Mannheim
Compact Memory

Wiener Morgenzeitung · 1925-08-22 · Heft 2335 (22.8.1925) · p. Seite 6

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
7 (1925)
Issue
Heft 2335 (22.8.1925)
Date
1925-08-22
Page
Seite 6 (sequence 6)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/2979076-2981191-2981421--23781-3011265
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

3dte 6 Wien, Samstag DANVBIA internationale Tranaportgaaellech alt m. v. M. Mitglied det Rhenania-Rhelnschlffahrts-Konzern (Bayartaole SoMIfahrttgrappt) Wien, l. Rotenturmstrasse 13 Telephs« 88-3*32, 69-4-51. TflltgriMaadr.: ,Tran«d*HBbla“ Rheln-Main-Donau-Schlffahrt, Massentransporte, Schiffssammelladungen, Reexpeditionen, Verrollungen, Einlagerungen In Magazine mit Geleiseanschluss '-JM S|M>lalv*rk«hr nach Triest und Utbenn Lisch«n Renaissance und der ^Judenistaat unterwegs", der die gesunde Entwicklung der Palästinakolo u i sa t i o n voiyulboreiten hat. Es ist ein Irrtum, wenn man vermeint, daß wir den erstgenannten Aufga-enkreis, nämlich für die Renaissance zu wirken, vernachlässigen wollen. Im Gegenteil: Wir legen den größten Wert auf den Ausbau der Bewegung zu einem Nationalen Krastzentrmn jüdischer Erneuerung. Daß wir dies wollen, kommt nicht nur in unserem Programm zum Ausdruck, sondern auch in unserer Arbeit. Es ist uns gelungen, nach Uebernahme der Leitung in Polen von der Gruppe M Hämischmar die Anzahl der organisierten Zionisten zu verdreifachen., die Zahl der bewußt jüdischen Wähler sowie die Summe der zionistischen Prövinzorganisationen zu verdoppeln. Es ist richtig, daß die Zionistische Weltorganisation in den letzten Jahren zurückgogangen unrichtig hingegen, daß die: Schwächung der Gesamtorganisation aus dj« Agency-Polltik der . Exekutive zurückzuführen ist. Die Wirkliche Ursache des Rückganges dar Organisation liegt in,der sehr weit gediehenen Dezentralisierung. Man hat der Zionistischen Organisation die gange konkrete Arbeit woggenommen und an „Staaten im Staate" übertragen. Diese neuen Machtzentren sind nicht bloß der Keren Hajessod und der Keren Kajemech, was plauskbel wäre, sondern auch die Palästinaämter und der Hechal-uz. Immigration und Hochs charah find derJngerenz der Zionistischen Organisation vollständig entzogen worden. Der „jüdische Staat unterwegs" ist bereits im gegenwärtigen Anifanysstadium zersplittert, weil die gesamte konstruktive Arbeit im Rahmen parteiischer Staaten im Staats geleistet wird. Die Linke und der Misrachi haben ihren eigenen Steuerappavat (Parteischeckel), chre eigenen Banken, chr. eigenes Erziichungswesen, chre eigene Kolonisation. Der ,-Staat unterwegs" hat kerne Jngerenz aus diese autonomen Kleinstaaten und ist bestensalls Verbindungsglied. Aus diesen Erwägungen. ergibt sich zwingend unsere Kardlnatfforderung: Auflösung der Föderationen. Es soll künftighin nur Territorialverbände geben, welche die Zionisten sämtlicher Richtungen umfassen. Diesen Verbänden ist die Ueber- Wachung her Arbeit unserer Fonds, der Palüstinaämter und insbesondere des honte leider parteiisch eingestellten Hechaluz zu Äbertvagen. Das Aufbauwerk mutz' aus Grund der ökonomischen Gleichberechtigung sämtlicher Schichten geleitet werden. Wir vertreten keine Klassengruppe und huldigen keiner Klassenideologie. Wenn wir twtzdem die Vernachlässigung des Mittelstandes monieren, so geschieht dies aus wirtschaftlichen Erwägungen, nämlich in dem Bewußtsein, daß der Judenstaat nur nach realen Möglichkeiten gebaut werden kann. Unsere Auffassung der Ausbausrage deckt sich im großen und ganzen mit der Georg Halperns. Das Aufbauwerk muß sich den Anforderungen der Immigration als gewachsen erweisen. Das Ziel.der Immigration ist die Schaffung einer Mischen Mehrheit in Palästina. Der Weg zur Schaffung der Majorität ist die forcierte Einwanderurvg. Unter , diesem Gesichtspunkte erkennen wir Palästina nicht als eMrsives Agrarland an, sondern fordern nachdvücklichst, daß die Aufnahmsfähigkeit der Städte vollständig ausgenützt wird. Wir wenden uns gegen die sehr schädliche Propaganda, welche die Stadt als minderwertig hinstellt. Dies hindert uns nicht, auch unsererseits anzuerkennen, daß der Landwirtschaft im Budget das Vorrecht ge-bührt. Rur unterscheiden wir zwischen dem mißlungenen Experiment der K w u z o t h und den anderen Formen landwirtschaftlvicher Sichtung. Wir sind gegen hie Gründung neuer Kwuzoth, unbeschadet der notwendigen Finanzierung der bestehenden Zkwuzoth. Wir fördern hingegen mit aller Kraft die M assenanst edlung von Leuten, welche einen bedeutenden Teil der Siedlungsspesen selbst zu tragen in der Lage und gewillt sind. Da wir das Aufbauwerk nicht mit romantischen Augen betrachten, sondern als werdendes Staatsgelbilde ansähen, ergibt sich unsere eindeutige Stellung zur Frage. der Jewish Agency. Wir sind entschieden für Heranziehung aller ans Ä r und lagedes Mandatssich einigenden schöpferischen Kräfte des Volkes. Wir sind bereit, die von der radikalen Gruppe ausgestellten Forderungen von Fall zn Fall sachlich zu prüfen. Wir messen aber diesen Bedingungen sekundäre Bedeutung bei. Primär ist für uns die schleunigste Schaffung einer allgemein national e n A g e n c y. Ueber die Frage der Leitung kann ich mich noch nicht äußern. Dies ist verfrüht. Rur in bezug auf unsere Le!« turvg in Palästina möchte ich sagen, daß wir die Schaffung einer starken unabhängigen wirtschaftlichen Exekutive anstreben. Sie darf nicht mchr als es notwendig ist in ihren Entscheidungen von der politischen Exekutive und Wechaupt nicht von den politischen Parteien im Lande beeinflußt sein. Damit sie befähigt ist, ihre Wirtschaftspolitik sachlich irich mit starker Hand' zu führen. Wiener Morsenzettmig Lias Programm der allgemeinen Zionisten. Der Arbeitsblock der allgemeinen Zionisten, dem die deutsche Landsmannschaft und ihr nahestehende Gruppen (des Senators Dr. O. Thon) angchören, teilt uns folgende Leitsätze seines Kougreßprogrammz mit: 1. Die aus Selbst«rboit beruhende Landwirtschaft ist die Basis des Aufbaues Palästinas. In erster Linie ist die Konsolidierung der bestehenden Siedlungen anzustreben. Soweit als möglich sollen Mittel zur Beschaffung neuer Siedlungen zur Verfügung gestellt tverden. Hiebei müssen auch diejenigen Teile der neuen mittelstänvischen Alijah berücksichtigt werden, deren Nebcrführung in die Landwirtschaft mö- Uch ist 2. Förderung von Handel, Handwerk und Industrie durch Ueberführung der geeigneten Elemente der mittelständischen Alffah zu produktiven Berufen. Gründung und Stärkung der Kreditinstitute, insbesondere Schaffung einer Industriebau! unter Beteiligung des Keren Hajessod. 8. Die vollständige und restlose Hebräisierung des Jischuw ist das fundamentale Erfordernis für die Wiedergeburt des Mischen Volkes in Palästina. Der entscheidende Einfluß der Zionistischen Organisation auf das gesamte Schul- und Erziehungswcsen muß gesichert werden. Die im Budget zur Verfügung zu stellenden größeren Mittel erfordern eine erhöhte materielle Anstrengung des Jischuw für das Schulwesen. ‘L Der Kongreß spricht sich für die Fortsetzung der AgencypolitÄ aus der Grundlage der int Aktionskomitee abgegebenen Erklärungen der Exekutive aus. 6. Die Stärkung der Zionistischen Organisation ist ein« Hauptaufgabe des Kongresses. Die Schaffung einer starken und einheitlichen Exekutive, die Erhöhung der Bedeutung' des Organisationsdepartemenis in der Exekutive und die Einführung des Einhcitsschekels sollen diesem Zwecke dienen. 6. Der Kongreß tritt dafür ein, daß der Schwerpunkt der Exekutive nach Palästina verlegt wird. 7. Die Leitung aller wirtschaftlichen Angelegenheiten soll innerhalb der Exekutive einem Kollegium von dreibisfünf Personen anvertraut werden. 8. Energische Vertretung der zionistischen Forderungen bei der Mandatarmacht und zielbcwußte VerständigungSpolitik gegenüber den Arabern müssen die Richtlinien der zionistischen Politik sein. Sie Rede Kurt Blllmenselds. In dem gestern veröffentlichten Bericht über die Donnerstagsitzung war durch ein technisches Versehen die Rede des Delegierten Blumenseld, des Sprechers der deutschen Landsmannschaft, 'weggeblieben. Wir lassen die wichtigsten Stellen dieser Erklärung hier folgen. Im Namen der deutschen Landsmannschaft und der ihr angeschlossenen kleinen Landsmannschaften habe ich hier unser Programm zu vertreten. Man hat sich darin gefallen, insbesondere die deutsche Landsmannschaft als „loyal" zu be-§ zeichnen.. Man . ist daräw gewöhnt, von der allgemeinen Politik, daß es eine Selbstverständlichkeit ist, sich oppositionell zu gebärden, und man glaubt, daß eine konstruktive Kraft etwas .minderwertig ist gegenüber der Haltung, die zwar einerseits die Früchte-der Arbeit genießen möchte, andrerseits aber sich auch gleichzeitig in der gehörigen kritischen Distanz hält. Wir glauben, daß es eine echt zionistische Tugend ist, sachlich und verantwortungsvoll unserem Werke gegenüberzustehen. Wir glauben, daß die Bedeutung der zionistischen Bewegung darin liegt, daß sie den Begriff der verantwortlichen Politik in die jüdische Welt eingeführt hat. Eine Bewegung, die auf eine freudige seelische Verfassung ihrer Anhänger angewiesen ist, muß wissen, daß auch ihre Kritik immer positiv und konstruktiv wirken soll. Zionismus ist für uns nationale Erneuerung des jüdischen Volkes. Den Satz, daß wir mit den Juden zu rechnen haben, wie sie sind, anerkennen wir nicht, sondern wir.glauben, 22. August 1925 Nr. 2335 L. & C. HARDTMUTHS KOH-I-NOOR BLEISTIFTE ZEICHEN- UND FARBSTIFTE ANERKANNT UNERREICHTE FABRIKATE ZU HABEN IN ALLEN BESSEREN PAPIERHANDLUNGEN daß die Bedeutung der zionistischen Bewegung darin liegt, die Juden in den Ländern der Galnth umzuformen zu einem neuen Typus. Keine Form der Galuthexistenz, auch die beste, scheint uns eine Zukunft zu haben und muß vom zionistischen Standpunkt geändert werden. Wir müssen politisch mit dem Problem fertig werden. Wir müssen uns klar werden über die Beeinflussung dieser großen Einwanderung im zionistischen Sinne. Arlofo-- roff hat schon den Begriff „Gleichgewicht" aus Dr. Hal Perus Rede ius rechte Licht gerückt. Gleichgewicht heißt doch zumindest normale Schlichtung des palästinensischen Lebens. Und wenn sie sogar die höchstentwickelten Industrieländer der Welt nehmen, so werden Sic finden, daß selbst dort 25 Prozent der Bevölkerung in landwirtschaftlichen Berufen tätig sind. Wir glauben, daß di« Landwirtschaft die notwendige Grundlage ist, und wir glauben dies nicht ans einem dogmatischen Standpunkt heraus, sondern einfach darum, weil es keine andere Möglichkeit gibt, ein Land durch Juden zu gewinnen, als daß diese Juden selbst den Boden bearbeiten. Gerade weil wir die Schwierigkeit dieser Probleme sehen wollen, verlangen wir mit aller Kraft Eingreifen und Kontrolle der Einwanderung durch die zionistischen Institutionen. Bei dieser Gelegenheit müssen wir aber mich sagen: Was in Palästina geschehen ist, ist verbunden mit dem Namen Doktor Ruppins, des wahrhaft schöpferischen Geistes, den wir in Palästina besaßen. Um so schmerzlicher berührt sind wir daher davon, wie gewisse Teile des Kongresses ihn gewürdigt haben. Wenn Sie heute Ruppins Buch lesen, das eben erschienen ist, und sich das Lebenswerk dieses Mannes klarmachen, werden Sie sehen, daß alle Gedanken über Palästinawirtschaft von ihm gedacht, von ihm vorgeschlagen wurden. Ich halte es für meine Pflicht, das zu sagen, denn wir glauben, daß die Kräfte dieses Mannes, der heute aus einer leitenden Stellung ausscheidet, unserem Werke erhalten werden müssen. (Lebhafter Beifall.) Unser Hauptproblem besteht darin, das städtische Element in. die Landwirtschaft überzuführen, und das kann man nur, wenn dem Menschen ein seelisches Aequivalent gegeben wird. Die Sicherung und Gestaltung des Palästinaaufbaues durch eine Neuordnung werden wir zu wahren wissen gegen rechts und links und gegen jeden Versuch der Unsachlichkeit auch aus der Mitte. In diesem Zusammenhang begrüßen wir die Maßnahmen, die dazu führen, daß die nationale Basis dieses Werkes erhalten bleibt, und begrüßen die Politik der zionistischen Bewegung, die gegeben ist einmal durch das Mandat, zweitens durch die nationalen Leistungen in Palästina, drittens durch die Kraft der zionistischen Idee als solcher; das sind die Fundamente unserer Bewegung. Alle die gehen in die Irre, die bei der Betrachtung und Kritik zionistischer Fragen diese Hauptstützen unserer zionistischen Politik eliminieren. Für uns ist hier die Frage: Haben die Führer der Politik uns die Garantie gegeben dafür, daß sie die wahren und rechten Repräsentanten der zionistischen Bewegung sind, daß sie mit Mut und Kraft und nationalem Stolz unsere Sache vertreten. Philosophische Theorien können leben, auch "T".111 **,./</* - Das Grosse Aktionskomitee. (Photo: ResWenzatelier, Wien. l. Fleteotimankt 11.) Eigenes Reisebureau für Kongressbesucher Im Kongrö88gebäude (Konzerthaus) 06 österreichisches Verkehrsbureau (Zentrale:!., Friedrichstrasse 1, Telephon 7500) Fahrscheine für lnu. Ausland » Alle ReieeangoteqenheKen * Errnttsalgte Fahrscheine für Kongressteilnehmer

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.