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Wiener Morgenzeitung · 1925-08-27 · Heft 2340 (27.8.1925) · p. Seite 7

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
7 (1925)
Issue
Heft 2340 (27.8.1925)
Date
1925-08-27
Page
Seite 7 (sequence 7)
Language
German
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Nr. 2340 Wien, Donnerstag Wiener Moeaenzertung 27. August 1926 ÄÄw 7> Mandat «nd nationales Selm. Die Vorlesung Professor Rappavds in Wilttainftowir. Das Institute of Pol-ittcs in Williamstow:: im Staate 'Massachusetts der Bereinigten Staaten von Nordamerika ist ein politisch-wissenschaftliches Institut allerersten Ranges. Politiker und Gelehrte von anerkanntem Namen erhalten von Zeit zu Zeit die Berufung, in diesem Institut Vorlesungen Wer ihr Spezialgebiet zu halten. Diese Vorlesungen zeichnen sich dadurch aus, daß sie hauptsächlich aktuelle Weltprobleme mit wissenschaftlich einwandfreier Objektivität beleuchten und damit zur Klärung dieser Probleme beitragen. Das Rektorat des Mlliamstowner Instituts hielt es für seine Pflicht, die amerikanische politisch-wissenschaftliche Welt mit dem gegenwärtigen Stand des Aufbauwerkes in Erez Israel durch den Zionismus durch autoritative Darlegmrgen bekannt zu machen und lud zu diesem Zwecke das Mitglied der Mandatskommission des Völkerbundes. Professor Dr. W. R a p P a r d, zu einer Vorlesung über dieses Thema ein. In seiner am 10. d. abgehaltenen Vorlesung besprach Prof. Rappard die verschiedenen Siedlungsarten in Erez Israel und wies daraus hin, daß die Zionisten sich entschlossen hatten, zunächst Las System der Gemeinschastssiedlungen anzunehmen, -damit .das Land für die kommenden Geschlechter aufgebaut werden könne. „Der Zionismus", sagte Rappard weiter, „ist eine der merkwürdigste,: politischen Erscheinungen, die ich jemals studiert habe. Palästina ist ein geistiges Zauberland mit erstaunlicher: Kontrasten In der ganzen Geschichte der Menschheit fand ich keinen Präzedenzfall für eine dem Zionismus ähnliche Bewegung, die seelisch genommen religiös genannt werden kann, aber antitheologisch ist." Auf die Araber frage übergehend, sagte Rappard: „Gewiß ist ein gutes Einvernehmen mit >den Arabern eine der Hauptbedingungen für 'der: dauernden Erfolg in Erez Israel und das ist sicher ein nicht leichtes Problem. Die Araber bilden wohl die Mehrheit im Lande, aber sie haben der Welt, im Vergleiche mit den Inden, weder'geistig, noch durch Entsaltung von schöpferischer Energie etwas gegeben. Die zivilisierte Welt hat das Judentum bisher niemals durchwegs gerecht behandelt und die zivilisierte Welt hat, soweit man einer so unklaren Gemeinschaft eine Berantwortlichkeit aufbürden kann, >die Pflicht, diese Schuld durch die Mithilfe beim Aufbau von Erez Israel abzutragen ..." Nach einer Beschreibung der einzelnen Sivdlnngsarten «und der bisherigen verblüffenden Erfolge kan: Pros. Rappard auch aus das 'Mandatsproblem in Palästina zu sprechen «nd führte aus: ,/Das Mandatsproblem ist ein interessantes und.delikates zugleich. Während nämlich bei allen übriger: Mandatsgebieten die Frage bloß darin besteht, wie das Land regiert werden soll, ist in Palästina das Hauptproblem die Schaffung eines jüdischen Nationalheims. Für England waren für die Uebernahme der Mandatsverpflichtungen in Palästina im wesentlichen vier Gründe maßgelbend, und zwar: 1. der Wunsch, die Kontrolle der beiden Ufer des Suezkanals in die Hand zu 'bekommen; 2. das Prestige in der arabischen Welt zu befestigen; 3. 'die Wiederbelebung der religiösen Gefühle für das heilige Land, und 4. der Wunsch, den Juden ein Nationalheim gu gründen." Mit großem Interesse folgten die Zuhörer jener Stelle der Vorlesung, in welcher Rappard über die erste Begegnung W e i z m a n n s mit Lord B a l f o «u r im Jahre 1916 sprach. Dieses Gespräch zwischen diesen beiden Staatsmännern, welches mehr als zwei Stunden lau-g dauerte, war nicht nur für den Zionismus und die darauf folgende englische Politik, sondern für die gesamte Menschheit von entscheidender Bedeutung. Dieser ztveistündige Bortrag Weizmanns hat Balfour von der ungeheuren Bedeutung der zionistischen Idee überzeugt. lieber die Juden als Nation sagte Rappard u. a.: „Die Juden unterscheiden sich von den Menschen, unter denen sie leben, dadurch, daß sie ein ihre Gemeinschaft betreffendes gemeinsames Solbftbowußtsem halben. Dieses Bewußtsein reiche aus, eure eigene Nation nicht im anthropologischen, sondern tot soziologisch-psychischen Sinn zu bilden. Dieses Selüstbewußtsein gäbe sich äußerlich und innerlich kund. Die Juden sind von diesem Gefühl erfüllt und selbst, wenn sie es leugne,: oder verhüllen wollen, würde sie die Umwelt daran erinnern und dieses Bewußtsein wach rufen. In dieser Gemeinsamkeit des Bewußtseins spielt die niemals anfgogebelve Hoffnung und das niemals geschwächte Bestreben, in das alte, gemeinsame Heimland zurückznkehren, vielleicht die wichtigste Rolle". _ - * Aus im Israel. 3758 Einwanderer im Juni. Ans Je rusale m wird uns geschrieben: Der Juni hielt mit einer Gesamtsumme von 3758 Einwanderern den Durchschnitt der letzten sechs Monate. Bemittelte Personen, die ihren dauernden Aufenthalt in Palästina nehmen tvollen, wurden 1608 gezählt — 546 Männer, 503 Frauen und 559 Kinder. Personen .mit gewissen Aussichten auf Beschäftigung, die auf das Avboitspro- Mimm der Zionistischen Exekutive hinkamen, waren 986 (749 Männer mb 237 Frauen). Die Zahl ihrer Frauen Kinder und anderer Begleitpersonen belief sich ans 476. Es wurden 658 Personen zngelassen (134 Märmer, 364 Frauen und 170 Kinder), tvelche von Einwohnern Palästinas abhängig warm. Die Zahl der Personen religiöser Berufe mit genügenden Unterhalitsmitteln betrug 30. In dieser: Ziffern sind 6 Christen enthalten, ferner 71 Juden, 53 Christen und 5 Mohammedaner, welche als Reisende ankamen und die Erlaubnis zu dauerndem Aufenthalte im Lande erhielten. 127 Personen, welche die Eirrwandernngs^estimntUllgen nicht erfüllterr, wurden bei der Landung zrrrückgewiesen. Der erste Weg des Kongressteilnehmers Ist der Besuch des führenden Leopoldstädter Warenhauses IrOiir Sei nii i;illllll!llllllllllllllllllllll!l!!{i!;!!!!lll!l!llllllllll!lllllllllllllllllllll Wien, II. Taborstrasse 48 Engros Teephon 47-1-79 Endete« Billigste Einkaufsquelle für sämtliche Textilwaren, Leinn Bettwaren, Strampt- und Wirkwaren ' - Herrenum1 Damen-. Herren- M Damenwäsche Vorhänge, Teppiöie, Steppdecken Regenmäntel etc. etr. ENORMES LAGER Infolge kleiner Regien ausserordentlich billige Preise 11 In der Berichtsperiode verließen 207 Personen das Land, davon 89, Juden, 85 Christen und 33 Mohammedaner. Rückkehrende Einwanderer waren 94 Juden, 7 Christen und 3 Moharmnedauer. Die neuen Siedlungen. Das Komitee zur FestsetzU'Ng der Namen für die jetzigen und zukünftigen Keren-Hajessod- Siedlungen aus dem Boden des Keren Kajemeth hat einen Bericht ausgearibeitet,, der sich mit 10 Orten beschäftigt. Das Komitee besteht aus den Herren M. Ussis chk in und I. Etti nger, Vertreter des Keren Kasemeth als Eigentümer des Bodens; Professor N. Slousch von der jüdischen archäologischen Gesellschaft, als Vertreter der Zionistischen. Palostinaexekutive; D. Rem es, als Vertreter der Siedler, die Mitglieder der allgemeinen Arbeiterorganisation sind; Rabbiner I. Schapira, als Vertreter der Siedler von Chittin, und Professor S. Klein von der hebräischen Universität, als Experte für palästinensische Archäologie. Für folgende kürzlich begründete Siedlungen wurde die endgültige Form der Namen festgesetzt: A t a r o t h für die Kleinsiedlung in Kaloudia bei Jerusalem; G i n a y g a r für die kooperative Siedlung in Djindjar im Emek Josreel; Tel-Adaschim für die Kleinsiedlung in Tel-Adas im Emek Jesveel; und Kfar Chittim für die Misrachisiedlung am Liberiassee. Folgende Namen wurden bestimmt für die neuen SiedÜrngen auf Keren-Kajemeth-l'Jsrael-Bode::,. die im kommenden Jahre vom Keren Hajefsod gegründet werden sollen: Beth Jerek (aus dem Warakaniboden) und Tel-Zwr (auf Tol-Turah-Boden) zum Andenken an Hermann Z w i S ch a p i r o, den Initiator des Jüdischen Nationalsonds und der hebräischen Universität. Die letzteren Namen bedürfen noch der Genehmigung der nächsten Komiteesitzung. Die offizielle Eirttragung von 15.000 Dunam der Jidrahböden am Rande der Bu cht v o n Hai fa auf den Namen de's Keren Kajemeth ist in den letzten Tagen vorgenommen worden. Tel-Alviws Tamusaktion. Die Stadt Del-Awrw hat .im Monat Tamus für der: Keren Kajeweth 734 Pfund aufgebraucht. Am 20. Tamüs, Herzls Todestag, wurde eine Sammlung veranstaltet, die 195 Pfund einibrachte. Sin neuer hebräischer Mar. Noch rechtzeitig zum 14. Zion'.stenkongreß und zur Erinnerung an diesen Kongreß ist ein Werk erschienen, das die Beachtung weiter jüdischer Kreise verdient. Die hebräischen Schulen in Palästina und im Galuth leiden bekanntlich sehr unter den: Fehlen hebräischer Lehrbücher, die unfern Bedürfnissen sprachlich und inhaltlich entsprechen. Es ist daher ein großes Verdienst von Ja bot in sky und Perlmann*), diese Lücke aus dem Gebiete der Geographie ansgefüllt zu haben. Es ist ein besonders erhebendes und bedeutsames Gefühl, einen hebräischen Atlas zu betrachten. Der .geographische Mittelpunkt, von dem ans man bisher Länder, Völker und Erdteile gesehen hat, bekommt eine festere und sicherer? Grundlage. Man fühlt: jetzt habe auch ich Sprache und Art meiner Beziehungen zu den anderen gefunden; ich kenne meinen Ort — sprachlich, räumlich und als Gesichtspnnnkt — und weiß hie vielen anderen zu sehen, zu schätzen und >in eine Beziehung zu meinem eigenen zu bringen. Für uns Erwachsene ist cs ein nochmaliges Erobern der geographischen Welt: ich wenigstens kann mich genau daran erinnern, daß ich Aehnliches nur empfunden habe, als ich als Kind zuin ersten Mal meinen Wohnort auf der großen Landkarte fand. Dieser Atlas von Jabotinskh und Pcrlmann ist aber nicht nur hebräisch En der Sprache, sondern auch im Geilst, im Gesichtspunkt. Die Redakteure haben sowohl in den Karten als auch in: begleitenden Text, der eigentlich -ein e gedrängte Geographie davstellt, die jüdischen Verhältnisse besonders hervorgehoben. Die verschiedene Art des Unterstreichens der Städtenamen zum Beispiel drückt die Größe der jüdischen Gemeinde in der betreffenden Stadt aus. Auf stakstische Zahlen, absolut und Prozentuell, auf kurze geschichtliche Daten in bezug aus Einwanderung und Annsiedlung der Juden in den eizelnen Ländern, logen die Verfasser großen Wert. Sie haben auch aus diesem Grunde dem nahen Orient einen verhältnismäßig großen Raum gewidmet. Bon diesem Standpunkt sind zwei Karten die interessantesten: die von Palästina, die das allerletzte Bild der jüdischen Siedlungen im Lande zeigt, und die Karte, die die jüdische Besiedlung Europas darstellt. Diese letzte Karte ist in der Idee neu und zeigt übersichtlich die Dichte der jüdischen Bevölkerung :n den einzelnen europäischen Länder und Städten. Aber auch die allgemeinen Karten sind ausgezeichnet ausgesührt und entworfen nach dem letzten Stand des - Weltmächte-Konzerns. Die Grenzen-, Namen-, Bevölkerungs- und Staatsformänderungen, die ja besonders in der Zeit nach dem Weltkrieg eine tägliche Evscheiiuung waren, sind alle im Atlas genau berücksichtigt. Besondere Aufmerksamkeit wandten die Autoren an die sorgfältige Wahl der richtigen hebräischen Bezeichnungnen. Kleine Kartenskizzen Europas vor dem Weltkrieg, im Jahve 1913, dienen zur Veranschaulichung der Unterschiede von dazumal und jetzt.' Vielleicht als einziger Fehler des Atlanten kann angesehen werden b't zu starke Konzentrierung und Reduzierung auf das fast nur Zahlenmäßige -des textlichen Teiles. Die Redakteure sagen zwar im Vorwort ausdrücklich, daß es ihre Absicht war, den Umfang des Atlanten nicht zu stark anwachsen zu lassen und textlich nur ein Repetitonum der geographischen Vorträge des Lehrers in der Schule zu geben. Es ist aber kein Ideal, dem Schüler nur einen trockenen Auszug in die Hand zu geben. In der bei uns herrschenden Lehrbüchernot ist aber auch diese gedrängte Zusammenfassung alles Wichtigen aus der Geographie sehr zu begrüßen, besonders, da die Autoren auf die bevölkerungspolitischen und wirtschaftlichen Verhältnisse der einzelnen Länder näher eingegangen sind und so der modernen Praktischen Erziehnngsforderung in bedeutenden: Maße nachgekommen sind. Den Atlas ergänzen noch einige historische Karten, so der alte Orient, dann Palästina in sechs Epochen (die ßwölf Stämme. Richter. David und Salomo, Hasmonaer, Herodes, Tempelzerstorung), ferner Griechenland, Rom und Kartlhago, die veränderte Welt unter dem Mazedonier 'und seinen Erben, der Islam und d'e Kreugzüge. Die Geschichte Europas ist in sechs kleinen Karten veranschaulicht: Rom, die Barbaren, Karl der Große, d'e Epoche nach dem wesiphälischen Frieden und die Zeit N-iPoleons des Evsten und des Wiener Kongresses. Das historische und heutige Jerusalem beschließen der: wertvollen Atlas ilnd weisen aus Gei'ft, Ausgangspunkt und Ziel der Autoren hin: der Erkenntnis der Länder und des Landes zu dienen, aus dem Gefühl und Bewußtsein heraus, ein Land und eine bestimmte Beziehung zu den anderen Ländern zu haben. Dr. Leopold Thalsr. *) Atlas. Zur Erinnerung an den 14. Kongreß. 39 große und 25 kleine Karten. 2 große und 21 kleine geschichtliche Karten. 48 Seiten Text. Redigiert von S. Jabotinskh und Dr. S. Perlmann. Verlag „Hasefer", London. Eigene» Reisebureau für Kongressbesucher im Kongressgebäude (Konzerthaus) ge österreichisches Verkehrsbureau (Zentrale:!., Friedrichstrasse 1, Telephon 7500) Fahrachaina für Inu. Ausland * Alle Reiseangelegenheiten * Ermässigte Fahrscheine für Kongressteilnehmer KW 3131

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