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Wiener Morgenzeitung · 1925-08-22 · Heft 2335 (22.8.1925) · p. Seite 7

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
7 (1925)
Issue
Heft 2335 (22.8.1925)
Date
1925-08-22
Page
Seite 7 (sequence 7)
Language
German
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Nr. 2335 Wien, Samstag Wiener Moeaenzettimst 22. Anglist 1925 rv :c 7 ohne Von Menschen getragen zn fein; zur Eigenart politischer Probleme gehört es, daß sie ihren Sinn erst durch ihre lebenden Repräsentanten bekommen. In diesem Zusammenhang erklären wir, daß wir zur politischen Führung der Exekutive und inSbesondem Dr. Weizmann Vertrauen haben. (Lebhafter, andauernder Beifall.) Wir glauben, daß gerade die Würde im Auftreten für unserer Sache» die er geführt hat, gewahrt ist, und daß wir in dieser Richtung berlchigt sein können. Das hat nichts zu tun mit Einzelheiten, die einer Kritik unterzogen werden können. In diesem Zusammenhänge begrüße ich auch unsere Vertretung im Völkerbund in Paris und freue mich, daß Dr. I a k o b s o h n mit der Vertretung unserer Interessen dort betraut wurde. Wir sprechen hier über Budgetfragen, über unsere Aufgaben, nie aber über die Einnahmen, und wenn, so rmr immer in Zahlen. Vor Jahren haben wir den Keren Kajemeth gegründet, aber es hat lange gedauert, bis wir ihn durchgesetzt haben. Wir haben den Keren Hajessod gegründet gegen die Widerstände der zionistischen Welt, heute kommt der Gedanke der Anleihe. Dieser Gedanke ist naheliegend und von allen Seilen immer wieder in die Diskussion geworfen worden. Die Anleihe ist gedacht auf der Grundlage der großen Volkssteucr, die auf das Finanzkapital gewirkt hat, dem nun geboten wird, seine Kräfte mit den unseren zu verbinden. Das ist keine Ablösung unserer Arbeit, sondern Fortsetzung. Unsere Anstrengungen für die Keren-Hasessod-Aktion müssen verdoppelt und verdreifacht werden. Wir haben ein, an unseren Aufgaben gemessen, kleines Budget. Wir können es erweitern. Alle Menschen des Keren Hajessod und Keren Kajemeth wissen, daß unsere Aktionen gedeihen nur in einer Atmosphäre zionistischen Lebens. Ohne Reorganisation der zionistischen Welt werden wir allmählich stecken bleiben, darum brauchen wir die Reorganisation. Wir brauchen die Einheit der Zionistischen Organisation, der Propaganda des Keren Hajessod und Keren Kajemeth, und zwar keine mechanische. Wenn Die von der Stagnation der Zionisti'schen'Organisation roden, beschlchdigen Sie nicht ' die Jewish Agency. Sie wissen, daß eine echte Bewegung nicht durch Maßnahmen einer äußeren Politik, zu denell die Frage der Jöivish Agency gehört, geschwächt werden kann. Es ist ein Unterschied zwischen der Demokratie der' Gleichgestellten und Gleichstrebenden, wie Wir sie in unserer Organisation haben, und der einiger unorganisierter Gruppen, deren Hülfe und Arbeitskraft durch die Jewish Agency aktiviert weiten soll. Wir müssen eine wirkliche Reorganisation durchführen und die Einheit der Exekutive Herstellen, einer Exekutive, die nicht Durchschmttszionismus zu machen versucht, sondern den Zionismus der lebenden, siegenden Bewegung, der es nicht genügt, zu wissen, daß wir die stärkste Macht im Judentum sind, sondern die weiß, daß wir uns vor unserem eigenen. Richtevstuhl bewähren und sagen können, wir haben unsere Pflicht getan. Wir müssen eine Exekutive haben, der wir die Verantwortung übergeben und mit der zusammen wir die Verantwortung tragen. Jede fehlenden 10.000 Pfund sind ein Vorwurf für uns, sie auszarbringen, ist unsere Pflicht, wir können uns an niemand anderen wenden. Diesen Geist des zionistischen Enthusiasmus Müssen wir organisatorisch erfassen. Daß es gelingen kann, muß dieser Kongreß zeigen. Herzls Judenstaat und khmchills Weißbuch. Von Dr. Robert W.ltsH. Die „Wiener Morgenzeitung" vom 18. d. hat in einem Artikel, der die sensationelle Ueberschrift trug „Nicht Herzls Judcustaat, sondern — Churchills Weißbuch" auf meinen letzten Artikel in der „Jüdischen Rundschau" vom. 14. d. Bezug genommen. Ohne auf die in dieser Aleußerung enthaltenen beleidigenden Bemerkungen einzugchen, möchte ich zunächst feststellen, daß der Zitierte Artikel, der mit R. W. (versehentlich nicht mit vollem Namen) gezeichnet war, lediglich die Anschauung des Verfassers, keineswegs die irgendeiner Organisation zum Ausdruck bringt. Er enthält Ansichten, die an derselben Stelle seit fünf Jahren wiederholt in derselben Schärfe ausgesprochen wurden und im wesentlichen mit Gedanken übereinstimmen, die die „Wiener Morgeuzeitung" in einem in ihrer Festausgabe vom 18. d. enthaltenen Artikel- „Nationalstaat und Nationali- Uten-Staat" unzensuriert passieren ließ. Der Kommentar, der von der „Wiener Morgeuzeituug" zu meinen Ausführungen gegeben wird, scheint mir aber für jeden, der den sechs Spalten langen Artikel nicht kennt, irreführend. In dem Artikel wird nicht das Weißbuch dem Herzlichen Judenstaat gcgenübergestellt, sondern umgekehrt das Problem erörtert, in welcher Weise der wesentliche Gehalt von Herzls Idee eines Judenstaates in unserer Realpolitik verwirklicht werden kann. Herzl konnte in seiner ersten Konzeption, aus der der Begriff „Judenstaat" stammt, gar nicht an die Existenz der Araber denken, da es ihm ja gar nicht auf die konkreten Gegebenheiten Palästinas an kam - bekanntlich dachte er sogar auch an Argentinien —, sondern ans den revollltionären Gedarlken der Normalisierung des jüdischen Lebens durch eine territorial fundierte, rechtlich gesicherte Schaffung eines freien jüdischen Volkslebens mit normaler sozial-ökonomischer Struktur (auch an eigene Kultur dachte er bekanntlich nicht). Heute sind wir durch dreißigjährige Erfahrungen gegangen und stehen mitten in der Realität, mit der uns anseinanderzusetzen unsere eigene Aufgabe ist, die uns niemand abnehmen kann, auch England nicht. Herzls Formel „Das Land ohne Volk — Dem Volk ohne Land" hat sich als trügerisch erwiesen, denn es gibt kein Land ohne Volk. In Palästina wohnen 700.000 Araber, und selbst bei größter jüdischer Einwanderung und günstigsten Umständen werden die Juden nur eine relativ kleine Majorität bilden. Der Judenstaat ist also in der Form eines reinen Nationalstaates nur dann zu verwirklichen, wenn man die arabische Majorität oder Minorität politisch entrechten will (und kann!). Ich behaupte in jenem Artikel, daß dies nicht unsere Absicht und nicht unser Programm sein kann und daß wir daher in Palästina keinen reinen Nationalstaat, ke i ne n „Iu de nstaat" anstreben können, sondern unser Ziel muß dev Zwei-Völker-Staat sein, in dessen Rahmen beide Nationen ihr volles Recht auf ihr Vaterland und ihre nationale Entwicklungsfähigkeit finden müssen. Gerade in Oesterreich sollte man für dieses Nationalitätenproblem, dessen Ignorierung schon die alte Monarchie zerstört hat und von dem wir den Zionismus nicht zerstören lassen wollen, Verständnis haben. Unser Programm darf nicht davon beeinflußt werden, ob wir 15 oder 51 Prozent der Bevölkerung bilden. Der 12. Zionistenkongreß hat eine Resolution in diesem Sinne angenommen, aber er konnte sich nicht dazu aufschwingen, eine Interpretation der Balfour-Deklaration zu geben, die deutlich gesagt hätte, daß uns der zweite Teil dieses Dokumentes ebenso verbindlich ist wie sein erster Teil. Dagegen hat das Churchill-Samuelsche Weißbuch vom Jahre 1922 diese Interpretation in einer, wie mir scheint, vorzüglichen Formel gegeben. Dieses Weißblech hat einer praktischen zionistischen Politik den Weg gebahnt und uns vielleicht vor Allen — voran! Kleiderhaus GERSTL ZihlMdPreise £000 prima farbige Herrenhemden . ... . S 6.— 3000 hochpr. Zephirhemden 8 9.— 3000 Saar hochpr. Makrojoden . . . 8 —.90. 8 >000 Dtzd. engl. Taschentücher. per stk. 8 -.80, 8 1,60 Taus-«de Modekrawatten . 8 3.40 Prima Damenu. Herren- ' Lederhand-chuhe ... 8 7.30 Herrenkragen, weich nnd stets .... .‘3 -.40 8 -.60 Herrenunterhosen, kurz und >a«g. .8 4.50 Schlager-Hüte. .... »8 12.— 3 Stockwerk« HER R EN - KLEIDER DAKEN.KLEIDER HERRENWÄSCHE (Gegründet it*63) 25 Schaufenster einer Katastrophe gerettet. Denn durch Samuels Politik eines Entgegenkommens gegenüber den Arabern, durch seine völlig richtige Betonung der Tatsache, daß das jüdischnationale Heim keine Beeinträchtigung der Rechte der arabischen Bevölkerung mit sich bringen soll, hat er die entscheidenden Voraussetzungen für unsere Ausbauarbnt im Lande geschaffen. Palästina liegt nicht außerhalb der Welt und ich halte es für» den größten Fehler mancher zionistischer Politiker, den Zionismus isoliert zu betrachten: wenn wir heute die Länder von Syrien bis Marokko überblicken, müssen wir zu würdigen wissen, was Samuel geleistet hat, wir müssen aber auch langsam zum Verständnis kommen, daß ohne eine friedliche politische Eingliederung in die Gemeinschaft der erwachenden orientalischen Völker das jüdische Nationalheim in Zukunft den schwersten Gefahren ausgesetzt sein kann. In meinem Artikel in der „Jüdischen Rundschau", den ich hier nicht in vollem Umfange wiederholen kann, werden diese Zusammenhänge dargelegt, und ich kann mein Erstaunen darüber nicht unterdrücken, daß der Kritiker der „Wiener Morgenzeitung", in dem er sich gegen meine Ausführungen wendet, nicht den geringsten Versuch macht, die dort angeführten Tatsachen und sachlichen Momente zu widerlegen. Der einzige konsequente und scharfblickende Politiker, der unter voller Berücksichtigung des "Sachverhaltes den mir entgegengesetzten Standpunkt mit allen logischen Konsequenzen vertritt, ist Jabotinsky, der den Judenstaat als kampfbereiten Vorposten der europäischen Welt auffaßt. Die Konsequenz muß auch der Geguer achten. Ich schließe mich aber der Meinung der „Wiener Morgenzeitung" an (und habe dasselbe auch in dem erwähnten Artikel bereits wörtlich gesagt), daß eine reinliche Scheidung not tut. Eine verantwortliche zionistische Politik kann nicht dulden, daß unser« Position dauernd durch Schlagivorte, deren Konsequenzen nicht einmal diejenigen, die sie gebrauchen, ziehen wollen, empfindlich geschädigt wird. * Wir haben zu dieser Erklärung zn bemerken, daß sie uns insoserne befriedigt, als in ihr zum Ausdrucke kommt, daß Herr Dr. Robert Weltsch in der „Jüdischen Rundschau" lediglich seine persönliche Meinung zum Ausdrucke brachte und nicht die Anschauung einer Organisation. Di« von uns geforderte Klarheit ist also geschaffen. Wpnn Herst Dr. Weltsch darauf Bezug nimmt, daß in einer Samnrelnummcr der „Wiener Morgenzeituug", welche zirka 30 voll gezeichnete Artikel verschiedener Verfasser enthielt, ein Artikel vorkommt, der, wie er glaubt, ähnliche Anschauungen zum Ausdrucke bringt, so scheint das unverständlich. In der Sammelnummer war ersichtlich, daß jeder Autor nur für sich schreibt. In der „Jüdischen Rundschau" war das nicht ersichtlich. Im Gegenteil. Ter Artikel erschien au leit&toer Stelle und nur chiffriert, nicht voll gezeichnet, so daß unserck Forderung nach reinlicher Scheidung berechtigt war, was übrigens auch in der Erklärung der Deutschen Landsmannschaft zugegeben wurde. Sachlich wäre noch zu bemerken, daß der neuerliche Versuch des Verfassers, die Idee vom Judenstaat mit denk Streben nach Bedrückung und Entrechtung der Araber zu: identifizieren, nachdrücklich zurückgewiesen werden muß. Re landwirtschaftliche Steffadwftation der .AoniWchen Lrganisation in Palästina. Von Prof. Dr. Otto Marburg, Tel-Awiw. Die landwirtschaftliche Versuchsstation in Palästina, die von der Zionistischen Exekutive im Jahre 1921 gegründet wurde, hat im Verlaufe der vier Jahre ihres Bestehens eine recht beachtenswerte Entwicklung durchgemacht. Sie hat sich nämlich schon jetzt zu einem fast vollständigen Forschungsinstitut für Landwirtschaft entwickelt und ist augenblicklich im Begriff, sich auch eine Abteilung zur Erforschung der Naturgeschichte Palästinas anzuglicdcrn. Hierdurch wird dann auch eine enge Verbindung mit der Universität hergestcllt werden, die früher oder später zu einer vollständigen Verschmelzung des landwirtschaftlichen Instituts mit der Universität führen dürfte. Und das wäre sehr zu begrüßen, denn in der ganzen Welt hat es sich als praktisch herausgestcllt, daß die landwirtschaftlichen Institute* auch wenn sie ursprünglich selbständig waren, sich doch den Universitäten angliedcrten. Nicht nur, daß dadurch viele Doppelanschaffungen gespart werden, namentlich in be§ng auf Bücher, Instrumente Laboratoriumseinrichtungen, auch die wissenschaftliche Grundlage der landwirtschaftlichen Institute wird durch den engen Kontakt mit der Universität eine höhere, und wenn das landwirtschaftliche Institut sich erst zu einer Hochschule für Bodenkultur umgestaltet haben wird, was ja nur eine Frage der Zeit sein kann, so werden die Studenten durch den Anschluß an die Universität in der Lage sein, manche für die Erweiterung ihres Gesichtskreises wünschenswerte Vorlesung zu hören oder Seminare zu besuchen, die in einem nur landwirtschaftlichen Institut ihnen nicht zu Gebote stehen können. Neben der eigentlichen Forschung hat unser Institut aber schon jetzt in hohem Grade die Aufgabe übernommen, die Forschungsergebnisse zu popularisieren. Dies geschieht, durch ihre „Extcnsion"-Abteilung, welche die Resultate der Forschungen den Landwirten vermittelt, und zwar vermittels Ratschlage», Vorträgen, Publikationen und Demonstrationen. Zu letzterem Zwecke sind in verschiedenen Teilen Palästinas bei den jüdischen Kolonien Demonstrationsfelder angelegt, alles zusammen zirka 60 Hektar. Die Gelehrten des Institutes besuchen von Zeit zu Zeit die Kolonien und halten dort Vorträge über aktuelle Fragen der Landwirtschaft, außerdem bereisen zwei Praktiker als Kreisinstruktoren andauernd die Kolonien, einer die in Judäa, der andere die in Galiläa gelegenen. Ferner werden fortlaufend über wichtige Objekte Broschüren und Flugblätter veröffentlicht und gratis an die Interessenten verteilt, in dem verflossenen Jahre gegen 20, von denen der größte Teil schädliche Insekten sowie Pilzkrankheiten der Nutzpflanzen behandelt, besonders ihre Kennzeichen und ihre Bekämpfung; andere Schriften beschäftigen sich mit Düngerfragen, Bekämpfung von Feldmäusen, Sterilität der Kühe, Bestimmung von Pflanzen, Systematisierung landwirtschaftlicher Beobachtungen usw. Während diese der Praxis dienenden Publikationen nur in hebräischer Sprache erscheinen, das-heißt in der Umgangssprache der Kolonisten, bei allgemein interessanten Fragen auch mit einem englischen Resümee, werden die eigentlichen Forschungsergebnisse sowohl in hebräischer als auch in englischer Sprache herausgegeben. Es sind bisher zwölf dieser Bulletins erschienen, aber eine weit größere Anzahl ist in Vorbereitung, zum Teil auch schon druckfertig und nur aus Mangel an Mitteln noch "icht gedruckt. Manche dieser Veröffentlichungen interessieren natürlich nur Fachgelehrte, andere sind aber auch von praktischer Bedeutung. GRATZER PELZE »71— L Rot.ntumutr.i». 22 »i».» DAS GUI EMPFOHLENE HAUS für moderne Pelze aller Art

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