Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 7 (1925)
- Issue
- Heft 2334 (21.8.1925)
- Date
- 1925-08-21
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 2334 Wien, Freitag Wiener Morgenzeituns Geile 8 21. August 1928 Mir wollen nicht einmal den Gedanken aufkommen lassen, daß an unserer Universität politische Tendenzen, Protektionssystem, Intoleranz usw. Platz greifen könnten. Dafür sollen schon jetzt Garantien geschaffen werden. Es folgt die Generaldebatte, an der sich mehrere Redner beteiligen. .An der Generaldebatte, die am Dienstag durchgeführt wurde, beteiligten sich mehrere Delegierte. Herr Kiwe (Wien) sprach über den derzeitigen Stand der Jugendbewegung unter besonderer Berücksichtigung der Chaluziuth und stellt Thesen auf, die er bereits in der „Wiener Morgenzeitung" vertreten hat. Ganz besondere Aufmerksamkeit erregte die Rede des Herrn Meerovitch (Palästina), dessen hebräische Rede, die er mit einer Resolution (siehe unten) beschloß, langa »dauernden Beifall erntete. Herr! Meerovitch führte aus, daß für die jüdischen Studenten in Rußland, die seit 6 Jahren den größten Verfolgungen ausgesetzt sind, die Exekutive bisher nichts unternommen hat. Herr Dr. Lazar'ovicz: „Es gibt unter uns keine programmatischen und prinzipiellen Gegensätze, der Kongreß zeigt die Einigkeit der Studentenschaft der ganzen Welt. Die Kardinalfrage ist die Organisation. Organisation und Sprache sind die Grundsteine, auf welche die jüdische Studentenschaft bauen muß." Damit ist die Debatte beendet. Es folgt die Neuwahl 8es Präsidiums und der Exekutive. Zum Präsidenten des Weltverbandes wurde Herr Kurt OffenLerger wiedergewählt. In die Exekutive wurden gewählt: Herr Doktor Deutsch, Herr Kiwe, Herr Schmetterling uno Herr Fichtmann. Nun wurden folgende Resolutionen einstimmig angenommen: 1. Der Kongreß konstatiert mit Bedauern, daß der Numerus clausus in verschiedenen Formen in einigen europäischen Staaten noch besteht und erhebt gegen diese durch nichts zu rechtfertigende. Schmach einstimmigen Protest. 2. Der 3. Weltkongreß zionistischer Hochschüler protestiert feierlichst gegen die Verfolgungen, denen die zionistische Bewegung und insbesondere die zionistische Jugend in Rußland ausgesetzt sind. Er lenkt die Aufmerksamkeit des 14. Zionistenkongresses auf die Zustände in Rußland und fordert ihn auf, die Solidarität der Zionisten der ganzen Welt m!it den unterdrückten Gesinnungsgenossen in Rußland zu verkünden. 3. Der 3. Weltkongreß zionistischer Hoch sch üler fordert >die Exekutive auf, im Verein mit den Landesverbänden mit allen in Betracht kommenden Mitteln für eine umfassende Hil fs tätig keit zu g unsten der verbannten und verhafteten Zionisten Rußlands energisch einzutreten.! 4. Der 3. Weltkongreß zionistischer Hochschüler begrüßt wärmstens die Eröffnungder hebräischen Universität am' Skopusberge und erneuert das Bekenntnis, ölt deren Ausbau werktätig mitzuwirkm; -gleichzeitig gibt er aber der bestimmten Erwartung Ausdruck, daß sie in kürzester Zeit zu einer tatsächlkchcu Lehr- und Lernstätte ausgebaut werde. Nach Absingung der Tikwah wurde sodann der Kongreß geschlossen. Irr zionisuriir am 17. Weraulokongreß in Graf. Dyrn 31.. Juli bis zum 7. August tagte in Genf der 17. Gpperantlo-WMongreß in Anwesenheit von über tausend Delegierten aus zirka vierzig Ländern und vielen offiziellen Vertretern europäischer Regierungen und des WWepbundesr Zum erstenmal war auif Einladung des Gsperantoikongresses auch die Zionistische O r g a n i s a t i o n offiziell vertreten, und zwar durch Herrn Dr. Jnenmnuel Olsvanger aüs London. Seine Tätigkeit fiel zusammen mit der des Jüdischen Esperantoverlbandes, an dessen Spitze Herr Leopold Dreher aus Krakau, Mitglied des esperantistiischen Sprachausschusses, stcht. Die Stellung dieses VevbaNdes - auf dem Kongreß wurde durch die Anwesenheit des zionistischen Vertreters bedeutend güstäröt. Aus dem feierlichen Eröffimiigsalbend ant 2. d. hielt Doktor Olsvanger eine eindrucksvolle Ansprache, in der er dem Kongreß die Glückwünsche der Zionistischen Organisation wie auch des'Jüdischen Dperantoverbaudes Überbrachte. Da das Auftreten Dr. Olsvangers leibhaftes Interesse unter den, Kongreßteilnehmern hervorries, veranstaltete der Jüdische Eisiper-antoverband für ihn einen Vortrag, der am 4.. d. in der Aula der Ecole de Commerce . stattsand. Das Thema des Vortrages tvar „Dr. Zamenhof als Mensch urch Jude". Der Redner, der den Schöpfer des Esperanto persönlich kannte, schilderte den Zuhörern ihren verehrten ,Majstr-o" aiks einen Juden, der neiden seinem LöbenÄvevke stets ein reges outo warmes Interesse für sein Volk gezeigt hatte, von welcher Seite er bishin den Esperantisten gar nicht bekannt war. Int weiteren Verlaus des Vortrages sprach der Redner Mer den kulturellen und ethischen Wert des Zionismus. Die Teilnehmer des Kongresses waren auch der Zionistischen Organisation und ihrem Vertreter vom Herzen dankbar, als unter ihnen eine vom Hauptburean der Zionistischen Organisation heransgegebene Gsperantöbroschüre: „Hebrea Progreso eit Palesti no" verteilt wurde. , In der Hauptsitzung des.Indischen Gspevantvveribandeö unter donr Vorsitz des Herrn Applebaum aus Liverpool wurde als Sitz des Hanptbureaus für die nächsten zwei Jahre die Stcht Lodz und Herr Dr. Olsvanger zum M)renprä> tjtegteg gywMt. Die größte Genugtuung erlebten jedoch die Mischen TeÄnchmer des Kongresses am 6. d. gelegentlich des feierlichen GsdenkabendS sBr Zamenhof. Unter den vielen Rednern' an‘diesem Abend wurde auch diesesmal dem.Sprecher der Juden die größte Ovation zuteil. Nur ein Jude konnte einen so innigen Ausdruck gelben für die Liebe und Verehrung, die alle Esperantisten dem von ihnen vergötterten „Kava Majstro" entgegenibringen. Bon Delegierten verschiedenster Länder ergingen an Doktor Olsvanger Einladungen, die Gspevantogrnppen zu besuchen und ihnen über jüdische Probleme vorzutragen. .' —■——-4 kleiderhaus M. NEUMANN I. Kärntnerstraße 19 VI. Marfahilferstraße 35 HERREN- UND KNABENANZÜGE WÄSCHE SCHUHE ln bester Qualität und zu mäßigen Preisen 110 KLEIDERHAUS M. NEUMANN I. KSRNTNERSTR. 19/ VI» M ARIAHILFERSTR. 35 Wi i mmJ Sie Ausstellungsräume im Konzerthaus. Arrangement. — Der Buchsalon Dr. Präger. — Kunstovjekte. Der mächtige Eindruck, den der vollbesetzte Große Konzerthaussaal dem Besucher und Zuschauer macht, ist in der Natur der Sache gegeben. Die Menschengruppen, durch, die Ränge und Reihen zwangsmäßig geordnet, die Erhöhungen und Vertiefungen, die durch den Charakter des Saales bestimmt sind, formen sich zu einer plastischen und doch jeder Bewegung nachgebenden Gestalt, die keiner Regie bedarf, um die Erscheinung einer bewußten Komposition hervorzurufen. Anders ist es um die Gestaltung jener Nebenräume bestellt, , die Objekte der'Kunst, Natur und Wissenschaft beherbergen und die selbstverständlich arrangiert werden müssen, um eine Harmonie in Farbe und Formung zu ergeben. Das kritische Auge wird in diesem Falle Mängel konstatieren, die auf verschiedene Umstände zurückzuführen sind. Vor allem liegt die Disharmonie in der von Haus aus gegebenen Anlage der Ausstellungsräume. In die offenen Garderobenfoyers mußten zunächst die Kojen derart eingebaut werden, daß sie einerseits die Objekte fachgemäß fassen, andererseits genügend Bewegungsfreiheit für die Betrachter und Interessenten ermöglichen. Damit , war die Chance genommen, eine plastische, einheitliche und damit wirkungsvolle. Gruppierung zu gestalten. Außerdem wurden zum Zwecke der Ausnützung der Situation Waren zur Ausstellung übernommen, die für den Wiener Kunstgeschmack nach keiner Richtung hin repräsentativ sind, vielmehr den Eindruck eines Marktes oder — unkritischer gesprochen — einer Warenmesse Hervorrufen. Das hätte unbedingt im Interesse des Nusstellungsniveaus unterbleiben können. Auch die langen ungünstig beleuchteten Logenfoyers im zweiten Stock wurden nicht stilgerecht ausgenützt. Die Längswände zeigen ein Durcheinander von Kunst- und Zweckobjekten ohne verbindende Farbe oder Dekorationsmittel, so daß das Auge verwirrt wird, kein einheitlicher Eindruck zustande kommt. Die Wände selbst wurden nicht adaptiert. Die Folge davon ist, daß öfters Marmor auf Marmor, Holz auf Holz, Gewebe auf Gewebe zu liegen kommt und eine Ausgleichung des Materials zutage tritt, die selbst dort, wo es sich um wertvolle Objekte handelt, diese zu einem Schattendasein verurteilt. Halbwegs geschmackvoll repräsentiert sich die eigentliche Palästinaausstellung. Hier wurde wenigstens der Raum, soweit dies bei den beschränkten Mitteln und bei der knappen Zeit möglich war, architektonisch zerschnitten, und zwar in der Weise, daß das kurze Zirnmercnde durch ein Podium erhöht wurde und der kunstgewerbliche Teil eine Art Rundturm mit phramidenartig zugestutztem Aufbau zugewiesen erhielt, wodurch eine Abwechslung erzielt wurde. Die Kojen selbst halten sich leider an die Schablone und auch die in ihnen vorgeführten Gegenstände haben keinerlei systematische Anordnung. Im übrigen hat sich wiederum erwiesen, daß das Farbenpaar Blau-Weiß für dekorative Ausschmückung nicht sehr geeignet ist und, um Plastisch zu wirken, noch einen dunklen komplementären Ton benötigt. Ueber die Ausstellung palästinensischer Künstler wird kritisch noch einiges zu sagen sein. Hingegen haben viele Werke jüdischer Maler und Plastiker Qualitäten, die es verdienen, besonders hervorgehoben zu werden. Einen wirklich harmonischen und den Gesetzen künstlerischer Anordnung entsprechenden Eindruck macht der Büchersalon Dr. Präger im zweiten Stock. Die Bücher sind derart auf Tischen, Stellagen und Vitrinen placiert, daß sie schon optisch überaus geschmackvoll wirken, abgesehen von dem bibliophilen Verständnis, das sich auf einem verhältnismäßig kleinen Raum ausleben konnte. Dr. Präger, der das Gesamtarrangement der Buchausstellung übernommen und — dies sei ihm als besonderes Verdienst angerechnet — den Verlag I. Kauffmany aus Frankfurt a. M. in seinen Rahmen mit hineingenommen hat, ist von dem Standpunkt ausgegangen, daß in einer Verkaufsausstellung hochwertige Produkte nicht beachtet werden und hat daher im Garderobefoyer eine Verkaufsausstellung von billigerer jüdischer Literatur arrangiert, welche den eleganten Buchsalon im Logenfoyer praktisch ergänzt. Zunächst interessieren die in reichster Auswahl vorhandenen Hebraica, ferner englische und französische Literatur, von Novitäten bemerkenswert der neue Renaissaneeroman von Max Brod „Reubeni"; viel großem Interesse begegnen Saltens „Neue Menschen auf alter Erde", der dramatische Roman „Jud Süß" von Lion Feucht Wange r, daneben auch ausgesprochen zionistische Literatur, darunter Granowskys neues Buch über Bodenpolitik, die eben erschienenen Tagebücher von Trumpeldor, das neue Palästinabuch im Verlag Meyer und Jessen, herausgegeben von Landauer mit 300 vorzüglichen Aufnahmen aus dem neuen Palästina. (Sven Hedins Einleitungsessah hat die Festnummer der „Wiener Morgenzeitung" veröffentlicht.) Großen Zuspruchs erfreuen sich die neuen Dunndruckausgaben des Choreb-Verlages, Berlin, welche in sehr handlichen Ausgaben, unter anderem den vollständigen Talmud und die M i s ch n a bringen. Verlangt werden alle Ausgaben des S t ü b e l - Verlages, Warschau, aus der Weltliteratur Brandes „Jesus- Sage", die populären Werke von Popper-Lynkeus, von der Jugendliteratur die Erziehungswerke von W Y n e ck e n und die Bücher von der Montessori. Im allgemeinen kann gesagt werden, daß das Interesse . ' ' > ' * Sokolciv d >! X ein.