Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 7 (1925)
- Issue
- Heft 2341 (28.8.1925)
- Date
- 1925-08-28
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 4 Wien. Freitag Wiener M/rHertzeitung 38. Augnst 1935 Rr. 2841 Vor schwere« ßntscheiduvgen. —W i « n, 27. August. Der Kongreh hat in seiner Mitkernachlsabstim-- mung die Verlrauensresolution für die abtretende Exe-- kutive mit 136 gegen 17 SÜMMtN angenommen. Präsident Weizmann erklärte, d^ Exekutive werde am folgenden Tage ihre Entschließungen bekanntgeben. Während die Galerien den Abstimmungssieg mit jubelnden Ovationen feierten, hatte der Präsident die Situation sofort erkannt. Bon 317 stimmberechtigten Delegierten hatten 82 nicht votiert, von den Oppositionellen fehlten vier, so dah 17 Stimmen gegen die Resolution abgegeben worden waren. Die Leitung war somit, wenn män die gewöhnlichen Absenzen, wie sie bei einer Majorität immer Vorkommen, nicht berücksichtigt, mit etwa 20 Stimmen unter der qualifizierten Majorität geblieben. Die Exekutive zog daraus die Konsequenz, daß ihre Mitglieder in einer durch Weizmann gestern abgegebenen Erklärung mitteilten, daß sie eine Neutvahl nicht mehr annehmen würden. Dieser Beschluß war das Resultat einer mehrstündigen Beratung. Es ist daraus zu erkennen, daß die Exekutive durchaus nicht von Vorneherein geneigt war, das Abstimmungsergebnis als ein Mißtrauensvotum anzusehen. Es gibt zu denken, daß fast ein Viertel des Kongresses es vorgezogen hatte, einer klaren Stellungnahme auszuweichen. Das ist ein Verstoß gegen das Wesen unseres Kongresses, das in allen Fragen ein deutliches Ja oder Nein erfordert und dies gerade in einer Angelegenheit, die sich erst in der kommenden Zeit auswirken kann und von deren gedeihlicher Lösung die zionistische, gemeinschaftsbildende Arbeit in ganz besonderer Weise bestimmt wird. Unsere Betvegung konnte sich in der Zeit vor dem Mandat solche Experimente leisten. Heute, wo eS nicht mehr um Jdeenpwpaganda, sondern um die tägliche Arbeit geht, muß jeder Zionist, jeder Delegierte und jede Partei im Zionismus die notwendige Entschlußkraft aufbringen. Geschieht dies nicht, so lvird dadurch eine Halbheit begangen. Für alle Falle ist der Kongreß in eine unsichere Situation geraten, die sehr bald geklärt werden muß. Es sind Entwirrungsvorschläge in Menge aufgetaucht, die aber alle an dem halbschlächtige.n Charakter des Falles scheitern. In den Beschwerden über die politischen Verhältnisse ist fast der ganze Kongreß einig und auch die Redner der Mehrheit vermieden es, sich durch Verteidigung der bestehenden Berwaltungspraxis ln Palästina zu belasten. Daß die Exekutive es an harter Entschlossenheit hat fehlen lassen, ist ihr zum Vorwurf gemacht worden. Aber ein gut Teil der Mängel ist quf die Eigenartigkeit der Verhältnisse in der Organisation zurückzuführen. Präsident Weizmann, der die Last der Veranttvortung tragt, hat darauf hingewiesen, daß er einen großen Teil des Jahres auf Reisen zübringen müsse, um für die finanziellen Erfordernisse der Palästinaarbeit zu sorgen. Hier ist tatsächlich zu konstatieren, daß die Organisation ihren Pflichten nicht in der notivendigen Weise nachgekommen ist, daß sich viele Kräfte zersplittern und daß Remedur geschaffen werden mujj. Es ist sicher, daß die ungeheure Aufgabe des Aufbauwerkes, das in einem Sturm des internationalen Hasses vovwärtsschreiten muß, alle geistigen und materiellen Mittel der Zionistischen Organisation anspannt und daß dieses Volk ohne die Hilfe eines staatlichen Apparates schon jetzt, im ersten Vorbereitungsstadrum, alle Verpflichtungen -eines-Staates artf sich,genommen hat. Täglich zeigen sich in der Fiille der Probleme immer neue Hemmnisse, die natürlich auch auf die innere Psyche zurückwirken, Wäs sich wieder in mehr oder' minder scharfen Angriffen auf die Leitung äußert. Det sichtbarste Repräsentant ist der Präsident, der selbst gesagt hat: „Greifen Sie mich, an, dazn bin ich da!"' Der Kcnnpf hat sich gegen ein System gewendet und läuft gegen die Person Weizmanns. So ist ein Zustand geschaffen worden, den alle in gleicher Weise bedauern und aus dem ein Ausweg sehr rasch gefunden werden muß. ~ Das Nächstliegende wäre, daß-der Präsident des Kongresses, Herr Sokolow, seine Autorität zur Herbeiführung einer tragfähigen Formel einseht. Mer dieser Weg ist kaum gangbar, da doch Herr Sokolow selbst Mitglied der Exekutive ist und die Erklärung an' den Kongreß unterfertigt hat. Der Schlüssel der Situation scheint uns bei den abstinenten Parteien, zu liegen, deren halbe und allzu vorsichtige Couloirtaktik den Schaden angerichtet hat. Die Losung der Frage kann nur auS dem Kongreß selbst kommen, je rascher, desto besser. ES müssen dentliche Entscheidungen getroffen werden. Sie Welttonfrmu de» MIrrachl. DI« Wahlen I» Mt Mnachi««lq«»l^ie. Die Weltkonferenz des MiSrachi, welche ihre Beratungen geschlossen hat, hat in d'e Misrachi-Weltzentrale folgende Herren gewählt: Rabbi Berlin, Prgsessvr Pick. Rabbi Fi sh mann, Hermann Struck, Landau (Zeire MSrachi) und zwei Personen aus Palästina, dl« von der dortigen Mi-vachk^Organisation zu nominieren sind. Hermann Struck ertöt sich Brdenkze it. ob er die Wahl annehnwn tat*'. Die „Kong ress zeitung“ das Organ des XIV* Zionistenkongresses, die ioährend des Kongresses täglich erscheint, enthält die wortgetreue Wiedergabe der Kongressoerhandlungen J Za beziehet» dardt eile Treflkea, Kolporteur« aed die Verwettend der „Wiener Ptottfeneeltdng* dritte Konferenz der Weltorganisation zionistischer Frauen. Die am 31. d. in Wien eväffiiete dritte Konferenz der Weltorganisation zionistischer Frauen (W. I. Z. O.) hielt vom 22. bis 86. d. ihre Beratungen ab. Das Präsidium der Tagung bildeten (wie bereits berichtet. — Die. Red.) die , Damen Goodma n, Siefs, Dr. 'W c i zma n n, M e chn e r, Dr. D e ch s l e r. Zunächst wurden die Berichte der Leitung und der einzelnen Landes organisationen erstattet : Frau Rebekka Siefs ('Mnchester) berichtet-über die Tätigkeit in Großbritannien und in den übrigen englisch sprechenden Ländern. Die Propaganda wurde in wöchentlichen Zusammenkünften sowie durch große öffentliche Veranstaltungen geleistet. Der für England festgesetzte Organisationsbeitrag von 6000 Pfund Sterling wurde überschritten. Frau Ariel Bension (Kanada) legt dar, daß die dortige Organisation, tvelche 65 Ortsgruppen mit mehr als 2000 'Mitgliedern umfaßt, über 250.000 Dollar für national-kulturelle und soziale Fürsorge aufgebracht hat, von denen der W. I. Z. 0.19.933 Dollar zur Verfügung gestellt wurden. Frau Fanny Reading (Australien) berichtet über ihre Organisation und hebt insbesondere die Schaffung eines jüdischen F r a u e n r a t e s hervor. Fiir die K i n d e r f ü r s o r g e im Iemeni 1 enviertel in Jaffa wurden 600 Pfund Sterling überwiesen. Fräulein Margit Mechner (London) spricht in ihrem Tätigkeitsbericht über die europäischen Länder, insbesondere über die Art der Propaganda dortselbst, loelchc besonders in der Tschechoslowakei große Erfolge gezeitigt Hai. Frau Dr. Ehannah Meisel-Schochat, die Leiterin der Lchrfarm Nahalal in Palästina, in der sechzig Mädchen ihre landwirtschaftliche Ausbildung erhalten sollen, berichtet über die Fortschritte dieser Anstalt sowie deS Hostels in Tel - A w i >w, Wo dreißig Mädchen zwecks Erziehung zur Hauswirtschaft untergebracht sind. Der Finanzbericht, den Frau Dr. Vera Weizmann (London) erstattet, ergibt für die letzten zwei Jahre Ausgaben von zirka 16.000 Pfund, welche ausschließlich für die Lehrsarm in Nahalal, für.das Höst e I in Tel^lwiw und für K i nd e run dSä ug l i n g sfürsorgest eilen verwendet wurden. In der Debatte sprechen unter anderen Frau Henriette Szolh (New-Yorlk), die Leiterin der 28.000 Frauen umfassenden Organisation H a d a s s a h, Frau Dr. Thon (Palästina), Fräulein Fischmann, Frau Chajutta Bussel, die beiden letzteren als Vertreterinnen der organisierten Arbeiterinnen Palästinas, Frau Dr. Schur (Libau). Die Debatte endigte mit der Annahme des Berichtes und der Erteilung des MsolutormmS an die abtretende Exekutive. Frau Goodman n, Mitglied der Exekutive, referiert sodann über die Ergänzung der Statuten, Frau Anitw Müller-Cohen über die.Aufgaben der Propaganda, Frau Erna Patak (Wien) über Chaluzimfürsorge im Galuth und in Palästina: Beide verdiente Trägerinnen der Frauenarbeit könnten an Hand ihrer reichen Erfahrungen Richtlinien für die zukünftigen Methoden geben. Frau I r w e l l (London) referiert über rech 1liche Stellung der gesetz cStrenen Jüdin (Council for the AMelioration yf the Legal Position of the Jeveß). Ueber Antrag der palästinensischen Vertreterinnen wurde beschlossen, den gleichzeitig tagenden zioniftiischen Kongreß aufzufordern, für vollständige Gleichberechtigung d e r F r a n e n einzutreten. Frau Dr. Weizmann legte am Montag das Budget für. die nächsten zwei Jahre für bereits besttcheuw Institutionen vor, ivelches sich für einmalige und laufende Ausgaben auf 20.000 Pfund, beläuft. Das 'Budget sowie die auf die ein- .zclncn Loitdesorgamsationen verteilten Beiträge werden mach einer langen Debatte e i.n h cl lig a ng e n o m m e n. Durch die vom Plenum angenommenen Anträge der Kommissionen wrlrdett - Maßnahmen für die E r- Weiterung der. Propaganda durch- Schaffung von Propagandazen traten in London, Berlin, Wien und Warschau, für'.den weiteren Ausbau der Organisationen und für die Vertiefung der kulturellen Arbeit getroffen. Es wurde auch die Wähl eines Vertreterinnen aller Länder umfassenden Aktionskomitees als höchstes kontrollierendes und richtunggebendes Organ beschlossen. In die Exekutive wurden Frau Edich Eder, Romana Goodman u. .Henriette Jrwell, Rebekka S i c f f, Dr. Vera Weizman n, alle in London, gewählt. Mit der Absingung der Tittvah wurde die bedeutsame Tagung am 26. d., nachmittags, geschlossen. Konferenzgemeinschaft der radikalen Zionisten. Die für gestern abends anberaumte Ma''enversammlung im Hotel Bayrischer Hör mußte mit Rücksicht auf die Nachtsitzung des Kongresses abgesagt werden. Dar Programm der Frauen. Bon Rebekka Siefs, Manchester. Mitglied der Exekutive der W. I. Z. O. Die Entwicklung deS sozial-aktiven Elementes unter den Frauen zum direkten Erfassen sozial-ökonomischer mtd politischer Probleme ist eine der interessantesten Erscheinungen der letzten Dekade. Dies stimmt besonders für jene Länder, wo die politische Entanzipation deer Frauen bereits vollendete Tatsache ist. Für dort, wo die elfte Kampfe sh i tze vorüber ist und die Frauen bereits Zeit hatten, ihre Stellung zu konsolidieren und Umschau zu halten, in welcher Richtung sie ihre freien Energien . einfetzen könnten. Die Erfahrung der Mehrheit jener Frauen, deren soziale Tätigkeit sie veranlagte, die politische, Aktion als Heilnlittel fiir die Behebung der von ihnen andauernd beobachteten Schwierigkeiten zu suchen, haben zu gemeinsamen Anschauungen in manchen Lebensfragen geführt. Sie scheu, daß politische Emanzipation an sich kein Ziel ist, sondern auf ein weiteres Ziel hinweist. Daß eine Gruppe Ol« Eröffnungssitzung der Weltkonferenz zionistischer Frauen. (In der ersten Reihe sitzend von rechts >moh ■Unkt: Vizepräsident der Wiener Knltusgeuielnde Dr. Löwen herz, Gemcinderat Dr. Leopold PUschkes, der Präsident der Zionistischen Weltorganisation Prof, Weizmann, der amerikanische Delegierte des Zionistenkong ress es Schriftsteller Roben B r a4 ul m. das Mitgli&d des zkuiisHahe.i pinanz- und Wirtschaftsrutes Bertold EeiweU