Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 7 (1925)
- Issue
- Heft 2337 (24.8.1925)
- Date
- 1925-08-24
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
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tzseite Wien, Montag Wiener CAFE SPLENDIDE—i I., Jasomirgoitstrasse S 10 Billards - 1 Turnlerbreil Vorzügliche Geiränke - Kalles Büfett % " N ü Nicht gelingt, die Frau dazu v o r z u b ereiten. Die jüdische Arbeit ist in diesem Augenblick in einer recht befriedigenden Lage. Sie ist keinen äußeren Störungen ausgesetzt und die Arbeitslosigkeit ist überaus gering. Das Budget des nächsten Jahres sollte aber ganz besonders die Auswanderung aus dem Orient berücksichtigen. Um drohenden Krisen zu begegnen, müssen wir neue A r b e i t s m ö g l i chk e i t e n schaffen und die Initiative des jüdischen Arbeiters stärken. Bon besonderer Wichtigkeit sind die Kulturbedürfntsse der jüdischen Arbeiter, die mit den Lehrern zusammen Thaluzim der hebräischen Sprache und Kultur sind. Wenn wir die kulturellen Bedürfnisse dieser Menschen nicht befriedigen, laufen wir Gefahr, bei der vierten Mijah unsere kulturelle Position zu zerstören. Nur die nationalen Mittel können da helfen. Es folgt das Referat U s s i s ch k i n Wer den Keven Kajemeth. In den letzten zwei Jahren — führte der Referent auÄ — ist ein großer Umschwung int Zionismus und in dessen Verhältnis zum Boden vor sich gegangen. Die Eingänge des Keren Kajemeth, die im letzten Jahre vor dem 13. Kongreß 83.000 Pfund betragen haben, sind im letzten Jahre, das heißt 6085, auf 360.000 Pfund g est regen. Europa, das damals nur 30 Prozent der Gesamteingänge Leigetragen hat, bringt jetzt 63 Prozent, das heißt, mehr als Doppelte als damals auf. Fast das gesamte aufgebrachte Geld setzt sich aus den kleinsten Spenden des gesamten Volkes zusammen. Beinahe eine Million Nationalfondsbüchsen sind schon aufgestellt. Wir erstreben jenen Tag, wo es kein Haus mehr geben wird ohne die Büchse, die für die Erlösung des Bodens sammelt. Ms der Keren Kajemeth die Losung von der Neu erwerhung von 100.000 Dunam herausgegeben hat, gab es zahlreiche Zweifler, aber wir haben weit mehr erreicht; wenn alle noch schwebenden Verträge s-ersekt werden, werden wir 3 0 0.000 Dunam in unseren Besitz gebracht haben. 70 Prozent der Emek-Ebene gehören heute dem Keren Kajemeth. Erschwert wird der Bodenkauf durch die Bodenspekulation, und man fragt den Keren Kajemeth, as er tut, um diese Spekulation zu bekämpfen. Diese zerstörenden Elemente können nur durch die moralische Kraft der öffentlichen Meinung beeinflußt werden, wa's ebenfalls Aufgabe der Exekutive ist. Wir werden sie darin unterstützen. Wenn der Keren Kajemeth in der Lage sein wird, den Wünschen aller arbeitswilligen Juden nach Boden, den sie mit eigenen Händen bebauen wollen, nachzu kommen, dann wird es keine Bodenspekulation mehr geben. Der Keven Kajemeth ist kein Kolonisationsfonds, sondern ein Bodenfonds und muß die letzten Groschen für Erwerbung von Boden ausgeben. Unsere Tendenz 'besteht weiter darin, daß es unsere Ausgabe bleibt, Boden auf dem Lande sowohl als auch in der Stadt und in der Nähe der Stadt zu erwerben. Seit einigen Jahren werden von je 100 verausgabten Pfund 70 für Bodenerw erb an Land, 10 für Bodenerwerb in der Stadt und in der Umgebung der Statd, 10 bis 12 für Bode na Meliorationen und der Rest für die übrigen Aufgaben des Keren Kajemeth verwendet. Diese Tendenz muß auch weiter fortgesetzt werden. Wir müssen gewiß auch alles daran fetzen, um Regierungsboden umsonst zu erlangen. Aber auch trenn die Regiermrg uns Boden in größtem Ausmaß anbieten würde, würde ich vonr Kongreß fordern, jeden nur möglichen Boden, der uns angeboten wird, zu erwerben. Wenn man von der Erlösung des Bodens spricht, fragt man nicht nach dem Preise, sondern nach dem Willen der Nation. Ein Beifallssturm bricht los, als der Vorsitzende Weizmann das Wort erteilt. Erst nach ein'gen Minuten kann der Präsident der Organisation seine Rede beginnen, welche die Antwort auf de in der bisherigen Generaldebatte aufgeworfenen Fragen und Anwürfe darstellt. Weizmann führt unter anderem aus: Ich will nur kurz in der Reihenfolge der Redner, wie sie in der Generaldebatte gesprochen haben, antworten. Herr F a r b st e i n hat behauptet, die Exekutiv« hätt^ mit Ausnahme der Eröffnung der Universität keinen einzigen Fortschritt in der Politik zu verzeichnen gehabt. Ich kann dem Kogreß mit keinerlei Sensationen aufwarten. Unsere Tätigkeit setzt sich aus kleinen Arbeiten zusammen. die vom Standpunkt der Galerie und der Straße in Wien und Warsck-au langweilige Arbeiten sind. Ich nmß es ablehen, irgendwelche Veraui'wortnug für die Ausführungen des Kclonialm misters Amery zu übernehmen. Aber was Hattert sie gesagt, wenn Amery den Arabern und Gegnern m Jerusalem erklärt hätte, er beabsichtigte. die 5ibnt;Hifiraiion so;u leiten, daß ohne Rücksicht auf die Folgen in Palästina eine jüdische Majorität entstehe'? Das l)ätte vielleicht im Augen- Aick vom Standpunkt der Agitation auSgebeutet werden können; aber ans wäre damit ein BLreMenlst nmfefttt worden. Die Rede des Kolontalminisiers hat auf die Araber einen viel schlechteren Eindruck gemacht als auf Herrn Farhstsin. Amery war, ist und wird ein konsequenter Freund der zionilst-schen Bestrebungen bleiben. Die Regierungskommjfsion war tatsächlich etwas wn* ruhig wegen gewisser Erscheinung«« in Tel- Awiw ud hat deren gedacht, gewisse Maßregeln! zu ergreifen, um Ersche nungm, wie Vodenspekii.! Iotion, Wohnungsmangel ufw. clnftUMmmtn. Ich habe mit der Regierung über diese Frage eingehend ' verhandelt und ihr von Maßregeln abgeratcn; ich glaube, daß sie in diesem Fälle dem Rate der Jewifh Agency folgen wird. Wir verlangen mit gutem Recht, daß jüdische Beamte so weit als möglich angestellt werden. Wenn mau sich jedoch Verallgemeinerung erlaubt, weil irgend ein jüdischer Beamter diese- oder jenes getan hat. wadieser oder j jener Gruppe nicht gefällt, und dann in den Kongreß daS j Wort schleudert, die jüdischen Beamten seien nych schlechter als die antisemitischen, s» macht man die Lage der jüdischer: Beamten unmöglich. Es wurde uns auch vovgeworfen. daß die Mandatarmacht den neuen High Coniririsswner ernannt hat, ohne die Jewifh Agency zu fragen. Ich erklärte offen, daß wir nicht gefragt worden sind. Die britische Regierung ist meiner unmaßgeblichen Auffassung nach mir verpflichtet, einen High Commission er rtach Palästina zu senden, der mit den Be st reb ungen des Mandates sympathisiert. Das können und haben wir verlangt. Einen bestimmten Mann zu verlangen, wäre ein Eingriff in die souveräne Prärogative der Mandatarmacht. Lord Plumer hätte die Stelle nicht angenommen, wenn er gewußt hätte, daß er sich im Gegensatz mit der dort befolgten Politik befinden kann oder befinden wird. Stellen Sie schon in den ersten Wochen der neuen Regierung keine Vergleiche an, die unsere Arbeit in Palästina schädigen. Es macht nichts, tvenn Sie mich angreifen, dazu bin ich da. Aber bleiben Sie dabei stehen! Äit Jahren habe ich all« Angriffe, die Sie gegen Herbert Samuel gerichtet haben, über mich ergehen lasten. Dieselben Leute, die ba mals angegriffen haben, finden nun nicht genug Lobsprüche über Samuel. Ich rate Ihnen, keine hysterischen Angriffe und keine hysterischen Lobsprüche! s ■ ■ 4% . ■ PHYSIKAL.-DlXTET'SCHE HEILANSTALT I. RANGES EINGELEITETE SCHWEFELQUELLENBAdER »19 Baden b.Wlen Arlo soroff hat den Rückschlag hevvoryohoben, .den unsere Politik. hauptsächlich in Genf erlitten hat. Genf 'hat tatsächlich nicht das volle und richtige Verständnis für bceS, tvas Genf den Dualismus de s Mandates nennt. Es wird einer sehr weitgehenden politischen Erziehung bedürfen, um richtiges Verständnis für dies« Dinge hervovzurufen. Kein Geringerer als der Außenminister des bvrtrschen Reiches hat die Korrektur vorgebracht, weLche ins Protokoll der Beschlüsse der allgemeinen Sitzungen des Völkerbundes eingetragen wurde. Das ist es, was wir tun konnten. Aber gerade aus diesem Falle sollten Sie eine Lehre ziehen. Aus dem vorigen Kongreß wurde vielfach behauptet, daß man, wenn man mit der.Mandaiavmacht nicht richtig fertig wird, vor den Völkerbund treten wird, tum ihn aufzufordern, das Unrecht, das uns geschehen ist, gutzumachen. Sie sind u m eine Illusion ärmer geworden und werden nach Schluß meiner Rede noch um einige andere Illusionen ärmer sein. Herr G r ü nbaum erklärt, wir hätten auf ein Resultat der . Jewifh Agency gewartet und es fei nicht gekommen. Er erwartete deshalb von mir, ich würde selbst kommen und evkläven, es sei nichts zu machen. Wir sind in der Frage der Agency den konstitutionellen Weg gegangen und Grünbaum und ferne Jünger waren es, die verhindert haben, daß die Sache schneller Vovwärtsgeht. Zuerst verhindern sie eine Sache und nachher Verlangen Sie rasche Resultate. Man versucht uns einzureden, daß die Exekutive und auch ich jetzt schon glauben, die'Agenchseigefallen. Wieder will ich Sie um eine Illusion ärmer machen. Wir haben den Standpunkt in der Frage der Agency nicht geändert, werden ihn nicht ändern und hoffen, diesen Plan auf dem Kongreß durchirr s ü h r e n. Ebenso wenig berechtigt ist der Vorwurf, daß ich oder meine Kollegen die Zionistisch« Organisation zerstört haben. Ich habe stets reinen, vollblütigen, hundertprozentigen Zionismus getrieben und niemals ein, Surrogat geboten. Gerade darin liegt vielleicht die kleine Stärke, die ich besitze. Wenn Grünbaum mit tan von ibm gcbrauchten Worte „Ugoda" mir Unterwürfigkeit oder ServilSnurS oder wie man es sonst nennen möchte, verwirft, so age ich darauf: Es gibt zwei Arten von Würde, die m e cha n i s ch e, sich in Posttur zu werfen, den Staatsmann zu spielen, sich auf mystische Kräfte zu stützen« die man nicht besitzt, Einhlldungen 24. August 1925_Nr. 2387 AUFWERTUNG JEHER ART .Fachmännische Beratung ✓✓ Vertrauenswürdige Vergteicbsvoraehläge Vf RMITTLUNGS-ZENTRALK QIS. M. B. H. BERLIN W 9t KlehhtmtraiM« Kurfdrai 8B2<KJ3 Sprechstunde 4—7 Uhr nachm. Samstags 1^0—300 Uhr 1111 ivnd Wahnvorstellungen zu schaffet!. Das halben wir bewußt nicht getan; denn damit evuieckt inan die Vorstellung von politischer Charlataneric. Unsere Staatskunst basiert auf dem Gefühl des Rechtes, die alles einsetzt in dern Moment, wo cs notwendig und möglich ist, dieses Gefühl des Rechtes auch beianderen hervorzurufen. Das ist Würde in unseren Augen. Alles andere ist politisches Klischee und Schablone, die von anderen Völkern erborgt ist. Ich bin ein jüdischer Staatsmann und Sie sind ein assimilierter Mensch. Ben G u r i o n hat mit Recht einen Ton der Resignation in meiner Erösfnungsaspräche konstatiert. Aber dieser Ton der Resignation ist weniger abgestimmt auf Dinge, die ich infolge objektiver Schwierigkeiten nicht erreichen kann, als darauf, daß wir nicht alle Möglichkeiten im Rahmen dessen, ivas in unserer Macht steht, erschöpft haben. Herrn Jean Fischer und denen, die seiner Ansicht sein sollten, muß ich wieder eine Illusion rauben: Das Weißbuch wird nicht geändert werden. Mer öS kann zu einem Blau-Weiß-Buch gemacht werden, jedoch nur durch Arbeit im Lande, ein anderes Mittel gibt eL nicht. Mereminsky gebe ich zu, daß das Jmmigrationsgesep nicht ideal ist. Aber gewisse Fortschritte gegnüber dem alten Gesetz sind doch gemacht worden. MereminSky hat auch ebenso wie Jabotins^y erklärt, die englische Regierung baue sich in Palästina eine strategische Position, ohne daß wir, die man ausnütze, ein Aequivalent erhalten. ES gibt in England militärische Experten, die behaupten, daß Palästina für irgend eine Verteidigung des britischen Imperiums ganz unmöglich ist. Eine andere Schule sagte, ^iß die Positionen in Palästina einen Wert haben, aber ohne die Juden und ohne das Mandat ivären sie noch viel wertvoller. Ich gebe Ihnen jedenfalls den Rat, sich nicht in die strategischen Fragen des britischen Imperiums zu verlieren. Das britische Reich wird es in der Zukunft sich vielleicht als ungeheures Verdienst zuschreiben, -aß es versucht hat, eine Frage, die in der Geschichte dor Welt als Symbol der Ungerechtigkeit dasteht, im Sinne der Gerechtigkeit zu lösen. Das ist ein strategischer Wert, der nicht in Heeren besteht und nicht in Parlamenten aüsgewertet wird, sondern von ungeheurer Bedeutung a la longue ist. Darin liegt auch die grundfalsche Prämisse der ganzen Rede Jabotinskys. Was er gesagt hat. wäre glänzend anzuwenden, sagen wir auf ein Land wie Rhodesia. Aber Palästina ist nicht Rhodesia. und daran bleibt die Sache hangen. Es geht in der jüdischen Gasse wieder einmal eine Legende, daß Palästina eine ungeheure Menge StaatSland-reirn hat, aber sie sind eben eine Legende. Es gibt keinen anderen Weg als, wie Ussischkin sagt, den Boden in Palästina, den wir brauchen, mit jüdischem Geld aufzukaufen und zu erlösen. Bon Schutzzöllen verstehe ich nicht viel, aber es wäre gut, weun Jabotinsky Schutzzölle nicht zur Grundlage einer Weltanschauung machen würde. Auf Schutzzoll in Palästina ivürde vielleicht Syrien ebenfalls mit einem Schutzzoll antworten, und man könnte auf der einen Seite verlieren, was man auf der anderen gewonnen hat. Man kann auch keinen Schutzzoll einführen, der nur zugunsten eines sehr kleinen industriellen Teiles der Bevölkerung gilt. Die Anleihe ist eine politische Frage ersten Ranges. Sie verlangt langsame, systematische Vorbereitung. Wenn jedoch jemand glaubt, daß die Anleihe jenralS den Keren Hajessod ersetzen wird, dann gibtersicheinerbitterenEnttäuschung hin. Gerade um die Anleihe zu bekommen, müssen die Einnahmen des Keren Hajessod und des Keren Kajemeth von Tag zu Tag gesteigert werden. ' Der Schlüssel zur Situation liegt darin, in wirklicher Freundschaft und Zusammenarbeit mit den Arabern den nahen Osten der jüdisschen Initiative zu eröffnen: und dazu ist Palästina ein goldener Schlüssel. Palästina muß aufgebaut werden, ohne daß den legitimen Interessen dÄ Arber ein Haar gekrümmt tvird. Auch Herbert Samuel soll nicht zum Objekt der Parteileidenschaft gemacht werden. Ich brauche Ihnen nicht zu sagen, daß ich ihn genau so hochschätze. Arlo soroff hat von Herzen gesprochen, als er sagte, wir sollen allez tun, um die Kräfte Samuels für die Dienste des Zionismus zu bewahren. Er wird kommend und wird, wenn er sich ein Jahr ausgeruht hat, den gebührenden Platz in unseren Reihen einnehmen. Aber erschweren wir ihrn nicht den Weg durch unsere allzu süßen Einladungen. 0789034^6335