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Wiener Morgenzeitung · 1925-08-22 · Heft 2335 (22.8.1925) · p. Seite 4

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
7 (1925)
Issue
Heft 2335 (22.8.1925)
Date
1925-08-22
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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« Seite 4 Wien, Samstag G'sre* L. WEIN Wien, I., Kämtnerstrasse Nr. 27 Eleganteste Herrengarderoben nach Mass aus nur teinsten englischen Stötten Sämtliche Herrenmodeartikel in reichster Auswahl m Maffenmeeting im Sophiensaale. Trotz des zur selben Zeit tagenden Kongresses fand sich Tonnerstag ein verhältnismäßig zahlreiches Publikum im Sophiensaal ein, um die Ansprachen der populär.« Führer anzuhörcn. Nach der Eröffnung der Versammlung durch den Vizepräsidenten des LanSeskomitees, Dr. Leo Goldhamni e r. ergriff Sefmdeputierter G r ü n b a u m das Wort. Oft von Beifall unterbrochen, führte er im wesentlichen folgendes aus: Bon den aktuellen Fragen, die gegenwärtig im Mittelpunkt der Kongreßverhandlungen stehen, ist das Problem der vierten 2l l i j a h am «leisten geeignet, in dieser Bersamm« lnltg erörtert zu Werder«. Der gegenwärtige Eiimvan-dern-ngs» ström kann keineÄvegs in feiner derzeitigen Gestalt zur Ersüllung moderner nationaler Ideale dienen, vielmehr muß gerade jetzt alles unternonnnen werden, um die schöpfe rischen Elemente und Tendenzen im Kolonisationswerk nrit allem Nachdrrrck zu unterstützen. Dr. Klee (Berlin) betont - die unvergängliche Größe Theodor Herzls, der alle bis zum heutigen Tage akut gewor- , denen Problerne vorausgeahnt hat. Deshalb ist es geboten, daß ma«l bei besonders schweren Situationen auf Herz! zurückgreifc und m seinem Geiste zu handeln suche. Der frühere litauische Minister Dr. Soloweitschik begründet die Bedeutung des Kongresses, welche, im Gegensatz;u der« letzten Zionistenkongressen, die lediglich zu einer ideologischen Aussprache Gelegenheit boten, in erster Linie in den praktisch-budgetären Befugnissen liegt. Es gelte im gegerllwärtigen Moment, diese tatsächliche Bedeutsamkeit des Kongresses gegenüber allen Versuchen, diese Funktionen einer licitcit Körperschaft zu übertragen und den Kongreß neuerlich auf die Stufe einer Stätte für Meinungsaustausch zurnckzusührett, tatkräftig zu verteidigen. Mit einein Dank des Vorsitzeirdcn Dr. Goldhammer schloß die Versammlung. Ar Herbert Samuel. (Eigendicnst der „Wiener Morgenzeitung".) London, 21. August. Wie „Daily Mail" erfährt, verlautet an gut informierter Stelle, daß der bisherige britische Oberkommissär Sir Herbert Sa m ue l zum Vorsitzenden der R e gie r u ngs k o Mm i s si on vorgeschlagen ist, welche, zur Untersuchung der Schwierigkeiten im englischen Kohlenbergbau eingesetzt wurde. Das Blatt fügt dieser Nachricht hinzu, daß die Berufung Samuels au diese Stelle sehr zu begrüßen wäre und tveist auf die verantwortlichen Rcgierungsäinter hin, welche Samuel während seiner bisherigen politischen Tätigkeit in ausgezeichneter Weise bekleidet 'hat. Eine Einladung an Sir Herbert Samuel. Dr. W e i z m a n n hat — wie I. T. A. erfahren haben will — der« in Tirol weilenden Sir Herbert Samuel telegraphisch eingeladcn, den Sitzungen des Kongresses beizuwohnen. ' heimlichen Bel-arrlichkeitsvermögen in der Gemarkung ihres engen, geistigen und seelischert Umkreises." Meine Gasse weilt mit ihrem Gedanken und mit ihrer ganzen Seele im Beratungssaale des Kongresses. Glaubt es mir, es sind verhältnismäßig nur wenige, die die Probleme verstehen, von denen der Kongreß belebt wird. Aber jeder in der Gasse weiß, daß nicht nur der Haß der Straße, sondern auch die Liebe und die Fürsorge im Kongreßhans ihm und allen von der Judengasse zugewendet sind. 'Auch der Humor flattert jetzt in der Iudengasse auf. Ter Humor der Iudengasse ist ein Kind der Angst und des Optimismus. Wenn ich in solchen Zeiten Juden witzeln höre, so denke ich immer an das ängstliche Kind, das im finsteren Zimmer durch ein lautes Lied seine Angst uberschreien will. Ich stand mit einem solchen Inden vor einem der dreifachen Schutzriegel, die im weiten Umkreis um das Kongreßgebäude gezogen wurden. Es war nicht leicht durchzukommen und der Jude zitierte den Psalm- Vers: ,^)effnet mir Tore des Rechtes — wenn ich hineinfomme, werde ich Gott danken." (Bekanntlich lautet die wörtliche Uebersetzung: „Ich will hineinkommen und Gott danken.") Etwas moderner klang der Ruf eines Knirpses int Sportgewand, der, als ein Auto mit Delegierten sich dem Kordon näherte: „Der Freiheit eine Gasse", rief, als die Wache tatsächlich eine Gasse machte, erscholl lebhafte Heiterkeit. Der ältere Jude und der kleine Junge, beide kleideten ihren Protest gegen die dem Zionistenkongreß widerfahrene Unfreundlichkeit der Straße in einen Witz. Die Gasse hält ihren eigenen wilden Kongreß ab. Die Kleinen und die Großen debattieren mit unglaublichem Ernst und mit fanatischem Fraktionseifer über alle brennenden Fragen des Kongresses. Es geht oft sehr hitzig zu und wer weiß ob nicht, käme es hier in der Gaffe zur Abstimmung, andere Ergebnisse herauskämen, als dis der Kongreß vielleicht bringen wird. Denn besonders di« JaMd drängt . . . Wiener Msrgenzeltuna §2. August 1625 Rr. Ö385 Set Kongreß der zionistischen Fronen. Sie krlstanngesttzuno. Gestern nachnntwgZ wurde im Sitzungssaals des GrettmnnS der Wiener Kansmainrfchaft die Eröffnung der dritten Konfereirz der Weltorganisation zionistischer Frauen in stierlicher Weise vorgenonuneu. Die Eröffnungsrede hielt die Vorsitzende des Präsidiums, Frau Roman« Goodman (London), die aus sich rte: Die dritte Koufeven-z der H i st a d r u t h O l a m i t h l e N a s ch i m Z i o n i r h eröffnet ihre Beratungen unter den« Einfluß der jetzt stattsindenoen Tagungen der Zionistischen Weltorganisation, von der wir ein Teil sind. Wir sind hier vevsaminÄt, mit zu nächst einen Tätigkeitsbericht über die Arbeit während der lebten zwei Fahre zu erstatten un.d die R>äM>»'ien für ihre weitere Entwicklnug fostzuisttzen. Die Organisation der zionistischen Frauenarbeit ist für uns in Palästina eine »uuingä »gliche Notwendigkeit. Wir haben versucht, di« Frauen nn Rahmen der zionistischen Bewegung zusammeuzusassen. Zn diesem Zwecke haben «vir Sie Gründung und Entwicklung besonderer z i o n i st i s ch e r F r a n e n g r n p p e n, r e s P. F r a n e n f ö d e r a t i o n e n, gefördert. Tenn nur eine festgefügte zionistische Frauenorganisation kann oeu dauernden Au.forderur.geu der Palästinaaufbauarbeil gerecht werden. Wir haben eS aber mich nicht unterlassen, mit anderen Pro-Palästina-Fvauenorgan-isationen, die nicht auf ausgesprochen zionistischer Basis stehen,;usan«>nenzngchen. Aufgabe dieser Konferenz «vird es seilt, die Gruitdlnge für ein ferneres Zusa nt in c tt «v irke lt nt i t s o l ch e «t O rg a n i s a i i o n e n zu schaffen. Weitn Sie bedett-ken, daß unsere Organisation noch jung ist, dann werden Sie dies be-i Beurte«li'.n.g unserer Tätigkeit berücksichtigen. Wenn wir unsere Arbeit ziffernmäßig ansdrücken, so haben wir eine Suniute von ungefähr 2-1.000 Pfund auWlweiscn, die voll uits für «tnser Palästinawevk verwettdet worden ist. Die Hanptgncllen urtscrer Einnahmen lieget« in den Ländern des britischen Reiches. Wir streben aber auch die moralische und materielle Unter» stützultg tit vielen allderen Säubern an. Unsere Hanpttätigkeit erstreckte sich auf die Aufbauarbeit in Palästina, da diese Arbeit eine große erzieherische Wivku««g schon jetzt auf die Diaspora ausübt. Leider konnten wir nicht allen Anforderungen gerecht werden, wir haben uns aber bemüht, das möglichste zu leiste««, ohne «ms dabei zn zersplittern. Unsere Aufgabe foimtc nur von einer Organisation durchgeführt werden, die wirklich die Unterstützung aller zionistisch gesinnten Frauen hatte. Wir hoffen sogar, in Palästina eine e i «t h e i t l i ch c B er b i u d u n g aller Fvauenovgalnsattonei« schaffen zu köniteit. Unsere amerikanische Schwesterorganisattcm Hadassah, mit der wir int besten Einvernehmen stehen, hat sich auf ei» 'wichtiges Arbeitsfeld beschränkt, aber wir sind vorläufig weder tu der Läge/ Kn ganzes Arbeitsgebiet selibständig zu Übernehmen, noch solltet« wir uns auf ein besonderes Gebiet alleilt beschränken, ffiit haben, soweit unsere Einrichtungen als Stützp-nlikte aufgefäßt, die K t n d e r w oh l fa h r t, die Erziehung zur H a us a rb e i t, die Landwirtschas t.. Diese Einrichtuldgen müssen von utts ausigebant werden. Während meiner Anwesenheit in Palästina, vor ein-igen Monaten, war es mir vergönnt, uitseve Arbeit mit eigenen Angelt — nrit krltifchen Augen — zu sehen nutz ich bin überzeugt, daß wir auf dem richtigen Wege finit». Insbesondere ist mir von allen Seiten nahegelegt worden, daß die Landwirtschaftsschule in Nahalal eine Notwettdigkeit ist. Es bleibt für uns das stete Bestreben, im Einvernehmen — womöglich t n einer organischen Form — mit den Frauenorganisalioiten aller Richtungen in Palästina die Arbeit fortzusetzen. Die Einigutlg der verschiedenen p a l ä st i n e n s i s ch e «t Frauenorg-anffationen ist ein unerläßliches Bedürfnis, soll der Frau int neuen jüdischen Palästina wirklich zu ihrem Recht verholfen werden. Wir treidelt keine Politik, aiber es muß von dieser Stelle gesagt werden, daß wir die Frau in Palästina nistischen Bewegung, unseres nationalen Heimes, erstrecken möge. Rach ihm sprach der Präsident der Executive, Nahum Sokolow, der die Konferenz im Raitren deS Kongresses willkommen hieß. Er bezichncie sie als eilte schr wichtige Tagung, die von nicht geringerer Bedeutung sein werde als die Arbeiten des IS. -ionistischen Kongresses, von dem der Redner.erklärte, daß er als eia epochemachender, von weltgeschichtlicher B e d e n t u >t g, zn tverten sei. Es fet als ein großes Glück für die Illdellheil zu bezeichnen, daß die seinerzeitiHen Bestrebt««, gei«, die Fnden in kleinen, wenn auch zahlreichen Sisvlungen über das Gebiet der Verein lgr e n Staaten zum Beispiel;n verteilen, von dem 0cf1t1ttoc.1t FirstiM des jMschen BoUSverstandcS abgelehnt wurden, und daß eS die Entwicklung mit sich brachte, die der Judenheit in Ncw-Aork die größte geschlossene jü-disech Siedlung der Welt geschenkt hat. Fi« A'cw--?)ork hat die Illdenschaft zwar nicht die Mchcheit, aber sie ist e i«, e große Minderheit und sie kann bei allen politischen Wahlen ihr Gewicht voll ui«d ganz in die Wagschale werfen: sie bklder daher einen Faktor, mit dom olle Parteien der Bereinigten Staaten rech«l.c«l. Nach ihm ergriff, stürmisch begrüßt, der Präsideilt der Zionistischen Aktionskontitees, Prof. Dr. Chajes, das Wort. Die Frauen, führte er aus, uitto besottders die jüdischen Frauett, fiitb von -HanS ans kowserva-liv unb stärker den Gefahren der AssiiMilation auSgcsetzt, weil sie weniger Waffen zur Verfügung haben, mit denen sie sich zur Währ setzen können. Worauf es mm ankommt, das ift, den Frauen die geistigen Waffen zu bieten, mit d«ntcn sie nicht nur den Kampf gegen das Lebe«, an sich, sondern auch den Kampf gegen sich selbst zu führen in der Lage sind, welch letzterer besonders rtotilvc-nbig erscheine, «int sie für ein Loben ln einer kämpferischen Doloegnng zu stählctt. Ussischkin wandte sich int Namen des I ü d i > w > - - i o n a l fo n d S an die jüdischen Frauen, die die .!sre im Kampfe uttferer Bestrebungen feilt «mißten. Es sprachen noch Prof W a r b u r g über die Notwendigkeit der landwirtschaftlichen Erzlohunig, Dr. Eder (London), Miß Heunette Szold als Präsidentin der Ha-dassah, Doktor Löwen Herz namenS der Wu-ner Jsvaelittschen Kultusgonteinde u«td Frau Erna Pa ta k im Namen der Organisation Zionistischer Frauen Oesterreichs. Mit der Skbsirt-gitng der jüdi>sche«t NationaM)M«te schloß die feierliche Cvössnungssitzung. ' Begvüßnngs-telegramine und DogrüßuugSfchreibün - sind u. a. eingelaugt: Vom Buitvespräfidentelt der Republik Oesterreich Dr. Hai n i sch nnd dessen Mutter Frau Marianne H a i u i f ch, vom Bundeskanzler Dr. Rudolf R a m e k, de-r den Bcratnltgen der Koitserelt,; vollstett Erfolg wünschte, weiters “bunt Großpräsidenten der B'ltai-B'rith-Logen in Wien Prof. Dr. E h r m a n «t, dann von Frau Rose Hertz, der Getnahlin des Oberrabbilters von Großbritannien; weiters vo,« Frau' Lilian F r e i m a n,. Präsideittin der kanadischen Hadassah, von Fvl. Daisy Adler in London, endlich vo>«t der Union deS FemmcS JuiveS Fvancaife pour. Palostme. - > Ligen« Modell - Werkstätte Vornehmste Pelzkonfektion Josef Sonnenschein & Go. PELZGE$£IXSCHAFT Wien, VII. Mariahilferstrasse Nr. 70 ... TELEPHON 39*3-90 ... EN GROS 312 EN DETAIL Frau Leoutiue Smolensry. Das Begräbnis von Frau Leoutiue Sm ol en s th, der gestern int Kongreß der Vorsitzende einen warnventpfundclten ^Nachruf hielt, findet morgen Sonntag um 12 Uhr mittags auf dem Zeittralfriedhof (drittes Tor) statt. als vollberechtigte Bürgerin des jüdischen Nationalheims betrachten. Wahrlich, die Aufgaben, die der jüdischen Frau dort harren, finto vor allein nicht nur von der tradittonell ch a r ii o t i b e n Art, wie es feit jeiher bei uns Juden Sitte war, sondern es gilbt jetzt soziale Probleme, die nur von der Frau selbst gelöst werden können. Jnsoferne die Histadriuh Olamith le Nafchim zur Lösung dieser Ausgaben und dieser Probleme michelfen wird, wird sie Mch ihre weitere Berechüguug haben. (Lebhafter, sich lange wiederholender Beifall.) Sodann ergriff, von der Versamntlung stürmisch begrüßt, Präsident Dr. Chain« Weizmann das Wort. Ich kann es mit gtttont Gewissen behaupten, sagte er, daß alle Arbeit dieser Ovgäuifatton, so jung sie noch ist, mich mit Bewunderung erfüllt utw mit Ernmtigung. Ich verweise vor allent auf die erfolgreiche Tätigkeit der Schute iu Nahalal, ohne di« wir uns den Ausbau des Landes gar nicht dorstellen können. Ich begrüße es mit Genugtuung, daß der Organisation jeder politische An-strich fehlt und würde wünschen, daß dieser Fchler, der kein Schönheitsfchler ist. s i ch atzch aus andere 131qan11o11 ojticä Kus^rrr zi Ser zweite Steiger-Prozeß. Zustellung der Anklageschrift an Steiger. — Beginn de- Prozesses wahrscheinlich am 13. Oktober 1VSS. (Eigendienst der „Wiener Morgenzeitung".) Lemberg, 31. August. Dom jüdischen Stüdeut-en Wladyslaw Steiger, welcher beschuldigt ist, aut 5. September 1024 das Attentat auf den pol'ni-schen Staatspräsidenten anläßlich dessen Besuches in Lemberg verübt zu haben, wurde die Anklageschrift für feilten Prozeß, dessen Durchführung vom Standgericht a.n das Lembevger ordentlich: Gericht übertragen wurde, 'bereits übermittelt. Sie umfaßt 30 Seiten. Der Vertreter der Angeklage, Staatsauwckkt Siwulak, macht 61 Zeugen zur Stützung der Anklage namhaft. Der Prozeß gegen Steiger, der etwa vier Wochen dauern dürfte, wird wahrscheinlich am 13. Oktober in einer eigenhich'ir eingoschobenen Gerichtsseffion beginnen. Steigers Gesundheitszustand ist, wie Ihr Korrespon- 'devt erUhrtt gut.

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