Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 7 (1925)
- Issue
- Heft 2336 (23.8.1925)
- Date
- 1925-08-23
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Wien, Sonntag Wiener M«»rsen/rei1unn Nr. 2336 Ae „geprüften" Amerikawanderer. Das neue Einwanderungssyftem versagt. . Wir haben bereits berichtet, daß das amer.kanische Vmlwanderungsamt ein neues Systeni erprobt, um innerhalb der Einwandererquote sich nach Tunlichkeit ein sogenanntes „e r w ü n s ch t e s Ei u w a n d e r e r e l e m e n t" zu sichern. Dieses System besteht darin, daß amerikanische Beamte in den in Betracht kommenden Auswande- MNgÄandevtt das Auswanderermaterial schon diesseits des Ltzeans einer genauen Prüfung unterziehen und nur jenen Auswanderern das amerikanische Visum gewahren, «welche diese, übrigens sehr strenge Prüfung bestanden haben. Da im Sinne der heutigen Einwanderungspolitik der amerikanischen Regierung das nordische Element be: der Zulassung bevorzugt werden soll, ist schon seit geraumer Zeit in England und Irland je eine amerikanische Beamtenkommission tätig. Mit diesem System sollte auch erreicht Werden, daß die Besitzer eines amerikanischen Visums bei ihrer Landung in Amerika ohne jede neuerliche Untersuchung und ohne die Qualen der Träneuinsel Gllis-Jsland durchkosten zu müssen, ans Land gehen können. Die amerikanische Regierung denkt für den Fall, daß das System sich bewähren sollte, sogar an die völlige Auflassung des ganzen Apparates von Ellis-J s la n d," der sich bei dem alten System unzulänglich erwiesen har. Nun scheint es aber, daß auch das neue System nicht (jit dem a »gestrebten Ziele führen will. Wie uns nämlich aus New-Dork berichtet wird, kamen dieser Tage die ersten Einwanderer aus England und Irland an, die auf Grund peinlichster Voruntersuchung in der Heimat durch amerikanische Beamte das Visum und die EinrersebewilliW'Ng erhalten hatten. Diesen Einwanderern wurde auch die Zusicherung gegeben, daß sie anstandslos würden landen können, ohne Mis-Island passieren zu müssen. Zu ihrer Ueberraschuug jedoch wurde ein Teil von ihnen trotz Visum und Eiureisebswilllgung von der Hafenbehörde in New-Dork nach Ellis-Jsland gebracht und dort als ungeeignet für die Zulassung in Amerika befunden. Sie dürften auch wieder zurückgeschickt werden. Vorläufig versuchen diese angeihaltenen „Nordiks" durch Änen Rekurs be'm Eiuwanderungsamt in Washington den Einlaß zu erwirken. Immerhin scheint auch dieses System, das in England und Irland erprobt wird und dann auf alle Auswandererländer erstreckt werden soll, nicht zu entsprochen. Ae nationale« Minderheiten in Polen. Warschau, 22. August. Zur Frage der Errichtung einer Sektion beim Ministerium des Innern für die Angelegenheiten der n a t i o u a l e n Minderheiten in Polen erfährt „Przeglad Wieczornh", daß die Errichtung einer solchen Sektion nicht beabsichtigt ist, vielmehr soll in 'der politischen Sektion ein Beamter ausschließlich das Referat für die Angelegenheiten der Randgebiete erhalten. Für dieses Referat sei Siegmund Zabierzow.ski ausersehen, der in der Folge zum Sekretär der politischen Kommission des Ministeriums ernannt werden soll. ras Krim-Projelt. Protestversammlungen in Palästina. Jerusalem, 22. August. In ganz Palästina haben Versammlungen der jüdischen Bevölkerung stattgesunden, in denen gegen die Unterstützung des von der Sowjetregierung propagierten Projektes der Kolonisierung von Juden auf der Halbinsel Krim P r o t e st erhoben wurde. Sie ßhrlstllchsozlaken und PolkreiprWdent Schober. Die Staatskorrespondenz meldet: Eine hiesige Korrespondenz hat behauptet, in der Sitzung der Wiener christlichsozialen Parteileitung vom 19. d. hätten einige Redner das Verlangen gestellt, von -der Bundesregierung den Rücktritt des Polizeipräsidenten S ch o b e r zu fordern, und l ervorgehoben, daß das Polizeipräsidium in Wien seit geraumer Zeit der Herd von Intrigen sei, die sich insbesondere gegen Bundeskanzler a. D. Dr. Seipel richten, da S ch o b e r s Aspirationen auf eine neuerliche Berustmg auf den Posten des Bundeskanzlers abzielen. Bundeskanzler Dr. R a m e k hat sich sogleich bei der Wiener christlichsozialen Parteileitung informiert und es ist festgestellt worden, daß die Meldung der genannten Korrespondenz vollkommen e r f u n d e n ist. Die Stellung der christlichsozialen Partei in Wien zu Polizeipräsidenten Schober ist in dem parteianltlichen Communique vonr 20. d. in eindeutiger Weise gekennzeichnet, in welchem ausdrücklich mitgeteilt wurde, daß die Part ileitung oie vom Polizeipräsidenten erhaltenen Ausklärnngen mit Dank zur Kenntnis genommen und ihn der Unterstützung der chrtstlichsozialen Partei beim Schutz von Ruhe und Ordnnng gegen jeoen Störungsversuch versichert habe. Ruhiger Verlauf der völlischen Demonstration. Der Verband deutschvölkischer Vereine veranstaltete gestern in der Zeit von Y* *6 bis 6 Uhr abends auf dem Freihettsplatz unter dem Titel „Wiener Volkstag" eine Versammlung, nach deren Schluß die Teilnehmer über die Ringstraße zum Karlsplatz zogen, wo die Kundgebung um 7*8 Uhr abends ihr Ende fand. >lw'schenfälle haben sich nicht ereignet. China« Boykott gegen England. London» 22. August. lReuter.) Wie aus Hongkong gemeldet wird, ist dort der britische Handel infolge des Boykotts, der in Kanton mit strenger Konsequenz durchgeführt wird, vollständig zum S t i l l st a n d gekommen. Letzte Kurse. New-Vork,.?2 August. (Tel.-Komp.) Berlin 23.80. London Kabel 4.85 Yu, London Scheck 4.81?/«. Amsterdam 40.29, Paris -1.68, Brüssel 4.54, Rom 3.66, Madrid 14.41. Zürich 19.40, Stockholm 2fr.88. Oslo 18.85, Kopenhagen 28.83. Wien 14, Budapest 14, Prag 2.961/*, Belgrad 1.76-/,, Athen 154-/,, Buenos Aires 40-Ys». Rio de Janeiro 12.20. Bukarest 51-/2. Amerikanische Getreidemärkte. New-Bork» 22. August. (Tel.-Komv.) Weizen rot Winter 170-/i, Weizen hart Winter 175l/4, Mais 1193/4, Hafer 49V«■ Roggen 115. Ehikago, 22. August. (Tel.-Komv.) Wetzen per September 1627«. Dezember 161Y«. Mai 166Y*; Mats ver September 103*/*, Dezember 857s, Mat 89°/«; Hafer per ' September 40'/«, Dezemper 433/i. Mai 47-/,; Roggen per September 105, Dezember 108-/,. Mai 113. 23. Angnit 1925 Seite 3 Herbstneuheiten Damenkonfektion Führend in der Mode Spezialabteilung für Pelze Kinderkonfekiion Neuheiten in der Seiden-, Voll- und WnstästoffaMellung Hüte Modebänder Strümpfe Strickkostüme IUI .1.1.1—— .■»■um.-.i—i ... n—w Der Marottokrieg. Parts» 22. August. «Tel. der „Wiener Morgenzeitung".) An der französischen Front in Marokko herrscht vollkommene Ruhe. Dagegen haben 1>ie Rifkabylen ihre Angriffe aus die spanische Insel Alcuhemas erneuert und die dortigen Gebäude mehr als s ü n f S t u n d e n lang beschossen. Der militärische- Kommandant der Insel, Oberst Monaderie wurde schwerverletzt. Attentat auf dem Gouverneur von Martinique. Paris, 22. August. (Tel.-Komp.) Aus dem Gouverneur der Insel Martinique ist ein Attentat verübt worden. In dem Augenblick, als er sich nach Frankreich einschisfen wollte, wurden fünf Revolverschüsse ans ihn abgegeben. Der Gouverneur ist lebensgefährlich verletzt. Der Täter, der verhaftet wurde, ist der Sohn eines Generalrates, der bei den letzten Wahlen am 24. Mai von Anhängern des Gouverneurs getötet worden ist. Er erklärte, er habe lediglich Blut r a ch e erfüllen wollen. * Internationale Radiokonferenz. Wie aus Washington gemeldet wird, hat das Staatsdepartement die Negierungen von 42 Staaten zu einer im Frühjahr ' 1926 in Washington abzuhaltenden Konferenz für Radiotelegraphie eingeladen. Das Programm umfaßt die Revision der Londoner Radiotelegraphen- Konvention und Maßnahmen für eine internationale -Kontrolle des Radioverkehrs. * Der Begründer der Telegraphenagentur Stefan! gestorben. In Rom ist, wie I.T.A. meldet, Ettore Friedländer, der Begründer der römischen Telegraphenagentur „Agenzia Stefan!", am 18. August gestorben. Friedländer, der ein hohes Alter erreichte, hat fast ein halbes Jahrhundert lang diese Agentur geleitet. Der Imperialismus der Juden. Von Binjainin Scgek. Vor hundert Jahren sprach man von einem französischen Imperialismus, der von Napoleon dem Ersten herrührte, der Julimonarchie eignete und noch von Napoleon dem Dritten vertreten wurde. Als auf Betreiben Lord Beaconsfields Königin Viktoria zum Empreß of Jndia erhoben tvurde, sprach man gerne vom englischen Imperialismus und bezeichnete damit das Streben Englands nach Weltherrschaft, welches schon längst zum großen Teile verwirklicht war. Bor dem Weltkrieg sprach man vom deutschen Imperialismus, der darnach strebte, ein Weltreich „von Hamburg bis Bagdad" zu errichten. Die arglose Welt ahnte nicht, daß da im Verborgenen ein Imperialismus blühte, der weit umfassender, unersättlicher und gefährlicher war als alle die genannten Imperialismen. Diesem Imperialismus widmet Roger L a m b e l i n ein grundgelehrtes und erschöpfendes Buch unter dem Titel „L'imperialisme d'Jsrael", welches vor kurzen! bei Bernard Grasset in Paris erschienen ist, einem großen Verlagshaus, das die mit den: Grand Prix Balzac getönten WeÄe herausgibt, und bei denr auch Autoren mit denr Namen Halevy, Cremieux, ihre Bücher erscheinen lassen. Das Buch bildet einen Teil einer ganzen Serie, die Mr. Lambelin unter denr Gesamttitel „Le peril juif" (Die jüdische Gefahr) herauszugeben beginnt. Wer ist Mr. Lambelin? Einer der Fahnenträger der französischen Reaktion, Wortführer der Action Francaise und der Camelots du Roi. Als höherer französischer Offizier ist er Freund und Kamerad des Generals Bandenberg, der das Expeditionskorps nach dem Orient kommandierte, und diesen: Heerführer ist auch sein vorliegendes Buch gewidmet. Anfangs 1921 gab er eine Uebersetzung der „Protokolle der Weisen von Zion" des Nilus heraus (es war bereits die dritte in französischer Sprache) und versah sie mit mit einer ausführlichen kritisch-historischen Einleitung, in welcher er sich in tiefsinnigen Erörterungen über Herkunft und Ursprache der Protokolle ergeht. Es steht bekanntlich noch immer nicht fest, wann die erste Auflage der Protokolle erschienen ist. Herr Lam- M\n versichert, sie seien im Jahre 1902 erschienen, und zerbricht sich den Kopf, ob im Jahre 1903 eine zweite Auflage veranstaltet worden sei. Allein, kein Mensch hat jemals ein Exemplar der Auflage von 1902 mit Augen gesehen. Das erklärt Mr. Lambelin dadurch, daß die nichtswürdigen Juden diese Auflage aufgekauft und dem Feuertode überantwortet haben. Nun hat Mr. Lambelin aus der d r i t t e n Auflage von 1912 übersetzt, aber in der vierten Auflage von 1917 sagt Nilus ausdrücklich, daß die Protokolle zum ersten Male erst im Jahre 1905 erschienen sind, als Anhang zur zweiten Auflage seines bereits 1901 zum ersten Male erschienenen Buches „Das Große im Kleinen!" Es erhebt sich nun die heikle Dvppelfrage: Warum hat Nilus die Protokolle nicht gleich in der. ersten Auflage dieses Buches, 1901, veröffentlicht, sondern erst in der zweiten, 1905? Ferner: Wenn Nilus bereits 1897 in dem Besitz der Protokolle gekommen war, ist es ganz unbegreiflich, daß er dieses verhängnisvolle Manuskript so lange in seinem Schreibtisch verwahrte, ohne die Welt, ohne Europa, ohne Rußland vor dem. schrecklichen Schicksal zu warnen, welches die Juden ihnen im Geheimen bereiteten! Wer weiß, wenn Nilus rechtzeitig die Regierungen gewarnt hätte, wären uns vielleicht Weltkrieg, Weltrevolution und alles, was damit zusammenhängt, erspart geblieben. Es gibt nun Ketzer, wie Schreiber dieser Zeilen *), die behaupten, Nilus ija&e die Protokolle nicht vor 1906 veröffentlicht, weil sie früher nicht existierten, sie seien e r st während der ersten russischen Revolution, Herbst 1905, fabriziert worden, und zwar von keinem anderen, als von Nilus selber, können also nicht im Herbst 1897, auf dem ersten Baseler Zionistenkongreß, von Theodor H e r z l, noch von jemand sonst vorgetragen worden sein. Man empfindet es schmerzlich, daß Herr Lambelin auch in diesem so überaus gründlichen und allseitigen Werke es unterläßt, uns über diesen Punkt aufzuklären. Noch schlimmer steht es um die Ursprache VeS Pvotokollmanuskriptes, das denr Nilus Vorgelegen, und aus dem er den Text ins Russische übertragen hat. War die Sprache französisch oder hebräisch? Die Protokoll-Apostel *) Vergleiche Segel: ..Die Protokolle der Weisen von Ziyn, kritisch beleuchtet, eine Erledigung."- (Berlin, Philo- Verlag, 1923.) sind uneinig untereinander in diesem Punkte. Mr. Lambelin versichert uns: „Die russischen Uebersetzer (nämlich auch G. Butmi, der ebenfalls die Protokolle ins Rusiische übersetzt hat) sind beide ehrenfeste Männer." „Die Echtheit der Protokolle ist verbürgt durch den guten Glauben der russischen Uebersetzer. Sie versichern, das französische Original vor sich gehabt zu haben. Zwei Namen sind bekannt, S. Nilus und G. Butmi," schreibt der andere französische Uebersetzer Prälat Mgr. Ion in. Und gewöhnlichen Sterblichen will es scheinen, daß dem französischen Uebersetzer die Frage nahe lag: Warum hat Nilus neben der russischen Uebersetzung nicht auch den französischen Urtext veröffentlicht, wie dies immer üblich ist bei der Herausgabe wichtiger Manuskripte in frernder Sprache? Dadurch wäre ja den drei wackeren französischen Uebersetzer» die mühevolle Arbeit der Rückübersetzung erspart geworden . . . Mir lagen zwei russische Ausgaben vor, dik' von 1905 in photographischen Aufnahmen nach dem im Britischen Museum befindlichen Exemplar und die von 1911, nach der angeblich die deutsche Uebersetzung Beeks gemacht worden sein soll, die die ganze Protokoll- -ewegung in Europa und Amerika angeregt hat. Außerdem lagen mir sieben Uebersetzungen vor, drei französische, drei englische, eine polnische; jede Uebersetzung hatte eine Fülle von Angaben über alles Wissenswerte, was Ursprache, Herkunft, Verfasierschaft, Entstehung und Schicksale der Protokolle anbetraf. Fast drei Jahre widmete ich dem vergleichenden Studium dieser Angaben, die natürlich alle aus den lautersten Quellen fließen und alle miteinander wahr sind. Ich habe nun über die oben aufgezählten Fragen folgendes festgestellt: Nilus hat die Protokolle aus denr Französischen und zugleich aus dem Hebräischen übersetzt. Entstanden sind die Protokolle auf dem Zionistenkongreß in Basel, 1897, und zugleich 1901 in Paris aus Vorträgen vor Studenten. Gestohlen wurden sie von einer russischen Aristokratin bei einem hohen freinmurerischen Würdenträger und zugleich von der Gattin und Geliebten eben dieses Würdenträgers hei ihrem Gemahl; diese Dame übergab sie dann einem Freunde des Nilus, aus dessen Hand sie dieser erhielt; zugleich aber entwendete sie eben dieser Freund auL einem sehr umfangreichen Buch mit Prolol ollen, welches W (K MM*