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Wiener Morgenzeitung · 1925-08-23 · Heft 2336 (23.8.1925) · p. Seite 7

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
7 (1925)
Issue
Heft 2336 (23.8.1925)
Date
1925-08-23
Page
Seite 7 (sequence 7)
Language
German
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Nr. 2336 Wien, Sonntag Wiener Morgenzeitung 23. August 1925 Serbe 7 stellt, daß der Nationalfonds an der Peripherie der Städte billige Flächen erwerben sollte, wodurch der Preissteigerung des städtischen Bodens eine Grenze gesetzt werden könnte. Granovskh spricht sich init Entschiedenheit für die Führung einer solchen Politik auch heute noch aus. Er betont, daß solche Böden zum Unterschied von ländlichen eine dauernde gute Rente abwerfen, und solche Einnahmen — nur solche — könnten als Unterlage für eine Anleihe in Betracht kommen. Granovskh weiß sehr wohl, daß der Erwerb von großen vorstädtischen Terrains allein nicht genügt, um die abnormale Erhöhung der Mieten zu verhindern. Er empfiehlt daher, daß in den jüdischen Städten eine Anzahl von B o d e n st e u e r n eingeführt werde; jene nach dem gemeinen W er t der Grundstücke und jene auf den Umsatz (Be s i tz w e ch s c l st e u e r), ferner eine hohe W e r t z u w a ch s st e u e r, welch letztere in Tel-Awiw noch nicht eingeführt ist, während die beiden ersteren dort zwar schon bestehen, aber mit viel zu niedrigen Sätzen. Außerdem müßten die jüdischen Städte eine kommunale Bodenpolitik betreiben (Erwerb von großen Flächen, Einfluß auf das Wohnungswesen), deren Kosten aus den Eingängen der Bodensteuern zu decken wären. Da diese Mittel aber vorläufig dazu nicht ausreichen, müßte im gegenwärtigen Moment der Nationalfonds vorstädtischen Boden erwerben. In bezug auf den ländlichen Boden, der in steigendem Maße von privaten Gesellschaften gekauft wird, postuliert Granovskh, daß dem Keren Kajemeth das Recht zugestanden werden muß, unter gewissen Bedingungen jeden privaten Boden auf dem Wege des Vorkaufsrechtes in nationalen urnzuwandeln. Ueber Zwangsmittel zur Erlangung eines solchen Rechtes verfügt die zionistische Organisation sicher nicht, aber Granovskh glaubt, daß durch den Kongreß, den Druck der öffentlichen Meinung und schließlich durch moralische Einwirkung das Ziel erreicht werden könnte. Diese Erwartung ist durchaus nicht utopisch. Die wichtigsten privaten Bodenkaufsgesellschaften wie P. L. D. C., Meschek und Zion Commonwealth, sind alle von Zionisten gegründet worden, in deren Händen auch die Leitung liegt, und sie haben wiederholt, auch in ihren jüngsten Tätigkeitsberichten, öffentlich erklärt, daß sie sich der zionistischen Kontrolle unterwerfen wollen. Leider hat die zionistische Exekutive davon bisher keinen Gebrauch gemacht. Granovskh weist ferner darauf hin, daß Keren Hajessod und Hypothekenbank, insoweit sie ihre Kreditgewährung aus Siedlungen ausdehnen, die nicht auf Nationalfondsboden stehen, einen Druck auf die betreffenden Bodeneigner in der gewünschten Richtung ausüben könnten. Dieser Vorschlag deckt sich vollkommen mit der von uns 1920 in London aufgestellten These, daß die Kreditmittel der Zionistischen Organisation in erster Reihe solchen Siedlungen zugute kommen sollen, die sich den Prinzipien des Keren Kajemeth unterwerfen. Allerdings sind die privaten Gesellschaften im Begriffe, ein eigenes Kreditinstitut, die F a r m e r b a n k, zu begründen, aber auch diese Gründung erfolgt durch Zionisten und es könnte daher auch auf sie der zionistische Einfluß gewahrt werden. In bezug auf die Ameliorationen besteht bekanntlich eine Divergenz darin, daß es zwischen Keren Ka- Men — voran! Kleiderhaus GERSTL WM.Preist! Geratf-TOiöiatuug * eratl-Ulfi« . . . . Geratl-Sjjortanjug. Geratl-SBaterproof . . Geratl.Sebfttccf . . Geratl-iÄummimantel Garstl Modehose . . Gerat!-ffna6fnanjug 3 Stockwerke HERREN .KLEIDER DAHEM.KLE1DER HERRENWÄSCHE (Gegründei 25 Schaufenster jemeth und Keren Hajessod strittig ist, wie weit deren Kosten auf den Keren Kajemeth zu fallen haben, der nach den bestehenden Beschlüssen nur die „erste" Amelioration durchzuführen hat. Granovskh definiert diese dahin, daß sie solche Verbesserungen sind, die den Boden sanieren und in einen normalen Zustand bringen. In diese Kategorie gehören Entsumpfung und Entwässerung, Ausrodung des Unkrautes und Entsteinung. Diese Verbesserungen hat der Keren Kajemeth durchzuführen. Die weiteren von Granovskh als „positiv" bezeichneten Ameliorationen, welche dazu dienen, die Produktivität des Bodens zu erhöhen, um aus ihm die maximale Leistung zu erzielen: Bewässerung, Tiefpflügen, Düngung usw., hat der Keren Hajessod zu tragen. Mit Recht verlangt Granovskh eine scharfe Trennung beider in ihrem Wesen grundverschiedenen Investitionen. Nach einer Erläuterung der Grundzüge der vom Keren Kajemeth ausgearbeiteten Erbpachtverträge gibt Granovskh einen Ueberblick über die Arbeit des Keren Kajemeth seit 1908 und die Tendenzen, auf welchen diese beruht. Der Keren Kajemeth hat in den letzten viereinhalb Jahren bis Ende März 1925 6 4 0.0 OOP fuu d i n v estiert. In jedem Jahr steigerte sich der Anteil der Ausgaben für Bodenerwerb an der Gesamtsumme. Sie stiegen von 77,7 Prozent im Jahre 5681 auf 86,4 Prozent iür ersten Halbjahr 5685. Schlägt man die Ameliorationskosten hinzu, so sind die betreffenden Ziffern 83,3 Prozent und 88,2 Prozent. In der Hauptsache wurden landwirtschaftliche Böden erworben, wobei auf Konzentration des Besitzes und und Vergrößerung älterer, zu klein angelegter Siedlungen Bedacht genommen wurde. Auf Bodenkäufe in der Stadt wurden nur 67.00 0 Pfund oder 10,5 Prozent der gesamten Investitionen verwendet. Für Ameliorationen wurden 49.600 Pfund, das sind etwa 8,5 Prozent der Gesamtinvestitionen ausgegeben, Ende März betrug der Bodenbesitz des Keren Kajemeth etwa 200.000 Dunam. Wie bekannt, ist seither dieser Besitz durch den Kauf von Hule auf 20 Prozent erhöht worden. Trotzdem besitzt der Keren Kajemeth nicht viel über ein Viertel des in jüdischen Händen befindlichen Palästinabodens. 2. Eine zionistische Bodenpolitik in Palästina hat es bisher nur in beschränktem Maße gegeben. Nur insoweit die direkte Tätigkeit des Keren Kajemeth in Betracht kommt, kann von einer solchen gesprochen werden. Und selbst in dieser Tätigkeit haben sich erst nach dem Kriege gewisse Prinzipien herausgebildet, von denen man sagen kann, daß sie solche einer bewußten Politik wären: der Primat des Ankaufes ländlichen Bodens, der Erwerb großer zusammenhängender Flächen, die Konzentrierung dieser Tätigkeit auf bestimmte wichtige Gebiete, die Arrondierung von Siedlungen, die wegen ihrer Kleinheit nicht entwicklungsfähig sind, die Etablierung der neuen Kolonien auf genügend großen Flächen, die Planung der Chewrath Owdim — das sind die Richtlinien der Tätigkeit des Jüdischen Nationalfonds geworden. In bezug auf die Erwerbung v o n v o r st ä d t ischem Terrain beharrte aber die Mehrheit des Di-' rektoriunrs bisher auf einem ablehnenden Standpunkt. Die Begründung war, daß wir nicht Geld genug hätten, um ländlichen und vorstädtischen Boden zu erwerben, deshalb müsse man sich auf den wichtigeren Teil der Aufgabe, den Erwerb von ländlichem Boden, beschränken. So konnte es geschehen, daß die Haifa-Akkobai in die Hand von privaten Gesellschaften gelangte und der Keren Kajemeth nur mühevoll und unter schweren Bedingungen nachträglich einen Teil des Bodens in seinen Besitz bringen konnte. Dabei kann man von Djidro, ebenso wie von großen Flächen am Jarkon in der Nähe von Tel-Awiw gar nicht entscheiden, in welchem Maße solche Böden „vorstädtisches Terrain" im genauen Sinne des Wortes sind. Jedesfalls werden die betreffenden Städte früher oder später so anwachsen, daß diese Böden sukzessive einbezogen sein werden. Bis dahin sind^ diese Böden die idealsten für intensive Kulturen auf kleinen Flächen, weil sie gut bewässert sind und in der Nähe städtischer Zentren und des Meeres liegen. Mit der Zeit wächst die Stadt an diese Terrains heran und diqse in sie hinein. Vorher ist es aber Siedlungsboden, für den also der obige Einwand nicht zutrifft. Dieser Ei.nwand ist übrigens kein prinzipieller, denn vom Standpunkt der fehlenden Geldmittel ist zweierlei dagegen zu sagen: früher oder später — meist später — wird der Keren Kajemeth doch immer vor die Zwangslage gestellt, Terrains, die vorstädtischen Charakter haben, zu kaufen. So war es bei Haifa wie bei Tel-Awiw, und insbesondere wird die Ausführung des Beschlusses, Schchunoth Owdim zu gründen, dazu zwingen. Dann wird man doch für 5000 Dunam Preise von 15 bis 20 Pfund pro Dunam zahlen müssen, während man für den gleichen Betrag, wenn man rechtzeitig zugegriffen hätte, 20.000 Dunam zu GRXTZER PELZE Tel. 71.4.3« |. Rotenturmstrasse 22 '«>- 31-4.30 m DAS GUI EMPFOHLENE HAUS für moderne Pelze aller Art Ae Ausstellung der vMttnenfifchen Arlieiteriuftttuttonen. Im Pavterre der achten Stiege des Konzerthanses, :>n einem verhältnismäßig kleinen Raume, ist eine von der Allgemeinen jüdischen Arbeiterschaft Palästinas emgerichtete, ihre Leistungen durch Originalprodukte, Photographien, Diagramme usw. veranschaulichende Schaustellung zu sehen. Sie gibt vine gute, zusammenfassende Uebevsicht über das bisher von der jüdischen Arbeiterschaft Palästinas Geleistete, über die Möglichkeit des noch zu Leistenden und vor allem über den qualitativen Wert einer mit übermenschlichen: Heroismus uüd Opferfreudigkeit vollführten praktischen Hingabe an das jirdische Land und die in ihm ruhenden, hervorzuholeniden Schätze. Man wird sich dessen bewußt, was es heißt, seinen Leid und sein Leben in bcu Dienst eines Ideals zu ftcltcn. Es wird klar, daß eine Arbeit, mit der ganzen Energie der jüdischen Seele angefaßt, trotz der tausend und abertausend Hindernisse, trotz Verlästerung von der einen Seite uivb Skepsis von der anderen, daß eine solche in einer kurzen Spanne Zeit vollbrachte Produktiviernng von jüdischen Metrischen und des jüdischen Landes zum Gelingen führen muß. Beim Eintritt in derr Saal fällt vor allem der Pavillon des Kulturkvmitees, des Waadath Hatarbnth, auf. Man erficht aus den zur Schau gestellten Büchern, Zeitschriften, Tabellen und Diagrammen die Geschichte und den Stand der Bewegung zur Verbreitung rrnd Befestigung der hebräischen Sprache unter der schon im Lande vorhandenen urrid neu ankonmwnden Arbeiterschaft. Im Jahre 1912 ist dieses Komitee gegründet worden. Damals wurde eine wandernde Landwirtschaftsbibliothek gegründet, die bis zu der heute bestehenden Zentralbibliothek enrporreicht. die mit einem Bücherbestand von 60.000 Bänden in Del-Awiw ihren Sitz hat. Ungefähr 70 Prozent aller Bücher sind hebräische, die übrigen fremdsprachige. Filialen dieser Bibliothek gibt es ungefähr hundert, die in den Städten, Kolonien, Arbeitersiedlungen, in den von diesem Komitee gegründeten Schulen, in den Jmmigrantenheiuwn, m dm Eisenbahnstellen, bet Msilungen der Mischen Wachleute und in den abseits liegenden Ortschaften untergebracht. Die Tätigkeit des Kulturkomitves wurde mit Zunahme der Einwanderung, der wachsenden Zahl der Arbeiter in den Bau- und Jndustriezwoigen und der Gründung der Arb eiterst cdlnngeu im Emek immer verschiedenartiger. Seine heutige Tätigkeit gliedert sich in Abendkurse für Erwachsene, in Vereine und Abendschulen für die Jugend, in die Gründung von Schulen und Kindergärten, Einrichtung von Lesezimmern, Abhaltung von Vorträgen und Fachkursen und in eine verzweigte Berlagstätigkeit. Während im Jahre 1921 nur ungefähr 900 erwachsene Menschen Unterricht in den Abendkursen nahmen, besuchen diese Kurse im Jahre 1925 bereits 2500 Menschen. Interessant sind die Unterrichtsgegenstände. Sie umfassen neben hebräischer Sprache und der Geschichte der jüdischen Arbeiterbewegung im Lande auch das Studium der Bibel und, versteht sich, der neuhebräischen Literatur und Heimatkunde. Schulen und Kindergärten, die von der Arbeiterorganisation eingerichtet wurden, gab es" int Jahre 1921 nur einen Kindergarten und eine Schule nrit einer Zahl von zusammen 19 Kindern, im Jahve 1925 gibt es bereits 12 Schulen und 18 Kindergärten mit 628 Kindern, darunter auch die in drei Jemenitensiedlungen. ■ Aus der Verlagstätigkeit ist neben Büchern über Kwuzahprobleme die Herausgabe von Büchern über Säuglingspflege, über Hühnerzucht in Praxis und Viehzucht in Evez Israel. Zwei Fachzeitschriften sind gegründet worden, eine für landwirtschaftliche Fragen, „Hassadch", und eine von der Eisenbahnero rganisat ion herausgegebene, „Hakatar". Bemerkenswert ist die von der Histadruch hercmsgegebene arabische Zeitung „Hichad il-tmal" (die Bereinigung der Arbeiter), die für die arabischen Mitglieder, deren Zahl etwa 900 beträgt, bestimmt ist, wobei noch zu bemerken ist, daß die oben erwähnte Eisenbahnerzeitschrist außer in hebräischer auch in arabischer Sprache erscheint. Wenn man weiterschveitet, gelangt man zur Abteilung, die ein Bild gibt von der Entwicklung der Arbeiterbank (Bank Hapoalim), vom Wuchs der ArbeiteraEjah und des ziffermäßigeu. Standes der europäischen Chaluzbewegung. Beträchtlich und immer wachtzeM ijt die Einwanderung . •" ' & '< \ qualifizierter Arbeiter. Im Jänner sind 250 emgewandert, darunter 66 Frauen, int Juni schon 885, darunter 167 Frauen. Diese wachsende Zahl von geschulten Arbeitern ist den: Wirken des „Chalnz" in Europa zu danken. Seine für Palästina vorbereitende Arbeit ist durch eine Karte und ein Diagramm veranschaulicht. Die Arbeit vom „Hechaluz" in Europa ist in eigenen Siedlungen organisiert, in Großgütern und Gärtnereien, umfaßt Geflügelzucht, Bienenzucht, Gemüsearvbau, dann Tischlerei«, Schlosserei, Bauarbeiten, Botonarbeiten und Steinbruch. Die Jndustrieabteilnng zeigt die Arbeiten des Solelboneh. Diese kooperative Genossenschaft für öffentliche Arbeiten, Bauten und Industrie wurde im Jahre 1921 gogvmtdet. Sie hat Arbeiten ausgeführt in einem Gesamtwerte von 880.000 Pfund, und zwar für Gesellschaften und Privatpersonen, Regierungsstellen und jüdische nationale und Kolomsationsinstiltutionen. Sie hat die hebräische Universität zur Gänze ausgebaut, .die Ruthenbergschen Kmftstationen (die Hwrfaer Kraststation ist durch ein Modell auf der Ausstellung vertreten), Privat- und Geschäftshäuser, Straßen und Eisenbahnlinien. Man sieht die Steinbrucharbeiten, künstlichen und natürlichen Stein und Marmor und ihre Verarbeitung in verschiedenen Formen. Alles dies ergänzt durch ein prachtvolles Bildermaterial. Eines der größten Handelsunternehmen Palästinas ist die Konsum- und Berkaufsgenossenfchaft „H a m a s ch b i r". Sie ist nn Jahre 1916 gegründet worden und arbeitet init einen: Kapital von 12.000 Pfund Sterling. Der Umsatz erreicht 136.000 Pfund. Dieser Teil der Ausstellung und der anschließertde lcmd-< wlirtschafüiche, der palästinensische Feldsrüchte, Obst, Weizen^ Tabak :vsw. zeigt, ist ungemein reichhaltig und interessant, besonders die sogenannte kürbisähnliche anlerikanische Gurke. Mau verläßt de:: Raun:, der praktisch und nüchtern vom beginnenden Blühen eines erwachenden Landes erzählt unft hinter dessen Schlichtheit und Geordnetheit HKweiß mch BkM junger Mischer Menschen sichtbar wird, mit dem Gefühl der Genugtuung und des Vertrauens in die Kraft eines neu er® wachenden allen VoAeS,

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