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Wiener Morgenzeitung · 1925-08-26 · Heft 2339 (26.8.1925) · p. Seite 4

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
7 (1925)
Issue
Heft 2339 (26.8.1925)
Date
1925-08-26
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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Feile 4 Wiener Morftenzeitung 26. August 1966 0fr. 3SSS lxnrdlungcn gebliedon ist, die in durchaus konziliantem Tune «rvstilnt loerden. Die vom Perntanenzausschuh eingesetzt.'« Komnnssio nen haben mit ihrer Tätigkeit bereits begonnen und sind konstituiert. Znm Obmann -er politischen Ko mm i s s i o n wurde Herr Morris R o t t e n b e r g sAmcrika), zum Obmaann der B u dg e t k o m nt t ff i o n Herr Imanuel N e tv m a n (Ameriika) und znm Obmann der Organisationskomnüssion proviisori-sch Herr Kurt B l n m e n f e l d ('Deutschland) gewählt. In den Kompetenzbereich der Politischen Kommission durften außer den allgemeinen einschlägigen Problemen auch die Fragen der Krtmkvlonisation und der Verhandlungen mit der Agudalf fallen. Vom Komplex der Organisationsfragen steht jetzt diejenige über die Erteilung, des Absolutormms au die abiretenhe Exekutive im Mittelpunkt des Interesses. Das Aktionskontitee hat kürzlich in einem Beschlüsse festgestell, daß diese Forntalität eigentlich überflüssig ist, uitb auch Mitglieder der Exekutive stellteit sich auf den Standpunkt, daß die Frage des B e r t r a u c n s oder Mißtrauens bei der Neuwahl zur Genüge znm Ausdrucke gelangt. Falls die Fraktiottett des Plenums aus der Beibehaltung des Usus der Absolutoriumserteilung nicht beharret: tverden, dürfte von dieser Forntalität Abstand genommen werden. Auch die Frage des Berhältttisses der Exekutive zum Waad Leumi sowie die Fragen der Uebersiedlung der Exekutive nach P a l ä st i n a nehmen einen sehr breiten Raum in den Verhandlungen ein. Die eigentliche Frage des Kongresses bildet jedoch die Festlegung der Prinzipien urrstres K o l o n i sa t i o n s w c r k e s. Vier Unterartsschüsse behandeln gesondert die Probleme der städtischen, landwirtschaftlichen Kolonisation, der Arbcitsregulierung und der Sanitätsverhältnisse. Nachdem in die^rt. Unterausschüssen die theoretische Stellungnahme zu diesen Fragenkomplexen fostgelogt werdet: dürfte, wird dieBudgetf o m m i | f t o n deren Anteile an unserett Ausgabenetat festlegen. Doch scheint es, daß die erbitterten theoretischen Kämpfe, welche sich in der Frage „Stadt oder Dorf", „Cha- TttjUtt oder Mittelstand" ädfvielen, feinen besonderen Anktang bei der Festlegung des Budgets find.'.r lverden. Dieses wird nämlich durch .das einmütige Bestreben aller Gruppen, die gegenwärtig bestehettden, ivemt auch wirtschaftlich attgezweifelten Sredlungseircheiten durch eine cintnalige Zttwendung zu konsolidieren, beherrscht werden. Ta die Summen, welche uns zur Verfügung steherr, sehr begrenzt sind, wird wohl über , diese eimnalige Subventioniermtg der existievendert landwirtschaftlichen Arbeitersiedlungen hinaus keine nennenswerte Möglichkeit bostehen, ändere Wirtschaftstypen zu sinattgieren. . Die Frage der Jewish Agency wird zunächst in gemeinsamen Beratungett-^r-Politischen Kommission mit dem Permanenzausschuß eingehend erörtert werden, um dann zur endgültigen Stelltingnahnte der Pevmanen^kontmission vorgelegt zu werden. Sehr behütend dürste sich diese Streitfrage nicht gestalten, da auf dem Boden der Erkläruttgen Dr. W eiz ma u ns ' in der letzten Aktionskomiteesitzung in London eine wesentliche Einigung der maßgebenden Gruppen erzielt worden ist und die Majoriät in dieser Hinsicht außer Frage steht. ' Wichtig jedoch ist, zu beachten,- daß die Annahme des Iewifh-Agency-Projektes eine Conditio sine qua nön unserer Führer darstellt und unbedingt pvsitiv erledigt werden muß, will man auf die leitende Mitarbeit von Professor We izman-n nicht verzichten. Zum Schluffe möchte ich mich j-tt einer bedauerlichen Verwechslung von Wirtschafis Methoden mit 'der politischen Ei n stellung äußern, die vor allem in den Arbeitergruppen um sich gegriGen hat. Die Frag« der Konzentration der Zu den in derStadt oder auf d e nt Lande ist selbstredend nur vom Standpunkte der wirtschaftlichen' Zweckmäßigkeit und keineswegs vom Standpunkte einer rechts- oder linksorientierten Politik zu behandeln. Wenn gewisse Kreise in meiner Wahl znm Obmanne des' Permänenzaüsschusses eine Re ch t s o r i e n t i e r n n g der Mehrheit erblicken, so ist dies absolut unzutreffend. Ich persönlich, der ich für eine gleichberechtigte Rücksichtnahme der städtischen Interessen nvben den landwirtschaftlichen eintrete, stehe zum Beispiel auf einen sozialreformerischen Standpunkte, trete in der Regel für den Schutz der berechtigten Arberterinterressen ein. Bon einer arbeiterfeindlichen Stellungnahme meinerseits kann um so weniger die Rede sein, als ich. zum Beispiel vor 25 Jahren die poale^ionistische Partei Amerikas gegründet habe. Die Frage der Förderung der städtischen .Kolonisation ist lediglich eirte solche der Ermöglichung eines schnellerern Tempos unserer Kolonisation, jedoch weit davon entfernt, ott Stelle der landwirtschaftlichen Ansiedlung zu treten. * Das Debrecziner -chachl«ruier. Güstern mürben die Hängepartien erledigt. Die Partien Grünseid —Johner sowie Bukovkc—Steiner endeten remis. Nachtrag zu den vorgestrigen Spielen: Asztalos - Mattison sowie Grünfeld-Dr. Nagy remis. In der ersten Gruppe des HauptturnierS errang sich Müller (Oesterreich) über Höhnltnger den Meistertitel. Gestern war et» Ruhetag; heute tvird die letzte Runde absolviert. mm, J. KREPPEI JUDEN UND JUDENTUM VON HEUTE 912 Seiten Gnmoktav mit 200 Porträts Geheftet $42.50 / Ganzleinen 5 51.- * Ein Handbuch von Weltbedeutung! * Zum ersten Male ein großangelegtes Werk, das in rein sachlicher Darstellung: ein alle Lebensgebiete umfassendes Bild des zeitgenössischen Judentums aufzeigt. Der Verfasser blickt auf eine 30jährige publizistische Tätigkeit zurück, hat wiederholt jüdische Zeitungen in hebräischer, jiddischer und deutscher Sprache geleitet und am politischen Leben der Juden aktiven und führenden Anteil genommen. Cr kennt somit wie kaum ein zweiter alle erdenklichen Seiten des Problems aus eigener Anschauung und darf beanspruchen, im Streit der Meinungen über diesen aktuellsten aller Gegenstände als Autorität gehört zu werden. Wer immer sich in Hinkunft mit dem weltumfassenden Problem des Judentums als Freund oder Feind auseinandersetzen will, mos* dieses Werk befragen AMALTHEA-VERLAG, WIEN III. Zu beziehen durch: Kongressbuchhandhmg (Wiener Konzerthaus) und durch jede gute Buchhandlung - cos Empfang des Kongresse« durch die Wiener Knliirsgemeinde. Gestern abends lud das Präsidium der Wiener Kulmsgemeinde den Kongreß zu Gaste: In den reich dekorierten Räumen des Präsidiums im AmtsHause iu der Seitenstettengasse hatten sich etwa 200 Personen, die führenden Persönlichkeiten des Wiener jüdischen Lebens, eingefunden. Die meisten Mitglieder des. Vorstandes der Kultusgemeinde waren zugegen; unter den Erschienenen bemerkte man weiters-die meisten Gemeinderabbiner Wiens, ferner Genteinderat Dr. Leopold Plaschkes, Vorstandsmitglied Doktor Desider Friedmann, Chefredakteur Julius Löwy („Wr. Morgenzeitung") und viele andere. Etwa fünfzig Delegierte des Kongresses, an der Spitze. dessen Präsidium, hatten der Einladung Folge geleistet. Man sah unter anderen den Präsidenten des großen Aktionskomitees, Oberra.bbiner Dr. C h. a j e s, Rabbi Uriel (Jaffa), Ussischkin, Sejmdeputierten Dr. Leon Reich, Senator D'r. Roten st reich, den Vizepräsidenten der Berliner jüdischen Gemeinde Dr. Klee, Maler Hermann Struck, Dr. Sammh Gronentönit, Dr. Vierer (Czernowitz), Generalsekretär der Exekutive Israel Cohen. Um 10 Uhr abends erschienen der Präsident der Zionistischen Weltorganisation Professor Weizmann mit den Mitgliedern der Exekutive, Nahum S o k o l o w, Dr. Halpern und Dr. Feiwel und wurden am Stiegenaufgang vom Präsidenten der Kültusgemeinde, Profesior Dr. Pick und dem Vizepräsidenten Doktor Löwenherz empfangen. Präsident Pick begrüßte die Gäste mit einer Ansprache, in der er sie als Brüder auf dem Boden der Wiener jüdischen Gemeinde herzlich willkommen hieß und sodann die Leistungen der Wiener Juden für Palästinaaufbauzwecke hervorhob. Präsident Weizmann antwortete mit einer kurzen Rede, in der er dafür dankte, daß sich auch in den Kreisen der jüdischen Gemeinde ein so starkes Interesse für das Palästinawerk zeige; er gab der Hoffnung Ausdruck, daß die Zeit nicht mehr fern sei, wo das ganze Judentum in voller Einmütigkeit a m A u f b a u Ere. z Israels arbeiten werde. Der Präsident der Zionistischen Exekutive Nahum Sokolow erinnerte in einer Ansprache an die großen jüdischen Traditionen Wiemtz trnd sprach der gesamten Wiener Judenschaft für die gastliche Aufnahme des Kongresses herzlichen Dank aus, wobei er Herzls Wort, daß die jüdischen Gemeinden erobert iverden müssen, als Symbol einträchtiger Zusammenarbeit zitierte. An die Ansprachen schloß sich ein künstlerischer Teil; die Darbietungen fanden bei den Erschienenen beifälligste Aufnahme. Reaktion und Utopie. —y. Wien, 26. August.: Alls dem Karlsbader Kongreß hatte die Frage der Heranziehung der Nichtziottiften zu der im Mattdat normierten jüdischen Bertretnng die wichtigste Rolle gespielt. Hitzige Debatten drehten sfch um diese Angelegenheit. Auch der jetzige Kongreß steht zu einem guten Teil unter .diesem Druck, zumal Präsident Weizmann tu seinem politischen Referat und dann in seiner Debatte rode erklärte, daß der Koitgreß ein klares Wort zu sprechen haben werde. Aber die Bedeutung dieser Frage verliert sich, wenn man sie näher betrachtet. Dem Kongreß liegen die Beschlüsse ,des Aktionskomitees in seiner Londoner Sitzung vor, die die Integrität des Artikels 4 des Mandates jedem Angriff entzieheit. Die Erweiterung der jüdischen Vertretung soll durch einen Beirat in der wiederholt mitgeteilten Zusammensetzung geschehen, dessen Statut für die ttächsten zwei Jahre provisorischen Charakter hätte, also ungefähr vom nächsten Kongreß zu prüfen wäre. Der Kongreß kann diesen Vorschlägen beitreten oder er kann sie verwerfen. Aber er hat naturgemäß auf die Auswahl der Nichtzionistischen Vertreter keine Jngerenz und er kann nur gewisse Richtlinien, ziehen, die sich aus der Natur der Sache ergeben. Fiir ihn bleibt die Basis der Arbeit fein Programm und der Mandatstext, und wenn jemand Mitwirken will, so ist es doch nur selbstverständlich, daß er das Mandat und seinen Zweck anerkennt. In dieser Voraussetzung kann (und wird) der Kongreß die Vorschläge annehmen, wenn darüber vollste Sicherheit besteht, daß die andere Seite, die Sokolow damals in Karlsbad die Heranzionisten genannt hat, auch tatsächlich mitgehen will. Darüber besteht nun keine volle Klarheit und dies Macht dem Kongreß die Sache so schwer. Wenn seine Beschlüsse ins Leere ge-hen, so würde er in zwei Jahren zu konstatieren haben, daß wertvolle politische Arbeit vertan wurde. Aber die Arbeit in Palästina tvürde sehr stark leiden, wenn sie in einent Zustand der Unsicherheit geschieht. Die Budgetkraft der Zionistischen Organisation bleibt hinter den Forderungen der (Änwanderung weit zurück. Es ist nun sicher, daß eine umfassende nationale Propaganda diesen Mangel beheben kann. Mer sie könnte sich nicht voll auswirken, insolange der zukünftige Beirat der jüdischen Vertretung nicht definitiv gebildet oder — definitiv gescheitert ist. Das Aufbauwerk in Palästina ist, wenigstens für den Augenblick, ans der Sphäre der politischeir Särge herausgetreten. Wir haben sicherlich viel Grund zu angespanntester Aufnterksamkeit und es. ist noch zu wenig gewürdigt worden, daß kein einziger Debatteredner auf dem Kongreß die Beschlverden unterdrückt hat, die sich nicht gegen Details der Verlvaltung, sondern gegen ihren Geist richten. Aber das Entscheidende liegt doch beim Judentum und immer wieder steht die Forderung „Menschen und Geld" vor uns. Das ist nicht so aufzusassen, daß die Zionisten in der Galuch das Geld geben und die Arbeiter in Palästina dieses Geld in Werte umwandeln. Die Wiener „Arbeiter-Zeitung" sieht sich das Problem von diesem sehr bequenten Gesichtspunkt aus an, zu ideni Zwecke natürlich, die große nationale und geistige Bewegung, die sich in kein europäisches Gewoh'nheitsschema einordnen läßt, vor dem freiheitlichen Proletariat zu vernadern. Die Frage darf niemals in dieser Form gestellt werden. Palästina gehört dein ganzen jüdischen Volk. Jeder Jude hat Anrecht aus das Land und Weizmartn, Sokolow und Ussischkin haben, als sie vor den: Pölkerbund und vor der Friedeitskonferenz ständen, weder an Kapitalisntus noch an Sozialismus gedacht, sondern an das leidendlüdische Volk, das bisher eine seiner Art entsprechende soziale Konstruktim noch gar nicht besitzt, sondern sie erst schafft. Wenn Menschen urtd Geld gefordert werden, wenn das jüdische Volk beide stellen muß, so kann es sich nur darum handeln, durch das Geld die Menscheu zur produktiven Siedelung zu führen und dem Volk eine politisch sichere Zukunft zu schaffen. Es ist uns wohl bekannt und das sozialdemokratische Zentralorgan mtlß uns das nicht vorrechnen, daß Palästina keine 1b Millionen Menschen aufnehmen kann. Wir umssen aber in Palästina, einen jüdischen, politisch und ttational freien Kristallisationskern schaffen, wir muffen dort di-- Fundamente unserer nationalen Existenz neu legen, wir müssen einen Ort auf der Welt haben, auf dem sich unser Volk zu neuem Leben sammeln kann. Daß unsere antisemitisch verseuchte und vorurteilsbefangene Um- Basar des Keren Kaiemeld Kursalon. Stadtpark (Marmarfaay Kein «oasumivangl Kein Konsumzwang!

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