Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 7 (1925)
- Issue
- Heft 2338 (25.8.1925)
- Date
- 1925-08-25
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 2338 Wien, Dienstag Wiener M^raenteitung 26. August 1926 Seite 8 PIANOS p, EHRBAR PIANOS WIEN , «, Niederlag«! Hauptbureau! I. Parkring 18 — Tel. 73234 IV. MQMgasae 80 — Tel. 83468 niemals die Empfindung haben, daß sie das Objekt einer Kolonisationsgesellschaft seien. 3. Niemand wird etwas gegen die Forderungen nach Rentabilität haben. Aber eines dürfen wir nicht vergessen, daß für die Eroberung des Landes der Geist des Pioniertums weiter erhalten bleiben muß. Das ist eine entscheidende Notwendigkeit des Aufbauwerkes, wenn wir es in immer weitere Teile Palästinas hineintragen wollen. Aber mit diesen Problemen sind die Fragen des Aufbauwerkes noch nicht erledigt. Wenn ich auch sonst mit Jabotrnsky nicht einig gehe, so stimme ich seiner Erkenntnis zu, daß für den Aufbau entscheidende politische Voraussetzungen miterfüllt sein müssen. Es ist unmöglich, das Aufbauwerk als eine rein ökonomische und soziale Aufgabe hinzustellen. Gewiß werden wir in jeder politischen Konjunktur kolonisieren müssen. Es geht aber um die Herbeiführung eines Maximums an politischen Voraussetzungen auf Grund der uns garantierten Rechte,' die eine erhebliche Erleichterung unserer Kolonisationsschwierigkeiten bieten werden. Unser Präsident hat hier zwei politische Systeme gekennzeichnet, das einer jüdischen Staatskunst und eines von angeblich assimilierten Menschen. Ich möchte nicht, daß diese gefährliche Formel von diesem Kongreß in die Oeffentlichkeit dringt. Sie ist eine verzerrende Antithese. Wer von uns ist nicht dafür, daß wir mit jüdischen Mitteln Politik treiben, im Vertrauen auf das Recht und unter Betonung des Rechtes? Aber wir wenden uns gegen folgendes: wenn man uns sagen würde, die politische Konjunktur ist schlecht, wir würden als erprobte alte Zionisten verstehen, daß wir doppelt stark und zuversichtlich sein müssen. Aber wir sagen, daß eine schlechte Konjunktur doppelte Aktivität erfordert; Weizmann jedoch macht aus der Not eine Tugend und baut auf der ungünstigen Konjunktur die Weisheit eines Staatsmanntums als ideales Vorbild auf. Das Prinzip, aus der Not eine Tugend zu machen, ist aber sicherlich assimilierter als unsere Forderung, in schlechter Konjunktur mit verdoppelter Kraft zu arbeiten. Wir verlangen keine schreienden Demonstrationen. Unsere Exekutive muß alber erkennen, daß das System der Adnnnistartion den uns im Mandat garantierten Rechten widerspricht. Niemand hat es deutlicher und in einer menschlich sympathischen Weise offener gesagt als S a m u e l, daß das System der englischen Administration in Palästina darin .besteht, daß sie unsere Kolonisation wohlwollend toleriert. Nach dem Mandat aber hat die Mandatsmacht die Kolonisation aktiv zu fördern. Wir verlangen von unserer Exekutive, daß sie die Schaffung einer derartigen Administration in Palästina nachdrücklich verlangt. Keinen Teil von Weizmanns Rede bedauere ich so sehr als die Ironie, mit der er davon sprach, wir wollten England einreden, Palästina hätte strategische Bedeutung. Wir brauchen England nichts einzureden, aber sich hinstellen und England einreden wollen, Palästina hätte absolut keine strategische Bedeutung, ist das der Gipfel jüdischer Staatsmannskunst? England weiß ganz gut, was für strategische Bedeutung Palästina hat. Meinem Kopf leuchtet es nicht ein, daß es nur ethische Gründe sein sollen, die Englands Politik leiten und es veranlaßt haben, den Feldmarschall Plumer hinzuschicken. Was die I e w i s h Agency betrifft, so werden wir es nicht zulassen, daß die Parole vom Kongreß ausgeht, wir hätten sie verhindert. Es hat nie ein Präsident der Zionistischen Organisation ein so willfähriges Aktionskomitee gehabt als Weizmann und er hat vor einem Jahre volle carte blanche bekommen. Die tatsächliche Situation ist so, daß die Schwierigkeiten drüben sind; und der einzige, der den Mut hatte, das hier zu sagen, war Dr. Stephen W i s c. Warum sagt es Weizmann nicht und versucht statt dessen, die Situation zu verschieben und uns die Schuld zuzuschieben. Erinnern Sie sich, daß Weizmann seine Rede mit den Worten schloß, wir sollten nicht eilen. Vor zwei Jahren rief er uns zu, wir können nicht warten. Ich will diese zwei Mahnungen nicht gegeneinander ausspielen, aber vielleicht sind sie ein Beweis dafür, daß das Gefühl für das richtige Tempo nicht bei der Leitung ist, ✓ Fürs / Fourrures Hautes Nouveautes Moriz FLEISCHMANN WIEN. I.. GRABEN 28 Telephon-Nummer 68-4-79 « Letzte Kurse. New-Vork, 24. August. (Tel.-Komp.) Berlin 23.80, London Kcibel 4.85'/«. London Scheck 4.82, Amsterdam 40.30, Paris 4.70»/.. Brüssel 4.55V,. Rom 3.72, Madrid 14.42. Zürich 19.38. Stockholm 26.89. Oslo 19.—, Kopenhagen 24.01. Wien 14 Budapest 14, Prag 2.26»/., Belgrad 1.79»/,, Athen 153V„ Buenos Aires 40»/,, Rio de Janeiro 12.25. Bukarest 51»/,. Amerikanische Getreidemärkte. New-Bork» 24. August. /Tel.-Komp.) Weizen rot Winter 172-/.. Weizen hart Winter 175»/,. Mais 116»/-. Hafer 48»/,. Roggen 118»/,. Ehikago, 24. August. (Tel.-Komp.) Weizen per September 160»/, Dezember 158»/,. Mat 162»/,: Mais per September 100»/, Dezember 86»/,. Mat 89»/<» Hafer per September 39»/„ Dezemper 42»/,. Mat 46: Roggen per September 103»/,. Dezember 107»i„ 112. 8 Was man auch immer spricht und schreibt, Zigaretten-Papler „OLLESCHAU“ bleibt sondern bei jenen, die vor zwei Jahren die gleichen Prinzipien vertraten und das gleiche Tempo verlangten wie heute, die damals wie heute den gleichen Weg proklamiert haben, den Weg der Durchsetzung der unverfälschten zionistischen Prinzipien sowohl in den Fragen des Aufbaues wie auch in den Problemen der äußeren und inneren Politik. (Lebhafter Beifall.) Der poale-zionistische Delegierte Harzfeld aus Palästina polemisiert gegen die Aufstellung von Dr. H a lp e r n für die Leitung der Kolonisationsagenden und bekämpft die Tendenz Halverns, die Industrie auf Kosten der Landwirtschaft zu enWckeln; er klagt, daß weder Industrie noch LandwirtschaMu Palästina genüg Kredite bekommen haben. Die Anglo-Palestine-Company hat nichts getan, um das Ruthenberg-Projekt zu fördern. Redner bekämpft auch eine Betrauung Schockens, der mit Holpern an Stelle Ruppins die Leitung des Kolonisationsdepartements führen soll. Harzfeld erläutert dann die große Bedeutung der Arbeiterschaft für den Wirtschaftsaufbau von Erez Israel. Die Arbeiterschaft kann auf 66 Siedlungspunkte, auf die Baugenossenschaft Solelboneh, auf den Konsumverein Maschbir und die Arbeiterbank Hinweisen, ihre Leistungen müßten von rechts und links anerkannt werden. Sehr eingehend behandelt die Grundprobleme des Kongresses der Redner der Gruppe Eth Liwnoth, Delegierter Le v i t e (Polen): Die Fragen, auf welche der Kongreß antworten soll, sind: 1. Wie soll der w e i t e r e A u fbauinErezJsrael vor sich gehen? 2. Wie kann man die große Immigration regulieren? 3. Wie kann die Zionistische Organisation beeinflussen, was außerhalb der Zionistischen Organisation gemacht wird? Mit einem Budget von 600.000 Pfund können wir Erez Israel nicht aufbauen, so wie es die Verhältnisse verlangen. Das für den Aufbau grundlegende Ziel der Schaffung der Majorität im Lande werden wir nicht erreichen, wenn Erez Israel unter dem Gesichtspunkt einer Klaffentheorie aufgebaut werden soll. Die Zionistische Organisation ist nichts wie eine Zentralkaffe und hat keinen Einfluß auf den Aufbau selbst. Richtig ist Herzls Wort, daß die Zionistische Organisation nicht Dinge, sondern nur Bedingungen schaffen kann. Das Budget ist nicht dazu da, eigene Kolonien zu schaffen, sondern höchstens Musterkolonien. Es muß aber die Bedingungen, wie Trockenlegung, Bewässerungen, Sanierungen, schaffen, damit Kolonien entstehen können. VEREINIGUN GR A 0 I K A LE R Z I O NI STEN Donnerstag 27. August, 8 Uhr abends HflMAnmAAHna Beyrhcher Hof ■ III Ijv H' Bez-’ Taborstrasse Nr. 39 Itogesordnnng: UNSERE ANTWORT! Redner: Dr. Nahum Goldmann; Izchak Grünbaum, Deputierter des polnischen Sejm; Dr. Nax Solowejtschlk, Minister a. D.; Dr. Ignaz Schipper, Deputierter des polnischen Sejm; Ing. Robert Stricker; Dr. Israel Waldmann 3«r Geschichte der jüdischen Buchdrucker. Die Schätze der Wiener jüdischen Gemeindebibliothek/ Die Wiener Mische Gemeinde verfügt über einen großen Schatz, der leider nur wenig bekannt ist: Ihre Bibliothek in der Ferdinandstraße (Ecke Teimpelgasse). Sie bcherbevgt jüdische Bücher von unschätzbarem Wert, und solche, die sich durch ihr hohes Alter auszeichnen. Für bibliophile Gouvmands ist jetzt ein leckeres Mahl bereitet; während der Kougreßzeit wurde dort ein Büffett voll der schönsten jüdischen Bücher aufgestellt und das Firmenschild der bitevarischen Feinkosthandlung lautet: „Zur Geschichte des jüdischen Buchdruckes." Auf langen Tischen sind hebräische Bücher zur Schau gestellt, deren Druckseiten viereinhalb Jahrhunderte umspannt. Sie sind chronologisch und nach ihren Druckorten angeordnet. Inhaltlich sind sie infolgedessen etwas bunt durcheinandergelvürselt. Man findet alle Spielarten der biblischen, talumdischen, kabbalistischen, rabbinischen und chassidischen Literatur neben liturgischen Werken, jiidischdautsch geschriebenen Volksbüchern und synagoga'len Dichtungen. Daß diese Werke aus aller Herren Ländern, von Kalkutta bis Lissabon, von Süddentschland über Antisterdanr bis nach London und aus der neuen Welt stammen, gibt der Sammlung ihren besonderen Reiz. Der Wissenschaftler gewinnt aus dem Vergleich der verschiedensten Druckarten, Dvuckorte und Druckzeilen wertvolles Material. Der älteste I n k u n a b e l d r u ck der Sammlung stammt aus dem Jahre 1477. das ist zwei Jahre nach der ersten Drucklegung hämischer Werke. Daneben wieder hebräische Drucke aus der spanischen Stadt I l a r. deren Entstehung Noch auf die Zeit vor der Vertre ibung der Inden aus. Spanien zurückveicht. Die Ausstellung bcherbevgt auch ein wertvolles Unikum eines Werkes von Moses Ma imonides, dessen Dvuckort strittig ist; es wird vermutet, daß dieser Einzel- ■ druck in Konstantinop el hergestellt wurde. Die schönste» Drucke, die den Einfluß der Renaissance deutlich ausweisen, stammen aus Italien. Besonders zeichnen sich die sogenannten Soucinodrucke aus, deren Schrift mit kunstvollen Ornamenten reich verziert ist. Der älteste ausgestellte Druck aus Venedig, der Zentrale des italienischen Buchdruckes, wird mit 1516 datiert. Reiben den italienischen Städten, vor allem Bologna, .Mantua und Livorno, tritt schon im Anfang des 16. Jahrhunderts der B a l k a n (Saloniki) und Adrian>opel) in den Bow-evgrund. In viel spätere Zeit fallen Werke aus der von der Herzogin von Naxos in einem Vorort Konstantinopels errichteten Druckerei. Später als in den südlichen Ländern finden sich hebräische Drucke in Deutschland, Holland, Polen und Ungarn. Wir scheu im Gegensatz zu den meisten früher angeführten Werken, die hauptsächlich von jüdischen Setzern, wenn auch oft in christlichem Auftrag hergestellt wurden, aus den deutschen, französischen und englischen Universitätsstädten stammende sogenannte Universitätsdrucke, die in christlichen Druckereien hergestellt wurden und allgemein wissenschaftlichen Zwecken dienen sollten. Auch viele deutsche und polnische Drucke stammen aus kleinen, sonst unbekannten Orten, wie Roedelheim u. a. m. Aus Leipzig stammt eine schöne hebräische Jnterlinearbibel mit unterlegtem lateinischen Text. Auch die Tschechoslowakei ist mit schr frühen Drucken aus Prag und Proßnitz vertreten. Amsterdam liefert in der Ausstellung ein wertvolles Objekt aus den: Jahre 1627 Eine prächtige Polyg l o t t e n b i b e l (in sieben Sprachen) stammt ans London aus dem Jahre 1656, Jnteressanterweise ist jede der vom Urtext variierenden Uebersetzungen für sich wieder ins Late inische Wertragen. Erst in der zweiten Halste des 18. Jahrhunderts tritt Polen mit größeren Drucken auf den Plan. Zu nennen find hauptsächlich Lemberg, Krakau, Slawita, Korzee (Kabbalistisches) und Wilna. Nach Polen kommt Ungarn mit einigen, wenn auch nicht allzu sorgfältig und künstlerisch ausgasuhrten Obfekten. In der Ausstellung ist auch die erste hebräische Zeitschrift „Hameasses" vertreten, die in Berlin und Breslau gedruckt wurde. Der älteste hebräische Druck ans Wien stammt aus dem Jahre 1747. Es ist ein Buch des Täuflings Freiherrn v. Sonnenfels. Die für die jüdischen Leser bestimmten Drucke wurden von Hrasch ansky (ungefähr 1791) und später von Anton v. Schmied hergöstellt. Die neuesten Drucke der Ausstellung stammen aus Amerika, und in den allerletzten Jahren aus Erez Israel, vornehmlich aus Jaffa und Tel- Awiw. Was das ältere Palästina betrifft, so findet sich in der Ausstellung ein Druck aus dem kabbalistischen S a f e d vom Jahre 1576, während Jerusalem erst im Jahre 1842 auftaucht. Von der 253 Objekte umsaffenden Ausstellung, die selbst nur einen Teil der Sehenswürdigkeiten der Bibliothek bildet, konnte hier nur ein kleiner Bruchteil angeführt werden. Jedenfalls veMent die Ausstellung das lebhafteste Jntereffe des Publikums. Es wäre schade, wenn die vielen an jüdischer Kultur und ihrer Tradition intereffierten Juden aus aller Welt, die Wien jetzt anläßlich des Kongresses behevbergt, es verabsäumen würden, einen jüdischen Kultuvwert kennen zu lernen, der anderswo selten M. finden ist. Hat doch die Tradition des BucheS im Bolke-des Buches leider bisher noch viel ' zu wenig Förderung gesunden. U. U 04