Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 7 (1925)
- Issue
- Heft 2339 (26.8.1925)
- Date
- 1925-08-26
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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V Nr. 2839 Wien, Mittwoch Miener Moraenzeitung 26. Muguft^lMS Seite 3 8 i i « . PHYSIKAL.-DIATETISCHP. HEILANSTALT I. RANGES EINGELEITETE SCHWEPRLaUELLeNBAOER »19 Baden b.Wlen Ich wollte und will nicht polemisieren. Ich muß «Oer noch auf die Rede Strickers ringehen, die ich allerdings nicht gehört habe und wobei ich nur auf Notizen angewiesen bin. Herr Stricker sprach von einer Vernachlässigung des Aktionskomitees seitens der Exekutive. Ich glaube, daß alles geschehen -ist, das Aktionskomitee so oft als möglich einzuberufen. Mau kann es aber erst einberufen, wenn die Mitglieder der Exekutive, die, ohne es zu wollen, gezwungen sind, so häufig Reisen zu unternehmen, von ihren Reisen wieder nach London kommen, und dann entsteht auch wieder die Frage, ob die Zeit den in den verschiedensten Ländern wohnenden Aktionskonlitee-Mitgliedern Paßt. Das Aktionskomitee wird auch nicht vor fertige Tatsachen gestellt. Auch nicht in der Frage der Jewish Agency. Der Beschluß des Aktionskomitees wurde ohne jeden Zwang und nur aus Grund einer freien Diskussion gefällt. Das Material wird dem Kongreß vorgelegt werden, und die wichtige Frage, wie der Kongreß zu erÄscheiden haben wird, hat ihre Basis in einem rechtskräftigen .Beschluß einer richtigen Aktionskomitecsitznng.. Die hebräische Universität ist eine große Sache, in moralisch-nationaler Beziehung sowie in politischer Erziehung. Aber für die Frage der Lehr-und Lernfreiheit ist in diesem Mischmasch oder in dieser Enzyklopädie der Generaldebatte nicht der Ort. Gewiß ist es am leichtesten, alles allein zu machen; aber wir haben nicht die Mittel, die Universität mit eigenen Kräften aufbauen zu können. Wir müssen an das ganze jüdische Volk appellieren. (Großer Beifall.) Daraus ergeben sich a!öer gewisse Folgen. Wenn aber Stricker die Befürchtung hegt, daß damit eine Verwässerung des Zionismus herbeigeführt wird, so kann ich nur entgegnen: nicht wir brauchen uns zu fürchten daß der Zionismus verwässert wird, die anderen sollen fürchten, daß die Assimilation verwässert wird. Ich suche jetzt assimilatorische Juden, aber ich kann sie schwer finden. Wir werden sie aber finden, und dann sollen die anderen Angst haben und nicht wir. Die anderen sollen können und sollen hereinroden, aber ihre Einwendungen werden hinfällig grmrcht, nicht durch unsere Argumente, denn wir haben mehr als das, wir haben Erez Israel, hrir haben das Leben. Das Volk steht hinter uns. Ich habe keine Angst vor der Agency, aber Angst vor der Zionistischen Organisation. Ich will das Paradoxon erklären: Die gvoßen feierlichen Momente werden die anderen immer zu uns führen. So lwar es auch stets bisher. Aber vor dem Alltag habe ich Angst, wo nran sich gelangweilt angilotzt. Vor dieser Langeweile vor uns selbst, wenn es keine Sensationen gibt.; Das soll ein Afporn Ar die Zionistische Organisation sein, mehr Energie zu! entwickeln. Aufgabe des Kongresses ist es, nicht Phrasen und Polemik zu entwickeln, sondern Aufschwung, Erweiterung des Rahmens und Bereicherung des Budgets. Der Kongreß soll ein Kongreß der Alijah werden, nicht nur tut Sinne der Einwanderung, sondern auch der Alifah im Sinne des Aufschwunges der zionWschen Idee. (Der Kongreß erhebt sich und bringt Sokölow minutenlange stürmische Ovationen dar.) Starken Eindruck machte die -den Abschluß der heutigen Sitzung bildende Rebe Dr. Ruppins, deren Schlußerklärung wir an anderer Sielte veröffentlichen. Dr. RuPPin führte aus: Dr. Weizmaun hat den Kongreß daran erinnert, daß in Palästina 600.000 bis 700.000 Araber leben. Wir sollten dies wissen und die Konsequenzen verstehen. Wir sind auf ein friedliches und freundschaftliches Verhältnis Alt den Arabern angewiesen. Palästina wird ein Zweinationalitätenstaat sein. Es ist vielleicht für manchen nicht angenehm, aber eine Tatsache. Wir nrüssen also stets auf die. Lebensnotwendigkert der anderen achten. Es ist aber die Möglichkeit gegeben, 'rin Gemeinwesen zu schaffen, in denr beide Völker ohne Vorherrschaft des einen und ohne Bedrückung des anderen in voller Gleichberechtigung zum Wöhle des Landes arbeiten. Wir müssen ixmcvnb danach streben, zu diesem friedlichen Zusammenleben zu gelangen. Es ist ein klares Programm notwendig, damit auf allen Gebieten des Lebens die Rechte abgewogen sind. Ich verlange vom Kongreß, daß er eine ständige Kommission zum Studium dieser Frage einsetzt, damit aus dom nächsten Kongreß eine klare Plattform gegeben ist. Diese Kommission hat nicht nur nach der arckeren Seite hin aufklarend zu wirken, sondern auch unter uns selbst. In den wirtschaftlichen Fragen sind viele Mißverständnisse nur dadurch möglich geworden, daß sowohl Rechte wie Linke sehr häufig ein „und" der anderen Seite als ein „oder" aufassen. Die einen sagen Landwirtschaft und Industrie, die anderen Industrie und Landwirtschaft. Die anderen hören nur Landwirtschaft, die anderen nur Industrie. Qualität der Einwanderer ist bei mir nicht nur moralische Qualität, sondern daß diese Leute in dem Wirtschaftsloben Palästinas produktiv tätig sind. Wir legen bei Beurteilung der allgemeinen wirtschaftlichen Entwicklung Palästinas einen falschen Maßstab an. Unwillkürlich und unbewußt ivenden wir die Grundsätze der privaten Wirtschaft ans die nationale an. Das ist die Ursache vieler schiefer Einstellungen. In Palästina kann von einen: nationalen Gewinn nur dann gesprochen werden, wenn >das nationale Vermögen gemehrt wird und der Kreis der Güter, der allen Juden zur Verfügung steht. Nicht joder, der in Europa existiert, ist auch in Palästina wertvoll. Ich leugne nicht, daß ich düs Bestreben habe, in Palästina Ar bessere soziale Lebensformen zu sorgen, als die Formen in Europa sind. Es ist die Wurzel unserer Kraft, daß wir hoffen, in Palästina etwas Reineres, Schöneres aufzubauen als in Europa. Wir sind aber weit entfernt davon, soziale Utopien verwirklichen zu wollen. Wir wollen «richt Europa nachHnVr. In keinem Lande der Welt ist es möglich, daß Arbeitgeber und Arbeiter so zusammen sitzen, wo die eine Seite die Bedürfnisse der anderen versteht. Aus dem freien Willen der Arhettgsberr und SGri-tn-ehmer ist ein Arbsitsgesetz geschaffen worden, was in keinem Lande der Welt der Fall ist, wo überall Arbeitsgosetze nur -durch Zwang und Eingriff der Regierung zustande kommen. Unser Siedlungswerk ist das stärkste nationale Bollwerk, das wir in Palästina haben, der klarste Ausdruck des nationalen Willens. Die Angriffe gegen die Exekutive richten sich nicht eigentlich gegen sie, sondern gegen den Mangel an Geld. Das ist die Wurzel aller Unzufriedenheit. Schuld sind die Umstände, die von uns unabhängig sind. Jetzt ist es Zeit, an große Summen zu 'denken, mit denen wir die Bedürfnisse der vierten Alijah befriedigen können. £er Kongreß muß einen Kolonksationsfonds schaffen. Man muß sich in Palästina von der Wirküchkerr leiten lassen in allem, was man. tut. Ich habe in meinem Buche ein Vermächtnis meiner Tätigkeit hintevlassen und versucht, einzelne Probleme darzulegen. Ich bin weit entfernt, zu glauben, das ich das Richtige getroffen habe. Aber wer dieses gesamte Siedlungswerk betrachtet, darf .nicht nur einen Ausschnitt daraus sehen, nicht mir darauf schauen, ob alles wirtschaftlich gemacht wird, sondern muß die Arbeit als Ganzes sehen, als lebendigen Organismus. In diesem Wert sind viele positive Punkte. Es ist ein Kunstwerk von Sympathie der Verwaltenden zu Verwalteten, eine Quelle von Enthusiasmus und Energieentfaltung. Dieses Werk wird bestehen, wenn die Kritiken der Einzecheiten längst vergessen sind. Ich wende mich gegen die Methode Soskins; selbst wenn sein Versuch gelingt, bedeutet er kein neues System, sondern ein, zivei oder drei neue Siedlungen in Palästina. Besonders bÄenklich erscheint Mir, 'daß Soskin die Konkurrenz der Nebenlander nicht berücksichtigt. Die gangen Mittelmeerländer sind klimatische Borzugsgebiete. Ihnen gegenüber ist Palästina im Nachteil. Sie besitzen außerdem noch viel billigere Arbeitskräfte. In Palästina lagern 100.000 Kilogramm Tabak, die nicht abgesetzt werden können. Im Libanon hat nvan in diesem Jahr Cocons angesetzt mit dem Erfolge, daß jetzt 2 bis 3 Millionen Kilogramm lagern, billiger verbaust werden können. Es wäre dccher gefährlich, einen Kolonisationsplan auf so unsicherer Kolomsattonsbasis zu begründen. — - Letzte Kurse. Rero-Aork, 2b. August. (Tel.-Komp.) Berlin 23.80, London Kabel 4.85%, London Scheck 4.81'/,. Amsterdam 40.33, Paris 4.71, Brüssel 4.54, Rom 3.76^, Madrid 14.43. Zürich 19.38, Stockholm 26.87. Oslo 19.08, Kopenhagen 23.95. Wien 14. Budapest 14. Prag 2.967., Belgrad 1.79V., Athen 153-/., Buenos Aires 40"/», Rio de Janeiro 12.80. Bukarest 52. New-BorK, 25. August. lTel.-Komp.) Weizen rot Winter 170Va, Weizen hart Winter 173, Mais 1147* Hafer 48% Roggen 1107g. Ehikogo, 25. August. (Tel.-Komp.) Weizen per September 159, Dezember 157°/,. Mai 161; Mats per September 967,. Dezember 65. Mat 887,: Hafer per September 387«. Dumper 41°/,. Mai 45°/,; Roggen per September 100T/„ Dezember 1057,. Mat 110. CAftÖNOE! *•*’. FRANZ f|| ZELLER LE DtRWAREN' FABRIK WIEN vm TlGfcRGASSE H/e SPEZIALIST IN ECHT VULKAN-FIBER-KOFFER 9!och ein Wort über Bodenkauf. Man hat die Palostine Land Development Company &n* gegriffen. Sie hat Außerordentliches geleistet. Von den I 500.000 Dunam Boden sind 400.000 durch die Hände der j P. L. D. C. gegangen. Die Wichtigkeit des Bodenkaufes j wurde nicht immer genügend verstanden. Sie müssen auf? diesem Kongreß dafür Sorge tragen, daß der P. L. D. C. j das Kapital, das ihr noch fehlt, gegeben wird und daß sie! als öffentliche zionistische Gesellschaft anerkannt und kon- - tvolliert wird. Ich weiß nicht, wer die Legende aufgebracht hat, daß ich ein Gegner der Industrie bin. Es ist mir stets gleichgültig gewesen, welchem Stande ein Einwanderer angehört. Ich habe die Hypochekenbank gegründet. Für wen ist sie geschaffen, wenn nicht für den Mittelstand? Was ist mit der Jndustriebank, mit der Handwerkerbank? Die P. L. D. C. hat das Schicksal des Pioniers in Händen, der der Armee vorangeht. Die Armee, die nachher auf feinem Rücken ins Land zieht, sie erntet die Früchte. Mit den eingangs erwähnten persönlichen Erklärungen schloß Dr. RuPPin, dem das Haus mit stürmischen Ovationen dankte. Sodann wurde die Sitzung auf Antrag Dr. Halpernsum 7. Uhr abends geschlossen. Der Permanenzausschutz. Seine Aufgaben, Verhandlungen und Beschlüsse. Die erhöhte Bedeutung des Permanenzausschusses auf Herr Abraham Goldberg (Amerika), machte unserem Mitarbeiter über die Zusammensetzung und die Funktionen dieser wichtigsten Kommission des. Zioniistenkongresses folgende Mitteilungen: Die erhöhte Bedeutung des Permanenzausschusses den Zioniftenkongvesien erwächst aus der Notwendigkeit, während der zumeist zwei Wochen dauernden Verhandlungen im Plenum die verschiedensten Probleme der ideologischen Einstellung und des praktische« Aufbaues zu erörtern. Die zahlreichen, mannigfaltigen Resolutionen und Entschließungen können unmöglich auf dem einfachen Woge der Diskussion im Plenum erledigt werden. Aber auch die Spezialausschüsse bedü^en einer ihre Tätigkeit regulierende und den Kontakt herstellender I n st a n z. Es ist deshalb die vornehmste Aufgabe des zurzeit aus 35 Mitgliedern bestehenden Permanenzausschusses, eine zweckentsprechende Zusammensetzung undFunktionenvertoilungdor einzelnen Kommissionen Vorzunvhmen, sowie die bedeutendsten Konfliktstoffe des Kongresses und die Pevjlonalfragen rn einer vermittelnden Weise zu regeln. Um dieses Ziel zu erreichen, wird der Permaner^ausschutz aus Vertretern einzelner Gruppen, Landsmannschaften oder Föderationen proportional ihrer Stärke gebildet, so daß er ein verkleinertes Spiegelbild des Kongresses davstellt, Das Präsidium des Permanenzausschusses hat als solches keine erhöhten Vollmachten, sondern ist lediglich dazu berufen, die Verhandlungen im Ausschuß in zweckentsprechender Weife zu leiten. Deshalb ist die Zusammensetzung des Präsidiums keine sw als eine prinzipielle Angelegenheit zu betrachten. In der ersten Sitzung des Permanenzausschuffes wurde von einer ge-, wißen Sette vorgefchlagen, zwei Präsidenten an die Spitze des Ausschusses zu setzen; als dieser Vorschlag von der Majorität äbgvlehnt wurde, maßen die Vertreter der Linken diHem rein fachlichen Beschluß ganz unberechtigterweise die Bedeutung einer prinzipiellen Stellungnahme gegen das Wirtschaftsprogvamm der deutschen Landsmannschaft und der Arbeiterparteien zu und lehnten bedauerlicherweise die ihnen angebotene Teilnahme am Präsidium ab. Es kann jedoch erfreulicherweise festgeftellt werdm, daß dieses anfängliche Mißverständnis ganz ohne Einfluß auf die weiteren Vcr- VEREINIGUNG RADIKALER ZIONISTEN Donnerstag MaftenmeGtinG Bayrlsther Hof 27. August, 8 Uhr abemls I IH||vl ■■ ■ Ivvlll I jjg II- Bez., Taborstrasse Kr. 39 Tagesordnung: UNSERE ANTWORT! Redner: Dr. Nattum Goldmann; Izchak Qrünbaum, Deputierter des polnischen Sejm; Dr* Max Solowejtschlk, Minister a, D.; Dr« Ignaz Schipper, Deputierter des polnischen Sejm; Ing, Robert S rlcker; Dr. Israel Waldmann 5949091^9325