Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 7 (1925)
- Issue
- Heft 2340 (27.8.1925)
- Date
- 1925-08-27
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 2310 Wien, Donnerstag Wiener Moraenzettuna Seit« 3 L. 8c C. HARDTMUTHS KOH'I-NOOR BLEISTIFTE ZEICHEN' UND FARBSTIFTE ANERKANNT UNERREICHTE FABRIKATE ZU HABEN IN ALLEN BESSEREN PAPIERHANDLUNGEN Der Empfang im jüdischen Rathaus. Wir Häven bereits berichtet, daß das Präsidiumder Wiener Israelitischen Killtusgemeinve vorgestern abends dem Kongreß z» Ehreil einen Enipsaug gab. Das Haus in der Soitenstettengasse hatte oin festliches Kleid angelegt. Die Gelärrder waren mit L-aub umivuiwen, ans den Treppenabsätzen standen Oleandermit) Palnrbänlilchcn, die von Frau Baroiän Clavisse Rothschild ans ihren Glashäusern auf der Hohen Warte gesendet worden waren. Den Boden der Repräsentaltimlsräume und die Wände deckten kostbare Teppiche, darunter ein seltener Musealteppich von hohem Wert, darstellend Moses mit den zehn Geboten. Diese Teppiche hatten die,Besitzer des Toppichhanses Habsburg, die Herren A. Horctzky n. Co., in uneigennütziger Weise zur Verfügung gestellt. Den knnstteriifchen Teil des Abends bestritten: Konzertsäuger Viktor Heim, der nebst einigen Schubert-Liedern in seiner bekannten Birtnosität alte Wiener Lieder jüdischer Autoren zum Vortrag brachte, trefflich a'kkoinpagn-ievt von Otto Schulhof. Robert Goldsand, der jugendliche Virtuose, fpi-Äte meisterhaft Gvüutfelds Sonate. Mendelssohns Scherzo und seine eigene Paraphrase auf den Straustschen Walzer ,Mr: der schönen blauen Donau". Theodor Weiß, das Ehrenmibgl-ied des Deutschen Volkscheaters, erfreute die Festgaste durch den Vortrag ernster und heiterer Dichtungen, für die ihn gleich den anderen Mtlvirkeuden herzlicher u-nd reicher Beifall auszckchnote. Vom Kongreß waren der Einladung gefolgt nebst dem Präsidenten Prof. Dr. Chain: W e i z m a u n. dem Präsidenten N. S o k o l o w und Tochter. Oberrabbinec Dr. H. P. Chajes Dr. Georg H a l v e r n und Frau Mena'chem U s s i s ch ü l it, die Delegierten und Funktionäre beim Kongresse: Prof Dottor. Mayer Balaban, die Abgeordneten Dr. Arnold B a r d und Dr. Vierer, Senator B r o d, A. B. C o h e n, General-- sekretär J'rael Cohen, Rabbi N. E b b i n, Dr. E l l e nb e r g. der Leiter des Kongreßbureaus Dr. N. M. G e l b e r, Dr. Meyer G e y e r, I. K. G o l d b l o o m, Dr. Leo Goldhammer, Dr. Gronemann, Dr-Actue H a n t k e. Frau Henriette I o w e l l, Vizepräsident der Berliner jüdischen Gemeinde Dr. Alfred Klee, Senator Körner. Abrad am A. L e v i n (Montreal), Dr. M o s s i n s o h n, Isaak N a b d i t s ch, Oberrabbiner Dr. N i e rn i r o w e r, Ab^tö^eter Rabbiner N u r o ck (Riga), Bension M. U s i e l, Grandrabbiner von Jaffa und Tel-Awiw, Frau Erna P a t a k, Abgeordneter Dr. Leon Reich, Simon Rotenberg, Senator R o t t e n st r e t ch, Dr. R o t t m a n n (Montreal), Rabbiner R u b i n st e i n Frau Relden S i e f f. Dr. S i l v e r und Frau (Cleveland), Abgeordneter Dr. Schipper, Doktor S ch m o r a k, Hermann Struck, Abgeordneter Rabbiner Dr. Thon, Dr. I. W a l d m a n n, Frau Dr. Perla W e ch s l e r und Oberrechnungsrat Weiner. Aus dem Kre se der Wiener Judenschaft waren erschienen neben dem Präsidenten der Wiener israelitischen Kultusgemeinde General-Oberstabsarzt Prof. Dr. Alois Pick und Frau den Vizepräsidenten Dr. Josef Löwenherz und Frau, die Mitglieder des Kultur Vorstandes Justizrat Dr. A d l e r, Dr. Bader, B a u m i n g e r, Buchwald, Emil Engel, Direktor S. E v l e r, Dr. Rudolf Glanz, Dr. Desider Friedman n, KauderS, Doktor Isidor K l a b e r, M ä r z, Kammer.talrat Max Markus, Meister, Pick, Gemeinderat D c. Leopold P l a s ch k e s, Reif, S ch a r f st e i n und W e i n in g e r; ferner der Vizepräsident des Bethausvorstandes Dr. Elias Münz, der Alterspräsident des Verbandes der türkischen Israeliten David M. H a l f o n, die in Wien befindlichen Gemeinderabbtner, der Großpräsident der B'nai B'rith Hofrat Prof. Dr. Salomon E h r m a n n mit den Präsidenten der Wiener Vereinigungen Dr. Josef A l t Medizinalrat Dr. Leopold I tz k o w i tz, Kommerzialrat KarpeleS und Hans Karger; die Obmänner der Bezirkskommissionen der Kultusgemeinde Wien Artur A l b e r s, Samuel Bernhardt, Gabriel Dukes, Direktor Heinrich Glückstal, Emil H. N i m h ä u s e r, Leopold S i tz m a nn, Leopold Waller, Siegmund Weiler und Dr. Ignaz W i n t e r; die Tempelvereinspräsidenten : Direktor Anton Stein, Börsenrat Ignaz Glück, Kommerzialrat Philipp K o h n, Heinrich Weiß und Emil Pomeranz; Pzasident des Oesterreichischen Kantorenvereines Isidor L ö w i t, Oberkantor M. B. Kaufmann, Erster Kantor Gerson Margulies;der Vorsitzende der Zentralstelle für jüdische soziale Fürsorge Kommerzialrat K! e m p e r e r, der Obmann der Bibliotheks-Kommission der Kultusgemeinde Hofrat Dr. S. Frankfurter; vom Spirale der Israelitischen Kultusgemeinde r Direktor Dr. Arnold R a s ch k e s mit Verwalter Hugo Weiß und den Primarärzten Dozent Dr. Waldemar Goldschmidt und Primarius Dr. Ratmund Schwarzwald von der Verso-, gungsanstalt: Primarius Dr. Moritz I n f e l d und Verwalter Josef Popper; der Direktor des KinderspitaleS Professor Dr. Julius Z a p p e r t, Schriftsteller Dr. Richard B e e r - H o f m a n n, der Chefredakteur der „Wiener Morgenzeitung" Julius L ö w y. Von den leitenden Beamten der Kultusgemeinde waren neben dem ersten Sekretär Guido F u ch s g e l b Sekretär-Stellvertreter Heinrich Holzer, Rechnungsdirektor Josef P e t e r s e! k a, Oberbuchhalter Leopold Schäfer Amtsletter Ing. Ernst L i n d n e r und Amtsleiter Max Popper anwesend. * «in jüdisch-juriflische Gesell,chaft. Behufs Gründung der Jüdischen juristischen Gesellschaft findet D»nnerstag den 27. d., 7 Uhr abends, im Konzerthausgebäude tder Saal wird auf der Kongreßtafel bekanntgegeben), eine Vorbesprechung statt, zu der die am Kongresse als Delegierte oder Gäste teilnehmenden Juristen höflichst eingeladen werben. Die Einberufer: Dr. A. Barth, Dr. D. N o t h b l u m, Dr. I. W a l d m a n n, Dr. V. I a c o b s o h n' Dr. K o r n g r ü n, Dr. S. R. L a n b a u. 27. August 1926 Altesse-Ghaza A. G. Wien, III.« Rinnwtg 71-81, Tel. 91472,91473 Zigarettenpapiere u.-Hülsen SSmtliehe Kartonnagen und Drucksorten für die Zigarettenindustrie 6ib 6fn Meeting der Revisionisten. Im „Bayrischen Hof" fand vorgestern ein von zirka 600 Personen besuchtes Meeting >der Revisionisten statt, das sich stellenweise sehr stürmisch gestaltete, da einige Gegner im Saale waren und sich durch Zwischenrufe, wie „Jüdische Faszistcn!" u.» Ägl., stark bemerkbar machten. Als Redner waren Wladimir Jabotinsky, Dr. Julius Brutzkus, Mark Großm a u n und Dr. Josef S ch e ch t m a n n angekündigt. Großmann beschäftigte sich ein-gehend mit der Politik der Zionistischen Exekutive, an der er heftige Kritik übte. Er forderte eine neue soziale und handelspolitische Gesetzg e b ut n g sowie S i ch e r h e i t für das Eigentum nnd die Person aller Kolonisten, Revision der die Im Migration hemmenden Bestimmungen. Dr. B r u tz k n s kritisierte besonders scharf die Politik W e i z m a n n s. Stürmisch begrüßt ergriff daun Jabotinsky das Wort. Er führte einleitend aus, daß die Politik der aktiviftischen Zionisten vielen Mißverständnissen 'begegne. So sagte man ihnen nach, daß sie nur Politik betreiben und leine positive Arbeit für Palästina leisten. Es muß aber in Palästina eine jüdische Mehrheit geschaffen werden. Die Kvlolnisation müsse sich so wie in anderen Staaten vollziehen, man dürfe die Kolonisten nicht nur nicht b e st e u e r n, sondern müsse ihnen verschiedene E r l e i ch t e r -u n g e n gewähren. Man sagt den Mtivisten weiters nach, daß sie eine Bodenreform in Form einer Enteignung verlangen; auch das sei falsch; die Bestrebungen der revisionistischen Zionisten gehen nur dahin, daß die von dom 27 Millionen Dunam betragenden Bodenbesitz brachliegenden 17 M i l l i o n e n D n n a m vom Staate gegen Vergütung an die jetzigen Besitzer enteignet und den Kolonisten zur Verfügung gestellt werden. Zur Frage der jüdischen Legion bemerkte der Redner, der ganze Orient sei ein steter Schauplatz von Aufständen nnd Unruhen und man könne nicht wissen, ob nicht auch Palästina in diese Unruhenzone einbezogen würde. Man müsse bedenken, daß die 900.000 Einwohner nur von 1500 Soldaten beschützt würden, was gänzlich unzureichend ist. Sollte es nicht möglich fein, eine jüdische Legion auszustellen, dann mußten die Juden ins britische Heer eintreten; und falls England hierfür nicht di'e Kosten tragen wollte, dann müßte eben die Zionistische Exekutive hierfür aufkoimnen. , Jabotinsky schloß mit der ebenso kühnen wie unklaren Formel, daß nur die aktivistische Politik geeignet sei, den Typus des Shhlockjuden zum Verschwinden zu bringen. AMTLICHES SCHWEIZER VERKEHRSBUREAU SCHWARZENBERGPLATZ 18 Telephon 57*2-43 :-i Telephon 57-2*44 IN DER SCHWEIZ Probleme der neuen hebräischen Literatur. Von Saul Tschernichowski. Am heutigen Tage begeht der berühmte hebräische Dichter Saul T s che r u i ch o w s k i, der gegenwärtig in Wien wellt, seinen 60. Geburtstag. Das Fest wird im Rahmet: Der Kongreßveranstaltungen würdig gefeiert werden. Soikolow, Brainm und Jabotinsky werden unter anderem die Bedeutung des Dichters würdigen. Die Redaktion der „Wiener Morgenzeitung" hat bereits einen größeren Aufsatz seinen, Schassen gewidmet. Es gereicht uns zur Freude, am Heutigelt Tage einen wertvollen Originalaufsatz des Jubilars der Oeffentlichkeit zu übergeben. Die begonnene Renaissance der hebräischen Sprache .schreitet unaufhaltsam vorwärts. Nicht nur in Erez Israel, auch in den Ländern der Galuth nimmt die hebräische Erziehung der Jugend einen immer breiteren Raum ein und fördert fo die Intensivierung der nationalen Ideale durch die alle lebenden Schichten des Volkes untereinander und mit der nationalen Vergangenheit verbindenden Sprache auf das kräftigste. Auch die hebräische Literatur, der künstlerische Ausdruck des Schaffens nuferes Voltes, weist bedeutenden ständigen Fortschritt auf. Künstlerisch bedeutsame Oviglnailwerke hebräischer Schriftsteller erscheinet: unaufhörlich und bedeuten schon heute eine wichtige Quelle der wahren Volksbildung. Doch weit davon entfernt, uns in unser eigenes Schaffen vollständig zu vergraben und uns von den großen Kunstwerken der übrigen Welt in einem vermeintlichen Natwnälgefühl loszusagen, muß Gewicht darauf gelegt werden, daß uns auch in nuferer Sprache die großen Geisteswerke der Dichter aller Zeiten und Völker vermittelt werden, aus daß wir den lebenden und befruchtenden Zusammenhang mit der Kultur der Menschheit nicht verliefen. Wenn auch in dieser Hinsicht bereits manches geleistet ist, gibt es noch viele Lucken auSzufnllsn. Auch ich habe unter anderem das große finnische Kalewala- Epos sowie die unsterblichen Gesänge der Ilias und der Odyssee ins Hebräische übersetzt, doch konnten diese Werke infolge materieller Schwierigkeiten noch nicht veröffentlicht werden, wie so manches Wertvolle bei uns auf die Publikation jahrelang zu warten gezwungen ist. Ein sehr bedauerliches Moment in der Entwicklung unserer Literatur stellt die valutarische Ungleichheit zwischen Erez Israel und %t meisten Diasporaländern dar. Das ägyptische Pfund Palästinas macht die an sich so erwünschte Konzentration der hebräischen Büchereditron in Erez Israel fast unmöglich, und auch das, was dort erscheint, ist für die Länder der Mischen Massensiedlung in Osteuropa kaum erschwinglich. Dadurch hat die älteste bestehende hebräische Zeitschrift „Haschiloach", als sie nach Palästina verlegt wurde, einen großen Teil der früheren Popularität eingebüßt. In der Galuth weniger bekannt ist eine andere ausgezeichnete palästinensische Zeitschrift „Hatoren". Doch auch die großen Berläge der Diaspora haben mit großen Schwierigkeiten zu kämpfen; so warten jetzt schon seit acht Monaten alle Freunde der hebräischen Literatur auf das Erscheinen des fälligen Heftes der „Hatekusah", der tonartgebenden und meistgelesenen hebräischen Zeitschrift unserer Tage. Werrri von den Hemmungen der Entwicklung der hebräischen Literatur in Palästina die Rede ist, dann darf ein Moment nicht verschwiegen werden, welches dort sehr störend wirkt: die parteipolitische Einstellung z u r K n n st. In breiten, das Hebräische sonst sehr intensiv erlebenden Kreisen werden literarische Werke ignoriert, wenn sie nicht irgendwie einen eindeutigen politischen Stempel tragen. Ich soWst mußte in Erez Israel des öfteren gegen eine solche Herabwürdigung der universellen Kunst auftreten, welche zum Beispiel dazu geführt hat, daß manche Erzeugnisse der hebräischen Literatur, wie der Londoner „Haolam", in Palästina weit weniger beachtet werden, als es ihrem inneren Werte entspricht, weil an Wen die parteipolitische Differenzierung vermißt wird. Ein sehr bedeutendes Problent ist für die hebräische Poesie mit dein Nebergang von der «Wenastschen zur sephardisch e n Aussprache entstanden. Wichtig ist hierbei nicht so sehr der Wechsel in der Aussprache mancher Konsonanten und Vokale — hiedurch gehen bei B i al ik und bei mir nur einige Reime verloren, was verhältnismäßig von untergeordneter Bedeutung ist —> als vielmehr die strikte Einhaltung der zu betonenden Silbe, wodurch^ die rhythmischen Möglichkeiten des Verses stark beeinträchtigt werden. Cs läßt sich die Erwägung nicht unterdrücken, daß 'damit die hebräische Sprache aus der Reihe der musikalisch reichen tonischen (deutsch, russisch, englisch) in die der an rhythmischen Möglichkeiten wesentlich ärmeren syllabischen Sprächet: (französisch, italienisch) eintritt. Doch soll daraus kein Schluß auf die Notwendigkeit der allgemeinen Rückkehr zur aschkenastschen Aussprache gezogen werden. Wir wollen hqffen, daß neue Werke entsichert werden, die, von sephardisch schaffenden Dichtern erzeugt, den dollen WoWlang dieser Aussprache ohne Einbuße der rhythmischen Form werden auf-weisen können. Doch in bezug aus die Dichtungen der bisherigen Gwoche muß unzweideutig erklärt werden: sie verlieren, sephardisch vorgetragen, das eigentliche Moment der Poesie — die musikalische Rhythmik, auf die wir im ureigensten Interesse dieser Dichtungsart nicht verzichtet: können. Es steht nun, meiner Atrsicht nach, nichts im Wege, Dichtungen unserer Periode mit der ihnen eigenen Betonungsfolge der heranivachsenden Jugend zu lehren, die es ja auch vom Lateinischen her gewöhnt ist, daß die Betonung in Poesie und Prosa ungleich ist. Jedenfalls ist diese Notwendigkeit geboten, soll nicht der eigentliche Charakter des Verses, das ist des musikalisch geleerten Satzes, verloren gehen. Im großen dürfte jedoch die sephardische Aussprache siegen, und zwar nicht ihrer inneren Richtigkeit wegen — denn die landläufige Meinung von ihrer größeren Schönheit ist eine undiskutierbare Gefchmacksangelegen-- heit —, sondern infolge der eigenartigen Psychologischet: Einstellung zur hebräischen Renaissance, die vo« Vorneherein alles, was aus der Galuth stammt — also auch beit aschkenastschen Dialekt —, abzustreifen bestrebt ist. 2348234823232348535348232348