Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 7 (1925)
- Issue
- Heft 2334 (21.8.1925)
- Date
- 1925-08-21
- Page
- Seite 6 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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-.Sei re 6 ‘a1; u für das gnfc und billige Buch lebendigst vorhanden ist. Imponierend ist, wie bereits erwähnt, die künstlerische Ausstattung des Dr. P r ä g e r s ch e n.B u ch s a l o n s. Hier dominiert das schone jüdische Buch und daS schöne Buch der Weltliteratur. Daneben hat ein sehr gewähltes Antiquariat Platz gefunden. Eine angenehme Unterbrechung bieten die schönen Bronzen für rituelle und profane Zwecke aus der Werkftättc Mendelssohn-Heller au, ferner vortreffliche Objekte jüdischer Plastiker und Maler. Aus all diesen Stücken wurde einheitlicher Raum geschaffen und eine Harmonie erzielt, die alle Objekte, wie Bücher, Mappen, Bronzen und Plastiken mitsamt den kostbaren Vitrinen wundervoll umfaßt. Nicht unerwähnt möge auch - die neue Isidor-Kauf mann -Mappe bleiben» welche die populärsten Werke dieses einzigen Künstlers in dornehmsten Reproduktionen dem Liebhaber dieses Genres bietet. Der in diesem Buchsalon rmtergebrachte Verlag I. Kaufs m a n n (Frankfurt am Main) bietöt in einer vornehmen Vitrine kostbare Stücke, wie Bücher, Einbände in Leder und Edelmetall und eine Reihe seltener Handschriften. Unter den Malern finden sich treffliche Namen, wie Lazar K r e st i n, von dem einige Bilder aus Privatbesitz vorhanden sind, ferner Otto H e r s ch l, Kosak, Lea Reinhardt und andere. Gediegene Plastiken haben Faacbmann und Zimmermann ausgestellt. Eine Klaffe für sich bilden die durch Formgebung und Material originellen Speckstein-Plastiken und Keramiken der vortrefflichen Henryka Kerner, deren Arbeiten schon seinerzeit _in der Kristallgaleric aufgefallen sind und von welcher jüngst eine reizende Klcinplastik seitens des Dresdner Kunstgewerbemuseums angekauft wurde. Mächtigen Eindruck machen die Arbeiten des Bildhauers Hochmann. Ueberaus eindrucksvoll zunächst das Gipsrelief „Moses", ferner die Reliefplastik „Kol-Nidre" und das monumentale Werk „E z e ch i e l", eine Arbeit von eindringlicher Wucht und Gestaltungskraft, die, in Edelmaterial ausgeführt, einen prächtigen Akkord in einem großen Fest- oder Bibliothekssaal bilden würde. Zu den bemerkenswertesten Werken jüdischer Kunst im Konzerthaus gehört die Marmorbüste des Oberrabbiners Dr. Chajes von Karl Duldig. Der junge Hanak-Schüler hat mit einer Intensität der Empfindung und yrit einer Beherrschung der Materialtechnik eine Porträtbüste geschaffen, die weit über den aktuellen Anlaß hinaus Anerkennung und Bewunderung verdient. Trotzdem die Büste gegenwärtig dazu verurteilt ist, den Stiegenaufgang zu schmücken und sich vom Marmorhintergründ nicht genügend abhebt, läßt sie doch auf den ersten Blick die hervorragendsten Qualitäten ihres Schöpfers erkennen. Sie ist überlebensgroß im Format und direkt aus dem Naturblock herausgearbeitet, so daß die ursprüngliche Impression gewahrt bleibt. Wie wir erfahren, besteht großes Interesse der amerikanischen Delegierten dafür, diese Büste für die Universität in Jerusalem änzükaüfen, eine Absicht, die hoffentlich in Erfüllung gehen wird. Außer dieser Porträtbüste legen noch andere Werke, wie eine Studie in rotem Marmor, ein Frauenkopf in schwarzem Marmor, eine Maske in graugesprenkeltem Marmor (in Deutschland preisgekrönt) und eine höchst originelle Frauenphantasiefigur aus Naturgestein von der künstlerischen Begabung Karl Duldigs Zeugnis ab. Neben den Werken der mitteleuropäischen jüdischen Mnsiler füllen diejenigen der palästinensischen Maler, die zum größten Teil noch herumexperimentieren, wesentlich ab. Uebcr sie werden noch ein paar kritische Worte zu sagen sein. _, o. r. Sie Tüttel verlangt Revision der MandatMtems? (Eigendienst der „Wiener Morgenzeitung".) London, 20. August. „Daily Telegraph" bringt die aufsehenerregende Konstantinopeler Meldung, daß die türkische Delegation in der nächste» Bötkerbundtagnng die Forderung nach einer RevisiondeSMaudatensystems sowie die Widerrufung deS Mandates über Syrien und Mesopotamien pellen werde. Das genannte Blatt behauptet, daß die Türke» in ihren Forderungen auch von anderen Machten insgeheim unterstützt werden. Fravkreichs Kolonialkriege. Gin Geneval von den Drusen anaeschossen. (Eigendienst der „Wiener Morgenzeitung".) , London, 20. August. Bei der Inspektion einiger militäriischer Posten im Deraa vst gestern der französische General Loulet an der Sp'tze einer Kavalleriepatrouille ang»schossen und verwundet worden. Er wurde in das Hospital von Damaskus gebracht. General Sarrail hat sofort einige Strasexpedittonen in das Drusengebiet entsendet. Sueida noch eingeschlossen. Paris, 20. August. (Wolff.) Zu der Londoner Meldung über die Aufhebung der Belagerung von Suvida, wird vom Quai d'Orsay erklärt, daß sie mit den offiziösen Nachrichten nicht überein st i m m t und u n r i ch t i g sei. DaS Tsulgebiet gesäubert. Paris, 20. August. (Tel. der „Wiener Ptorgenzeidung".) Die französischen Operationen in Marokko gehen erfolgreich weiter. Das Gebier der Ts ul ist nunmehr von den Anhängern Abd el Krim» vollständig gesäubert. 3V U r; tv M r>v * r m U u ng 21. August 1925 Nr. 2334 Ae Mener Hakenkreuzlerei im Spiegel der englische« Presse. (Eigendienst der „Wiener Marge,rzeitung".) beschlagnahmte - zahlreiche Schriften. Dokumente un> London, 20. August. Di« skandalösen Ereignisse, welche sich am 17. d. in Wien abspielten, werden von der gesamten englischen Presse eingehend besprochen. In überaus eingehender Weise nimmt das führend« Blatt Englands, die „Time 8", zu der Wiener Hakenkreuzlerei Stellung. Denr erstell großen Bericht des Blattes (voll dem wir bereits gestern eine kurze Inhaltsangabe gemacht haben. — Die Red.) folgte in der gestrigen Ausgabe der „Times" ein zweiter spaltenlanger Bericht über die Vorkommnisse. Anschließend daran werden Ursache und Wirkung der Ereigniffe ausführlich erörtert; di« „Times" erklären: Daß die Ereignisse des 17. August eingetreten seien, sei unter anderem auf einen Fehler der österreichischen Regierung zurückzuführen, welche die erste angefagte Hakenkreuzlerdemonstration zu spät verboten habe. Die Wiener Unruhen vom letzten Montag — führt das Blatt weiter anö — haben mit Christentum nichts zu tun; erstaunlicher ist es, daß die .Hakenkreuzlcr durch die c i ch s P o st", das Blatt der Ehristlichsozialen, das Parteiorgan dos Bundeskanzlers Ramek, verteidigt werden. Auf den Zusammenhang der .Hakenkreuzlerpropagauda, und ihrer Folgen mit dem Z i o n i st e n ko ng r e ß übergehend, heben „Times" hervor, daß der österreichische Bundeskanzler Ramek die Zionistische Exekutive ermutigt hat, deil Kongreß in Wien ab.zuhalten, daß er für die ungestörte Arbeit des Kongresses garantiert und diese Versicherung in London durch den österreichischen Gesandten habe wiederholen lassen; am Montag habe es sich gezeigt, daß Ramek nicht in der Lage sei, sein Versprechen gänzlich zu erfüllen, obwohl niemand an seinem guten Willen ziveifelt. Es sei dabei in Betracht zu ziehen, daß Rameks eigene Partei an der politischen Intrige gegen den Bundeskanzler beteiligt ist, welche den Zionismus und die Radaumacherei gegen ihn als Kampfmittel für die Erreichung dunkler Ziele benützt. Exportartikel für Kontinent und Uebersee sind unsere Siempelwaren~Erzcugnisse Eingeführt bei Papier- und Spielwarengeschäften, sowie Graveuren und Stempelerzeugern FUr Grossisten hohen Rabatt Tüchtige branchekundige Vertreter mit prima Referenzen gesucht Stempelwarenfabrik M. Hammer, Ge«.m.b.H | Wien, II. Lasslngleiihnerplaiz 2 404 „M orning P o st", ein Blatt, dem man Judenfreundlichkeit gewiß nicht nachsagen kann, beurteilt die Hakenkreuzlerhetze dahin, daß sie durch stillschweigende Duldung großgezogen worden sei; der Mangel an Entschiedenheit gegenüber den Hakenkreuzlern fei daraus zu erklären, daß innerhalb des österreichischen Kabinetts die radikalen Elemente die Oberherrschaft anstreben, iveil die Regierung Ramek angeblich den Juden gegenüber zu gemäßigt und duldsam sei. Zu diesen Angriffen gegen die Regierung sei der Zionistenkongreß lediglich als willkommener Vorwand benützt worden und die Angriffe hätten tatsächlich keineswegs einen antizionistischen Charakter. „Manchester Guardian" beleuchtet die Ereignisse von Montag in einem Leitartikel, in welchem das Blatt der Ddeinung Ausdruck gibt, die Mhaltnng des Kongresses in Wien sei ein unnötiges Risiko gewesen, der Kongreß hätte auch in Karlsbad oder in BafÄ stattfinden können. Freilich wäre dies keine Rechtfertigung für die müde Haltung der österreichischen Regierung gegenüber den antisemitischen Ruhestörern. Gestern Ruhe. Im Lause des gestrigen Abends waren nirgends Ansammlungen oder sonstige Zwffchenfälle zu verzeichnen. Es herrschte überall Ruhe. Die polizeiliche Mrafftatistik. Bon den am 17. d. verhafteten ISS Personen wurden 34 dem Strafgericht angezeigt. UeberdieS wurden sämtliche angehaltenen Personen mit Polizetstvafen im Ausmaß von 8 bis 14 Tagen Arrest bestraft, die zumeist bereits in Rechtskraft erwachsen sind. Ein Teil dieser Personen verbüßt gegenwärtig im Polizeigesangenha-us die über sie verhängten Strafen. Äe am 18. d. ungehaltenen 70 Personen wurden sämtlich polizeilich bestraft. Einer der Angehaltenen, der gegenwärtig die Über ihn verhängte 14täglge Polizeistrafe verbüßt, wird nachher wegen öffentlicher Gewalttätigkeit dem Strafgericht eingeliefert werden. Hausdurchsuchung bei den Monarchisten. In dem Bureau der konservativen Bolkspartei — die Partei deS Sektionschefs Dr. Gchager- EckartSau — wurde gestern eine polizeiliche Hausdurchsuchung vorgenommen, desgleichen auch in der Wohnung des zweiten Parteipräfidenten, de'S arffchen Gurken- Händlers aus Znatm OSkar Teufel, gegen die eine Anzeige vorliegf, die .Hauptarrangeür« der Straßen kraivalle zu fein wie auch mit dem Ausland Konspirationen gegen die Republik gepflogen zu haben. Die Polizei Briefe, Die Demonstrationsanarchie. Für heute und morgen sind vier Kundgebungen antisemitischer Körperschaften geplant. Heute besprechen Nationalsozialisten in Weigls Dreherpark das Thema „Die Regierung Ramek und der Zionistenkongreß", gleichzeitig berufen die Frontkämpfer ihre Anhänger in den Sophiensaal und in das Militärkasino am Schwarzenbergplatz. Morgen um halb 5 Uhr nachmittags sollte der Wiener Bolkstag am Freiheitsplatz stattfinden. Diesen Bolkstag hatte der Antisemitenbund bei der Polizei bereits angemeldet. Gestern hat jedoch Jerzab e k als Präsident des Antisemitenbu-ndes die Anzeige wieder zurückgezogen und erklärt, daß er mit Rücksicht auf die Beschlüsse der Wienec christ« lichsozialen Parteileitung nicht die Verantwortung zu übernehmen in der Lage ist. Entweder muß eine andere autorisierte Korporation als Veranstalter Auftreten und bei der Polizei die völlige Haftung übernehmen oder die Abhaltung des Deutschen Tages unterbleibt. Die drei Freitagsversammlungen werden polizeilich nicht verboten werden, nachdem die Veranstalter die Zusage gemacht halben, von einem geschloffenen Zu- und Abzug ahzusehen. Diese drei VersanirnTungen richten sich, zumindest nach den Versicherungen der Etnberufer, weniger gegen den Zionistenkongreß, als gegen die Regierung. Eine von den Kommunisten für Sumstag geplante Versammlung vor dem Rathaus wurde von der Polizei verboten. Kolporteure dürfen keine Hakenkreuzuniform tragen. In der letzten Zeit wurde mehrfach wahrgenommen, daß Kolporteure von Zeitungen oder periodischen Druckschriften Bere inStrachten oder Armbinden, durch welche ihre politische Parteizugehörigkeit gekennzeichnet wird, tragen. Da dieser Umstand wiederholt zu Konflikten solcher Kolporteure mit anderen Personen und sohin zu Störungen der öffentlichen Ruhe und Ordnung geführt hat, sieht sich di« Polizeidirektion veranlaßt, das Tragen von Derer ns trachten und Armbinden der vorerwähnten Art bei der Kolportage von Zeitungen und periodischen Druckschriften bis aus weiteres zu verbieten. Ein Zuwiderhandeln gegen dieses Verbot wird mit Geldstrafe bi's zu 120 Schilling oder mit Arrest bis zu 14 Tagen bestraft. Die Mörder Rosa Luxemburgs in Wien? Wie die „Rote Fahne" meldet, ist der Mogeroberleudnant Vogel, der Mörder Rosa Luxemburgs, gegenwärtig in W i e n. Henri Bergson schwer erkrankt. Wie wir bereits mitgeteilt haben, hat der bekannte Philosoph Henri Bergson an die Bölkerbundkommission für geistige Zusammenarbeit vor kurzem ein Schreiben gerichtet, in welche»! er mitteilt, daß er wegen schwerer Erkrankung das Präsidium dieser Perschaft, die er seit ihrer Begründung leitet, mederlegen müsse. Wie nun aus Paris gemeldet wird, ist dort -'iS St. Gergues (Schweiz), wo Bergson in einer Heilanstalt Genesung sucht, die Nachricht ei nge troffen, daß der Zustand des Gelehrten sich verschlimmert hat. .Zahlreiche Freunde BergsonS. der im geistigen Leben Frankreichs eine führede Stellung einnimntt, sind an boä Krankenlager des Philosophen geeilt. Stmßentumutte in Paris. Zusammenstöße zwischen streikenden Bank* angestellten und Polizei. Paris, 20. August. (Tel.-Komp.) Der Bankangestelltenstreik, der bisher ziemlich ruhig verlaufen ist, droht nun einen ernsten Charakter anzunehmen. Während de's heutigen Tages fanden zahlreiche Demonstrationen statt. Ueberall wurde versucht, die noch arbeitenden Bankangestellten zum Streik zu bewegen oder gewaltsam an der Arbeit zu hindern. Die Polizei trachtete überall die Deuwnstranten zu zerstreuen, hatte aber einen schweren Stand. In der Nähe der Place de la Concorde überfielen die Manifestanten zwei Bankfilialen und zwangen diese, die eisernen Rollbalken herunterzulassen. Derselbe Vorgang wiederholte sich bei zahlreichen anderen Banken» wobei vielfach die Fensterscheiben ejn ge schlage n wurden. Auf den großen Boulevards kam eS zu Z usammenstößen mit derSicherheitsPolizek. Vor dem Credit Lyonnais, der Soeietc Gene r a l e und anderen Großbanken ereigneten sich ernsteZwischenfälle. Es kam zu einem Handgemenge zwischen den Bankangestellten und der Wache. Dabei gingen zahlreiche Fensterscheiben in Trümmer. Die Polizei nahm mehrere Verhaftungen vor. Syurpathiegeneralstreik ln MarfeMe. N Marseille trat heute in einen geschloffen« 21stündigen Sympathiestreik für die tzrcjützeN