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Wiener Morgenzeitung · 1925-08-22 · Heft 2335 (22.8.1925) · p. Seite 2

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
7 (1925)
Issue
Heft 2335 (22.8.1925)
Date
1925-08-22
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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;cite Wien, Samstag Wiener MorstenzettiMA 22. August 1925 Nr. 2335 HoOudiir«iia 14 - Das. Abschiedsdokument Samuels war das Ein-wanverungsgesetz vom 15. Juni 1925; dieses Gesetz.ist aber .für uns viel gefährlicher als das früher geltende. Wir Verzichtern nicht auf unsere Ansprüche auf Transjordanien, das der fruchtbarste Teil unseres Landes ist.'Was hat die Leitung getan, um das Recht der Einwanderung nach Transjordanien, das den palästinensischen Arabern gegeben worden ist. auch für die IMden Palästinas zu erlangen? Erez Israel mtrb statt iu ein jüdisches NativnalHcim in eine englische Kolonie verwandelt. Die Alijah ist eine C i n nahm squelle fttr die englische Regierung geworden. - Eilt Drittel des AlijahgelidcS geht für die englische Regierung. In den letzten acht Mo-' uateit zahlten wir 9000 Pfund, im vergangenen- Jahre 7000 Pfund Kopfsteuer an die Regierung. Redner-verlangt von -Dr. Weizma-nn Aufklärung über die Beantwortung, einer Anfrage i-m Unterhaus durch Minister A in e r y, wonach, wie die Presse meldet, antiz io n istische, Elern e n t c keine E i n r e i s e e vl a u b n i s nach Palästina. -bekommen. Welche zionistische Verantwortung kann uns das Recht geben, irgend einen. Juden nicht nach Palästina hincinzu lassen?. Zur Frage der v i e r te n Ali j a h gibt der Redner der Ansicht Ausdruck: Solange wir nicht genügend Konsumenten, solange wir nicht genügend jüdische Arbeiter im Lande haben, solange wir keim jüdische Mehrheit, sind, besteht für den Mittelstand keine Aussicht. Die hitzige, Stütze für die Mehrheit ist der jüdische Arbeiter: Bor.einem- Monate mußten Arbeiten eingestellt ..werden, weil 2000 Arbeitergefehlt hcchen; wir.hatten keine Zertifikate für sie. Boir den russischen Idealistcp, die nach Palästina hätten auswandern können, haben wir' nur 13 Prozent „erlöst". Ohne den Chain; — schloß, der Redner — seid ihr leer, wüst und geistlos. Ehiefrabbi Dr. Landau (Südafrika) erklärt, daß die 70.000 südafrikanischen Juden, in ' deren Namen er spreche, die alle Zionisten sind, beschlösset! haben, den Führern und der Organisation die kräftigste finanzielle' Und moralische Urtterstützung zu gewähren. Es ist beschämend, daß wir Boden kaufen muffen rmt dem unter großen Opfern gesammelten Geld des jüdischen 'Volkes/ ivährettd die Regierung den- A t a b b r n' Bo d e n n in s -o n st gibt. Mit- Protesten werden wir allerdings unser Ziel nicht erreichen. Aber man muß konstatieren, daß- - -- - ' - die englische Regierung die Balfour-Deklaration Wie einen Fetzen Papier bchandelt. Mas wir brauchen, ist ein peä ce'fp r pen e tr.a t i o n. Auch Sejmdeputierter ' > ' . , Dr. Oskas Thöu : (Weftgglizien), hobt hervor^ daß.das Mandat nicht so am/: geführt, wird, wie wir es hätten erwarten dürfen:: Mast hört ja Hymnen darüber, wie weit, wir es gebracht haben,' daß der Zionismus realistisch geworden ist. Hüten wir uns vor dem kleinen Schritt vom Realismus zum Bana nse n tum. Rollen wir-nicht großartig den Gegensatz zwischen Kapital und Arbeit hier-auf, denn es gibt keinen Kapitalismus mit leeren Taschen. Unt-ex dervierten Alijäh gibt cs gewiß sehr viele Menschen-mit zionistischer Jdeoit>öie. Aber der Gefahr des Luftmeuschemtums müssen wir ungescheut entgegentreten. Alle Benmhungon müssen auf P r -o d u k t -i v i e r u n g gerichtetimvden. Mt Versprechung von Dividenden kann mau keine Propaganda treiben. In bezug auf das , Erziehungstvesen haben wir uns nicht ans der Höhe gezeigt. .Es. gibt keine. Regierung in der Welt, die die Erziehung aus der .Hand läßt. Wir dürfen ke.i.n c K l a j-f e n f ch u I c n, sondern nur eine Nation al e S chu-le haben. Der. Redner schließt: Ich habe den Eindruck, daß auf diestm .Kongreß ein gewisser Ruck nach rechts erfolgt; das wäre sehr zu -bedauern. Das Ideal der Arbeit ist vor allem hochzühalten. Jean F i s ch e r (Antwerpen) erklärt, er vertrete ini Zionisurus eine kleine, eine teuere Erbschaft, den.Herrschen Zionismus, den Redner als völkerrechtlichen Zionismus ansieht. Er verlangt, der Kongreß solle erklären, daß die Annahme des Weißbuches der Leitung aufgezwungen worden ist und daß er sich nicht daran gebunden erachtet. Samuels Definition der Balfour-Deklaration, Churchills Weißbuch unb die Ernennung Lord Plumers beweisen, daß uns der feste Boden unter den Füßen fehlt. Redner spricht gegen die Linke im Zionismus und verlangt eine Aenderung der Verwaltung Palästinas. Unter allgemeiner Spannung ergreift, mit starkem Beifall begrüßt, der Führer der Fraktion der revisionistischen Zionisten, Wladimir Iabotinsky, .das Wort. Er erklärt, er habe zur heutigen Exekutive kein Vertrauen. Es handle sich nicht um Klagen und nicht um einzelne Fehler, sondern um die Grundfrage des Weges. Der Unterschied besteht in der Beziehung zum politischen Zionismus. Wir glauben, daß jede Aufgabe des Zionismus durch politische Methoden gelöst werden muh; wenn inan diesen 'Weg weitergeht, so stehen wir tief besorgt vor bctt Problemen, die das Leben vor uns aufbaut. Unser Endziel - ist die S ch a f sin N g der jüdischen Mehrheit in Palästina. Dazu ist eine jährliche Einwanderung von 40.000 Menschen nötig. Daß wir das Material hierfür haben, hat das letzte Jahr bewiesen. Wir müssen aber jahraus, jahrein diost Einwandernngszahl erhalten und es zuwege bringen, daß diese Welle auch vom Lande absorbiert-wird. Das ist eine ungeheure, beinahe übermerrschliche und präzedenzlose Aufgabe. Wir können uns noch, nicht freuen, wenn man in Palästina eine neue Fabrik schafft. Eine Fabrik ist noch nicht begründet', werrrl sie eröffnet ist, -sie muß auch ihre Wate verkaufen. Die Frage he s A b s a tz e s' i st di e er ste F rag c d er städtischen Kolonisation. Die jüdische Industrie kann nicht ohne Staats Majorität und ohne ein intensives S ch u tz s y st e m existieren. Das Problem der städtischen Ansiedlung in Palästina ist somit ein politisches Problem. Wir dürfen sagen, daß in diesem Jahre, das bezüglich der EinNxutderung, des Keren Hajeffod und des Keren Kajemeth ein sehr.günstiges Um, die landwirtschaftliche Ansiedlnng eirre verschwindend kleine Rolle gespielt hat. Auch die Mittelstandseiittvanderer der viertelt Alijah sehnen sich mit Begeisterung nach der Landwirtschaft. Trotz all dieser günstigen Umstände ist die landwirtschaftliche Kolonisatlon zum S t i l l st a n d gekominen. Es' Iväre lächerlich, dasiir Ru-ppill oder Weizmann zu beschuldigen. Das Problem einer großen Landansiedlung durch Kauf.oder Verkauf des Bodells auf'freiem Älarkt ist objektiv u n l o s ba r. Die Methode der landwirtschaftlichen' Kolonisation kann, nur eine S t a a t s m e t h o d e sein. Es gibt in Palästilla noch unbebaute, aber anbaufähige Flächen, und diese Strecken müssen eine vom Staat enteign. e t e Bo d eu r c.s e r v e werden. Landreforrneu die- -scr Art werden heute in ungefähr 22 - Ländern Europas durchgcfü-hrt voll Parlamenten, die. weder sozialistisch noch konmmnistisch sind. Es entspricht dem Rechts bewußtst in der lnopexncn, Welt, daßder Zustand dos L a n d h n it g e r s vonder .einen Seite und n n b e b a u t e n L a ii d e s von der:anderen Seite zur Versöhnung gebracht .wird. 0r. N. M. Gelber. Leiter des Bureaus des XLV. Zionistenkongresses. (Photo: Resiidenzateller, Wien, i., Flmcfomarkt ll ) 3luch Ruppin, der nicht als Träumer gilt, hat bereits von einer ' Anleihe mit Völkerbundgarantien gesprochen. Ich bezweifle, dqß die von NuPPin genannten Sicherheiten, unsere Fonds,, von der Geschäftswelt als solche anetzkannt werden. Aber es gibt eine Sicherheit der Anleihe,' und das 'ist die Bodenreserve in Palästina. Von dieser Bodenreserve aus müh das ganze Problem des Zionismus betrachtet werden. . Ohne politischen Vor bed i ngungen kann mau keine Arbeit leisten. Es ist ein Unterschied wischen Kolontfationspolitik und Kolonisation. Die Kolonisation in einem zionistischen Aiaßstabe — fährt der Redner, dessen Redezeit-von einer halben Stunde zu Ende ist, aber vont Kongreß unter stürmischen Protesten der Liniert verlängert. wird, fort — bedarf gewisser Vorbedingungen: Bodenreserve, Schutzzoll, Steuergesetze und eine nationale Anleihe, die nur auf politischem Wege zu erzielen rtnd.durch die Bodenreserve gedeckt ist. Aber wir glauben auch, daß alle diese Bestrebungen, selbst wenn sie der Kongreß annimm-t und ' das jüdische Volt sie teilt, rticht zu verwirklichen sinds wenn die Verwaltung in Pallistina so stark von un- Exportartikel für Kontinent und Uebersee sind unsere Stempel war en-Er Zeugnisse Eingtführt bei Papfef- und SpielwarengescMfteh, sowie Ottveuren und Sterapelericeugerti nur QraMfetan hohan Rabatt TOeltttge hranehekundln* Vartreter mit prima Referenzen gesucht Stcmpelwarenfabrik H. Hammer, ö«.m.b.«. Wien, II. Luaiingleithnerplats % 404 freundltchcin Gciste durchdrungen ist. Es entspricht nicht d-ein Geiste und Buchstaben des Mandats, wenn man einflußreiche Beamtenstellen mit Gegnern der Balfour- Deklaration besetzt. Die Regierung darf nicht ein unbeschränktes Recht der Ernenmtng von Beamten auf höheren Negierungsposten besitzen. Die Empörung über die Ernennung Lord P l u in e r s richtet sich nicht gegen die Person, sondern gegen die Nichtbefragung der Iewish Agency. Ist das Gerechtiglkeit? Ist das im Sinne des Mandats? Ties besorgt stehen wir vor der Frage der Sicherheit. Palästina, ein Land mit hundert möglichen Angriffspunkten, besitzt einen nur kleinen englischen Llpparat. Man weist darauf hin, daß wir doch drei Jahre .Ruhe hatten. . Aber das bedeutet doch noch sehr wenig. Wir verlangen von der Mandatar macht me Verantwortung s ü r R u h e, aber kein Opfer an Geld und Männern. Es ist unsere Pflicht, d i e M e n s ch e n z u st e l l e n. Indiesem Momente der Schwierigkeiten wollen wir das einzige politische Jnstruinent, das Rohr, welches zur Niandatarmach leitet, verstopfen, die Iewish A g e y c y. Was den Filter der Agency, die allein daS Ohr der Regierung besitzt, nicht passiert, das werden Sie nicht apsführen können. Der finanzielle Teil des Aufbaues allerdings gehört nicht uns allein, und toer Steuer zahlt, hat auch das Recht der Mitbestimmung. Warum also nicht ztvei Kammern schaffen, die in rein budgetären Fragen znsannnenarbeiten? Aber das g e i st i g e P a t h o s des Zionismus ist doch bei uns, und darum mutz die Agency in unserer Hand bleiben. Wenn auch heute keine Gefahr droht, so kann doch einmal der Tag kommen, wo vielleicht der ganze Kongreß einstimmig unter Blut und Tränen einen p o l i t i s ch e n B e s ch l n ß fässtrt wird; dannmüssen Sie das Instrument ohne Filter in Ihrer Hand haben. Geben Sie sich auch nicht der Illusion hin, daß diese Menschen, deren Mitarbeit in der Iewish Agency man gewinnen will, durch die Zusaminen«. arbeit mit uns werden bekehrt werden; Menschen, Pdrteien, bekehrt man nicht, nur die große Masse als solche ist zu bekehren. Die I. C. A. arbeitet 25 Jahre in wunderbarer Weist im Lande, doch fragen Sie . heute Kapitgn Iran.?, der diese Arbeit geleistet hat, ob er Zionist ist/ Hutb er wird mit Rein antworten; er hält den Zionismus für ein wahnwitziges Beginnen. Dasselbe gilt vom Hilfsv c r c i n d e r d c u t s ch e n Juden. Wie können Siesagen, daß 'es keinen Unterschied gibt in politischer Hinsicht? Wir haben eine fünfzigjährige politische Schulung - hinter uns, durch Achad Haam, durch Herzl, der den Kongreß, unsere Hochschule der Politik, geschaffen hak, undun werdeir zu uns Fremde fvmmen. Sollen sie daZ Rechte haben, wicht hlvß mitzusprechen? . ... ■ Ich stehe hier in Kanossa.. Ich glaubte vorvier. Jahren, daß ich. wie so manche Emigranten mein -Vaterland verlassen müsst, um von außen her noch besser für, Reformen darin käntpsen zu können. Als Baal- Tes'chuiva stehe ich jetzt vor Ihnen. Von außen läßt sich nichts erwirken. Der Kongreß mag gegen "mich oder für inich' sein, das macht nichts aus. Aber mit Ihnen habe ich eine Verständigttngsmöglichkeit, mit denen draußen aber nicht. Der Kongreß ist so'uverän. Deshalb stehe ich hier. Vertreiben Sie keine Patrioten der zionistischen Bewegung! (Starker Beifall.) Der letzte Redner der Vormittagssitzung, Dr. Schinärjahu Lew in, polemisiert kurz gegen Jabotinsky, dessen Weltanschauung er als m e ch ü u i st t f ch bezeichnet, während der Zionismus etwas Lebendiges sei. Soldaten nach Erez Israel zu schicken, bevor wir noch die Juden dort haben, schafft keinen Staat und keine Autonomie. Wir sterben das Land kaufen u n d dafür bezahlen müssen. Wie wir bisher in unsere Versuche Geld hineingesteckt haben, so müssen wir es auch weiterhin tun. Sonst müßten wir auf jede Tätigkeit verzichten. Die Chaluzim sind das Fundament des Artsbaues und das Fundament muß viel massiver gebaut werden. Aber and; für die Mittclstaudscinwanderer ntuß gesorgt werden. Redner bezeichnet sich als ausgesprochenen Anhänger S a m u e l s wie auch seiner arabischen Politik, beinahe seiner gesamten Politik. Er hat Ruhe im Lande geschaffen und uns nicht benachteiligt. Die Frage der Majorität in Erez Israel sei eine Geldfrage. Es ist also davon zu sprechen, wie da Geld beschafft werden soll. Es hängt nnr van uns ab, wann wir die Majorität haben. ^Lebhafter Beifall.) Während die um 3 Uhr geschlossene BorinittagSsihung von Rabbi Berlin präsidiert wurde, führte in der um halb 4 Uhr eröffneten kurzen Nachmittagssitzung DrF l u m e l den Povsitz. In Fortsetzung der General- Sitz köiltttil Ihr Rtzise- und Handgepäck während de« KougresstzS und dev Heimfahrt für .'w Tage gegen Verlust, Minderung EiiMinNfflihon nnd Beschädlaung versichern. «*r Polizzen der LUlyWAIIvll QUler* u. Ralgopäck-Verslcherungs-Aktlengesellsch« welche in fastsämtl. Staaten Europas Schwestergesellschaften unter gleicher «Z-irma hat. sind bei der Versicherungs chtettuna de« K. K. L. erhältlich. Bersichemngsstand im Foyer deS Kongreßgebäudes, Wten,Hl.Lotyringerstr.SL

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