Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 7 (1925)
- Issue
- Heft 2340 (27.8.1925)
- Date
- 1925-08-27
- Page
- Seite 9 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 2840 Wien, Donnerstag Mene« Morgenzeitims 27. August 1926 ■Sette eine Sefa-r ffir amerikanische Kuropafahr«. Aus New-Gort wird uns geschrieben: Die große Strenge, mit welcher die amerikanischen Einwanderungs- Hehördcn das Eintvanderungsgesetz im Sinne des Buchstaben dieses Gesetzes jetzt handhaben, erstreckt sich nicht nur auf Einwanderer, die zum ersten Mal nach Am-erika kommen, sondern auch auf Personen, die schon seit vielen fahren in Amerika leben, aber noch nicht im Best tz e r I) r c r amerikanische n Bürgerdok um e n t e sind. Für diese ist jetzt e-ine Enropareise m:.t der Gefahr verbunden, bei der Rückkehr nicht mehr ins Land Ihineingelasseu zu werden. Wohl können solche Bewohner von Amerika 'auf ein entsprechendes Gesuch ein sogenanntes „Permit", einen Erlaubnisschein, zur Rückkehr erhalten, doch sichert ihnen ein solches „Pcrmit" bloß eine Zulassung außerhalb der Quote, doch muffen diese sickgenau so wie jeder „grüne" Einwanderer bei der Landung der ärztlichen Kontrolle auf Ellis Island unterziehen. Die KontroUkomm'fflon hat das Recht, solche .Rückkehrer, tvenn sic nicht vollkommen gesund sind, allch dann zurückzuweisen, wenn sie schon seit Jahren in Amerika leben und dort einen Erwerb haben. Gerade in diesem Jahr, das einen Rekord an amerikanischen Europafahrern aufweist, haben schon Viole, die ohne „Permit" in ein europäisches Bad gefahren sind oder sich in einem schwerkranken Ztsttand befinden, die strenge Anwendung dieses Gesetzes bei ihrer Rückkehr zu spüren bekommen. Selbst Personen, die im Bositze eines „Permit" sind, erhalten dieses nur für die Höchstdauer von drei Monaten, einschließlich der Zeit für die Hin- und Rückfahrt. Der Fremdenstrom aus Amerika wäre heuer in Europa ein noch viel größerer gewesen, wenn nicht viele Personen aus Angst vor dieser strengen Bestimmung aus ihre Curopareise verzichtet hätten. Entdeckung von klshöhlen in den Solomiten. Wie die „Innsbrucker N a ch r i ch t e n" melden, find in den Südtiroler Dolomiten riesige Eishö len entdeckt worden. Die Forscher sind bisher sechs Kilometer tief in den Berg eingedrungen. Bis jetzk wurden zwei E i s d o m e und ein unterirdischer See von 160 Meter Durchmesser entdeckt, der in phosphoreszierendem Lichte leuchtet. Die eine Höhle dürfte früher auch Manschen zum An enthalt gedient haben, wie verschiedene Funde schließen lassen. Die Forschungen werden fortgesetzt. Mailand, 26. August. (Tel.-Komp.) Der Iulische Alpenklub von Triest hat gestern Mitteilung davon erhalten, daß in der Grotte von Pingnente in I st r i e n zehn seiner Mitglieder bei Erforschungsversuchen ver chütiet worden sind. Es handelt sich! um hervorragende A pinisten, die unter der Leitung des Direktors des Touringtlubs, Bertarellt. bereits die Ersterforschung dieser Grotte auSgefübrt haben und damals bis in eine Tiefe von 605 Metern vorgedrungen tvaren. Mit LebenSmitte n für drei Tage versehen, waren sie diesmal bereits kn eine Tiefe von 430 Meter gelangt, als der Leiter der Expedition am Eingang der Grotte eine Erdbewegung wahrnahm und die Kameraden aus der Tiefe zurückrief. Als diese etwa 150 Meter vorn Ausgange entfernt waren, trat ein Erdrutsch ein und verschüttete sie. Die RettuugSarbeiten haben begonnen. Mitteilungen aus dem Publikum. Or!g. fram. Ztgarattenpapler JOB U/lsn. Vill. 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September Exkursion nach Marfenbad, Karlsbad and Franzensbad Gesamtpreis inkl. erstk ästigen Aufenthaltes 36 Dollar Set Strafgottesbienft. Eine lustige Kviegsevinnerung. Bon Gustav Sicher. Oberleutnant D. langweilte sich tödlich als Kommandant einer Gendarmerieexpositur iu einem sadeu Städtchen. Da hob die Kriegswelle den bildhübschen, schneidigen Offizier zum Standort eines Armee'kommanidos empor. Im Armeequartier wurde er Zivilkommtssär und stattete sich mit einer Machtfülle aus, die er in seinen späteren Erinnerungen «selbst als Märchen anstannte. Die Zivilbevölkerung nannte den allgemein Gefürchteten, inr Grunde aber doch gutmütigen Gewalthaber, 'der durch Buße und Gefängnis jeden Widerstand, auch den der >k. k. Beamten, niedorhielt, den „Kaiser von P." Zum Geburtstage Kaiser Franz Josefs, am 18. August 1915, veranstaltete natürlich auch die jüdische Gemeinde im Standorte des Armeequartiers einen Gottesdienst. So dürftig eben, wie sie es während der Kriegszeit und in Galizien konnte, wo man die Kunst der Festgottesdienste nicht recht verstand. Zudem war die Gemeinde sehr zusammengeschmolzen, die meisten Mitglieder Ivaren eingerückt. Es wurden also einige Psalmen „gesagt" und e'n „Räbbinatskandidat", der halbwegs deutsch sprach, redete ein wenig. Der selbstverständlich als höchster Gast geladene Herr Rittmeister folgte ergrimmt und verstimmt dem Gottesdieivste. Nach Schluß desselben donnerte er, vor Zorn bebend, den entsetzten Vorsteher der jüdischen Gemeinde an: „Das soll ein Gottesdienst zur Feier des allerhöchsten Geburtstages sein? Das ist eine Mißachtung Sr. Majestät. Ich werde Sie Mores lehren! Von heute in acht Tagen ist Strafgottesdienst! Verstanden? Der Gottesdienst wird wiederholt! Mit Musik, Gesang und einer Predigt, die eine erstklassige Rede sein wird. Nicht ein Quatsch wte der heutige von diesem jungen Lasten, den Ihr -ms heute geboten habt!" Sprach's und kehrte dem niedergeschmetterten Gemeindehaupt den Rücken. Am 25. August fand tatsächlich der solenne Strafgottesdienst statt. Die geängstigte jüdische Gemeinde borgte irgendwo ein Harmonium, bestellte einen „datscheu" Kantor und holte aus weiter Ferne einen ordensgeschmückten Rabbiner. Die Zivilbehörden der Stadt und die unisor- Ulierten Honoratioren mußten nochmals erscheinen. Der erzkluge und schlaue Prediger rächte die gestrafte Gemeinde, indem er mit feinen Nadelstichen, die er .säuberlich und geschickt in äußerste Vorsicht gewickelt hatte, den anwesenden Despoten so kitzelte, daß der stramme Draufgeher gute Miene zum bösen Spiel machen rmlßte. Nachdem der Kantor mit Harmoniumbegleitung -ie VoMWnue abgesungen hatte, trat wiederum der geklagte U?'LELA t,;'