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Wiener Morgenzeitung · 1925-08-27 · Heft 2340 (27.8.1925) · p. Seite 5

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
7 (1925)
Issue
Heft 2340 (27.8.1925)
Date
1925-08-27
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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Nr. 2340 Wien, Donnersiag .. .iöitung 27. August 1925 Seite 6 Flächenin j ü d i s ch en B e s i tz zu bringen, was durch extensive Wirtschaft eher erreicht wird. Da die Böden für Soskins Schenra |it der Nähe der Stadt liegen müssen untz. einer besonders guten Vorbereitung bedürfen nfw., so werden die Kosten Pro Familie nicht geringer sein als bei der heute üblichen Wirtschaft. In Australien kostet eine bewässerte Wirtschaft nach Mead 1000 bis 2000 Pfund, in Amerilka 1500 Pfund. MHtzin ist nicht dagegen, einen Versuch zu machen, aber er warnt davor, wegen der Vorschläge Soskins die bisherige Wirtschaft als verfehlt und die intensive Kultur als Allheilmittel zu betrachte«. Die Vorschläge, die Ruppin zur 2lnsiMung bemittelter Elemente macht, sind in diesem Blatt schon mitgeteilt worden. Von größter Aktualität ist, was Ruppin über die KN- Lünftige Administration der landwirtschaftlichen Kolonisation sagt. Er schlägt vor (wie dies Schreiber dielser Zeilen schon seit Jahren, auch in diesem Blatte, propagiert hat), einen eigenen Kolonisationsfonds als Tochtergesellschaft des Keren Hajessod zu schaffen. Dadurch würde die kolonisatorische Arbeit organisatorisch verselbständigt werden, die Siedler würden einem Gläubiger gegenüberstehen und an Rückzahlung gewöhnt werden, außerdem wäre ein Schritt zur Erlangung von Kreditmitteln für die landwirtschastiliche Kolonüsation getan. Hier hätte vielleicht etwas deutlicher erwähnt werden können, daß der Keren Hajessod zusätzlich jene Kosten auf sich nehmen müßte, welche gewisse außernormale Bedürfnisse der Palästinensischen Kolonisation verursachen und mit deren Rückzahlung der Siedler nicht belastet werden darf. Die Notwendigkeit, mindestens ein Drittel der Einwanderer der L a n d w i r t s ch a f t z u z u f ü hr e n, wird von Ruppin eingehend erörtert, und zwar nicht nur vom nationalen, sondern auch vom rein wirtschaftlichen Standpunkt. Nur die Landwirtschaft kann in Palästina die wirtschaftliche Basis aller anderen Erwerbszwe^ge bilden «und die Festsetzung der Juden in Palästina ermöglichen. Ruppin rechnet, daß bei einer jährlichen Einwanderung von 6000 Familien (30.000 Köpfen) zumindest 2000 Familien in der Landwirtschaft angesiedelt werden müßten. Hierzu tvüvden, wenn selbst -die .Hälfte von ihnen etwas eigene Mittel miöbrcichte, 1 Million Pfund vom Keren Hejessod und Keren Kajemeth nötig sein, die heute noch nicht einmal die Hälfte dieser Summe aufwenden können. Ruppin hat bekanntlich auf dem Kongreß das Projekt einer Anleihe entwickelt, das sehr ernster Diskussion wert ist. Das Buch Rupprns habe ich einen Rechenschaftsbericht genannt, er selbst 'bezeichnet« cs gesprächsweise als sein „Testament. Es erscheint nämlich in den: Moment, in dem er, seinem Bürsnis folgend, nach 17jähriger angestrengter Tätigkeit sich in Ruhe wieder einige Zeit wissenschaftlichen Arbeiten widmen zu können, aus der Exekutive scheidet. Diesen Rücktritt hat die zionistische Oefseittlichkeit mit erstaunlicher Ruhe zur Kenntnis genommen. Vielleicht deshalb, weil nran sich doch nicht gut vorstellen kann, daß Ruppin, der ja in Palästina bleibt und seinen Rat zur Verfügung stellt, wirklich aus der Arbeit ansscheidet. Jedenfalls ist Ifemc Tätigkeit niemals in den: Maße anerkannt worden, als sie es verdient, vielleicht deshalb, weil Ruppin nicht der Mann der großen Oeffenttichkeit ist und aus dem Instrument der Volksversammlungen usw. nicht zu spielen versteht, ein Manko, das nur ein Vorzug ist. Deshalb muß immer wieder gesagt werden: Hier ward eine beispiellose Leistung vollbracht, welche nicht nur in der Geschichte^ der Zionismus, sondern auch in der Wissenschaft der Kolonisation immer als originelle und höchstwertige anerkannt werden wird. Wir wissen, daß Ruppin, trenn er sich auch aus einige Zeit zurückzieht, sicher wieder bald eine maßgebende Stelle in der Organisation einnehmen wird. Die Aufgaben werden immer größer und ein Kopf wie Ruppin ist nicht zu entbehren. Er ist unter uns bisher der einzige k o n st r u ktive Wirtschaftspolitiker großen Stils gewesen, der gleichzeitig ein hervorragender Theoretiker ist, als welcher er sich schon in jungen Jahren eine« Namen gemacht hat. Ruppin tvar der Schöpfer der jüdischen Statistik; für die Soziologie des Judentums gilt sein Buch „Die Juden der Gegenwart" als anerkanntes Standardwerk. Inmitten der Kriegsnöte hat er das wertvollste Buch über den vorderen Orient „Syrien als W i r t s ch a f 1 s g e b i e t" verfaßt, und nach der Mandats- Verteilung hat er die konstruktiven, organisatorischen und finanziellen Notwendigkeiten in seinem Werke „Der Aufbau des Landes Israel" klar formuliert. Dieses Buch ist leider nicht beachtet worden, und wir lvären heute viel, weiter, wenn wir damals seinen Vorschlägen gefolgt hätten. Sein neuestes Buch ist ein wahres Lehrbuch der Kolott'lsatlonsfrageu, von dem zu wünschen ist, daß es ein besseres Schicksal hätte als das Aufbauwerk: daß es studiert wird von allen, die sich mit den Ko'lonisationssragen befassen. Es ist kein Abschied, den wir von Ruppin heute nehmen können, atitfo deshalb ist es hellte noch verfrüht, die Bilanz seines Lebenswerles zu ziehen. Steht Ruppin doch noch in den bestell Jahrell und ist voll von Schaffensfreude. Jederlfalls aber erwarten wir, daß der Kongreß, auf den; er aus der Exekutive scheidet, in würdiger Form ihm den Dank der zionistischen Welt zum Ausdruck bringen wird. Plumers Amtsantritt. Ae Stimmen der palststinenfischen Presse. Jerusalem 26. August. (I. T. A.) Der Empfang des neuen britischen Oberkommissärs Lord Plumer in Jaffa (über den wir bereits gestern ausführlich berichtet haben. Die Red.) trug vorwiegenden militärischen Charakter. Bon den palästinensischen Zivilbehörden waren der Zivilsekretär der Palästinavegierung Kolonel S y m e 8, der Generalgouverneur des Jaffaer Distrikts Sir RonaldS t o r r s sowie die Bürgermeister von Jaffa und Tel-Awiw, die Lord Plumer mit Ansprachen begrüßten» anwesend. In seiner hebräischen Rede brachte der Bürgermeister von Tel-Awiw, .Herr Disengoss, dem Vertreter des britischen Reiches den Dank für die Politik des jüdischen Nationalheims zum Ausdruck. Der Empfang, welcher dem neuen Oberkommissär in Jerusalem bereitet wurde, gestaltete sich zu einer e i ndrucksvollen Zeremonie. Die Begrüßungsansprache hielt der Bürgiermeister von Jerusalem Na shasch i bi. Lord Plumer antwortete in englischer Sprache (der Inhalt seiner Rede wurde bereits in dem von uns gestern veröffentlichten Radiogramm wiedergcg-eben. Die Red.). Seine Rede wurde ins Arabische und Hebräische übersetzt. Nach der Vereidigung des neuen Oiberkommissärs fand eine Truppenparade statt. Die arabische und hebräische Presse Palästinas widmet der Ankunft des neuen Oberkommissärs ausführliche Artikel. »Haare z," «das bedeutendste hebräische Organ, bringt in seinem Begrüßungsartikel zum Ausdrucke, daß die Jüdenheit Palästinas von dem neuernannten Vertreter der Mondatarmacht die Rückkehr zur Balfonr - Tcklaration und die Erfüllung der Mandatsverpflichtungen verlangt. „Doar Hajom" legt dar, daß Plumer, dank der Tätigkeit seines Vorgängers Sir Herbert Samuel wesentlich gebesserte Zustände in: Lande vorfinde und gibt die Versicherung ab, daß die Jude nheit von Erez Israel zur M i ta r b e i t mit Plumer bereit ist. ,,Fe l e st i n," das offizielle Organ der christlichnrosiemitischen Gesellschaft, des geistigen und propagatorischen Zentrums der arabischen Nationalisten, schreibt, die Ankunft Plumers rolle eine einzige Frage auf, oib nämlich Plumer die I m m ig r a t i o n de r I u de n a b st e l I c n werde. Das ebenfalls im Dienste der arabischen nationalistischen Propaganda stehende Wochenblatt Karin e l" begrüßt Lord Plumer als Konservativen und Soldaten. Das arabische Blatt „Yarku k" (der Name scheint in dem uns zugekoiumeneu Rcvdiogramm verstümmelt zu sein, ein solcher oder ähnlich klingender Titel einer arabischen Zeitschrift kommt in unsevenr Verzeichnis -der araibischen Presse Palästinas nicht vor. Die Red.) weist in seinen! Begrüßungsaussatz auf die Schwierigkeiten Englands und Frankreichs im nahen Orient hin; die arabische Bevölkerung — so erklärt das Blatt weiter — werde zwischen Hoffnung und Verzweiflung hin und her geworfen. Wenn die Hoffnungen, welche sie an Lord Plumers Ankunst knüpfen, vernichtet werden, so werde sie alle Anstrengungen machen, um sich von England zu befreien. -^ , Pelzwaren / Fürs / Fourrures Hauies Nouveaut&s Moriz FLEISCHMANN WIEN, I., GRABEN 28 Telephon-Nummer 68-4-79 51 Nie französische Note an Deutschlavd. (Eigendienst der „Wiener Morgenzeittmg") Berlin, 26. August. Die f r a u z ö s i s ch e Antwortn 0 t e in der Sicherheitsfrage erklärt,. daß Frankreich die gewissenhafte Achtung der V c r t r a g s b e st i mm ungen verlangt und daß dies die erste Bedingung für den Eintritt eines Staates in den Völkerbund ist. Weder der Friedensvertrag noch die Garantien für seine Durchführung dürfen geändert w erde n. Frankreich will ans keines seiner Rechte verzichten und wiederholt die Erklärung, daß .der E i n t r i t t Deutschlands i n den Völkerbu nd die einzige dauerhafte Grundlage eines Europaabkommens lväre. Deshalb bedauert Frankreich die Vorbehalte in der deut-. scheu Note ijiüt den Eintritt Deutschlands in den Bölkerlbund. ' : Die von der deutschen Regierung hinsichtlich der Garantierung eines Schiedsvertrages hervorgehobenen Befürchtungen können einer objektiven Prüfung nicht Stand halten. Es erscheint überdies nicht unmöglich, Bestimmungen zu formulieren, die das Funktionieren der Garantie (gleichviel wer der Garant ist und gleichviel ob sich die Garantie auf die Grenze oder auf die Schiedssprechung bezieht) den Umständen des Falles und den durch die unmittelbare Anwendung der Garantie erforderten Grade der Schnelligkeit anpassen. In diesem Sinne könnte man untersuchen, ob es mast möglich wäre, Mittel und Wege in Aussicht zu nehmen, um die U n P a r t e i l i ch k e i t der Entschließungen s i ch e r z u st c l l e n, ohne der Unmittelbarkeit und Wirksamkeit der Garantie zu schaden. Die französische Regierung ist nicht berechtigt zur Erörterung der Fragen, die sich auf die Zulassung Deutschlands zum Völkerbünde beziehen und über die sich der Völkerbundrat ausgesprochen hat. Sie gibt sich der Hoffnung hin, daß die in Aussicht genommenen Garantien in Formeln gebracht werden können, die gerecht und vernünftig sind und zugleich mißbräuchliche und ungerechtfertigte Auslegungen und Anwendungen ausschließen. Schließlich lädt die französische Regierung in Uebercinstiminung mit ihren Alliierten die deutsche Regierung ein, auf den oben angeführten Grundlagen in eine Verhandlung einzutreten, mit dem Willen, zu einem Vertrage zu gelangen, dessen Abschluß Frankreich zu seinem Telle lebhaft wünscht. Der französische, englische und belgische Botschafter haben die Uebergabe der Antwortnote in der Sicherheitsfrage durch zwei Erklärungen ergänzt, in denen eine rasche Zusammenkunft der juristischen Sachverständigen der Außenministerien von Deutschland, Belgien, Frankreich und Großbritannien vorgeschlagen wird, um dem Vertreter des Deutschen Reiches die Möglichkeit zu geben, die Ansichten der alliierten Regierungen über die juristische und technische Seite der zur Erörterung stehenden Fragen kennen zu lernen. Nachdem diese Vorarbeit erledigt ist, könnten die Außenminister der vier Staaten eine Zusammenkunft verabreden, von der die Alliierten eine Beschleunigung der endgültigen Lösung der vorliegenden Fragen erhoffen. Die Antwortnote der deutschen Regierung auf die französische Note in der Paktfrage ist bereits heute nach Paris abgegangen und dürfte noch morgen der französischen Regierung übergeben werden. Caillaux in London. Keine endgültigen Resultate der Finanzverhandlungen. Paris, 35. August. Die Agence Havas meldet aus London: Es scheint sich zu bestätigen, daß es unmöglich ist, im Verlaufe der gegenwärtigen Anwesenheit C a i l l a u x ein endgültiges Abkommen auszuarbeiten. Die beiden Minister würden gewiß Grundsätze aufftellen können, die nach ihrer Genehmigung durch die beiden Regierungen als Grundlage für die Ausarbe tung einer Vereinbarung dienen würden, deren Einzelheiten die Sachverständigen später sestsetzen würden. In französischen Kreisen rechnet man damit, daß die beiden Minister zu einem grundsätzliche» E i live r nehmen gelangen werden. Kommunistenputsch in Etepneh. London, 26. August. (Reuter.) Als K 0 m Ul u n i st e n den Versuch unternahmen, in das Zweighaus der' G ewerkschaft der Seeleute int Vororte Stepney gewaltsam einzudringen, machte der Untersekretär des Verbandes von der SchilßWaffe Gebrauch und verwundete einen Kommunisten. PIANOS p_ EHRBAR PIANOS WIEN -d Niederlage: Hauptbureau: t. Parkring 18 - Tel. 73234 IV. Mühlgasse 30 - Tel. 53468 Sin abgünglger Sowjetbeamlre. London, 26. August. (Wvlff.) Die „Morningpost" berichtet, ein hoher Beamter, der einer Sowjetmissivn in Mitteleuropa attachiert gewesen sei, sei unter Mitnahme von Dokumente n, die in Moskau als ungemein wichtig angesehen würden, verschwunden. (Es handelt sich wahrscheinlich um jenen Beamten der Wiener Mission, der vor einigen Tagen in Genf verhaftet worden ist, — Die Red.) " Bor dem Kohlenstreik In Amerika. Paris, 26. August. (Wolfs.) Nach dem „Mv York Herald" bereitet sich die Washingtoner Regierung auf die Abwehr des K o h l e n st r e i k s vor, der am 1. September zum Ausbruch fommeit soll. Es geht das Gerücht nur, daß der Kongreß zu einer Sondersitzung znsammenbernfen lverden soll, um den Präsidenten Coolidge mit ausgedehnten Befugnissen ansznstatten. GRBTZER PELZE t«i. 71-4-30 |. Rotonturms!r@5se 22 »•'- r,.«.,» DAS Gm EMPFOHLENE HAVS für moderne Pelze aller Art

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