Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 7 (1925)
- Issue
- Heft 2339 (26.8.1925)
- Date
- 1925-08-26
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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'Bette 2 Wien, Mittwoch Kindersanatorium DCAlli |C|| lur Kinder ohne Begleitung ULflULILU Prospekte auf Wunsch .k, WM Telephon Nr. SV« W> BADEN BEI WIEN fomifccö tagte, die Beschlüsse dieses Universitätskomitecs vergelcgt. Tiefes hatte beschlossen, in das Kuvatoriutn der Universität darf jeder hinein, nur nicht die Zioni- Nische Organisation. Die Exekutive hat diesen Beichlnß entgegengcnomen, ihn dem Aktionskomitee vorgclegt und das Aktionskomitee hat ihn akzeptiert. Das Universitätskomitec hat aber auch beschlossen, daß an dieser Universität, die Fleisch und Blut der Zionistischen Organisation ist, keine Lernn n d L e h r f r c i h e i t herrschen darf, da es die Erforschung der Bibel grundsätzlich e.usschloß, indem cs bestimmte, daß an dieser Universität B i b e l f o rs chu n g nicht >b c t r i e b e tt werden darf. Hätte dieses Kuratorium oder das Aktionskomitee eine Mehrheit gehabt, welche solche Tendenzen Erfolgt, hätten etwa die Misrachi die Mehrheit gobildet, so wäre über diesen Beschluß nicht weiter zu reden gewesen. Aber die Mehrheit haben Leute gobildet, welche Anhänger der freien Forschung sind. Weizmann erklärte, Baron Rothschild verlange, daß dieser Beschluß gefaßt werde und wir könnten uns nicht mit ihm zerschlagen, daher mußten wir diesen Beschluß annehmen. Und das Aktionskomitee hat ihn widerspruchslos geschluckt und in der Frage der Jewish Agency wird man Ihnen noch ganz andere Bissen servieren, und da werderr Sie gar keine Wahl haben, Sie werden Sie schlucken müssen, ob Sie wollen oder nicht. Aber man hat diesem Aktionskomitee noch etwas anderes vorgelegt: die Krimangelegenheit. Ta ich aus diese -Sache zu sprechen komme, kann ich mich nicht enthalten, Meine Stellung diesem Kongreß gegenüber zu Präzisieren: Ich habe bei diesem Kongreß das Gefühl, einer Gesellschaft sehr ehrenwerter, aber sehr indifferenter Menschen gegenüberzustehen. Ich Bin mir vollikonnnen bewußt, daß ich vielleicht zum Protokoll spreche; denn um auf diesem Kongreß Bewegung zu erzeugen, müßte ich mit Zahlen kommen. Wenn ich etwa eine Vergrößerung des Budgets des Konsumvereines .Hanir.schbir um 2000 Pfund beantragen würde, so würde auf der rechten Seite dieses Hauses sich ein Sturm erheben; links gäbe es denselben Sturm. wennich für eine Vergrößerung des Budgets der misrachistischcn Jnstitutioueu eiutreten würde. Nur mit Zahlen kann man diesem Kongreß Leben verleihen. .Hätte er wirkliches Leben, so wäre es.unmöglich, daß zum Beispiel die Rede von Stephen Wise gehalten wurde, ohne daß dieser'Kongreß und seine Redner rauch nur darauf reagieren. Was Ihnen Stephen Wise erzählt hat, das ist auch im Aktionskomitee besprochen worden. Es wurde festgestellt, daß das Krimprojekt das größte, gefährlich st e Attentat ans den Zionismus ist. Es wurde festgestellt, daß unter der: Beweggründen, die zur Propagierung dieses Projekts geführt haben, aus russischer Seite die Sehnsucht, dem Juden zu helfen, eine sehr untergeordnete, daß vielmehr die Absicht, den Zionismus und mit ihm England zu treffen, eine überwiegende Rolle gespielt hat. Es wurde festgestellt, daß dieises Projekt, wenn es ausgeführt wird, einer minimale n Z a h l von Juden unter Aufwendung ungeheurer Mittel helfen kann und daß seine Initiatoren das ganz gut wissen und dennoch dieses Projekt lanoieren, weil eben der Zionismus damit getroffen werden soll. In der Aktiottskomiteesitzung tvurde einhellig die riesige Gefahr scstgestellt, die dieses Projekt in sich birgt; man ist aber zu dem Beschluß gokomnien, über die Sache nicht zu sprechen. Diesen! Beschluß habe ich mich nicht gefügt und werde mich ihm nicht fügen. Wenn dieser Kongreß auseinandergcht, ohne zu dieser Sache Stellung genommen zu haben, dann wird er sich vielleicht rühnien können, sehr große staatsmännische Allüren an -den Tag gelegt zu haben, aber keine besondere st a a t s m ä n n i s ch e Weisheit; vor ällenr d&er werden Sie mit Ihren! Schweigen darauf verzichtet haben, daß die Zionistische Organisation der Repräsentant des jüdischen Volkes ist; denn der Repräsentant des jüdischen Volkes darf in dieser Sache nicht schweigen, er nruß reden. Ich kann es nicht unterlassen, diese Sache als eil! lehrreiches Exenrpel für den Fall der Erweiterung der Jewish Agency hier vorzubriugen. Wir haben uns zun, Zweck der Erweiterung der Jetvish Agency an die amerikanischjüdischen Repräsentanten, an die Reichen, gewendet, haben mit ihnen zwei oder drei Jahre unterhandelt. Und tvährend dieser Unterhandlung ist es nie dazu gekommen, daß man uns auch nur einen Heller, auch nur tausend Dollar für Palästina in Aussicht gestellt hätte. Kollege L e v i t e hat vor einem Jahr in einem Interview die Unvorsichtigkeit begangen. zu erklären, die Herren in Amerika hätten uns fünf Millionen Dollar zugesagt; daraus ka>g eine flammende Berichtigung von Marsh.all, es sei. vyn einer solchen Zusage keine Rede. Uns gegenüber sind die Herren nobel, es wird nie von Geld gesprochen; aber wenn Herr Trotz ky kommt oder einer seiner Agenten, dann wird dietse vornehme Zurückhaltung sofort fallen ge-- lassen. inan spricht sehr eingehend von. Geld und verpflichtet sich zu 15 Millionen Dollar. Bilden Sie sich nicht ein, daß Sie den anderen einreden werden, Palästina könne mit Wiener Meraemeininq Nichtzionisten gebaut werden. Das ist Lug nnd Trug. Bei der ersten Gelegenheit brechen die N'.ck:'zi'.''tisieii uns. Solange nichts anderes da war als 'Palästina, sind sie halb und halb mit uns gegangen; wie das Krimprojekt kaut, sind sie ansgabrochen. Wir aber werden ernst die Erweiterung der Jewish Agency beratet, und Sie werden Resolnt-ionen fassen, jedoch nicht für eine Wirklichkeit, sondern für eine Fiktion. Weidmann ist vor drei Tagen ' an dieser Stelle gestan-den und hat gesagt, er müsse uns die Illusionen rauben. Er hat sie uns gründlich geraubt, alle: politisch und sozial dürfen nur nichts vcrlattgen und dürfen uns nicht 'rühren. Nur e i n e Illusion fxit er uns nicht geraubt, nämlich die Erweiterung der Jewish Agency nach seinen, Pvogramm; das ist aber keine Illusion mehr, sondern eine Fiktion. Weizmann hat Grün bann, vorgewm-sen: Kommt Ihr mit der anonymen Masse, die uns nichts geben wird? Ich aber sage Ihnen: Die anonyme Masse hat uns Palästina gegeben. Wenn die anonyme Masse iticht wäre, wäret, wir ttichl hier, und wenn nur die Gesellschaft da wäre, ans die We:p 'tnann sehnisüchtig seine Blicke richtet, hätten lvir Palästina nie bekommen. Ich. warne Weizmann selbst, von der anonymen Masse weazugehen und die Zionisten hott der anonymen Masse wegzuführen zu jenen, von denen wir bestenfalls, ich betone bestertsalls, etwas Geld bekommen könnelt, weiter nichts. Eines nt,tß ich noch erklären: wenn ich beu Namen Weizmann genannt habe, so habe ich iht, nur als Symbol genannt. Ich bürde ihm keineswegs die ganze Verantavortnng auf für das, was geschehen ist und in Zukunft geschehet, wird. Sie alle sind mitverantwortlich! Daher machen Sic ein Ende mit der Politik, die sagt: wir können keilten anderen finden und darutn müssen wir alles tun, was Weizmann von uns verlangt. Damit schaden Sie Weizmann und begehen eine große S ü n de a ’t! i h m. Mit dieser Politik suchen Sie sich voti der Verantwortung zu entlasten. Das wird Ihnen aber uichts nützen, denn 3? i e fya&cu die Verantwortung zu tragen uMBNun-TromtaEuiiiiw iwwrnn jw MMN Baron Edmund Rothschild (Nach einem Gemälde von Armee Morot). und mit I h n e u wird die Weltgeschichte abzurechnen haben und nicht mit Weizmann allein. (Lebhafter Beifall.) Es folgt eine kurze Rede von Rabbi Uricl aus Jaffa, der znächst beklagt, daß aus dem Kongreß so viel deutsch gesprochen wivd und einen Beschluß verlattgt, daß der nächste Kongreß m Evez Israel a^ahalten werde, -wodurch die Gewähr geboten sei, daß der jüdische Kongreß attch hebräisch sein werde. Redner prMamiert dantt die religiösen Forderungen der gesetzestreuen palästinensischen Juden. Alles, rvas im Lande geschehe, tnüsse int Geiste der Thora geschehen. Nicht um tu den religiösen Schulen, sondern auch in den allgemeinen Schulen mutzten der Heranwachsenden Jugend die religiösen Werte vermittelt werden. In jeder Ansiedlung müsse e:ne Synagoge uttd eine koschere 5tüche sein. Für diese Bedürfnisse müsse ein Posten in das Budget eingestellt werden, den sicherzustellen, die wichtigste Atlfgabe der zionistischen Organistion sei. Bon der-Ma n-da ta rtna cht sei Erfüllung der übernommenen Verpflichtungen zu verlangen. Am Schluß fordert Rabbi Uri-el den Kongreß auf, gegen die f n r ch t ba r e n Ereignisse i n der N k r a n e einen mächtigen Prot e ft zu erheben. Herren- und Damen-Wäsche-Fabrik Otto Taussig D Co. Wien, Xll.» Dunklergasse 13 Fernsprecher S’-O-tW __ Teleyraniin-Adresse Comptoir 82-3*27 ° ° WlscheUusaig $pe*lalabteUung für exquisite Kräften, Manschetten und Plastron» A>. August 19S5_ Nr. 2339 —CAFls SPLENDIDE—i l„ Jasomirgoitstrasse 3 10 Billards - 1 Turnierbreit Vorzügliche Cteir&nke - Kaltes Büfett x% Nachdem in Vertretung der landwirtschaftilck-en Mttkon,Mission Tel. Wilkansky (Palästina) mit dem Hinweis,!>tß für eine agrarische Konkurrenz ans dem Weltmarkt M o n o p o l f r ü ch t c notwendig seien trnd Palästina von solclM nur die Orangen lhit, das Soskinschc Projesst der intensiven sandwirtscl-aftllichcn Kolonisation durch Batl hochwertiger Produkte bckänt-pft uitta die Vorteile der autarkischen' gemischten Wirtschaft heyvorgchoben l-atte, ergriff, stürmisch alklamiert, Nahum Sokolow dis Wort. Er erklärte: Wir sind in einer Zeit zusammengetreten, lvo der Zionismus in höherem Maß eine R-ea-! l i t ä t geiverden ist als früher. Die Generaldebatte hat sich viel zu viel mit Telailfragen beschäftigt. Diese gehöret: in die Kommisstonetl. Es muß feftgeftcUt werden, daß wir trotz aller Polemik tttwb Diskussion ttt vielen P u n f t c n c i n i g sind. Wir wissett alle, daß der A ck c rb a tt die unverrückbare Grundlage des Palästittaatlfbancs 'bleiben muß. Mir in meiner Eigenschaft als Präsident der Exekutive ist nichts von einer beabsichtigten Kursänderung bekannt. Ans die harmlose und unpolitische Tatsache, daß unser hochverdienter Dr. Rn-ppin nach ISjähriger schwerer Arbeit znrücktritt, ist ein neuer babylonischer Tttrm ausgeballt worden. Aber auch unsere Fvennde atts der Linken geben ztt, daß nunmehr die Zeit gekommen ist, auch an« d e v e Sl v e i s e b e i m A tt f b a u z tt b e r ü ck s i ch t ige n. Wir müssen jetzt auch für die Mi tt el st ä n d l er sorgen. Es ist nicht das Programm per Rechten, den Ackerbau zu unterschätzen, wie es auch nicht das Programm der Linken ist, die Mittelklasse ztt unterschätzen. Das einzige in der Erscheinungen Flucht ist. das Budget; dieses hätte in die Generaldebatte gebracht werden sollen. Wir stehen an einen, Wendepunkt unserer Geschichte, der Zionistnns hat begonnen, in Erfüllung zu gehen, von diesem Kongreß ab. Auch ich sehe natürlich den Unterschied, zwischen kapitalistischer und sozialfftischer Weltanschauung, aber lvir sind doch nicht auf den Z-'orlistenkongreß gekommen, unt die Sozialisten zum Kapitalismus zu bekehren oder lmlgekehrt und darüber aibzuftini-m-en. Wir sind keine religiösen Reformatoren und haben nicht soziale Reformen zu diskutieren. Der Zionismus nmß allein als Ideal dieueli und darf kein Zionismus a u f B e d i n gmtg sein. Wenn wir tatsächlich einig sind, erwecken Sie doch nicht llach außen den Eindruck, -daß wir zerrissen sind. Wir dürfen die Begründung vorn Klassengegensatz nicht Klasse. Auch die sogenannten „Luftmenschen" halben kernen Gegensatz der Klassen, aber bei uns Juden sind die Grenzen sehr labil. Wir sind -ein Waudevvölk. Wir wandern llicht nur von Land zu Land, sondern auch von Klasse zn Klasse. Auch die sogenannten „Luftmeuschen"haben keinen sehnlicherel! Wunsch, als den nach Bodenständigkeit. Ein Plebiszit in -Haifa oder Jaffa oder Warschau würde zeigen, daß alle sich ztlr Boden,ständig-ke-it hinsehnen. Jetzt komnlt die Industrie ach Palästina. Muß ich Jlhnen sagen, daß Industrialisierung die w e l t-w i -r tschastlcche E n twi ck>l n ngs l i ni e ist? Mr be-< grüßen die Entwicklung im eigenen Interesse und in dem der arbeitenden BcvAkerling vor, Erez Israel ilnd der Jlidenheit. Unser Zionismus mutz grötzer werden. Wir haben stets gesagt, daß die Gl c>' ch b e r e ch t ig ll n g n i ch t d i e Lü s u ng der In d e n f ra g e sei., Wir wollen darauf stolz fein! daß wir denl Götzen der Gleichberechtigung nicht nachgegangen sind wie die anderen. Da nun die Zeit gekommen ist, wo unsere Voraussagen ein trafen, muß unser Kongreß ein Kongreß des Aufschwunges sein. Jetzt ist die Zeit, daß sich das ganze Volk echebo zu einem großen Beschluß zu größeren Opfern, zur Vergrößeritng der Zionistischen Organisation. Wäre 1 inifcr Budget ein Vielfaches, wir könnten ein Vielfaches leisten. Die gegenivärtigen politischen Ntöglichkeiten genügen ttit-3, um noch viel mehr ztt leisten, als tvir bisher geleistet haben. Noch für lange Zeit liegt der Schlüssel dieser Frage allein in unserer Hand. Wir stehen mit großer Achtung der Matldatsregierung gegenüber und erwarten. daß die Alan data rinacht bestrebt sein tvird, die Balfonr-Deklaratio», die die Grrtdlage unserer Politik ist, dtlrchztlsnhren, wie es das Wohl Palästinas und das Wohl d c s j ü dische n V o l k e s erheischt. Ich glaube attch, heransgehört zu haben, daß sich der Kongreß bewußt ist, daß wir ntrs nuf einem inlernatiofom-ntt die Industrie nach Palästina. Muß ich Ihnen sagen, großen Teik vom Bökkerbun-d abhättgl.- Ich glaube attch, heransgehört zu haben, daß wir uns der .Hoffnung nicht verschließen', daß die Zeit nahe ist, wo wir mit beu an bereit Völkerschaften des Orients beraten und arheijett werden, uub daß wir uns freuen, daß sich schon manche BerMn'l'tigswmkte heransgcbildet haben. Eine a'-derc Pr litik g:b( es nicht.