen Kreisen verurteilt man die durch den zwischen König Boris und dem Ministerpräsidenten ausgebrochenen Konflikt geschaffelle Lage sehr e r n st und spricht allgemein von einer politischen Krise, deren Ansgang^ allerdings mit Rücksicht auf die Zähigkeit Zankows noch völlig im Ungewissen liegt. Es bestätigt sich, daß Zankow demnächst eine Reise nach dem Ausland antreten wird. Der Inhalt der deutschen Antwott. Berlin» 28. Angnst. iWolff.) In der gestern in Paris überreichten,^ heute veröffentlichten deutschen Antwort n o t e wird unter anderem erklärt: Die deutsche Negierung teilt durchaus die Ansicht der französischen Regierung, daß eine Fortsetzung des Notenwechsels kaum geeignet wäre, eine weitere Klärung der zu erörternden Fragen herbeizuführen. Die deutsche Negierung begrüßt daher die vom französischen Botschafter vorgetragene Allregurrg betreffend eine Zusammenk u n f t juristischer Sachverständiger Deutschlands, B e l g i e n s, Frankreichs und Großbritaniliens und glaubt, nachdem sie bereits zu einer Reihe der wichtigsten Fragen früher Stellung genommen hat. von einer weiteren schriftlichen Erläuterung ihres Stand« Punktes jetzt absehen zu sollen. GRXTZER PELZE DAS GU1 EMPfOHLEm HAüS ™ KR0t.n.Unmtra.« -- ™ 4ür moderne Pdze aller Art 454