Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 7 (1925)
- Issue
- Heft 2337 (24.8.1925)
- Date
- 1925-08-24
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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20 Grosdien Redaktion, Administration: Wien, ILTaborshr. 1 Telephone: 44-0-38,43-3-19 Ab 6 Uhr: 21-102, 25-2-82 IX. Universitätsstrasse 6—8 (Druckerei Ign. Steinmann) Oestcrreichisches Postsparkassen-Konto Nr. 150.693 Bezugsbedingungen für Oesterreich monatlich 5 S KONGRESSAUSGABE Wiener orsenMUNg L KAmtnerstr. 11-15 Mantel Kostüme Blusen Pelse Hüte wasche Rr. 2337 Me«. Stotttaa, 24. A«g«ft 1925 7. Jahrgang Der vierzehnte zionistentongreß. Fünfter Tag, achte und nennte Sitzung. Me große Rede Weizmanns. - Me krgSazungsreferate. - Me Wahl der AmfchSfie Man ist gestern in den Arbeiten des Kongresses ein Stückchen weiter gekommen. Die Wahl der Ausschüsse konnte vorgenommcn werden. Es wurden sieben Kommissionen dorgeschlagen und zwar: eine p o l i t i s che, eine Bankkommission, eine K o l o n i s a t i o n s kommt s s i o n, eine Erziehung s-, Einwanderung s-, Organisation s- und Budgetkommission. Alle bestehen aus 35 Mitgliedern, nur die Kolonisationskommission aus 70. Die KolonisationskomMission teilt sich in vier Unterausschüsse für Sanitätswesen, städtische und ländliche Siedelung und Arbeitswesen. Die Bankkommission wird eine Subkomtnission für die Anleihefrage, die Propaganda- Kommission einen Ausschuß zur Regelung des Verhältnisses zwischen Waad Leumi und der Exekutive bilden. Im Laufe des Nachmittag konstituierten sich diese Ausschüsse. Der P e r m a n e n z a u s s ch u ß besteht aus folgenden Mitgliedern: Arlosoroff, Vierer, Blum, Blumenfeld, Brod, Farbstein, Farchy, Feldmann, AK-HHoldberg, Goldbloom, Goldstein, Gordon, Gott'lieb, Hantke, Hilfstein, Hindes, Levite, Lewin, Mereminsky, Mossinsohn, Neumann, Nurok, Podlischewsky, Reich, Rothenberg, Rubaschow, Schramek, Silber, Stricker, Suprasky, Twersky, Weisgal und Wilkansky. Im Permanenzausschuß wird jetzt darüber beraten, ob der Leitung ein formelles Absolutorium zu erteilen ist oder ob die Generaldebatte einfach abgeschlossen werden und der Ausdruck des Vertrauens oder Mißtrauens bei der Wahl der nächsten Exekutive zum Ausdruck kommen soll. Viele Mitglieder des Ausschusses sind der letzteren Ansicht, andere jedoch nicht gewillt, von der bisherigen Tradition abzugehen; es ist auch noch die Frage offen, ob nicht Weizmann und die anderen Mitglieder der Exekutive auf dem bisherigen Usus bestehen werden. Mit der Rede Weizmanns hat die Generaldebatte ihren Höhepunkt erreicht. Eine Klärung der Situation konnte aber nicht herbeigeführt werden. Es fehlt die feste Hand, die den Kongreß leitet. Immer dringlicher melden sich die Fragen des Budgets und es wird sehr ernst daran gearbeitet werden müssen, die Versandung der Tagesordnung zu bekämpfen. Die politische Aussprache ist beendet. Aber die Rede Weizmanns ist kein Schlußwort, sie wird vielmehr durch den begangenen Regiefehler, ber sie in die Mitte der Debatte stellte, zum Ausgang einer neuen Redeflut werden. Vielleicht war sie auch als solcher Punkt gedacht. Weizmann ging in seinen Erklärungen, die das vollbesetzte und sehr beifallsfreudige Haus mehr als zwei Stunden lang fesselten, auf die einzelnen, bisher schon absolvierten Kontra-Redner ein. Irr seiner rhetorisch voll entwickelten Rede bemühte er sich, den Standpunkt der Exekutive gegenüber den erhobenen Beschwerden zu verteidigen. Aber diese Beschwerden haben sich in der Mehrheit weniger gegen die Exekutive gerichtet als gegen die Verwaltungspraxis in Palästina, die sich in 'Gegensatz zu dem Sinne des Mandates vollzieht. Und so hatte das Haus den Eindruck, daß Präsident Weizmann nur die politische Ergänzung zu dom wirtschaftlich-administrativen Tätigkeitsbericht Herbert Samuels lieferte. Weizmann hat eine sehr großzügige Konzeption des Zionismus, er zeigt Perspektiven, die tief in die asiatische Welt hineinreichen und die bisher wohl »roch kaum von der Tribüne des Kongresses in dieser Form entwickelt wurden. Aber sie sind kaum dem jüdischen Volk näherznbringen, wenn es sich nicht frei entfalten kann, und hier kehrt man wieder zum Mandat und seiner Handhabung zurück. Die Exekutive — führte Weizmann aus — kann nicht auf die Auswahl des OberkommissärS einwirken, sie kann nur vorstellig werden, daß die Bestimmungen des Mandates intakt bleiben. Das hat sie getan und Herr Weizmann ist überzeugt, daß Lord Plumer auf dem Boden des Mandates steht. Daraus kontmt Weizmann zu der Ermahnung zu geduldigem und vertrauensvollem Abwarten der nächsten Zeit. Er warnt vor der politischen Hysterie, ob sie sich nun gegen die Mandatsverwaltung oder die Mandatskommission des Völkerbundes wendet. Er verweist mit Nachdruck auf das Kräfteverhältnis, wie es nun einmal vorhanden ist, und das so geartet ist, daß es keinerlei Illusionen aufkommen läßt. Das ist eine sehr grausame Beleuchtung. Auch wir stehen auf dem Boden des Mandates, das unseren Rechtsanspruch begründet. Wenn unsere Forderungen, eine nach der anderen Illusionen sein sollten, was ist dann der Inhalt des Zionismus? Dann wäre ja die Auffassung des Ministers Amery richtig, daß es sich nur um ein Kulturheim handelt. Dann muß der Zionismus um so mehr zum Protest werden und das.wäre eine sehr große Gefahr für die ruhige Entwicklung. Aber dieses Zerstören von Illusionen ist doch im Ganzen negativ. Ein festes, sicheres politisches Programm, aus dem man die Pläne der Exekutive für die nächste Zeit erkennen könnte, hat d i e s e Rede nicht gegeben. Es ist anzünehmen, daß Herr Weizmann dies noch nachtragen wird. Er hat sich in seinen Ausführungen an die Gegenredner gehalten und alles Gewicht auf ihre Widerlegung gelegt. Hiebei ging er besonders scharf gegen Grünbaum vor, dessen politische Methodik er als Assimilation bezeichnet, Das ist wohl nur ein Kapsus linguane, aus der ve^argerten-Stimmung des so viel angegriffenen Führers heraus. Im übrigen wird man nunmehr mit großer Spannung aus das politische Expose des Präsidenten warten müssen. Ser Atzungrverlauf. In die gestrige BormittagssiHung, die um halb 10 Uhr vom Vizepräsidenten M o tz k i n eröffnet wurde, wurden zunächst, um der gründlich verstopften Tagesordung Herr zu werden, die Referate über die Einwanderung (Prof. Pick und S p r r n z a) eingeschoben. Professor P i ck, das misrachistische Mitglied der Zionistischen Exekutive in Evez Jsael, hvb in seinem Jmmigvationsreferat hervor, daß die alle Erwartungen übertreffende Steigerung der EmiwMtdsrung m der gsgenlvärtigen Berichtsperiode — die Immigraiion ist von 800 auf meher als 3000 Personen monatlich gestiegen, von Jänner bis Juli 1925 sind 21.000 Einwanderer ins Land gekommen und ihre Zahl dürfte bis zum Ende diofes Jahves auf 40.000 steigen — den Rahmen des vom 13. Kongreß festgesetzten und von der Aktionskomitoesitzung noch gekürzten Immigrationsbudgets von 27.600 Pfund gesprengt hat, so daß es überschritten werden mußte. Diese Ueberschreitung wurde von der Exekutive bewilligt, durch die amerikanischen Zionisten wurde ein Sonderbetvag zur Verfügung gestellt, der die erforderlichen Mehrausgaben ermöglichte. Bon April 1919 bis August 1926 find insgesamt 79.900 neue Einwanderer nach Erez Israel gekommen. Ausgegeben wurden: im Jahre 5682 für. 9.219 Einwanderer 68.602 Pfund, . . 5683 „ 10.490 . 43.287 „ „ „ 5684 „ 14.000 „ 34.765 „ Es werden voraussichtlich im Jahre 6685 für 40:000 Einwanderer 41.600 Pfund auSgegeben werden. . Dies zeigt, daß es durch Verbesserungen in der Organisation der Einwanderung möglich tvurde, den Betrag des reduzierten Immigvationsbudgets um zirka 50 Prozent zu überschreiten, während die Zahl der Einwanderer sich in diesem Jahre gegenüber dem Vorjahre um das Zwei-; einhalbfache vermchrt hat. Diese Ergebnisse scheinen zu bestätigen, daß wir den «richtigen Wog gefunden haben, die Immigration in der Werse zu lenken, die den augertblicklichen Bedingungen entspricht. Wir glauben, daß der Beweis erbracht ist, daß man die Zahl der arbeitenden Kräfte, deren Einordnung durch die Zionistische Organisation zu erfolgen hat, in ein Verhältnis bringen muß zu der Zahl der sogenannten Mittel st ands-Alijah und zu der Zahl dev sogenannten vermögenden Einwanderer, die auch für diese Einwanderung die Möglichkeit der Arbeit schaffen. Die der Lage entsprechende Leitung der Jmmigrationsangelegenheiten im Lande und außerhalb und die Tatsachen, daß die Immigranten im Lande Beschäftigung fanden, hat die Ma nda ts v e rw altung dazu gelbracht, unsere Forderungen für eine Vergrößerung der I m m i g r a t i o n anzuerkennen und uns für das letzte halbe Jahr April bis Oktober 10.000 Zertifikate zur Verfügung zu stellen, von denen zirka 2000 unseren Gesinnungsgenossen in Rußland zur Verfügung gestellt wur* den. Wir haben ein Budget von 68.000 Pfund für das kommende Jahr der Zionistischen Exekutive in Jerusalem unterbreitet, indem wir glaubten, Vorsorge wessen zu müssen für mindestens 12.000 aus Arbeiterelementen und 14.000 aus den Kreisen des Mittelstandes und der Handwerker. Als Stütze des Mittelstandes haben lwir 15.000 PfundAn leihen für die sogenannte Mittelstands-Allijah und für die Handwerkerkreise eingesetzt, 3000 Pfund für den Bau provisorischer Hausbauten für die neue FainibieMinwandernng und 1200 Pfund für den Mevkas der Histadruth Owdin, die sich mit der A r b e i t e r v e r s o r g u n g für die Genossen beschäftigen. Bezüglich der Hachscharah, der Vorbereitung der Einwanderer, soll anerkannt werden, daß die Summe, die für Hachscharah zur Verfügung stand, durchaus nicht den Notwendigkeiten entsprach. Für das neue Budget haben wir einen Betrag von 6000 Pfund eingestellt, der nach' besonderen Bestimmungen verwaltet werden soll. Die Frage des Mittelstandes wird zweifellos in den Diskussionen des Kongresses einen breiten Raum einnehmen.. Es sei festgestellt, daß der Abteilung für Immigration n i ch t die Mittel für die Mittelstandseinwanderung zur Verfügung gestellt werden, und es ist zu hoffen, daß jetzt, wo diese Frage eine besonders ernste geworden ist, der Weg zu ihrer Lösung gefunden werden wird. Das Referat des Mitgliedes der Zionistischen Exekutive in Palästina, Sprinzak, über die Tätigkeit der Zionistischen Organisation in Palästina auf dem Gebiet der Arbeit betont, daß gegenwärtig etwa 10.000 jüdische Arbeiter in Palästina leben. Dazu kommt eine Reserve von 30.000 Chaluzim im Galuch. Wir alle sind daran interessiert, dem jüdischen Arbeiter in Palästina die günstigsten Bedingungen für feine Arbeit zu schaffen. Aber es geht dabei nicht allein um Arbeitszeit und Arbeitslöhne, sondern um den I n h a l t und die Z i e l e der Arbeit. Der Inhalt der Arbeit ist der Aufbau Palästinas, ihr Ziel Produktivierung der Massen des Galuth in Palästina. Besonders wichtig ist. daß der jüdische Arbeiter in den jüdischen Kolonien festen Fuß faßt. Die Organisation muß den Arbeiter so ausrüsten, daß er imstande ist, die Kolonien zu erobern. Jetzt arbeiten im ganzen 2500 jüdische Arbeiter in Kolonien, 30 bis 40 Prozent der Arbeiter arbeiten in der Stadt. Nur wenn wir neue Arbeiter in die Kolonien bringen, werden sich die 2500, die jetzt dort sind, halten können. Dies ist eine Frage von besonderer nationaler Wichtigkeit. Die Einwanderung von Mittelständlern, die jetzt 3000 bis 4000 Menschen im Monat beträgt, wird weiter steigen, und wir müssen uns auf dieses Wachsen vorbereiten. Für die Hachscharah, die Vorbereitung zur Arbeit im Lande, wurde im allgemeinen sehr viel getan, sehr wenig jedoch für die Hachscharah der Frauen. Die Frau der vierten Alijah ist bis jetzt in keiner Weise darauf vorbereitet, ihre Arbeit $u tun. Unsere ganze Arbeit ist von Gefahren bedroht, wenn es HÜBNER'S KURSALON DER STADT WIENV Eintritt frei BESTE JAZZ-BAND WIENS Eintritt frei