Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 7 (1925)
- Issue
- Heft 2339 (26.8.1925)
- Date
- 1925-08-26
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Der Schwerpunkt der Situation liegt jetzt im Budgetausschuß. Die Frage der Bedeckung des mit einer Gesamtsumme von etwas über 500.000 Pfund bilanzierenden Budgets, welches das Minimutn der Erfordernisse des Palästinaaufbaues in der nächsten Periode darstellt, verursacht große Schwierigkeiten und ist fortgesetzt Gegenstand eingehender Beratungen. Dieser Ausschuß steht unter der Leitung des Delegierten New man, der der amerikanischen Fraktion angehört. Die politische Kommission, die gestern die Debatte über das dreistündige Referat Weizmanns begann, leitet Delegierter Morris Rottenberg, der gleichfalls Mitglied der 'amerikanischen Gruppe ist. Was die allgemeine Lage der Kongreßarbeiten anbelangt, so wird weiter über die Herbeiführung eines K o mp romiss es beraten. Nach dieser Richtung ist insbesondere Herr So ko low bemüht, der auch in seiner gestrigen Rede für die Schaffung einer Vermittlungsstimmung sich einsetzte. Er sagte mit deutlichem Hinweis auf die unklare Lage: „Genug der Rivalitäten und Streitereien; der Gegensatz besteht nur deshalb, weil wir durch die Schwäche unserer Arbeit auf schwache Füße zu stehen gekommen sind. Der Zionismus muß größer werden und dazu ist ein größeres Budget notwendig. Unsere Hauptaufgabe liegt in der Arbeit." Diese Bemühungen scheinen auch günstigen Boden zu finden. Doch müßte selbstverständlich zuerst Klarheit über die Budgetbedeckung herbeigeführt werden. Wie wir erfahren, wird der Permanenzausschuß die Erteilung des Absolutoriums in -der Form Vorschlägen, daß er dem Kongreß den Antrag unterbreitet, den Bericht der Exekutive mit Dank zur Kenntnis zu nehmen. In einer groß angelegten Rede vertrat Herr Stricker den Standpunkt der radikalen Konfevenzgemeinschaft. Er fand starke Zustimmung des Hauses, als er die freie Lehre an der Universität forderte, und wandte sich dann unter lebhaftem Beifall gegen das Krimprojekt, das er als das stärkste Attentat gegen den Zionismus bezeichnet. Am Schluß der gestrigen Sitzung gab Dr. R u p p i n die Erklärung ab, daß er nicht aus Politischen Gründen votk seinem Amte als Leiter des Kolonisationsdcpartcments zurücktrete. Er habe das Bedürfnis, sich der wissen- Lord Plumers Ankunft in Palästina. Die Empfänge. — Ser Diensteid der Lberkommissärr. (Eigendienst der „Wiener Morgenzeitung".) Jaffa, 25. August. Der neue britische OberkommWr für Palästina Lord P l u m e r ist heute in Jaffa eingetroffen. In Tel-Awiw, dessen Bahnhof beflaggt war, wurde der High-Commissionär vom Bürgernieister Disengoff mit einer hebräischen Ansprache begrüßt, welche die Freundschaft der semitischen Bewohner Palästina» hervorhob. Lord P l u m e r dankte in kurzen Worten. Eine Schar jüdischer Pfadfinderinnen aus Tel-Awiw überreichte Lady P l «m e r ein Blumengewinde in den jüdischen Fahnenfarben blan-weiß. In Jerusalem war der Oberkommiffär bei seiner (von uns bereits gemeldeten. Die Red.) Ankunft von den Beamten, von Kolonel K i s h als Vertreter der Zionistischen Exekutive, ferner den Vertretern der christlichen Konfessionen, den Mohammedanern sowie den beiden Oberrabbinern empfangen worden. P l u m «r dankte den anwesenden Verretern ftir die freundliche Begrüßung und gab der Hoffnung Ausdruck, sich alle vertretenen Schichten zu Freunden zu machen; er würdige die große. Verantwor.ung seines Amtes. Seine englische Ansprache wurde ins Arabische und Hebräische übersetzt. Später leistete Plumer den Diensteid in die Hände des Zivi'kommissärS in Anwesenheit der höchsten Beamten, unter denen sich Kolonel K i s h als Vertreter der Jewish Agency befand. Den Erschienenen drückte der Oberkommissär seine Bewunderung über die musterhafte Ruhe und Ordnung aus. __________ Sie Tagesordnung des Kongreffes. Bor- und nachmittags: Kommisstonssitzungen. 8 Ahr 30 Minuten abends: Plenarsitzung des Kongresses (Referat Weizmann. über die Universität, Schlußworte der Referenten zur Generaldebatte). schaftlichen Tätigkeit zu widmen, werde aber wieder kommen, wenn an ihrt der Ruf ergeht. (Lebhafter Beifall.) * Ser SItzungrverlauf. Ztt Beginn der gestrigen Sitzung, die unter dem Vorsitz des Vizepräsidenten Motzkin gegen 3 Uhr nachmittags eröffnet wurde, teilte der Borsitzende des auch als Verifikationsausschuß für die Mandate fungierenden Kongreßgerichtes mit, daß zu den bisherigen Mandaten noch ein Mandat Australiens sowie neun Mandate Rußlands, die auf Grund von Wahlen giltig sind, anerkannt wurden. Von den neun Mandaten für Rußland entfallen fünf auf die Hitachduth, drei auf die Zeire Zion und eines aus die Gruppe „Dror" (eine demokratische Gruppe mit sozialistischer Färbung, die in kultureller Beziehung jiddischistisch ist und in Polen und Rußland einigen Anhang hat.) Der erste Redner zur Generaldebatte, der palästinensische Delegierte D a g a n, weist zunächst aus die Wichtigkeit der Araberfrage hin. Er bespricht dann die Leistungen der Exekutive in Erez Israel und konstatiert, daß in Palästina wie im Galuth Verbitterung gegen die Leitung herrsche, da cs fühlbar sei, daß keine rechten Fortschritte gemacht worden seien. Eine Reihe wichtiger Ressorts seien nicht mit den Kräften besMMVkche die für ihre verantwortungsvollen Arbeiten nötigen Kenntnisse besitzen. Redner verweist, ohne den Anspruch auf Vollständigkeit zu erheben, auf van V r i e s l a n d , den Kassier der Organisation, ans Dr. P i ck und S p r i n z a k; der zuletzt Genannte sei bloß ein tüchtiger Parteimann, verstehe aber von wirtschaftlichen Dingen nichts. Zum Schluß polemisierte Redner gegen die Poale-Zion und ihre arabischen „Aktionen". Als nächster Redner kommt Robert Stricker zu Wort. Er führt ans: Vor mehreren Monuten Haide ich meine Stelle als Vizepräsident des Großen Aktionskomitees, in das ich durch das Vertrauen des Kongresses berufen wurde, z-urückgelegt. Mein Rücktritt erfolgte nicht aus persönlichen Gründen, sondern weil die Tendenz der systematischen Vernichtung der Zionistischen Organisation einerseits von der Zionistischen Exekutive in jeder Weise gefördert, andererseits vom Aktionskomitee widerpprnchslas hingenommen wurde. Dieses Aktionskomitee, welches die höchste, die kontrollierende Behörde der Organisation darstellt, wurde entweder gar nicht eiichevufen oder, wenn dies schon geschah, hat es die Exekutive nie der Mühe für wert gefunden, dem Aktionskomitee auch nur einen Bericht vorzulegen; es mußte amt diese Berichte geradezu betteln. Die Tendenz, eine leerlaufende, überflüssige Maschine zu demonstrieren, üvar daher ossfenbar. Sehr oft wurde die Nichtoinkber-nfnng des A k t i o n s k o m i t e e s dantit begründet, daß eine Sitzung zuviel Geld koste. Es ist doch merkwürdig, daß dieses Geld für das Aktionskomitee nicht da -var, loährend für Sitzungen von Nationalfondskommissären, Konferenzen von Keren-Hajessod-Sekretären usw, stets Geld vorhanden war. Wenn in diesem Zustand keine Aenderungen geschaffen werden, so wird die Zionistische Organisation verschwinden und an ihre Stelle iverden zwei Bureankratien treten: die des Keren Hajessod und die des Keren Kajemeth. Aber nicht nur in der Art der Einbevufüng und Beschäftigung des Aktionskomitees kann die Wertschätzung abgemessen werden, die unsere Exekutive dieser kontrollierenden Instanz entgegengebvacht hat, sondern auch in den Beschlüssetr, die diesem Aktionskomitee zugemutet wurden. Am 2. Juli 1925 wurden dem Aktionskomitee, das im Anschluß an die Sitzung des Univevsitäts- HÜBNER'S KÜRSALON DER STADT WIEN* BESTE JAZZ-BA ND WIE N S EINTRITT FREI VSt