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Wiener Morgenzeitung · 1925-08-23 · Heft 2336 (23.8.1925) · p. Seite 6

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
7 (1925)
Issue
Heft 2336 (23.8.1925)
Date
1925-08-23
Page
Seite 6 (sequence 6)
Language
German
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Seite 6 Wien, Sonntag durch ihre vorzügliche Ausführung und Qualität Steiners | meiner# Paradiesbetten haben ihren Weltruf Nur echt zu beziehen von der Paradiesbettenfabrik SteinerM. I.t RotanturmstraSe IS Schottenrtng 13 V„ MiigarttonititB« 71 V., ffaahla Wlansalie 87 Fabrik i VI., Mollardgaase 28 14 Messingbetten, Eisenbetten, Kinderbetten. Matratzen» Daunendecken, Steppdecken, Schlafmöbel etc. wie klein unser Wirtschaftsgebiet in Erez Israel ist und wie verhältnismäßig bedeutend die Kapitalien sind, die zur Fortführung des Aufbauwerkes ins Land gebracht werden müssen and hüten wir uns, dem Hcreinströmen dieser Kapitalien durch Zollwäll« Hindernisse zu bereiten. Wir müssen es uns als Ziel vor Augen halten, daß es dem Einwohner Erez Israels möglichst leicht gemacht werden muß, rentabel zu produzieren; eine Boraussetzung dazu sind billige Lebe ns k oft en. Die passive Handelsbilanz wird bleiben, solange die KapitalKbewegrtngsbilanz Palästinas passiv fein wird. Ein zweites Problem, das bisher auf dem Kongreß noch nicht erörtert wurde, ist die Frage der Regelung des Geldwesens in Palästina. Unsere Kreditinstitute in Palästina werden erst dann die ihnen zufließenden Mittel entsprechend verwenden können, wenn ihnen eine entsprechende zentrale Kreditreserde m einem kräftigen Zentralnoteninstitut zur Verfügung steht. Hoffentlich worden bei Gründung unseres palästinensischen Noteninstituts die Vorbilder, die die Regelung des Geldwesens auf dein europäischen Kontinent, in Amerika und in den englischem Dominions bieten, stärkeren Einfluß haben als die Anschauungen der Bank von England, die, wie wir es hier in Oesterreich ja erfahren haben, einer ausschlaggebenden Tätigkeit des Noteninstituts auf kreditpolitischem Gebiete abgeneigt sind. Hier erwachst unserer Leitung eine Aufgabe, an deren Bearbeitung nicht bald genug geschritten werdkn kann. Eine unzweckmäßige Einrichtrtng des Geldwesens in Erez Israel kann unseren: Aufbauwerk schwere Hinderniffe bereiten. Re jüdische Industrie in krez Israel. Aus dem Bericht dev Handels- und Judustviedepartements dev Zionistischen Exekutsve. Die Gründung einer Reihe notier Industrien durch Juden und. die Konsolidierung einer großen Zahl früher geschaffener Unternehmungen, das sind die .Hauptcharakteristika der Periode seit dem letzten Kongreß. Die neue Immigration brachte eine beträchtliche Menge von Leuten ins Land, die kleinere und größere Kapitalien besitzen, und die sich selbst in . Handel und Industrie 'etablieren können. Der Zufluß von Fachleuten für verschiedene industrielle Prozesse hat sich als wertvoller Gewinn erwiesen. Mehrere wichtige neue Unternehmungen mögen in Äer Textilindustrie erwähnt werden; so die Gründung einer modernen Seidenweberei und Baumw o llstri rk ere i, letztere mit zwei Spinnereiserien, die Gründung von mehreren mechanischen Unternehmungen für Schuhriemcnerrzeugung und Aufspulen von Zwirn; die Aufstellung van Jacquard-Webstühlen und Gründung mehrerer mechanischer Fabriken für Erzeugung von Unterwäsche. mehrere kaufmännische Schneiderfirmen haben auch ihre Tätigkeit hier ausgenommen; die neue Teppichaveibereianlage soll hier auch erwähnt werden. Drei moderne Gerbereien und mehrere mechamische Schuhfabriken haben für unsere Gevberei- und Lederindustrie die Grundlage geschaffen. In der Industrie für Vorbereitung allgemeiner Ba umaterialien fft der Beginn eines neuen Zweiges — der Stein- und Marmorindustrie — von ibeträchtlicher Wichtigkeit. Mehrere H o l z b e a r b e i t u n g s u n t e r n e h m u ng e n wurden gegründet, aber nur lvenige davon sind von Bedeutung. Mehrere neue Artikel, wie Bureaumöbel. Haushaltungsartikel, gebogene Möbel. Wagen ustv., werden jetzt im Lande erzeugt. Eine Orangenkistenfabrik fft jetzt eben gegründet worden. Die Metallbearbeitungsindustrie hat manche Neuerungen von großer Bedeutung aufzuweisen, so eine Pflugfabrik, eine Fabrik zur Herstellung von Brennern für Kochmaschinen, mehrere Unternehmungen für Bettstellen und Kinderwagen; nrehrere Unternehmungen zur Produktion von Löffeln und Gabeln, Leuchtern, Mli-- gen Juwelen, Kronenkorken, Zubehör für elektrische Lampen. artistische Artikel, eine Schriftgießerei und mehrere allgemeine Gießereien. Ferner sind großzügige Unternehmungen für die Fabrikation von Metallfenstern und -Türen, landwirtschaftlichen Geräten uB allgemeinen Eiseirwaren errichtet worden. In der in Rede stehenden Periode wurden keinerlei erwähnenswerte Druckereien errichtet; es' kann aber eine Konsolidierung konstatiert werden. Die zwei kleinen Papierfabriken, wurden geschlossen; es _ Wiener Morgenzeltimg_ wurde aber an chrer Stelle eine moderne Unternehmung gegründet. Mehrere Karionnagensabriken, Buchbinder und Erzeuger von Papiersäcken, haben in verschiedenen Zentren ihre Tätigkeit ausgenommen. Die chemische I n d u st r i e hat auch befriedigende Fortschritte gemacht; die Hauptunternehmungen, die begründet wurden, sind: Meersalzfabrikation, zwei Alkohol- und Hefofabrrken; eine Zündholzfabrik fft jetzt fast vollendet, mehrere Laboratorien zur Herstellung von kosmetischen Artikeln und gewiffen Medizinen, eirw Waschblaufabrik, mehrere Seifen- und Oelsabrkken, mehrere Lack- und Farbenfabriken und einige primitive. Kalköfen, die jetzt gebaut werden. Ein« Kunstdüngerfabrik und die Zementfabriken mögen auch erwähnt werden. Die N a h r u n g s m i t t e l i n d u st r i e hat einige Ergänzungen gefunden, wie mehrere Makkaronifabriken, Biskuit- und Ma-zzochfabrkken, Süßigkeitenfabriken und Sodawasser- und Eisfabriken. Die Fischerei ist eine Industr'e, die feit den: setzten Kongreß eingcführt wurde und die gute Aussichten für Weiterentwicklung hat. Das Departement brachte 13 Fischerfamilien aus Saloniki ins Land, die in Akko angesiedelt wurden, wo sie vhren Beruf auSüben. Was die T a b a k i n d u st r i e betrifft, so würden mehrere kleine Unternehmungen gegründet, es mußten aber f a st a i I e w ieder geschlossen werden, infolge der Beschränkungen. d'"e das neue Gesetz aufevlegt. Eine moderne und große Anlage wurde gegründet und es wird erwartet, daß demnächst eine zweite, kleinere Unterrrehmung gegründet werden wird. Eine Glas p ol ie r- und Spiegelfabrik und mehrere Anlagen für Fabrikation von Art'koln aus importiertem Marmor sollen auch evtvähnt werden. Die jüdische Transportindustrie hat große Fortschritte gentacht. Eine große Anzahl von lokalen A u t o m o b i l l t n i c» wurden von Einzelpersonen und Ehauffeurgruppen übernommen in allen wichtigen Zentren und die Zahl der jüd'schen Automobile auf den Landstraßen ist gewachsen. Auch die Qualität der Autos hat sich irr bisher unbekannter' Weise gebessert. Haben (ie die Palästina-Ausstellung im Kongressgebäude (Wiener Konzerthaut) schon besucht? Die Ausstellung gibt ein getreues Bild ides gegenwärtigen tätigen und schaffenden Palästina«! Sie zerfällt in folgende Abteilungen: Ackerbau. Plantagen, Milchwirtschaft, Bienenzucht, Seidenzucht, Waldbau,, Städtebau (Tel- Aviv,' Haifa, Jerusalem), Industrie. Handwerk, Mineral- und Bodenschätze, Crzienungswesen, Hygiene- und Sanitä'swesen, Bodenbesitz, Ausstellung der Palästina-Künstler (Tepper, Struck, Zuckermann, Lewy, Schmidt u. a.) Abteilung der Jüdischen Arbeiter-Organisation Palästinas | Geöffnet von 10 Uhr vormittags bis 7 Uhr abends Die Idee des Knu Tozeretih Haarez (Kaust Landeserzeugnisse!) kam fast auf die ganze in Rede stehende Periode in AMvendung. Sie ist jetzt Gemeingut aller Schichten des Jischuw geworden. Vier Agenturen lokaler Produkte wurden vom .Handelsdepartement in verschiedenen Zentren eröffnet, in welchen ausschließlich lokale Produkte verkauft werden. Diese Agenturen sind nicht nur von Wichtigkeit wegen ihrer praktischen Bedeutung für die jüdischen Produzenten, sondern auch wegen ihres propagandistischen Wertes. Um der stets wachsenden Zahl von Anfragen über die Möglichkeiten des Exportes von Waren jüdischer Herkunft Rechnung zu tragen, wurde mit einer Gruppe von a m eriranischen Juden ein Abkommen getroffen, nach welchem eine Gesellschaft mit beschränkter .Haftung in Jerusalem gegründet werden sollte mit den: ausschließlichen Zweck, jüdische Produkte zu exportieren. Die in Frage stehende Gesellschaft wurde bei der palästinensischen Regierung unter dem Namen So har Ltd. registriert; eine Tochtergesellschaft unter dem Namen Haschemesch wurde gleichzeitig in New-Uork registriert. Nur die Zeit wird beweisen können, ob diese beiden Organe wichtige Faktoren sür die Entwicklung der lokalen Industrie werden sollen; die bisherige Erfahrung läßt uns noch kein Urteil fällen. Dank den Summen, die vom letzten Kongreß und vom Großen Aktionskomitee bestimmt wurden, war das Departement in der Lage, eine größere Tätigkeit in der Erteilung von Darlehen zu entfalte« als in der Periode zwischen dent 12. und 13. Kongreß. Während nur 14 Darlehen im Betrage von 1498 Pfund im Verlaufe der Finanzjahre 1921—1922 und 1922—1928 gegeben wurden, beträgt die Gesamtsumme in den Jahren 1993—1924 und 1924—1995 (bis 1. Mai) 6861.47 Pfund und die Zahl der Empfänger wuchs auf 92, Die seit den; 1. Mai gewährten und noch nicht ausge¬ 23. August 1025 Nr. 2336 L 6 C. HARDTMUTH* K0H-1-N00R BLEISTIFTE ZEICHEN- OND FARBSTIFTE ANERKANNT UNERREICHTE FABRIKATE ZU HABEN IN ALLEN BESSEREN PAPIERHANDLUNGEN J50 zahlten und die deinnächst zu gewährenden Darlehen werden die Gesamtsumme bis zum 1. Oktober auf 13.060 Pfund anschwellcn lassen und die .Zahl der Empfänger wird bis auf 130 steigen. Natürlich ist die geteilte Gesamtsumme unbedeutend int Vergleich zu den Bedürfnissen der jüdischen Jdnstrio von Erez Israel. Der Dar lehensdienst des Departements ist in den .Händen eines Darlehenskomitees. bestehend aus denHerren van V r i e S l a n ü uub Dr. Ruppin, Mitglieder der Exekutive, Herrn B a w l i, zweiter Platzmeister, und Herrn T i s ch b Y, Sekretär für .Handel und Industrie. In der Regel verlangt dies Komitee gute Garantien für die Rückzahlung, aber in einigen Fällen von Industriert, die große nationale Bedeutung haben, besteht das Kontitee nicht auf erstklassigen Garantien. WaS die Größe der gewährten Darlehen betrifft, so bewegen sie sich zwischen 2 und 825 Pfund. Nach den Bedingungen der Darlehen hätte die Summe von 3746 Pfund (inklusive 6 Prozent Jahreszinsen) bis 1. Mai zurückgezahlt werden sollen; taffächlich hat die Kasse aber mir 1130 Pfmtd erhalten. Das will keinesfalls bedeuten, daß ein bedeutender Teil der für Darlehen verwendeten Summen als verloren abgeschrieben werden oder als schlechte Darlehen behandelt werden nmß. Das bedeutet nur, daß das Darlehenskomitee nicht auf pünktliche Zurückzahlung dränget: will, wodurch die Lage der betreffenden Fabrikanten eine schwere würde, was nicht der Zweck des Darlehensfonds ist. Wie bereits gesagt wurde, sorgt das Kvmifce dafür, daß die gewährten Summen genüge n d sich ergo stellt find. Probleme der BodenvoM in Palästina. Bon Adolf Böhm. 1. Unter diesem. Titel erschien im Jüdischen Verlag knapp! vor dem Kongreß ein sehr instruktives Buch aus. der Feder Dr. A. Granovskys. Es gibt heute kaum ein aktuelleres Problem als jenes der jüdischen Bodenpolitik in Palästina. Das Verständnis dafür ist leider viel zu spät erwacht. Erst im Momente, wo die Bodenspekulation in Erez Israel sehr greifbare Formen angenommen hatte, wurde der jüdischen Oeffentlichkeit plötzlich klar, daß in ihr eine furchtbare Gefahr für das Ansiedlungswerk liege. Die theoretischen Ausführungen über diesen Gegenstands die schon seit Jahrzehnten von einzelnen Zionisten immer aufs neue vorgebracht worden waren, hatten niemals, auch bei den maßgebenden Stellen nicht, irgendwelche Beachtung gefunden. Besonders deutlich ist dies an. der Auffaffung zutage getreten, die man allgemein vom Jüdischen Nationalfonds, dem Keren Kajemeth hatte. In den Augen der meisten Zionisten war der Keren Kajemeth einfach ein Fonds für Geulath Haarez, die Erlösung des Bodens, d. h. für die Ueberführung von möglichst viel Land in nationaljüdischem Besitz. Granovsky hebt klar hervor, daß die Grundidee des Keren Kajemeth l'Jsrael auch eine zweite Seite hat: die bodenreformerische oder sozialpolitische, die bis heute vernachlässigt worden ist. Bisher sah man den Nationalfonds als einett Bodenfonds an, der vor allem ländlichen Boden, der die Grundlage der nationalen Kolonisaton bildet, zu erwerben hat. Dabei wurde vielfach betont, daß solcher Boden von privaten Käufern nicht erworben werden wird, da von ihm in absehbarer Zeit kein Ertrag zu erwarten ist. Man drückte mit dieser Auffaffung beit Keren Kajemeth zu einer Art Supplement herab. Uebrigens ist selbst jene dürftige Argumentation, daß Private landwirtschaftlichen Boden nicht kaufen, inzwischen hinfällig geworden. Bei. dent starken Drang der einwandernden Juden, auch bürgerlichen Elementen, nach Ansiedlung, ist ländlicher Boden heute ein Objekt der Spekulation geworden. Aber nicht nur Spekulanten, die auf einmaligen Gewinn hoffen, bemächtigen sich des ländlichen Bodens, sondern große private Gesellschaften kaufen solchen in größtem Stil, so daß sie fast schott tn ehrbesitz enalsderKerenKajem e 1 h. Unter diesen Umständen erkannte man die Bedeutung der ersten These der Londoner Nationalfondsbeschlüsse von 1920, nach denen der Keren Kajemeth „das Instrument der zionistischen Bodenpolitik in Stadt und Land" ist. Zum erstenmal seit 1920 ist vS heute wieder klar geworden, daß die Prinzipien der Bodenpolitik festgestellt werden müssen, wofür wir seit London kein Jnterrefle fanden. Granovsky legt dar, daß der Keren Kajemeth insbesondere in bezug auf die städtische Entwicklung Unterlasiungen begangen hat. Welch andere und gelündere Ent» Wicklung hätte Tel-Awiw genommen, wenn man vor Jahren grögere Bodenkomplexe in der Umgebung dieser Stadt erworben hätte. Schon De Lieme hat in der Aktionskomjteesitzung vom Februar 1920 den Grundsatz äufge-

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