Mannheim
Compact Memory

Wiener Morgenzeitung · 1925-08-23 · Heft 2336 (23.8.1925) · p. Seite 2

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
7 (1925)
Issue
Heft 2336 (23.8.1925)
Date
1925-08-23
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
90% known words query
IRI
…/2979076-2981191-2981422--23798-3011283
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Leite 2 Men, Sonntag ffiltite* Maraenzriruntz 23. August 1923 Nr. 2330 CAFE ATLASHOF UMMPUR » DAS RENDEZVOUS DER ZIONISTEN Der Kongreß. y. 2ß i e n, 23. August. Palästina hat in dieser Woche seinen neuen Oberfdiittttiffär empfanget!. Lord Plmner ist in Jerusalem angekommen und er wird wohl die nächste Zeit damit beschäftigt sein, die Verhältnisse dieses Landes aus dem eigene» Augenschein kennen zu lernen und sich selbst ein Urteil über die Bedürfnisse Palästinas und seiner Bevölkerung zu bilden. Die Bestellung des Marschalls ist in der' Oeffentlichkeit und dies wohl mit gutem Grunde,, aus militärpolitischen Motiveu erklärt worden. Die Entwicklung der Dinge im nahen Orient , ist tatsächlich so geartet, daß sic in allen Kolonialstaatttt mit wachsender Besorgnis verfolgt werden muß. An den Flügelpunkten der französischen Position herrscht Krieg, und wenngleich aus dem syrischen Aufstandsgebiet beruhigende Meldungen kommen, so ist doch die Nervosität unverkennbar, die in Frankreich herrscht. Das entzündliche Temperament des Orients führt allzuoft zu peinlichen Ueberraschungen und diese Erwägung war in England in erster Linie dafür maßgebend, daß die höchste Stelle in Palästina einem Militär anvertraut wird. Dies ist aber wohlauch dahin zu verstehen, daß die Zentralregierung alle wichtigeren politischen Entscheidungen an sich ziehen will. Für sie handelt es sich vor allem uni ihre Lebensinkeressen. Dies muß von jedem bedacht werden, der die palästinensische Frage prüft. Dazu ist in diesen Tagen reichlich Anlaß vorhanden. Der Zionistenkongreß ist in Wien versammelt. Alle seine Beratungen drehen sich um Erez Israel, dessen Entwicklung zur jüdischen Heimstätte heute bereits zum Zentralproblem des Judentums geworden ist. Es versteht sich wohl von selbst, daß das jüdische Volk an allen Ansprüchen festhält, die im Mandat an-, erkannt sind. Es muß prinzipiell auf der Linie bleibeu, die ihm im Baseler Programm vorgezeichnet und in der Balfour-Erklarrtttg festgelegt worden ist. Die Zionistische Organisation, deren Exekutive im Mandatsvertrag als die jüdische Vertretung bezeichnet wird, kann nicht von diesem. Weg abgehen. Die. allgemeine Lage des Judentums, die sich in den letzten Jahren in wirtschaftlicher Beziehung verschlechtert hat, stellt die stärksten Anforderungen auf Berücksichtigung. Das-. Judentum hat mit der Gegenwart zu kämpfen und kann die Zukunft nicht aus den Augen verlieren. Es kann nicht darauf verzichten, alle Vorbereitungen für die Erlangung seiner nationalen Sicherungen zu treffen, und es darf nicht vergessen, daß seine Erlösung nur so gelingen kann, wie sie der Zionismus in Angriff genommen hat. Es muß die Einwanderung verstärken, Arbeit und Arbeitsgelegenheit schaffen, die Siedlung mit genauester Erwägung aller Möglichkeiten ausdehnen und sie so leiten, daß nach Möglichkeit Konflikte der Weltanschauung und sozialen Inhalts vermieden wreden, die doch nur wertvolle Kräfte absorbieren und unnötige Verbitterung erzeugen. Diese innerpolitische Aufgabe der zionistischen Arbeit steht vor dem Kongreß. Sie wird kompliziert durch die Beschwerden über die Verwaltungspraxis der Mandatsmacht, deren Organe in Palästina vielfach die ursprüngliche Bedeutung der Völkerbundbestimmungen zu vergessen trachten. Es wäre unbillig, an dem guten Willen der Londoner Aemter zu zweifeln. Aber es ist ein langer Weg nach Tipperary und auf der Linie London—Jerusalem via Kairo scheint viel von den wohlwollenden Instruktionen Londons ins Meer zu fallen. Es mag vielleicht zutrefsen, daß viele in Palästina bestehende Meinungsverschiedenheiten zu scharf aufgefaßt werden. Im großen und ganzen aber ergeben alle auf dem Kongreß erstatteten Berichte die immer gleiche Klage, daß mit zweierlei Maß gemessen wird. Das Mandat legt der englischen Behörde nicht nur im Sinne, sondern auch im Text die Verpflichturrg auf, die Entwicklung der Siedelung zum jüdischen Heimland zu fördern. Aber dies geschieht nicht. Wir wissen, daß auch die Araber Ansprüche, berechtigte Ansprüche haben, aber bei dem Stande .der Bevölkerungsdichtigkeit wären Konflikte leicht zu vermeiden. Wir wissen auch, daß England in diesem Teile der Welt wichtige Interessen wahrzunehmen hat, die aber gleichfalls mit den unserigen nicht kollidieren. Aber wir können nicht zugeben, daß von unserem Besitztitel ball) hier bald dort ein Stückchen abgezwickt wird, und es muß jedermann verstäMich sein, daß der Kongreß diese Frage mit einiger Nervosität behandlet. Die Erklärungen Weizmanns über seine Besprechungen mit Lord Plumer haben sicherlich beruhigend gewirkt, trotzdem wird der Kongreß ein klares,.yttd usttzt^ßverständliches Wort sprechen müssen. Ae Autonomie der Wischen Gemeinde» in Deutschland. An« einem SesprSch mit dem SiieprSsldeaten des MUblsch-lllblschen Landesverbandes Nr. Alsred Klee. kann Nicht sagen, daß ich Nlit dcitt Ergebnis AS letzten JahreS mlMriedm tväke.DaS withtiM Ereignis bleibt die Begründung des LüttdeMkbandes der Preußisch-jüdischen Geweinden, wichtig für UNS tzvr allein aus zwei Gesichtspunkten: aus dem natioual-it UNd aus dem demokratische». Der Landesverband ist eine Körperschaft des öffentlichen Rechtes und hat «ich solche alle Recht« der Autonomie, um die iM Osten noch gerUngS» werden Imiß. Ich verstehe darunter das Bestenernngsre ch t, das Recht, Schulen, welcher Akt immer, zu gründen, also die kulturelle ÄntonoMie, ltnd darüber hinaus das Recht zur Schaffung Mt W s h ls a h r t s a 11 fl alten usw. Dann aber ist die Landesversammlnng hervorgegangen aus allgemetmw gleichen, direkten runv geheimen Gahlen aller Huoen, vte m Preußen wahnen, nicht nur der preußischen Juden. Ich sehe darin einen Sieg nuferer Idee, denn es ivar nicht leicht, Mit der in Deutschland ttcf verankerten Notabel Politik zu brechen. Die Zionisten haben in denk Wahlkampf ihren Mann gestellt und zur Zufriedenheit abgeschuittön. Mas meine Persönliche Einstellung zMU Latidesverband und feinem Programm anbetrifft, so verweise ich auf Meine Ausführungen als Vorsitzender nud Generalrcdnor der.Fraktion der jüdischen Lvlkspartei während der Generaldebatte -im Landesverband. Eine der wichtigsten und bedeutnttgspvllsteii Fragen ist für uns die Frage det Erziehung unserer Jugend. Es kommt darauf an, dafür zu sorgen, foajj ei.»- Geschlecht uns folgt, hoffentlich noch einheitlicher, Noch jüdischer als das abtretende Geschlecht. Deshalb bekennen wir uns un- . eingeschränkt zu der Forderung der jüdischen. Schule. Wir sind überzeugt, daß die jüdische Schule das wichtigste Mittel ist, den jüdischen Menschen zn sNÜVickdln. Wir wünschen, für unsere jüdischen 'Kinder' eine Mische"Ausbildung, die sie zu Bo llsu de n macht. Damit hängt .eine der dringendsten Aufgben, dir wir zu lösen haben, zusammen, die Le hre r frage. -Mir haben im Etat eine/Reihe von netten Lchrorstellen vorgesehen. Wir .hofstu, daß wir das Lehrerutatcriat hasten, die Stellen zu besetzen. Wir haben dem Lehrer in den Gemeinden eine seiner. Bedeutung entsprechende . soziale Stellung zu geben und dafür zu förgeit, -däß der- Alster wirtschaftlich so gestellt ist, daß er sorgenfrei vor..die, Klasse treten kann. Wir haben aber auch ein Lehrergcschlecht heranzubilden, das dieneue Zeit begreift, das Die Tagesordnung des Kongreffes. Beginn der heutigen Sitzung Um tzerttz 1V Uhr vormittags. Fortsetzung der Generaldebatte; Referatel Sokolow Erziehungsarbeit); Ussischkin (Keren Kajemeth); Dr. Feiwel (Keren Hajessod); Wahl der Ausschüsse. . Konferenz der Zionisten-Revisionisten. Die Konferenz der Union der Zioilisteu-Nevisionisten findet morgen Mibutag um 8 Uhr abends im Berbaud'slokal der Wiener OrtsgraM, 8. Bez., Auerspergstraße 21 <Soulcrraiu), statt. Bon Mllglieden der Union eiuigesührte Gaste erhalten die Gastkarte im Klubzimmer der ZiouistetEevistöttisten (Kvngreßgebäudv, Musikakädemie, 2. Stock, Tür 3) heute und morgen von 9 Uhr früh bis 7 Uhr abends. Bereits ansgegeböite GastkarteU behalten ihre Gültigkeit. Tagung dev Zionisten aus den österreichischen Bundesländern. Am Donnerstag und Freitag fanden hier im Saale des Ingenieur- und ArchMteuvereins Beratungen der Delegierten der zionistischen Ortsgruppen aus den österreichischen Bundesländern statt. Den Vorsitz führte Herr Karl S ch w a r z aus Graz. Die Tagung beschloß die Bildung eines 'P v o v t tt z t a l v e r hü n d e s mit einer stebengliedrigeu Exekutive, welche vorläufig abwechselnd tUtn-ustveise >in Linz, Graz und Innsbruck ibreu Sitz haben soll, wobei immer fünf Mitglieder in dem jeweiligen Ort wohnen sollen. Diese Exekutive errichtet ein Sekretariat. Jedes Jahr soll ein Provinzlag einberustu werden. Für die Kongreßwahlen soll ein eigener Wahlkreis^ „österreichische Provinz" gebildet tverden. Die Tagung beschloß ferner sine Resolution, in welcher unter Ausdruck des Mißtrauens gegen das Landesko-mtwe ,^egen die Bovgänge anläWch der Wahl zum Kongreß; durch welche untechtttiWgerwetise den Ortsgruppen das Recht auf ihren Delegierten genommen wurde", schärfster Protest erhoben wurde. versteht, daß es heut« Neue «.»Id größere Aufgaben zu löst» gibt. Wir haben in Berlin die von meinen zivuististmn Freititdeu begründete hebräische Spkachle hranstalt einstimmig in die Derwallung der jüdischen Gemciude ü'beruommeu. Wie wir Ku geeintes Judentum in der Welt haben nwlleu, so ist auch die Pfleg« seiner Sprache, der hebräischen Sprache, für uns eine Frage des Lebens. Hebräisch MUß Mieder zun: lebendigen Besitztum jedes einzelnen Juden werden. - Das Ziel muß unter allen Niusläudeu so gesteckt werden, daß es keinen jüdischen Menschen gibt, dem die hebräische Sprache nicht nt iude ft e it § so geläufig ist, als eine der auf unser«» Schulen gelehrten Fremdsprachen. Darüber hinaus wird die wichtigste Aufgabe des Landesverbandes auf dem Gebiete der sozialen MMt liegen. Wir werdest dabei nicht vergessen, was auf diesem Gebiete -geleistet ist. Ich darf die deutsche Zentralw o h l f a h r t s st e 1 l e dankbar erwähltett» auch ganz besonders Vas jüdische Ar beiter fürsorgea-mt. Gegenseitige Hilfe von Ost au West und W«st an Ost, diese Idee, die in der jüdischen W el t h t lssEn üf«ve nz vertreten ist, müssen wir pflegen. Keiner voll uns i st s c i u k s S ch i ck s a l s s i ch e r! VeWsstzN wir düs nie. Unsere soziale Aübeit kann nur geleistet werdeit ans der Grundlage jüdischer Solidarität. Wir gliedern uris ein in die Arbeit des preußischen -Landesverbandes, zu dessen Aufgaben auch der Kampf -für unsere Rechte als Staatsbürger gehört. Wir ÄiMntierett über unsere staatsbürgerliche Gestttstüttg nicht. Wir verlangen für nn's das Recht, tu jüdischen Dingen ynnvertprozentig MW zu sein. In j üd i s ch e n Dingen sind wir j ü d i \ ch, in de-uts ch ett Dingen sind wir deutsch. Eine Vermischung dieser beiderr Dinge lassen lvir nicht zu, jode jüdische Arbeit ist nur rtriter Sem Gesichtswinkel zu lbetrachten, ob sie, der Bertidfnng und Erijwickl'nng unserer, weiß Gott, berechtigtetd GiHerrart"'ldi«tt^-Ävn diesem Standptttlkt auA begMßell wir hie Mttarbeit aller Kreise, die diese Arbeit mit uns leisten wollen. Wo wir aber sthett, daß in Mische Arbeit nnMische Gedanken hilleingetragen werden, finden wir keine Möglichkeit der Zusanr-ineNarbeit. Die erfreulicherweise kl-eiitett Kreise um NaNMatttt, denen aüch nicht daS geringste Verständnis von der Größe der jüdschatt Jdeö getvordcn ist, die überhaupt noch nicht 'begreifen, worum es sich handelt, können unsere Bundesgenossen nicht seittr Hier mutz der Strich deutlich nid klar gezogen ivedven. Rechtsanwalt Rosenthal . aus Berlin GrundstUcksarigätenenhelteit (V6rl«taf, Hypöihckeil, Verwaltungen tiiw«) 837a Hotel Neissl und Schadn, l.. Neuer Markt 2 Tel. 78*5-40 Sprechstunden bis Dienstag von 0 bis 11 Uhr und von 3 bis 4 Uhr Massenmeeting. Die Zionistische Sektion Prater veranstaltet Mörgöck Mlontag ilut 8 Uhr abends >Ni Lokale „Mt Radfahrer", Prater, Ansstellungsstraße 80 (bei der Haltestelle Mol^ kereistvaßo), ein M a >s s e it ut e e t i u g. 'Refermtenr Se^ natör Dr. Osias Thorn: „Die Hebratsierung des Inderin tnms" und Dr. Leon Reich, Präsident des jitdischeU SejrnkUlbs: „Die Lage der Juden tu der Galnth mt-1) in Palästina". Das Lurnsind Sportfest. Heute wird das voiit M a k k a b i - W ö l tv v r b a u V veranstaltete Fest auf de»l Haikoah-Platz beendet. Aut Bor- Mittag finden die Teunisschluhkämpfie sowie das HockeyläNdorinatch der jüdischeu Teams vou Oesterreich uns der Tschechoslowakei statt. Nachmittags »m halb L Uhr tverden die leichtachletischeil Eutschelduugskämpfe ausgetrageu. Daran schließt sich das große Schauturnen. Nach 6 Uhr begiunt der Nc affe naufMars ch, au dem 2000 bis 'WO Turner und Sportler teilnohmeil werde». Wkv Nus niitgewilt wird, dürste dü' gesamte Exekutive zum Sportfest erfcheineu. W e i z m a u und S o k olöw werden Ansprachen halte». . Ler 24, Weltfriedenskongreß. Geist» aa August. (Schiveiz. Dsp.-Ag.) Dtzt! 34. Weltfrieden töUgNß wird Mittwoch, bin 2. September, tn^P aris durch eine feierliche Sitzung eröffüit. Das Programm fleht fünf Vollsitzungen vor, die in der Sorbonne avgeyakten werden. Wie berlantet, wird die BeteiligiMg der Engländer und Deutschen besonders zahlreich sein. Der Kongreß schltetzt an» 5. September. illustrierte Hntidstlirlften «uni Verkauf ä u e g e «t e l I t von dar Firma KONZSRTHAUS / LOQENFOYBR / II. STOCK I. KAUFFMANN FRANKFURT AM MAIN I

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.