Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 7 (1925)
- Issue
- Heft 2339 (26.8.1925)
- Date
- 1925-08-26
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 2839 Wien, Mijl'woch L & C HARDTMUTH’S KOH-I-NOOR BLEISTIFTE ZEICHEN- BND FARBSTIFTE ANERKANNT UNERREICHTE FABRIKATE ZU HABEN IN ALLEN BESSEREN PAPIERHANDLUNGEN 150 Wiener Morgenzeitung Honftitni Der SiorMa-RevIslorMen. Montag abends fand die Eröffnungssitzung der Konferenz der Zionisten-Revistonisten statt, an der die Mitglieder des Zentralkomitees der Kongreßfraktion sowie Vertreter angeschloffener Ortsgruppen teilnehmen. Nach de, Begrüßung der Anwesenden durch den Vorsitzenden der Wiener Gruppe, Dr. N. Hoffman«, ergriff das Wort der Präsident des Zentralkomitees Wladimir Jabotinsky. Während die revisionistische Ideologie in immer breitere Kreise dringt, die sich somit auf den Boden unserer Bewegung stellen, ist unsere o r g a n i st ische Zusammenfassung erst in ihren Anfängen begriffen. Abgesehen von den einzelnen Organisationszellen in Berlin, Riga, Paris und Wien erfolgte die eigentliche Konstituierung erst Ende April 1925 auf der Pariser Konferenz. In diesem Zusammenhänge erscheint die knappe Zahl von Kongreßdelegierten, die die Organisation durchführen konnte, ganz natürlich. Es ist bemerkenswert, daß von den vier Mitgliedern der Kongreßfraktion einer in P a l ä st i n a und die übrigen durch das sephardische Judentum gewählt sind. Ein Wahlresultat ist besonders hervorzuheben: Wladimir Tiomkin, die lebende Geschichte des Zionismus, Teilnehmer an zwölf Aktionskomitees und dreizehn Kongressen, ist in Paris gewählt, jedoch zum Kongreß nicht zugelassen worden. Die Aufgabe der nächsten Monate ist die der Organisation. Ist die Organisation erst ausgestaltet, dann werden wir mit größter Energie an die positive Aufbauarbeit in Palästina heranreten. Zu Ostern 1926 hofft das Zentralkomitee, eine neue Konferenz der erstarkten Union nach Gens zu berufen. Diesem Referate Jabotinskys folgten die Länderberichte. Dr. Lifschütz berichtete über die Erfolge der Propaganda in Palästina. Herr G r o ß m a n n (London) über Anknüpfung neuer politischer Verbindungen unter den englischen Parlamentariern, die der englischen Ortsgruppe gelungen sind. Dr. Hoffmann (Riga) über die Entwicklung des Revisionismus in Lettland. Herr Rekanati (Saloniki) und Dr. Pollak (Sarajevo) betonen die Sympathien, welche der Revisionismus in allen Schichten der sephardisch-en Judenheit wachruft, Ing. Klinon (Deutschland) und Dr. Me sang (Bulgarien) referieren über die Arbeit in ihren Ländern. 26. August 1965 Seite 6 Mikolasch-Liköre! («inst« Crtmii und polnisch* Schnips* Stammhaus: Lemberg Zweigniederlassung; 15 WIM, XVIIf., Sisudgasse Nr. 13 Telephon Nr. 28*249 Welt nur die Mängel sieht (die wir selbst weitaus schär fer sehen), daß sie vom Bodenwucher und von inneren Kämpfen spricht, von Erscheinungen selbstverständlichster Art, und daß sie immer mit warnendem Finger auf die arabische Mehrheit hinweist — .das kann uns nicht irre machen. Wir haben gewußt, daß unsere Ar beit fast über unsere Kräfte geht. Wir wissen aber auch, daß wir doch an positiven Werten einiges erzeugt haben, das sich neben den, sagen wir, Hammerbrotwerken noch sehen lassen kann, wir wissen, daß die Elektrifizierung des Landes durch die Ruthenberg-Jnstitute, die Legung von Telephonlinien und von Chausseen, die Entsumpfungen, doch auch dann große Kulturleistungen wären, wenn sie etwa die Stadt Wien aus den Steuergeldern gezahlt hätte. Wir haben sie aber nicht aus Steuergeldern gezahlt, sondern aus bitter herangeholten freiwilligen Beiträgen; der jüdische Mittelstand, den die Sozialdemokratie nur bei Wahlen bemerkt, und der jüdische Arbeiter, den sie überhaupt nicht bemerkt, haben gemeinsam gewirkt. Unsere Cha luzim, denen die Sozialdemokratie weiß Gott nichts Aehnliches an die Seite stellen kann, diese Studenten und Studentinnen, sind in die Malariasümpfe gegangen, in die felsigen Gebirge und in die Dünen. Ihr Unterhalt wurde kärglich, sogar weniger als kärglich, aus dem zionistischen Budget bestritten Wäre nicht das eine, so wäre auch nicht das andere. Und die Wiener Sozialdemokratie, die sich einen sehr umfangreichen kapitalistisch angelegten Apparat aus den Geldern aller geschaffen hat, hat kein Recht zu hämischen Vergleichen. Daß sie von der Utopie nicht abkommen will, ist angesichts der Tatsachen, der Arbeitsresultate und des Völkevbnndmandates eine Lächerlichkeit. Uns als reaktionär zu verschimpfen, uns, die Objekte der Reaktion, die in Palästina mit dem Bau einer Universität begonnen haben, ist eine durch nichts gerechtfertigte Ueberheblichkeit, die zur Bosheit wird, wenn mau an die Severschen Ausweisungsplakate denkt, an die feige Art, mit der der jüdische Student an den Hochschulen Oesterreichs in dein Kampf gegen den akademischen Terror im Stich gelassen wurde. Wir wissen auch sehr wohl, daß das jüdische Problem in seiner Gänze, die Lebensfrage eines 15-Millionen-Bolkes durch den Zionismus nicht endgültig gelöst werden kann. Auch der Bestand einer freien, jüdischen Siedelung in Palästina wird dieses Problem nicht beseitigen, ihm aber einen anderen Inhalt geben. Er wird es mildern. Die deutschen Siedlungen in Amerika, in der Tschechoslowakei und wo immer hängen doch mit dem Muttervolk zusammen, empfangen von ihm kulturelle und nationale Energie. Das Judentum bekommt wieder ein freilich ziffernmäßig eingeschränktes Zentrum. Das wird das Bild des jüdischen Lebens anders, gesünder formen. Das alles wird nicht von heute aus morgen geschehen, sondern in einer langsamen, sich logisch vollziehenden Evolution, die aber »durch uns, durch das Judentum, bestimmt wird. Wir sorgen selbst um uns und wir vertrauen unser Schicksal keiner anderen, uns fremden Stelle an, keiner Nation, in der wir untergehen sollen, keiner Partei, die uns zum nationalen Selbstmord veranlassen will. Wenn man wlll, kann man das Utopie und Reaktion nennen. Wir bleiben dabei und wir wenden uns durch den Kongreß, die höchste Instanz im Judentum, an die jüdische Welt, an jeden, der da will, daß seine Kinder zur vollen Freiheit des Handelns und des Willens gelangen. Wir wissen, daß die Ehre des Judentums engagiert ist, dem wir, ider Zionismus, die politische b tvis” / u - Voraussetzung gebracht haben. Den wirtschaftlichen und sLaktlickes Studenten wird etn gesellsozialen Bau hat die jüdische Gemeinschaft zu sichern, verkität^ a« Je ' ^CntIum ict Studenten der Uni- Spenden für den Ban des Hauses sind an die Unterzeichneten oder an die Anglo-Austrian-Bank, Niederlassung Wien, Konto 18.501, einznsenden. Albert Einstein, Berlin, Präsident; Ch. N. Bialik, Tcl-Awiw, H. P. C h a j e s, Wien, S. D u b n o w, Berlin, S. F r e u d, Wien, M. L i e b e r m a n n, Berlin, M. S ch o r r, Warschau, Vizepräsidenteu; L. Steinig, Wien, Generalsekretär; Z. Lauterpacht, London, Vorsitzender des Weltverbandes der jüdischen Studentenschaft. Pelzwnren / Fürs / Fonrrures Hauies Noaveautds Moriz FLEISCHMANN WIEN, L, GRABEN 28 Telephon-Nummer 68-4-79 5 Sie SrsanMung des sephardischen Judentums. Ein Gespräch mit David Alkalai, Präsidenten der Zionistischen Organisation Jugoslawiens. Das sephardische Judentum nimmt die zionistische Idee mit der größten Selbstverständlichkeit in sich auf, da bei ihn: eine assimilatorische Ideologie überhaupt nicht besteht. Der politische Zionismus ist auch bei den Schchardim, wie bei allen Juden der Welt, der zur Auswirkung gelangte Wunsch nach Rückkehr ins alte Heimatland. Die Sehnsucht nach der Wiedergeburt des jüdischen Volkes bei den Sephardim läßt sich sehr gut in meiner eigenen Familie illustrieren. Mein Großonkel, RaM Jehuda Mai Alkalai, Rabbiner in Semlin, war schon 1840 Zionist und ist der Verfasser eines in Belgrad erschienenen zionistis ch e n W e r k e s in hebräischer Sprache, „Gural l'Adonai.". Mein Vater, Moses de Alkalai, Chacham und Prediger in der sephardischen Gemeinde in Wien, war einer der Begründer und geistigen Förderer des ersten nativnaljüdiischen Studentenvereines K a d i m a h in Wien, der schon vor Herzls Auftreten bestand. Bei der von diesem Verein veranstalteten ersten Maökabäerfeier im Jahre 1884 hielt wein Vater die Festrede in hebräischer Sprache; das war wohl die erste öffentliche hebräische Rede, die seit langer, langer Zeit in einer westeuropäischen Stadt gehalten wurde. Mein Vater war, wie es sich damals von selbst verstand, der Zielpunkt der Gehässigkeit von seiten: der damals allgewaltigen Assimilationsvertretex. Nach einem kurzen Referate von Professor Brutzk u s, der die programmatische Klarheit und Konsequenz d«es Revisionismus mit denselben Eigenschaften des Herzlianischen Gedankens vergleicht und ihm den gleichen mühelosen Sieg über das verworrene Programm der Gegner prophezeit, sprach abermals Jabotinsky. Er wendet sich gegen die schädliche Identifizierung von Bewegungen mit Personen, die sowohl bei der Beurteilung der Mehrheit als auch bei der des Revisionismus ganz unberechtigterweise gepflogen wird. In der nächsten Sitzung der Konferenz, die heute um 8 Uhr abends stattfindet, wird über das ökonomische Programm des Revisionismus von Professor Brutzkus und Rechtsanwalt Iewserow referiert werden. Bauet das Milche Studenteuhaus dek der Jerusalemer UuiversttSt. Der Weltverband der jüdischen Studentenschaft geht daran, am Olivenberge in Jerusalem das „Haus des jüdischeil Studenten" zu bauen. Die jüdische Studentenschaft der ganzen Welt wN in der Nähe der Jerusalemer Universität ein Studentenhaus errichten, das die Aufgaben der Universität erleichtern und ein vielversprechender Sammelpunkt der jüdischen Studenten und Akademiker inner- und außerhalb Palästinas werden $ , * MM Moses de Alkalai, früher OhaciUam uod Prediger: sephardisohen Gemeinde in Wien. der Der Zionismus, der ihn bisher geleitet hat, wird nicht versagen und keine Verantwortung von sich auf andere überwälzen. Wer Mitarbeiten will, möge nur kommen und uns helfen, das neidische Wort von der reaktionären Utopie zu zerschlagen. Wer uns beschimpft, mag es zu Hause besser machen. Wir lernen gerne. Poale gionund zekre zioo. Die Fusion. Nach zehntäg'gen Verhandlungen wurde am 21 d. 'Sie Bereinigung der zionistisch-sozialiistischen Arbeiterparteien Poale Zion und Zerre Zion formell proklamiert. Der ineue Verband wird den folgenden Namen führen: „All- «iveltlicher jüdischer sozialistischer Arbeiterverband Poale Zion". Vertreter ariderer Jngerldverbände, wie Haschomt Hazair in Rußland, Dror in Polen und andere mehr haben ihren Anschluß an die neue Organisation erklärt. versität zu Jerusalem sein. Ihre Klubs, ihre wissenschaftlichen Vereine, ihre Bersammlungs-, Speise- und Leseraume werden dort untergebracht werden. Das „Haus" — es wird 150 Wohnraume haben wird den Studenten, Akademikern und Professoren Aufenthalt bieten, die, aus der Galuth kommend, sich vorübergehend in Palästina aushalten werden, um sich an den Arbeiten der Universität ju beteiligen oder ihre Einrichtungen und ihre Studenten kennen zu lernen. Das „Haus" wird das Hauptburean und das Generalsekretariat des Weltverbandes der jüdischen Studentenschaft beherbergen. Wir wenden uns an die Freunde der jüdsschen Jugend und der jüdischen Universität, diesem Werke ihre tättge Sympathie zu beweisen. Viele Studentenhäuser in den Ländern der Zerstreuung sitzd von jüdischem Geld und von jüdischer Arbeit errichtet würden. Wir vertrauen darauf, daß die Freunde der jüdischen Universität und die Gönner der'jüdischen Jugend ihr dazu verhelfen werden, um i h r Hans zu erbauen, ihr Haus bei der ersten Universität der jüdischen Renaiffamße. Unter den Begrüßungen des ersten Zionistenkongresses in Basel befand sich auch ein Begrüßungsschreiben von dem lange vor dem Auftreten Herzls bestehenden Zionsberein in Belgrad, der mich auch als Delegierten zum Kongreß entsendet hatte. Merdings hat vor uns nach dem Auftreten Theodor Herzls nur der sephardische Balkan tätigen Anteil an der zionistischeu Bewegung genommen, tvährend die Sephardim der asiatischen Länder in ihrer seit Jahrhunderten bestehenden Passivität bis auf den heutigen Tag verharrten. Hin auch diesen Teil des -Weltjudentums zur Mitarbeit heranzuziehen und ihn in nationaler, kultureller nnd religiöser Beziehung den Aufgaben der jüdischen Renaissance gewachsen zu machen, hat sich aus Anregung des Rabbi Ben-Zion IT f t e X in Palästina und des Herausgebers der palästinensischen Tageszeitung,, Doar Hajom", El Maloch, ein Komitee gebildet, das alle Sephardim in einer sephardischen Anio n zu vereinigen beschloß und, von U s s i s ch k i n moralisch unterstützt, die Konferenz der Sephard i m anregte, die in der vorigen Woche in Wien getagt hat. Diese Konferenz ist eine der erfreulichsten Erscheinungen des sephardischen Judentums. Ein organisiertes sephavdisches Judentum kann für den Aufbau Palästinas von großer Bedeutung werden. Delegierte der Konferenz tvaren alle sephardischen Delegierten zum Zionistenkongreß (es fhvb ihrer zwölf), außerdem entfielen auf öie, Gemeinden und jüdischem Korporationen auf je 200 ihrer'-Mitglieder -ein Delegierter; -zürn Präsidenten der Konferenz-wurde Herr Mosche.Pjp cioto ge wächst. der ans Manchester stammt und in Ereß