Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 7 (1925)
- Issue
- Heft 2335 (22.8.1925)
- Date
- 1925-08-22
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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** 20 Grotthen Redaktion, Administration: Wien, ELTaborsh*. l Telephone: 44-0-38,43-3-19 Ab 6 Uhr: 21-102, 25-2-82 IX. Univereitätsstrasse 6—8 (Druckerei Ign. Steinmann) Oeaterreichisches Postsparkassen-Konto Nr. 150.693 Bezugsbedingungen für Oesterreich monatlich 5 S Rr. 2333 KONORESSflUSGflBE Wiener I. Kämtnerstr. 11-15 omeiyeUung In bh Kettelt MENU S fonf.uhr.tee BONBONS etc. AMERICAN BAR Me». Samstag. 22. Auqaft 1925 7. Jahrgang WELCHE UBER GUTEN WIENER. . GESCHMACK SOWIE NEUESTE i RICHTUNG DER MODE k INFORMIERT SEIN WOUEN 8 BESUCHEN UNBEDINGT DAS MODEN PALAIS KAISERST/l-111-US Ml VICTROSA FEINE HERRENBEKLEIDUNG TELEPHON NR. 70-2-93 WIEN, I. 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Man wird in der nächsten Sitzung zur Wahl von Generalrednern schreiten müssen, um den für die Behandlung der Budgeteinzelheiten und der wirtschaftlichen Fragen notwendigen Raum zu gewinnen. Von den zehn Tagen, die der Kongreß sich als Sessionsdauer gesetzt hat, sind bereits vier abgelaufen, und es wird die äußerste Oekonomie des Präsidiums notwendig sein, um die Abwicklung des Programms zu sichern. Gestern gewährte der Kongreß Herrn Jabo' t i n s k y eine Verdoppelung der Redezeit, allerdings erst nach erregtem Einspruch der Linksparteien. Die Abstimmung gestaltete sich sehr lärmend und mußte wiederholt werden, nachdem S 0 k 0 l 0 w selbst für den bezüglichen Appell des Redners sich eingesetzt hatte. Als erster erhob W e i z m a n n die rote.Abstimmungskarte. Jabotinskys Rede ist vor allem ihrer glänzenden rhetorischen Form wegen hervorzuheben. Die Rede, die er selbst am Schlüsse als Gang n a ch C a n 0 s s a bezeichnete, war eine der besten Leistungen parlamentarischer Kunst. Das ist das Schöne an diesem Kongreß, daß er wirklich ein Parlament ist, in welchem parliert wird, vitt loelchem jeder den Kgner mit der Kraft der Argumente zu üoerzeugen sucht.' Während die meisten Bons- Vertretungen zu Abstimmungsmechanismen entartet sind, pflegt der jüdische Kongreß, der freilich noch so jung rst, die Rede. Wenige freilich gibt es, die das Wort mit solcher Leichtigkeit handhaben wie dieser Russe, dem die deutsche Sprache doch nicht so geläufig ist. Schält man aber aus dieser mit höchstem Schwung und demgemäß mit stärkster äußerlicher Wirkung vorgetragenen Rede den sachlichen Kern heraus, so kommt man zu dem Schlüsse, daß auch Jabotinsky nur mit anderen Worten und in bestechend geschlossenem Aufbau die Beschwerden wiederholt, insofern sie sich gegen die Handhabung des Mandates richten und vom ganzen Kongreß geteilt werden. Die Forderung eines ausgiebigen Schutzes der jüdischen Bevölkerung — Jabotinskys Anschauungen in diesem Punkt sind ja bekannt — trug er in anerkennen sw erter Mäßigung vor. Der Kongreß ist, wie man weiß, in dieser Frage fast einstimmig gegen die von Jabotinsky verlangten Maßnahmen. Noch anfechtbarer aber sind die wirtschaftlichen Forderungen. Wenn er Schutzz 0 llfür Palästina verlangt, so würde das den Bestand einer organisierten Industrie voraussetzen. Er selbst aber gibt zu, daß diese erst noch geschaffen werden muß. Wie stellt sich aber die Frage, wenn man das Verhältnis Palästinas zur Mandatsmacht betrachtet? Wenn England zum Schutzzoll übergeht, kann Palästina innerhalb dieses fast über die ganze Erde sich erstreckenden Wirtschaftsgebietes sich isolieren? Bleibt England beim Freihandel, so würde es doch noch viel weniger ein autarkisches System in Palästina ertragen. Ganz abgesehen davon, daß Schutzzoll sehr leicht zum Chauvinismus führt, den wir nun einmal im Hinblick auf unsere Geschichte wie nicht minder im Hinblick auf den Anreiz zu Repressalien in dieser und jeder anderen Form bekämpfen. Die wuchtige, leidenschaftliche Kritik Jabotinskys der für die Erweiterung der Jewish Agency in BetrachtkommendenKreisein England und Amerika riß den . ganzen Kongreß zu stürmischem Beifall mit, obzwar die Mehrheit sicherlich auch in diesem Punkte mit dem Redner nicht übereinstimmt, Den sachlichen Darlegungen Jabotinskys trat dann Schemarjahu Lewin in einer verbindlich-heiteren, aber doch sehr scharfen Rede entgegen. Ein recht merkwürdiges Vorgehen ist bei der Wahl und Zusammensetzung des Permanenzausschusses eingehakten worden. Dieser Ausschuß, der etwa dem Hauptausschuß des österreichischen Nationalrates entspricht, ist die zentrale Kommission des Kongresses. Alle wichtigen Beschlüsse, alle Personalvorschläge müssen ihn passieren und die. parlamentarische Uebung erfordert es, daß in diesem Ausschuß alle Richtungen des Kongresses vertreten sind, schon deshalb, weil alle zur Verantwortung herangezogen werden müssen. Sie müßten deshalb auch im Präsidium des Ausschusses vertreten sein. Dies ist jedoch nicht zugestanden worden. Es wurde zum Vorsitzenden der New- Porker Delegierte Abraham Goldberg gewählt. Seine Stellvertreter sind der Maler Hermann Struck als Führer der Misrachi und Abgeordneter Dr. Reich als Führer der polnischen Landsmannschaft. Die Parteien des Zentrums und der Linken sind demnach überhaupt nicht vertreten. Diese Einseitigkeit kann nicht ohne schädliche Einwirkung auf den Kongreß bleiben, da sich die Stimmung unter den benachteiligten Gruppen sehr verschärft hat. Den Arbeiten, die auf die endgültige Bildung der zukünftigen Leitung, der Exekutive wie des Aktionskomitees abzielen, ist mit diesem Vorgehen e i n s e .h r sch l e ch .t e r Dienst geleistet worden. Aus den führenden Kreisen verlautet, daß bei den Verhandlungen um den Permanenzausschuß keine Etrt*fTußnahme der Exekutive zu verspüren war. Dieser Unterlassung schreibt man das so auffallende Ergebnis der Zusammensetzung des Präsidiums zu. Am Schlüsse der Bormittagssitzung ntachte der Vorsitzende Mitteilung von dem in Wien erfolgten Ableben der Frau Leontine Smolensky, der Witwe des großen Publizisten, und des Schriftstellers A. Ch. Rosenberg in New-Aork. Das Haus erhob sich zum Zeiten der Trauer. -k? Der Sihungsverlaus. In der gestrigen Bormittagssitzung, die um 10 Uhr begann,- war der erste Redner zur Generaldebatte Oberrabbiner Dr. Niemirower (Rumäniens Er wies darauf hin, daß organisatorisch von der Exekutive wenig geleistet wurde, was auf den MangelanKräften zurückgeführt werden muß. Gerade weil wir uns mit Halb- und Nichtzionrsten verbinden, ist es notwendig, die Organisation zu stärken. Die rumänischen Delegierten werden für die Vorschläge zur Erweiterung der Jewish Agency stimmen, können aber nicht uinhin, schwere Bedenken wegen der Gefährdung des nationalen Charakters des Siedluttgswerk e s in Erez Jsrae-l auszudrücken. Wir hegen auch Befürchtungen wegen der Gefährdung des Hebräischen im Lande. Ohne gegen die Industrie zu sein, betonen wir, daß die landwirtschaftliche Kolonisation die Grundlage des Ganzen sein muß. Der Redner der Zeire Zion, Del. Mereminski, führt aus: Der Bericht der zi-onistischen Leitung an die Mandatskommission, die Erklärung des Kolon ialmrnisters Amery, Samuels Abgang und die Einwanderungsverordnung vom Jahre 1925, sind Dinge, die nicht ohne Protest hätten entgegengenommen werden sollen. Wir dürfen unsere Politik nicht dent heutigen Palästina anpassen, sondern dem, das werden soll. Die Jewish Agency hat allein auf das Recht, den Aufbau Palästinas zu leiten, durch ihre Unterschrift auf dem Weißbuch verzichtet. HÜBNER'S KURSALON DER STADT WIEN EINTRITT FREI BESTE JAZZ-BAND WIENS Eintritt frei IW; ■