Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 7 (1925)
- Issue
- Heft 2340 (27.8.1925)
- Date
- 1925-08-27
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 92% known words query
- IRI
…/2979076-2981191-2981426--23856-3011345- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
2 Wien. Donnerstag Wiener Mornenzettun- 27. August 1925 Nr. 3840 Cafe ATLASHOF I. ASPERNPLATZ ANGENEHMER AUFENTHALT FÜR ALLE KONGRESS - TEILNEHMER 11087 di scheu Aufbaues bestenfalls die jüdische Kolonisation toleriert, oftmals sie sogar hemmt, stein tut Widerlpcuäi mit dein Geyte und Wortlaut oes Mandats, das die Mandatarmacht verpflichtet. die Verwaltung im Sinne einer aktiven Förderung deS jüdischen Aufbauwerkes zu führen. Sowohl in der Forderung nach einer Acndernng dieses Systems sowie auch in dem rötlichen Kampf mit unsere Rechte in Palästina hat die Exekutive cs an der nötigen Aktivität und Entschlossenheit fchle» lassen. Aus diesen Gründen erachten Wir die politische Haltung irnd die politisclwn Leistungen der Exekutive in den letzte» zwei Fahren für nnbefriedigenD. Ta das vom Pcrmanen;ausschuß vorgeschlagenc Absolutorium besondere Geniugtuung über die politischen Erfolge der Exekutive aiisispricht, müssen wir dagegen stimmen!" Für die vom Permancnzausschuß vorgeschlagene Resolution bezüglich der Jewish Agency dürfte, wie angenommen wird, der gefalnte Kongreß mit Ausnahme der Radikalen stimmcu, die Misrachisraktion dürfte sich abseutiercu. Endlich ertönen die drei Hainmerschlägc. Pizcpräsidcnt A! o iz t i n gibt bekannt, daß die Referenten die Schlußworte erhalten und schlägt dem Kongreß vor, zur beschleunigten Abwicklung der Tagesordnung jedem R escr enteil 15 Minuten Redezeit eiuzuräumen. Ter Vorschlag wird angenommen. Tie Ungeduld des Kongresses schlägt rasch in feierliche, festfreudige Stimmung urn, als Präsident S o k o l o w sich erhebt und nrit einer kurzen hebräischen Ansprache dem im Saale anwesenden großen hebräischen Dichter Saul Tschernichowski, der heute seinen 50. Geburtstag feiert, int Namen des Kongresses am Vorabend dieses Jubiläums die herzlichsten Glückwünsche davbringt. Äimtliche Delegierte und Gäste erheben sich und jubeln dem Dichter, der, umgeben von sei-nen Freunden, in einer Loge sitzt, zu. Nach dieser eindrucksvollen Kundgebung für Tschernichowski, mit der der Kongreß nicht nur den Dichter, sondern auch sich und die schöpferische Kraft des jüdischen Volkes, welche er repräsentieren soll, ehrt, kehrt rasch die Arbeits- und Dialektikstintmung wieder ein, als Dr. Halpern das Wort ergreift. Er eriklärt, infolge der Kürze der ihm zur Verfügung stehenden Zeit auf Details nicht eingchen zu können; er werde sich auch mit den von links gefallenen Vorwürfen, er sei e-in Reaktionär und er vertrete kapitalistische Interessen, nicht näher auscinandevsetzcn. Den Vorwurf, daß Redner die Probleme der Ansicdlung und der Wirtschaft in Palästina buchhalterisch lösen wolle, weise er zurück. Man kann Dinge unter Begeisterung und Aufopferung cmsführen und dabei doch seine Bücher in Ordnung halten; darin liegt kein Widerspruch, ja. je mehr die Bücher in Ordnung gehalten werden, desto weniger Opfer sind notwendig. Sodann besaßt sich Redner eingehend mit den der Silikatgesellschaft und der Pflanzungsgesellschast „Agudath Netaim" von der Anglo Palestine Company gelvährten Krediten, derentwegen von verschiedenen Seiten Angriffe gegen ihn gerichtet wurden. Die Silikatgesellschaft ist — führt Dr. Halpern aus — ein Werk der Privatinitiative verschiedener Personen, an deren Spitze der beikannte Zionist K r e m e n e tz k h steht. Die Bank tyit dem Unternehmen einen Kredit eingeräumt, weil dabei 100 jüdische Arbeiter beschäftigt waren und weil für diesen Kredit dringliche Sicherheit gegeben war. Es wurde auch eine geradezu lOOprozcntige Kontrolle, die die Bank über die Geschäftsführung der Gesellschaft verlangte, akzeptiert. Die Silikatgesellschast, in der keine Mittel des Keren Hajessod stecken, hat die schwierige Zeit überdauert, das Unternehmen floriert, zahlt Zinsen und zahlt auch Teile des Kapitals zurück. Es würde dies rascher tun, lvenn nicht Streiks ausgebrochen wären, ivelche die führenden Köpfe der Palästinensischen Arbeiterschaft nicht gebilligt hatten, die zu verhindern sie nicht gerrug Macht besaßen. Auch die Pflauzungsgesellschaft Agudath Netaim war ei-n Werk der Privatinitiative. Die Bank mußte eingreisen, da sonst durch den Krieg die Pflanzun-- gen zugrunde gegangen wären. Es wurde durchgehalten, und wenn keine Katastrophen eintreten, wird die Bank an Agudath Netaim nichts verlieren. Der Borwurf, daß die Agudath Netaim in Chedera keine jüdischen Arbeiter beschäftige, trifft nicht die Anglo-Palestina-Eompany, da diese den ihr verpfändeten Besitz nicht verwaltet. Ta jetzt neue Verträge gemacht werden sollen, wird die Anglo- Palestine-Eompany alles, tvas sie an moralischem und sonstigem Druck ans die Besitzer verfügbar hat, anwenden, um die Beschäftigung jüdischer Arbeiter zu sichern. Was die von den Avbeiteroertretern geforderte Anwnoinie anlangt, so habe Referent darauf zu erwidern: Er wolle nicht darüber polemisieren, ob dieser sogenannte „Staat im Staate" gut oder schlecht sei. Jedoch wolle er bemerken, daß man wohl einen Staat im Staate haben kann, aber keine Bedingungen stellen kann, die es den anderen unmöglich machen, nach ihrer Art und Weise zu 1 leben. Solche Bedingungen aber stellen die .Herren von der Linken. Es gibt außer Arbeitern aus der einen und Spekulanten und Sodawasserhändlern auf der anderen Seite noch andere Menschen in Palästina, nttd diese arbeiten ehrlich und schwer. „Jüdische Arbeiter sind es, — schloß Dr. »Halpern — für die ich eilte Industrie in Palästina fordere, und ich belMpte, daß wir in kurzer Zeit mehr jüdische Andeiter von der Art, wie Sie sie verlangen, in der Industrie haben werden als in der Landwirtschaft, ob wir dies bedauern oder nicht. Wir lvollen arbeitende Menschcit in Palästina mtb diese lvollen wir in möglichst großer Zahl in alletl produktiven Zweigen ansiedeln und wollen sic gewähren lassen, solange sie sich nicht als schädlich erweisen. Reden Sic nicht immer von unerwünschten Ele me nren, einem Wort, das der aufhorchenden Welt von Feinden stets willkommen ist, und hindern Sie uns nicht daran, die w e r t v o l l c u Elemente nach Palästina zu bringen." Der Leiter des Einwandcrungsdcparteimu ts, Dr. Pick, weist auf den Dilettantismus hin, der in der Behandlung der Frage der Aliah herrscht. Er betont auch die Notwendigkeit, für die ffchreit .Handwerker und die vielen Juden aus dom Osten und aus den Ball kan l ä n d e r n, die nach Erez Israel answandern lvollen, Einwanderungs¬ und Arbeitsiiröglichkeiten zu schaffell. Um den durch die wirtschaftlichen Notwendigkeiten hervorgevnsenen Ansprüchen gerecht zu werden, mltß ein ausreichendes Budget für die Immigration bereitgestellt sein. Für die Kürzung des letzten Budgets trägt der Kongreß die Beranttwortung. Er muß diesmal die Minimalmittel, die notwendig find, bewilligen. Auch die Tra ns p o r tfrag c muß methodisch gelöst werden; es müssen genügende Mittel zur Schaffung einer Transportabteilung zur Verfügung gestellt werden. Der Kassier der Exekutive van Briesland legt dar. daß die Rolle der Zionistischen Organisation und der Exekutive in Palästina lvohl initiativ sein müsse; aber wir müssen erkennen, daß die Rolle dieser beiden Faktoren doch eine beschränkte sei. Die Privatinitiative geht voran. Redner lveist sodann darauf hin, daß bei der Frage Qnali- >1ät oder Quantität der Einwanderung ein für die Qualität der Emigranten wesentliches Moment, das der Erzich u n g, bisher nicht berührt wurde. Das Erzielhungsiwesen, welches ausschließlich in den Händen der Lehrer lag, muß geregelt werden, die Zionistische Exekutive muß die Mittel aufbringeit, nm ihre '' Aufgabe auf dem Gebiete der Erziehung, zu erfüllen. Im allgemeinen pendle die Exekutive zwischen den beiden Grnndaufgaben, der staatlichen und der wirtschaftlichen, hin und -her. Der Referent sei der Ansicht, daß die Einstellung auf die wirtschaftliche Betrachtung der Dinge die Arbeit lvesentlich fördern lverde. Die bisherigen Erfolge seien durch die Arbeit des Voltes erreicht worden und gegenüber dieser Tatsache trete Leistung oder Nichtleiftung der Exekutive zurück. Wir müssen fortfahren, die Arbeit des Volkes zu starken und zu vermehren. Es folgte sodann das Referat Sprinzaks, der im Namen des Arbeiterdepariements das Schlußwort hielt. Er wies den Vorwurf zurück, daß man die Jemeniten oder eine andere Gruppe benachteiligt hätte. Er richtet einen Appell an alle Gruppen, sie mögen, . statt zu kritisieren, Mitarbeiten. Dann würden alle auf ihre Rechnung kommen. Präsident Mötzkin erklärte sodann um 10 Uhr 15 Min. die Sitzung für geschlossen und teilte mit, daß nach einer Pause von zehn Minuten die nächste Sitzung zwecks Erledigung des Absolut tor in ms stattsinden lverde. Nach Wiederaufnahme der Sitzung brachte zunächst der Vorsitzende des Parlamentsausschusses, Abgeordneter G o l dib e r g, folgende Resolution ein: „Der Kongreß drückt der Exekutive für die Führung der politischen Geschäfte die Anerkennung aus und verzeichnet mit Genugtuung die großen Fortschritte, welche die Bewegung durch Eröffnung der hebräischen Universität erfahren hat." Die Resolution wird in alle Sprachen des Kongresses übersetzt; es erregt große Heiterkeit, als einige Delegierte die Uobevsetzung auch in die deutsche Sprache nrgieren und der Präsident des Permanenzausschusses, Ab. G o l d b e r g (New-Iort) aus diese Urgeng erklärt, er 'habe die Resolution in deutscher Sprache verlesen. Sodann gibt Delegierter Dr. Bart h im Namen des M i s r a ch i eine Erklärung ab, daß seine Fraktion wegen fortwährender Verletzungen der Bestimmungen des Kongresses über die Einhaltung der religiösen Gebräuche bei den zionistischen Behörden und Aemtern sich der Abstimmung enthalte. Delegierter Katznelson gibt im Namen der Hitachduth, Delegierter Berl Locker im Namen der linken Poale Zion und Zeire Zion ebenfalls bekannt, daß diese Parteien sich bei der Abstimmung absentieren. Die Mikolasch>Liköre! feinst« Cremes und polnische Schnipse Stammhaus: Lemberg Zw«lfnl#dotlasgunp: K> Wien, XVIII., Staudgaese Nr. 13 Telephon Nr, 26-2.83 Deklaration der Poale Zion und Zeire Zion schließt mit einer Bertrauenskundgebung für Dr. Ruppln. Im Namen der Gruppe der radikalen Zionisten gibt Doktor Wald manu die Erklärung ab, welche wir bereits oben mitgeteilt haben. Sie wird vom Hause mit starker Unruhe aufgeuomntell. Delegierter Jabotiusky besteigt die Tribüne. Fm Hause entsteht großer Lärm. Pfuiruse werden laut, denen Beifall antwortet. Delegierter Schmarjahn Lew in stellt den Antrag, bei der Verlesung der Deklaration, ivelche Jabotiusky dem Hause vorlegen will, die Oe sf e n t l i chkc it ansz u s ch ließe u. Präsident Motzkin entscheidet gegen diesen Alttrag. Präsident Weizmann (zu Jabotiusky): In wessen Nameil sprechen Sie? Jabotiusky: Im Namen von vier Delegierten, darunter z w e i aus P a l ä st i n a. Jabotinsky verliest sodann eine Erklärung, in welcher er die Exekutive beschuldigt, daß sie die p <o 111 i sch e Pos ition d e s Z i o n i s >m n s g e s ch w ä ch t und cs zugelassen habe, daß das A n s e h tit de r O rg a n i sa t i o n v or Englan d und de in V ö l ke rbund ge schmä- Icr t lverde. Die Deklaration, die Jabotiusky sMst übersetzt, wird vom .Hanse mit vollständiger Ruhe ansgcnolilmen. Der Vorsitzende schvoitet zur Abstimmung. Sic erfolgt nicht namentlich, sondern als einfache Abstiliunnng, durch Aufheben der Hände mit roten Karten. Die Zählung der Stinnnen ergibt 137 Stimmen gegen 17 Stimmen der radikalen Grllppe für die Resolution des PermanenzallSschusses. Der Kongreß nimmt das Abstimmungsergebnis mit tosendem Beifall auf. Weizmann verlangt das Wort. Er besteigt langsam die Tribüne und gibt folgende Erklärung ab, die vonr Hause mit lautloser, gofpamtter Stille angehört wird: „Ich hlrbe die Abstimmung beobachtet und entsprechend gewertet. Ich bin denen zu Dank verpflichtet, die offen gegen mich gestimmt haben. Die Exekutive — und auch was mich anbetrifft — behält sich vor, Ihnen morgen zu erklären, ob sie in der Lage ist, auf Grund des eben gefaßten Beschlusses die Leitung der Geschäfte und die Aufbringung eines Budgets, das in der Höhe von 1 Million Pfftnd angefordert wird, auf sich zu nehmen." Die Sitzung wird hieraus geschlossen. Nächste Sitzung heute Donnerstag, 11 U-hr vormittags. Tagesordnung: Anträge der politischen Kommission über die Jewish Agency. ©ine Malozim-Abordnung bei Weizmann. Gegen 8 Uhr abends erschienen gestern etwa 306 Chat«- ziin, die in den letzten Tagen in Wien eingottoffen lvaren, im Konzerthaus und verlangten, von den Präsidenten Weizmann und Sokolow empfangen zu werden. Die jungen Leute führten Beschiverde darüber, daß sie durch das Wiener Palästinaamt und die Machlakath awodah keine Zertifikate erhalten. Es wurde eine z<chngliedvige Doputation gewählt, die Präsident Weizmann sofort empfing. Die Abordnung.bat ihn, sich dafür ein>zusetzen, daß die Chaluzim, die ihre letzten Mittel fast schon verbraucht haben, außertmdrliche Einreisezertifikate nach Palästina echalten, damit sie so rasch als möglich von Wien abroisen könnten. 27. Genevalversaunnlung des Jewish Colonial Trust. Gestern fand unter dem Vorsitz des Herrn Josef (5 o w e n die 27. ordentliche Generalversammlung des Jewish Colonial Trust statt, bei der 4327 zwanzig) Aktien vertreteir lvaren. Die Bilanz sowie Gewimr- und Verlustrechnungell lvurden e i n st i m m i g a n g e n o m m c «, ebenso erfolgte die Wiederwahl der im Turnus ausscheidenden Direktoren, der Herren ll s s i s ch k t n und Dr. Halpern. Rlmvoksührung anlWich de, Kongreffer. Uraufführung des Films „Herbert SamUel in Wien". Anläßlich des Zionistenkongresses gelangt im S chw a r z e,l b e r g? i n o (Schwarzeilbergplatz tt) he-ute den ^7. d., 10 Uhr abends, der neueste Paläsiinafttili solvie der Film zur Anfsührnmg, der anläßlich der Allwesenhcil Sir Herbert Samuels in Wien gedreht wurde. In den Pausen werden mehrere bedeutende Führer der zionistischen Weltbewegung, darimter Dr. Schmarjähu Le w i n, sprecheu. bi ä»8 sensationeUe i<onserv,LrunL8milte? wcIch e s das Brechen und Spr ngc n d9i Lackschuhe verli'ndert Zu haben in allen Scliuhgeschäüen u. Warenhäusern!