Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 7 (1925)
- Issue
- Heft 2340 (27.8.1925)
- Date
- 1925-08-27
- Page
- Seite 10 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 10 Wien, Donnerstag Wiener Morgenzeitung 27. August 1926 Nr. 2940 Kultusvorsteher vor und verneigte sich fast bis zur Erde vor dem Herrn Rittmeister. Lautlose Stille setzte ein. Alle Blicke der dichtgefüllten großen Synagoge wendeten sich dem Kaiser von P." zu» Der Borsteher Hub an und sprach: „Hohe Regierung!" Das Antlitz des Herrn Rittmeisters wurde zum erstenmal dunkel gerötet. Er beherrschte sich aber, stellte sich stramm in Positur und wies herablassend auf den Bezirkshanptmann, der machtlos neben ihm stand. „Die Regierung steht hier!" knurrte er. „Hohe Armee!" verbesserte sich der Vorsteher mit einer neuerlichen tiefen Verbeugung. Dem schneidigen Herrn Rittmeister wurde es unbehaglicher. In Glut gebadet, unter sich einen schwankenden Steg fühlend, der von: Gottesdienst zur Posse strhrte, mutzte er zuhören. ,Hohe Armee! Die israelitische Gemeinde in P. bittet, die Gefühle der allerhöchsten Anhänglichkeit an die geheiligte Person Seiner Majestät, unseres allergnädigften Kaisers und Königs, an die Stufen des allerhöchsten Thrones gelangen zu lassen. Als Beweis unserer Treue erlaubt sich die Kultusgemeinde, 10.000 Kronen Kriegsanleihe zu zeichnen. Ich bitte, hier sind die Banknoten: ein, zwei, drei, zehntausend. Herr Isaak Fronrkin erlaubt sich zu zeichnen 20.000 Kronen. Ich bitte: eins, zwei, drei . . . Frau Dwojre Birnbaum zeichnet 50.000 Kronen: zehn, zwvnzig, dreißig, emunddrelßig. . . Und so weiter. Dem Herrn Rittmeister flimmerte cs förmlich vor den Augen, während er vor Aerger und Unbehagen kochte. Der Berg der Banknoten vor seinem Sitz wurde immer höher. Unermüdlich zählte der Gemeindepräsident, die Finger leckend, weiter. Endlich vollendete der Vorsteher die patriotische Handlung. Ter Herr Rittmeister drehte sich schneidig salutierend um und rannte an der Spitze aller Behörden mit Meterschritten von diesen: „Strafgottesdienst", den er zum erster: und letzten Male erfunden, angeordnet und selbst abgebüßt hatte, davon. _ Irr US'finnige Eisbär. Der 25 Jahre alte Eisbär Sam des Londoner Zoologischen Gartens, ein besonderer Liebling der Kindertvelt, mußte gestern getötet werden. Vor einigen Monaten ist die Käfiggenossin des Eisbären, Barbara, eingegangen. Seit jener Zeit verfiel San: einen: ausgesprochenen Trübsinn. Er ging überhaupt nicht mehr in sein Wasserbecken, wusch seinen Pelz nicht mehr und nahn: so wenig Nahrung zu sich, daß er buchstäblich einem Skelett glich. Kein Mitte! verfing, um Sam von dem Gram über den Hingmtg seiner Lebensgefährtin zu heilen. Schließlich beschloß man, das Tier von seinem kummervollen Dasein zu befreien. Ein Meisterschütze gab aus einem schweren Jagdgewehr auf kurze Distanz einen wohlgezielten Schuß auf Sam ab, der den Eisbären iu das Herz traf und ans der Stelle tötete. GEG A. G. WIEN, XII. FABRIKSGASSE 4 BIS 8 TELEPHON 82-3-48 TÜREN UND FENSTER AUS HOLZ GESCHÄFTSPORTALE UND EINRICH¬ TUNGEN FÜR ALLE BRANCHEN ------------- INNENDEKORATIONEN ------------ KOMPLETTE WOHNUNGSEINRICHTUNGEN ENTWÜRFE U. OFFERTE KOSTENLOS -EXPORT ------------------- net aas jüdische Studentenhaus bei der Jerusalemer Universität Der Weltverband der jüdischen Studentenschaft geht daran, am Olivenberge in Jerusalem das „Haus des jüdischen Studenten" zu bauen Die jüdUche Studentenschaft der ganzen Welt will in der Nahe der Jerusalemer Universität ein Studentenhaus errichten, das die Aufgaben der Universität erleichtern und ein vielversprechender Sammelpunkt der jüdischen Studenten und Akademiker inner- und ausserhalb Palästinas werden wird. Das „Haus des jüdischen Studenten“ wird ein gesellschaftliches und kulturelles Zentrum der Studenten der Universität zu Jerusalem sein. Ihre Klubs, ihre wissenschaftlichen Vereine, ihre Versammlungs-, Speise- und Leseräume werden dort untergebracht weroen. Das „Haus“ — es wird 150 Wohnräume haben — wird den Studenten, Akademikern und Professoren Aufenthalt bieten, die, aus der Galuth kommend, sich vorübergehend in Palästina aufhalten werden, um sich an den Arbeiten der Universität zu beteiligen oder ihre Einrichtungen kennen zn lernen. Das „Haus“ wird das Hauptbureau und das Generalsekretariat des Weltverbandes der jüdischen Studentenschaft beherbergen, Wir wenden uns an die Freunde der Jüdischen Jugend und der jüdischen Universität, diesem Werke ihre tätige Sympathie zu beweisen. Viele Studentenhäuser in den Landern der Zerstreuung sind von jüdischem Geld und von jüdischer Arbeit errichtet worden. Wir vertrauen darauf, dass die Freunde der jüdischen Universität und die Gönner der jüdischen Jugend ihr dazu verhelfen werden, um ihr Haus zu erbauen, ihr Haus bei der ersten Universität der jüdischen Renaissance Spenden für den Bau des Hauses s»nd an die Unterzeichneten oder an die Anglo-Austrian-Bauk, Niederlassung Wien, Konto 18.501, einzusenden 51S Albert Einstein, Berlin, Präsident; Ch. N. Bialik, Tel-Awiw, H. P. Ghajes, Wien, S. Dubnow, Berlin. S. Freud, Wien, M. Liebermann, Berlin, M. Schorr, Warschau, Vizepräsidentill; L. Steinig, Wien, Generalsekretär; Z. Lauterpacht, London, Vorsitzender des Weltverbandes der jüdischen Studentenschaft •iLafed Letzte Kurse. JUWELEN- und PERLEN- 0KKASI0N LUKACS L ARANY 1., Kärnfnersfrosse 28 w Export nach ailan LSndorn läirei ALLER ART j 1^1 V Kl »» liefern preiswert BECK, KOLLER & Co. WIEN, l.i FICHTEOASSE 2 a EL.EPHCN 72-1-69 16 T6LEPHON 72-1*69 VOSLAU Pension „Austria“, Kinderheim Olga Kadlscli Jägermayerstrasse 19 Telephon 99/VIII Ganzjährig geöihiet. Mütterliche Pflege und Aufsicht. Erstklassige Verköstigung. Während des Schuljahres auf Wunsch jeglicher Unterricht im Hause (Volksschul«, Gymnasial-, Realschul-, Lyzeaiunterricht, Sprachen, Musik, französische Konversation). Zwei Gärten, gedeckte südseitige Liegehalle New-Aork, 26. August. (Tel.-Komp.) Berlin 23.80, London Kobel 4.85»,z, London Scheck 4.41 V,. Amsterdam 40.31, Paris 4.69*/2, Brüffel 4.53‘/„ Rom 3.75, Madrid 14.41. Zürich 19.38. Stockholm 26.87. Oslo 19.45, Kopenhagen 24.32 Wien 14 Budapest 14, Prag 2.96*/,, Belgrad 1.79V«, Athen 153V,. Buenos Aires 40n/SJ. Rio de Janeiro 12.35. Bukarest 52. New-AorK» 26. August. (Tel.-Komv.) Weizen rot Winter 168V,. Weizen hart Winter 172, Mais 108V,. Hafer 47V,, Roggen 106. Ehikogo, 26. August. (Tel.-Komp.) Weizen per September 156V, Dezember 155V,. Mai 159V,; Mais per September 94V, Dezember 815/„ Mal 85%; Hafer per September 37'/,. Dezemper 41V,. Mai 45'/,: Roggen per September 26'/,. Dezember 101, Mai 105'/, Wchsenaufftellirugsattion des Keren Kaiemeth. Die Büchsenaufstellungsaktion findet in den Tagen von heute bis 90. August statt. ES werden zu diesem Zwecke neben der Zentrale SprengelbureauS in den Bezirken 1,2 und 20 errichtet. Das Zentralbüchleubureau befindet sich im Keren Kajemeth, 1. Bez., Kärntnerstraße 28, und wird geleitet von Dr. Leo Fuchs, med. Chanina Verständig und Zwt Kanner. Folgende SprengelbureauS werden errichtet r Im 1. Bezirk: 1. Kärutnerstraße 28 (Leitung E. Schwarz), 2. Bureau der Austro Palestine Trading Company, RudolfSvlatz 6 (Leitung Willi Schor); Im 3. Bezirk: 1. Zionistische Sektion, Zirkusgasse 33 (Leitung Ing. Deszö Königstein), 2. Bolksbibliothek Zion, Glockengalle 30 (Leitung Emil Fichmann), 3. Hakoah, Schiffamtsgasse 15 (Leitung Felix Brau«), 4. Sektion Prater, Jungstraße 8 (Leitung Chahim Meilen): I m 20. Bezirk:!. Sektion, Karl-Meißl-Straße 5 (Leitung Leo Menczer). 3. Zwischenbrücken (Lokal wird noch bekanntgegeben) (Leitung H. PohorylleS). Die Durchführung der Aktion im L Bezirke wurde dem Blau-Weiß übergeben, im 2. Bezirke den Gruppen: Esra, Jedidäa, Nehemia, Erez Israel, Haschomer Hazair, Jüdisches Realgymnasium, Jugendgruppe 2, Kadimah, Kartell der techn. Beribindungen, im 20. Bezirk (mit Ausnahme von Zwischenbrücken) der Kulturgruppe 20, in Zwischenbrücken der Jugendgruppe Zwischenbrücken. Devise bei der Ausstellung: Der Büchseninhaiber spende täglich 10 G., das ist ein halber Quadratmeter Boden. Die Adresse des Büchseninhabers muß deutlich und sehr genau sein, auch Türnummerl Täglich im Sprengelbureau abrechnen! j Im redaktionellen Teile enthaltene entgeltliche Mitteilungen ' sind durch ein vorangesetztes E gekennzeichnet. Wien, 27. Autzust. ' Tirol nicht mehr in unserem Besitz. Der österreichische Bundesstaat hat den ersten Schrat getan, um das schwierige Problem der Länderverwaltung zu lösen; er hat einfach erneS der Bundesländer aus dom bundesstaatlichen Verband ausgeschieden: das unglückliche Land ist — das Land Tirol.'In der Novelle zum Bnndesverfassungsgesetz, die kürzlich nach ihrer parlamentarischen Erledigung in der „Wiener Zeitung" veröffentlicht lvurde, heißt es: „Ster Bundesstaat wird Helbildöt aus den s e l lb st ä n d i g e n Ländern: Duvgenland, Kärnten, Niedevösterveich, Oberösterreich, Salzburg. Steiermark, Vorarlberg, Wien." Tirol fehlt im Gesetz. Folge: Das Land Tirol hat ausgehört, feikbstänldiiges Bundesland zu sein. Da aber in der Bundesverfassung nirgends gesagt ist, daß Tirol einem der anderen Bundesländer Angeschlagen wurde (wogegen sich doch angesichts des spezifisch milchigen Tiroler Bolikscharakters in der Heimat Andreas Hofers, der auch schon Oesterreichs Dank am eigenen Leib erfahren hat, ein Sturm der Entrüstung erheben würde), so gehört Tirol nicht mähr zum österreichischen Bundesstaat. Ein peinlicher staats- und völkerrechtlicher Zustand! Nach dem Friodensvertrag von St. Germain bildet Ärol bis zum Brenner einen Bestandteil der österreichischen Republik es Lärm also—wie schade! — keinen selbständigen Staat bilden; ein Anschluß au Deutschland (etwa Bayern) ist auch ausgeschlossen; eine Verbindung mit Italien wäre angesichts der gegenseitigen Garantie der Bremrergrenze in dem zwischen dem Deutschen Reich und Italien vovgeschenen SicherheitsPM unmöglich. Aber dieser stillschweigende Verzicht auf Tirol hat noch weitevgehende Folgen. Tirol ist nunmehr Ausland geworden, seine staatsrechtlichen Bindungen an den österreichischen Bundesstaat (Währungs- und Zollgemeinschaft. Bahnverwaltung, finanzielle Gebarung, Bundeskontpetenzen der Verwaltung Njw.) sind hinfällig geworden; nur durch eilten Vertrag mit diesem neuen Auslandsgebilde (dem aber zur Bertragssähigkert die, wie schon oben angeführt, durch andere Vertrage untersagte eigenstaatliche Konstruktion schlt), etwa durch Verträge. wie sie seinerzeit mit dom Fürstentum Liechtenstein (tbgeschlossen wurde»:, das jedoch de»: Vorteil einer anerkannten staatliche:: Existenz hatte, nur durch solche neue Vertrage könnte — wenn daralls von beiden Seiten, vom Lande Tirol und von der Republik Oesterreich Wert gelegt wird — eine neue Gemeinschaft hevgostellt werden. Aber Ärol lblieibe dam: doch außerhalb des österreichischen Bundesgebietes, es sei de»m, die österreichische RepNblik entschlösse sich, das Laitd Tirol — zu annektieren. Was durch die Bestimmungen der internationalen Verträge nicht möglich ist. Diese neu« europäisch^ Verwicklung ist also unlösbar, und wenn jetzt ein Weltkrieg darüber ausbricht, so ist — die „Wiener Zeitung" hran schuld! —tz. E Höhenkurort Semmering, 2 Stunden von Wien. 100o Meter Dechöhe. herrlichster Aufenthalt mit Höhenluft», Mast- und Liegskuren. Sport (Tennis. Golf, Reiten. Amo und Touristik). Hotels, Sanatorien und Pensionen in allen Preislage:: von 10 Schilling aufwärts für Zimmer und Verpflegung. * Das Wetter. Gestern gab es reichliche Niederschlage, die erst am Nachmittag aufhörten. Es war am Abend schon ganz herbstlich. Die Voraussage stellt rasche Besserung in Aussicht. Residenz-Atelier , I. rlelscnmarkt Telephon-Nummer 79-280 Einziges Atelier für Aufnahmen ■ | im Kongresshaiisll