Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 7 (1925)
- Issue
- Heft 2335 (22.8.1925)
- Date
- 1925-08-22
- Page
- Seite 8 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 8 Wien, Samstag W lener. M r v jt c u je i t u itft 22. August 1925 Nr. 2335 TRENCIANSKt TEPLICE, Slovakei von überragender Heilkraft bei Rheuma, Gicht, Ischias, Neuralgien^ Herrliche Oebirgslage Kt,-;.-. Rituelle Restaurants Prospekte durch die Badeuircktion 509 gas Besonders betrifft dies den Bericht über die Aussichten der Zuckerindustrie in Palästina, der die Ergebnisse mehrjähriger Feldversuche 'lowie die Erfahrungen der Araber umfaßt, ergänzt durch die Ergebnisse einer Studienreise nach Aegypten sowie durch die Heranziehung allgemeiner ökonomischer und statistischer Forschungen. Während diese Studien sich nur mit Zuckerrohr befassen', sind-än die'icrn Jahre auch größere Versuche mit Zuckerrüben an verschiedenen Stellen des Landes gemacht worden, die zum Teil überraschend günstige Resultate ergeben haben sowohl in bezug auf Quantität der Rüben als auch besonders in bezug auf Zuckergehalt. Auch hierüber wird nächstens eine Arbeit veröffentlicht werden. " Es läßt fich resümierend schon jetzt sagen, daß Palästina infolge'seiner Lage und der klimatischen Verhältnisse sowohl Zuckerrohr als Rüben gut gedeihen läßt, und es ist sehr wohl möglich, ja sogar recht wahrscheinlich, daß eine auf beide Produkte sich stützende Fabrik guten Erfolg haben wird. Ta schon jetzt der Bedarf an Zucker in Palästina groß genug .ist, um eine mittelgroße Zuckerfabrik zu besänftigen,, und da auch genügende Flächen bcwässevbaren Landes zur Verfügung stehen, so wäre es bedauerlich, wenn sich nicht ein Konsortium finden würde, um diese für Palästina ungemein wichtige Angelegenheit — man denke nur an die, Melasse und Rübenschnitzel als Viehfutter — zur Durchführung zu bringen. Ein anderes Bulletin behandelt die äußerst wichtige Frage des Ueberganges von primitiver zu moderner Agrikultur in Palästina, geradezu ein Lebensiuteresse der jüdischen, landwirtschaftlichen Kolonisation .des Landes, dg sich mit primitiven oder halbnwdernen Methoden bei denr hohen Lebensniveau und den kulturellen Ansprüchen der jüdischen Bauern eine Rentabilität nicht erzielen läßt. Wiederum andere Bulletins behandeln die den Kulturen Palästinas äußerst schädlichen Schildläuse sowie andere Insekten, verschiedene Ros^>ilzc sowie die' chemische Zusammensetzung der palästinensischen Oliven, der' Sesamölkuchen und des RvgcMvassers. . ' ' ' Während diese letzteren Untersuchungen in der Zentrale in Tcl-Awiw in ihren chemischen,*, pathologischen, entomologischen und botanischen Laboratorien durchgeführt wurden, werden die praktischen Versuche int wesentlichen' in den Versuchsfeldern von Benschemen hei Lusd zwischen Jaffa und Jerusalem sowie in Tagonis. im Jordanta südlich vom See Liberias, angestellt. Siebeziehen si großen Teils ansagronomische Fragen, die Zeit der Aus-' saat, Menge und Abstände der 'Saat, Vorbereitung und Bearbeitung der Felder, Düngungsmethoden, Fruchtfolge, Dry-Farming, chinesische Methoden, Irrigation usw. Mit den Versuchsfeldern in Nahalal und Ain-Charod. wareri gegen 100 Hektar unter Kultur, größtenteils mit den wichtigsten Getreidearten des Landes bestellt,., wie Weizen, Gerste, .Hafer, Durvha, Mais, daneben aber auch Hülsenfrüchte, Futterpflanzen, Leinsaat, Flachs, Sonnenblumen, Sesam, Erdnüsse usw. In vielen Tausenden von Parzellen, werden die verschiedenen Kombinationen geprüft und in vielen Fragen 'id?,- ist "die Station durch mehrjährige Wiederholungen schon zu ziemlich gesicherten Resultaten gelangt. Demnächst sollen die ntehrjährigen Bersuchsergebniss« veröffentlicht werden, und cs wird dann auch dem Skeptiker klar werden, wie wichtig diese Arbeiten für das Land sind. Es sind bei richtiger Fruchtfolge, Bearbeitung und Düngung Rcsttltate' erzielt worden, die den besten anderswo erreichten Ergebnissen nicht nachstehen; so zum Beispiel sind Ernten von 2700 Kilogramm pro Hektar Weizen und über 3000 Kil.ogr.amm pro Hektar Gerste keine Ausnahmen, und zwar be-« zieht sich dies nicht ans kleine Parzeslen, sondern auf größere Flächen. Ein großer Teil der Ebenen Palästinas läßt sich nach den Methoden der Versuchsstation in einen Kulturzustand bringen, trtze ihn die . fruchtbarsten Wxizenböden Mitteleuropas nicht besser anfweisen. Vor allem wichtig ist die Erkenntnis, daß wir durch richtige Fruchtfolge, und Bearbeitung pes .Bodens einerseits, dmchs die Methoden des Dry-Farming anderersetts biq Möglichkeit haben, Mißernten infolge ungenügenden oder zur Unrechten Zeit eintretcnden Regens fast ganz auszuschlicßen. Selbst in diesem besonders trockenen Jahre hatte die Versuchsstation in Benschemen bei Dry-Farming immerhin Ernten bis zu 1500 Kilogramm pro Hektar, und mit auf Fütterung strittet; werden konnte. Daß bei der Intelligenz der jüdischen Bauern solche Resultate nicht spurlos der Vergangenheit auheimfallen, versteht sich von selbst, und es kann keinem Zweifel unterliegen, daß, sobald die ökonomische Lage es den Kolonisten ermöglicht, das heißt sobald sie - einigermaßen vollständig installiert sein werden, sie die Forschungsergebnisse der Versuchsstation in ■ vollem Maße ausnützen werden, womit übrigens ein Teil der Kolonisten auch schon begonnen hat- , Auch die Bekänrpfung tierischer und pflanzlicher Schädlinge hat schon in vielen Kolonien günstige Erfolge gezeitigt und die Spritzverfahren sind schon dett metsten Kolotzisten bekannt. ' Von großer Wichtigkeit, sind auch die Ergebnisse der Saatzucht. Auf zirka 20 Hektar wurden 350 verschiedene Sorten landwirtschaftlichem Gewächse geprüft und die besten für. Vcrmehrmtg und zur Zucht reiner'Linien ausgewählt. Schon..in 'diesem Jahre würde, wenn nicht die Dürre eingetreten wäre, ein großer Teil der Kolonisten mit rein gezüchteter Edelsaat von Weizen und Gerste versorgt werden können. . Die Bichherde in Benschemen hestcht ans vorzüglich selektierten Milchkühen, meist Mischlingen zwischen Beirut- (Lrbanon) und DamaskuS-Vieh einerseits und Friesen andererseits. Es ist anerkauntiarmaßen die beste und ausgeglichenste hHerde von Milchvieh in Palästina, und sie dient zu we-iwreil Krerlzungchersuchen -sowieMsvnders, .um einen guten Normaltyp herrmzuzüchten. Das gleiche gilt für die Geflügelzucht, bei der das weiße - Leghorn tmd -Rhode-Js iland rein gezüchtet sowie auch mit dem arabischen Lcmdhuhn gekreuzt wird. Auch wunde durch Selektion eine arabisch.' Rvinzucht geschafstn, die.größte Widerstandsfähige keit gegen klimatisch Einflüsse und Krankheiten besitzt und außerdem noch eine größere-Zahl Eier legt als sogar die reinrassigen'Leghornhühner. Fe nt er werden die endemischen Hühnerkrankheiten sttidiert und ihre Bekämpfung, versucht in Zusammenarbeit iuit hem Mikrobiologischen Jrtstttut der Universität. ' * Ganz gefehlt hüben bisher die Abteilungen für Hortikultur und Zlrborikultur sowie für AMimatisation (Plans indvodrlction). Dar Grund war der, daß bisher Länge¬ Mfkolasch-Llkörtl if«5nste Crsmas und paJnisch« Schnlpn Stammhaus: Lemberg Zweifaiederiweunj: 15 Wiott, XV»«., «»Mtidffas«* «r. 13 r*l*pbon Nr. 28-2-13 eignetet- Boden hierfür zur Verfügung stand. Benschmen hat nur schweren Boden und keilte Bewässer ung smöglichleiten auf größeren Flächn, und Tagaitia kommt aus anderen Gründen hierfür nicht in Betracht. Bor wemgeu Tagen ist glücklicherweise diesem schmerzlich empfundenen Uebelstande durch Kauf geeigneten Landes bei Rechoboth seitens des Nationalfonds abgeholfen worden., und jetzt kann, wenn, wie zu hoffen, der Kongreß das Oudget bewilligt, endlich begonnen werden, auch dem vielleicht wichtigste» Zweig der Landwirtschaft Palästinas, fc-ent Obstbau, durch Forschungen zu dienen. Nicht nur der Orange-, Mandeltmd Weinbau kommt hierbei in Betracht, obgleich auch di.'se Kitt tu reit zahllose Fragen stellen, die erst durch ausgedehnte Versuche beantwortet werdetr VW*//,# Ackerbaiiausstellung'der.BezalBhcliuljejni Koijflrjesfcgebänid* (Photo: kkvsiäenrutelwr. .Wien, I., Flcischmarkt 11.) lästina aüssichllDoll, desgleichen auch viele noch nicht oder in schlechtett Sorbett bekannten Gemnsearlen. Es besteht der Plan, die Zentrale des Instituts von Tel-Awiw sowie die Versuchsfelder, Viehzucht und Milchwirtschaft von Benschemett nach Rechoboth ztl verlegen, so daß die gesäurte Forschungsttttd Versuchsarbeit dort dereinigt seitt wird, mit der Absicht, auch baldmöglichst daselbst die Grundlage einer Landwirtschaftlichen Hochschule zw schaffett. Eine vollständig ausgebattte Nebenstation wird demnächst im Emek in Djebata eröffnet werden, wo der Nationalsotrds der Versuchsstation an der Eisenbahn, 25 Kilometer von Haifa, einen Quadratkilometer ganz ebenen Bodens für Versuchszwecke zur Beivfügung gestellt hat. Schließlich sollen jetzt mrch systematische Versuche mit Einführung ausländischer Bäunre gemacht werden, die sich an Stelle tmd in Ergänzung der schon vorhandenen Eukalytus und Kasuarinen als Straßen-, Park-, Alleebägme und besonders auch zur Aufsovstung eignen. Wem» Palästina so häufig von den Reisenden als des Schattens entbehrend hmgestellt wird, so wivd die Versuchsstation den Beweis erbringen, daß es nur geringer Arbeit bedarf, im dem Lande nicht nur den allerschönsten Schatten zu gelben, sondern auch zu den verschiedensten Zwecken brauchbares Holz. Erst dann wird auch die Banmspende des Nationalfonds vollzuchvem Rechte kommen. Die Denkschrift des hebräischen Schiedsgerichtes > in krez Israel. . . Aus Tel-Awiw wird uns gemeldet: Die Leitung Ob erst e n hebräischen Schredsgerichit es in Z4C*. Awiw entsandte ihren Vizepräsidenten, Anton Ro!senbau als DÄegiertett ztmt 14. Zionistenkongreß nach Wien mit der Ausgabe, die in der letzten Sitzung beschlossene Denkschrift denr Kongreß zu unterbreiten utvd vor diesem höchsten Forum der Organisation zu vertreten. Wie der Denkschrift Pt entnehmen ist, wurden dis hebräischen Schiedsgerichte ursprünglich vom Palast-ind* aut4 gegründet uttb bestehen fett dem Jahre 1910. Seit der Besetzung Ercz Israels durch die Engländer wurden vor diese»' Schiedsgerichten mehr als 10.000 Streitfälle auSge- - trägem Bis zum Jahre ISA wurde diese Institution von der Zionistischst Organisation nicht nur moralisch, sondern auch' materiell gefördert. Bon dieser Zeit an wird diese Einrichtung aus dort von den Streitpartien eingchobenen Gebühren und den geriitgsügigon Subventionen der Stadiverw a l t u n g e n und den Kolo u i e n echalterr. In der letz'^ ten Zeit — heißt es in der Denlschrist — habe die zionistische Leitung nicht tutr die finanzielle Unte r st n tz u n g völlig eingestellt, sondern auch die nwralische Förderung Volt dieser Seite lasse zu wünschen übrig. Das Mentoraudum weist mm auf die große' Wichtigkeit dieser sMstgefchassenett Schiedsigerichtslbavkelt sowohl in kultureller wie auch in politischer Beziehung hin. In kultureller Richtuivg feien diese Schiedsgerichte in einenl nicht nnilvoseuittichelt Srmte Schutzivälle gegen die Assüuilatiott mit fremden Kuiftureil und in politischer Beziehung wirken sie erzieherisch, indem das Pllbli>kum sich durch die uirpartetischen Schiedssprüche daran gelvöhttt, Richter Ms dent oigeltett Bolike zrt achtelt ltitd ihreit Entscheidungen in demselben Maße zlt vertrauert n»d Alterkennung entgegettzubringei», wie den Rechtäsprüchen der anderen Gerichtshöfe; im Gegenteil, das jüdische Publikum wird allmählich dessen iime, daß der jüdische Richter die psychologischen Momente der Streitfrage richtig z>t ersassett verutag und loeitdet sich an das jtidffchc Schiedsgericht. Die Denkschrift schließt mit der Forderung, daß es der zioitistifchen Lei tu reg jttr Pflicht gentacht loerde, diese lvichtigvn Jnstiintionelt zu fördern und ihttett solvohl nach innen wie nach archen jette Geltung zu verfcha>ffe>k, die notwelwig ist, dantit die jüdischert Schiedsgerichte ihre wichtigen Aufgaben ersüllett. Vor alletn wird gefordert, daß die zionistische Leitllng die Beamten aller ihrer Ansiälten rtnd Nnternchmungen verpflichte, in allen Mien, wo sie als Kläger oder Bettagte in Betracht kotmneu, unter allen Umtstätchen das h e b rätsche Schiedsgericht in Anspruch zu nchnten. Weusv wütvscht die Leitung des Oberftelt Schiedsgerichtes zur Ausgestälbüng/ und VervollkoiiMunng der Jnstitnttvn eine au sr eiche ntze finanzielle Subvention.