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Wiener Morgenzeitung · 1925-08-21 · Heft 2334 (21.8.1925) · p. Seite 2

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
7 (1925)
Issue
Heft 2334 (21.8.1925)
Date
1925-08-21
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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'eite 2 IC-iiM, ryv. «ViC ei jung 31. August 193ö Nr. 2334 ysiel UanvU «. granä fteua»fsni..^ntlca Sonsvls" Tl'Ieete-piarra ciell' Unitä Vornehmstes Restaurant, errtlclssrlxe ckentrehe, italienische u. franz. Küche Eigentümer Cav. Pietto Vanoh t07 HOTEL-RESTABRAMT MILAHMRIESTE lEx Volplch , 2um aehwarien Adler) Renoviertes erstklassiges Restaurant 510 Exquisite internationale Küche Die Rede des Vertreters der deutschen Landsmannschaft Kurt Blumenscld, mit welcher die um halb 5 Uhr nachmittags begonnene fünfte Sitzung cingelcitet wurde, zeigte kein kritisches Niveau. Die Behandlung des Problems des Einwauderermaterials, die der Redner vorbrachte, die Forderung einer Art seelischer Umschulung von einwandernden Menschen, die die Not zur Eitt-tvanderung zwingt, urn aus ihnen eine Art Edeljudentum herauszukristallisieren, für das allerdings Ansiedlung in einer (Aasglocke, aber nicht inmitten einer wirtschaftlich erschütterten Welt, nicht in einem neu zu erschließenden Lande möglich tväre, wird in keiner Weise dem gesamtjüdischen Problem des Palästinaausbaues gerecht. Der Redner fühlte dies selbst. Er lvandtc sich bald und gern der Frage der J-ewish Agency zu, die heute entschieden nicht das wichtigste Problem dieses Kongresses ist. Unter allgenreiner Aufmerksamkeit übergab dann Vizepräsident Motzkin den Vorsitz an Rabbi Stephen Wise (New-Aork), indem er der Freude de's Kongresses darüber Ausdruck gab, daß Wise, welcher jahrelang an der Spitze der Zionistischen Organisation in Amerika gestanden hat (und bekanntlich nach Meinungsverschiedenheiten mit Weizmann über die Methoden des Palästinaaufbaues sich in den letzten Jahren von der aktiven Teilnahme an der Bewegung zurückgezogen hatte), wiederum in die Leitung der Organisation cingetreten ist. Stephen Wise übernahm den Vorsitz mit einer Ansprache an den Kongreß, in der er zunächst die drei Phasen der Entwicklung der zionistischen Bewegung in Amerika, die Phase des zionistischen Pioniertums, der zionistischen Vorkriegs- und Nachkricgsarbeit schilderte und dabei die Bedeutung hervorhob, welche die Führung der zionistischen Arbeit in Amerika in der Kriegszeit durch L o u i s B r a n d e i s für die Bewegung und für ihren weltpolitischen Charakter hatte. Auf den gegenwärtigen Kongreß übergehend, streifte der Redner auch die Vorfälle der letzten Tage, indem er sagte: Ich wurde befragt, was ich als amerikanischer Jude von den Demonstrationen in Wien und von den angedrohten Exzessen denke. Meine Antwort als A m e r i k a n e r u n d I u d e ist: Wenn einch : Tages ein nichtjüdischer Kongreß in Jerusalem. abgehalten wird, wird es nicht, notwendig sein, die Straßen durch Patrouillen zu sichern. Denn Palästina und unsere Arbeit in Palästina wird aufgebaut sein auf dem Felsen der Gerechtigkeit und dem Geist der Gerechtigkeit, die' kein Unrecht gegen irgendeine Minorität, einen Glauben oder ein Volk zulasten. Nachdem Dr. Wise darauf hingewiesen hatte, daß dank dem Völkerbu n d und der Mandatar macht England die Juden frei nach Palästina kommen j können, das einzige Tor, das heute, wo alle Tore geschlossen sind, den Juden offen ist, kam er auf das Projekt der jüdischen Krimkolonisation zu sprechen. Dr. Wise betonte sehr scharf, daß ey gegen jeden Plan einer Kolonisation in der Krim als Ersatz für die Kolonisation Palästinas sei; es könne und dürfe keine Konkurrenz zwischen Palästina und der Krimkolonisation geben. Als amerikanischer Jude sei er bereit, das Projekt zu erwägen, wenn es als Ersatz für Kolonisationsprojekte in Mexiko oder Südamerika vorgeschlagen wird, wobei freilich von den Faktoren, die aus dem Krimprojekt eine jüdische Angelegenheit machen wollen, zuerst' die Vertreter der europäischen Judenheit zu befragen sind. Nun wurden einigen wenigen' Leuten, die einige wenige Tage in Rußland gewesen sind, auf ihr Verlangen 5 Millionen Pfund für die Krimkolonisation v e rs p r o ch e n. Der zionistische Kongreß muß den Mut haben, ein ernstes Wort an die Führer des amerikanischen Judentums zu richten, indem er verlangt, daß sie, bevor sie die 5 Millionen für die Kolonisation in Rußland aufbringen, die vergleichsweisen Vorteile prüfen, die angeblich entstehen, wenn solche Summen für Pläne in Rußland zur Verfügung gestellt werden, statt für die Befruchtung der jüdischen Arbeit in Erez Israel; an die Führer des amerikanischen Judentums muß auch die Forderung gestellt werden, daß sie mit aller Vorsicht sämtliche Fragen genau prüfen, die mit dem Kolonisationsprojekt in Rußland in Verbindung stehen. Redner warnt von der Tribüne aus, die eine Welttribüne ist, die Führer des amerikänischerl Judentums. Mit den: Projekte Krimkolonisation ist eine große Gefahr verbunden. Dr. Wise schließt seine Ansprache mit dem Wunsche, daß möglichst bald die amerikanische Brandeis- und Mack-Gruppe wieder in der Zionistischen Organisation aktiv Mitarbeiten. Die große Oppositionsrede . , . Jizchak Grünbaums füllte wieder das Hans. Grünbaum befaßte sich zunächst mit der Erweiterung der Jewish Agency, die vor zwei Jahren von Weizmann höchst dringlich mit den Worten „Ich kann nicht tvarlen" bezeichnet worden tvar. Die zwei Jahre sind nun um und wir müssen trotzdem weiter warten, und zwar auf diejenigen Herren, denen Palästina eine Million Dollar, die Krim dagegen fünf Millionen Dollar wert ist. Bon dieser Tatsache ausgehetrd, faßt der Redner die Politik der Exekutive an ihrem schwachen Punlkt. Sie ist impressionistisch, sprunghaft und ohne System. Ebenso wie nach ihm Lipsky findet Grünbaum, daß die Praxis der Verwaltung in Palästina nicht ans die Unterstützung unseres Aufbauwerkes eingestellt ist, da eben nicht die günstigen Bedingungen für die entsprechende Anwendung des Mandats geschaffen wurden. Die Masseneinwanderung in Palästina sieht Grünbamn in einem anderen Lichte, als dies, gewöhnlich gesagt wird. Er schält in meisterhafter Weise die tatsächlichen Gründe dieser Erscheinung heraus. Sie ist nicht einer durch unsere Tätigkeit gesteigerten Anziehungskraft Palästinas zuzuschreiben, sondern in erster Linie den durchgreifenden Veränderungen in der ökonomischen Struktur der alten und neuen Länder Osteuropas, durch die eine große Menge Juden wirtschaftlich und sozial überflüssig geworden ist, die nun, da alle Tote versperrt sind, sich nach Erez Israel tveuden. Diesen Austvandererstronr müssen wir in unsere Gewalt bekommen, wir müssen ihn regulieren und beherrschett. Wir tnüssen ihn in die Landwirtschaft dirigieren. Diese Frage ist das Zentralproblem des Kongresses. Louis Lipsky, der Vorsitzende der Zionistischen Organisation der Bereinigten Staaten, gab sodann die mit großer Spannung ertvarteten Erklärungen ab. Mit besonderem Nachdruck unterstrich er seine Konstatierung, daß die zionistische Idee die Leitidee der amerikanischen Judenheit geworden ist. Daran schloß er das Vertrauensvotum der Amerikaner für Weizmann. Er sprach die Enttäuschung darüber aus, „daß die Mandatsregierung das ihr übertragene Amt als das eines Richters zwischen zwei streitenden Parteien auffaßt.. Statt spontan und aktiv die Schaffung des jüdischen Nationalheims vortvärts zu bringen, wie es der Sinn des Mandats erfordert, hat sich die Mandatsmacht bemüssigt gesehen, die Haltung wohlwollender Neutralität anzunehmen und hat unter außergewöhnlichen Umständen auch von dieser Haltung Abstand genommen. Wir fühlen es besonders hart, daß der Artikel 6 des.Mandats, nach dem die Negierung die landwirtschaftliche SiedlungdurchZüweisung von unbesiedeltem oder Äxachland unterstützen solle, nicht genügend erfüllt worden' ist." Auffallend War die Reserve des. Redners bei der Behandlung der Jewish Agency. Die Amerikaner werden die Vorschläge aus der Londoner Sitzung des Aktionskomitees unterstützen, wonach der Exekutive die Ermächtigung erteilt wird, die Vorarbeiten zur Einberillfung des Councils fortzusetzen. Auch Herr Lipsky berührte das Krimprojekt der sowjetistrschen Jüdenstedlung. Er lohnt es ab. Herr Lipsky scheint allerdings darauf zu hoffen, daß jene Amerikaner, die diese Angelegenheit unterstützen und zugleich auch für die Palästinaarbeit Interesse zeigen, " aus diesem Konflikt zu einem Kompromiß gelangen werden. Aber allzu warme Worte für diese Hoffnung konnte er nicht finden. Den Schluß seiner Rede bildete die Erklärung, daß die Exekutive nach Palästina zu verlegen, sei. Er erblickt darin eine Verstärkung ihres moralischen Einflusses und ihrer Autorität. Weit, weniger schavf abgegrenzt und von dem Wunsche, Gegensätze zu überbrücken, getragen, war die Rede des Delegierten Dr. Leon Reich. Die Erweiterung der Jewish Agency sicht er im Licht der Ausbreitung der zionistischen Ideen, die er mit den Problemen des gesamten jüdischen Volkes identifiziert. Seine Rede, welche ziemlich ausführlich gegen die Darlegunggen Grünbagms polemisiert, sucht die verschiedenen politischen Fehler, welche auch er konstatiert, in konzilianter Weise zu entschuldigen. Schürfe Kritik übt der Redner dagegen an den Ein-wanderungsbeschränkungen, der mangelhaften Unterstützung unseres Schulwesens durch die Mandatarmacht und an der Methode der Bodenverteilung. Bezüglich der Kolonisationsmethoden steht Redner auf dem Standpunkt, daß alle Schichten des Judentums die Möglichkeit haben müssen, sich in Palästina so auszuleben, wie es ihrem jüdischen Wesen entspricht. Nach diesen besänftigenden Worten wird die scheinbar beruhigte Atmosphäre wieder sehr stürmisch, als die beiden letzten Redner des Tages däs Wort ergreifen. Beide, die Herren Supraski und Ben G u r i o n gehören der Palästinensischen Delegation an. stehen aber aus den entgegengesetzten Flügeln. Supraski ist ein Vertreter der Arbeitgeber, Ben Gurion gehört der Poale-Zion-Fraktion an und ist der Sekretär der allgemeinen jüdischen Arbeiterorganisation in Palästina. Supraski führte unter anderem aus, daß die organisierten Arbeiter Ueberfälle auf Nichtorgansierte anstiften. Erregte Rufe von links ant- Kindersanatorinm DCA||| ICH für Kinder ohne Begleitung «>> »»WM Prospekte auf Wunsch “1 Telephon N. 216 “ 33 BADEN BEI WIEN werteten ihm. Ben G u r i o n wies dann die Beschuldigungen zurück und berief sich aus das Erkenntnis der Untersuchungskommission über die Borkomnmisse in Haifa, wo nlisrachistische Arbeiter in Konflikt mit der Organisation geraten waren. Die MiSrachi haben selbst ihr Bedauern über die unzutreffenden Mitteilungen ausdrücken müssen. Diese sehr erregte Auseinandersetzung ' wurde ausschließlich in hebräischer Sprache geführt. Am Schlüsse der vierten Sitzung kam auchdie Frage des Permanenzausschusses und der Vertretung der kleinen Landsmannschaften vor das Haus. Es handelte sich darum, ob die kleinen Landsmannschaften zum Zweck der Wahl ihrer Vertreter in diese Kommission sich nach Belieben' vereinigen können oder ob sie sich zu einem einzigen Wahlkörper zn vereinigen hätten. Das Kongreßgericht ließ mitteilen, daß der letzte Modus anzuwen-den sei: Herr Fischer (Antwerpen) protestierte gegen dieses Erlkenntnis, das nunmehr der Statutcnfoiumiffiou vorgelegt werden muß. Zum Vorsitzenden des Permanenzausschusses wurde Delegierter A. Goldberg (New-Sjork) gewählt. Die heutige Sitzung beginnt um halb 10 Uhr vormittags. Der erste Redner ist Wladimir Jabotinsky. Der Nachhall. —y. Wien, 21. August. Der zionistische Kongreß hat, wie man gerne konstatiert, in der Wiener Oeffentlichkeit, soweit sie politisch reif und Unbefangen empfinden kann, gute Aufnahme gefunden. Sehr stark ist die Wirkung der Eröffnungssitzung auf die politischen Kreise. Das Erscheinen des diplomatischen Korps ist angesichts der vielen Verleumdüngen der zionistischen Bestrebungen als ein Akt - von - großer internationaler Bedeutung gewertet worden, der in der ganzen jüdischen und nichtjüdischen Weit gewürdigt wird. Daß die jüdische Bevölkerung Wiens unter dem Eindruck der Eröffnungssitzung und der seither in vollen Gang gekommenen Kongreßarbeiten steht,... ist wohl nur natürlich. Aber auch die Kreise der Einwohnerschaft der Stadt, auf deren Passive oder aktive Unterstützung die dunklen Elemente gehofft hatten, zeigen, daß sie beit Kongreß sehr wohl verstehen. Es ist zu begrüßen, daß sich so viele Menschen nicht durch die Aeußerlichkeiten der Veranstaltung beeinflussen lassen und die sachliche Seite der Angelegenheit mehr und 'mehr in Beobachtung ziehen. . Sie fühlen es sehr wohl, daß hier eine Weltfrage - vorliegt, der jedes von demokratischem Geist erfüllte Volk nur mit Sympathie gegenübertreten muß. Es ist von d sehr großer Wichtigkeit, daß die überwiegende Mehrheit der Wiener Bevölkerung den-Kongreß weniger vom Standpunkt ihrer geschäftlichen Interessen als vielmehr seines weltpolitischen Inhalts wegen betrachtet und. es zeigt sich, daß die breiten. Massen, die der christlichsozialen und der sozialdemokratischen Partei angehören, den Sinn des Zionismus sehr gut erfaßt haben und sich durch die aus den Schlupfwinkeln der internationalen Reaktion genährte Lügendemagogie nicht in ihrem Urteil stören lassen. Sie sehen, daß es sich um die ernste Sache eines freien und selbstbewußt ten Volkes handelt, und sie hören, was die berufenen Führer dieses Volkes sagen. Diese Wirkung de.r Wahrheit schlägt alles nieder, was in den Sudelblättern auf den Straßen zusammengelogen wird. Und demgemäß inußten denn auch die Führer der christlichsozialen Partei die Haltung ' ihres' offiziellen Organs desavouieren und den Standpunkt des Bundeskanzlers Namek bestätigen. Das Spiel, das da getrieben wurde, konnte hier in Wien wohl verschleiert werden; aber die den Einflüssen der unterschiedlichen Cliquen entzogene auswärtige Presse, insbesondere die englische und amerikanische, nannte die Dinge, die hier vorgingen, beim rechten Namen. Zudem lehnte sich die christliche soziale Presse in den Bundesländern auf. Dies.alles ist freilich außerordentlich bedauerlich, weil es geeignet ist, die Aufmerksamkeit von den sachlichen Fragen des zionistischen Kvngrexes abzulenken. Mit Genugtuung nimmt man aber wahr, daß. die Arbeiterschaft dem Zionistenkongreß ein aufrichtiges und sympathisches Interesse widmet. Man kanll dies' überall konstatieren. Die österreichische Arbeiterschaft.. weiß es, was es heißt, ein Stückchen Freiheit zu erringen und sie beweist es jetzt, daß sie auch unseren Kampf mit guten) Verständnis ansiebt. Sie steht damit freilich in einem eigentümlichen Widerspruch zu ihrer» Parteileitung. Der Bürgermeister von Wien sieht den Zionistenkongreß als eine religiöse Veranstaltlmg an; das Zentralorgan steht noch nicht auf dieser Linie und zeigt der bourgeoisen Veranstaltung seine Verachtung. Der Zionismus gilt dort als ein Werkzeug der englischen Kapitalistenklasse. Mac Donald, Snowden. Henderson sind anderer Meinung gewesen. Aber die sind wahrscheinlich keine vollwertigen Sozialisten. Mit der gleichen Unbekümmertheit wird erzählt, daß sich die Lage des Judentums m Sowjetrußland gebessert hat. Illllf tvlovf zum Verkauf ausgeste lll von der Firma Ulli*IIIGill» ■ I# A II PPAJ « Bl Bl VERLAG UND M . . ... J« liAWPrriÄM IM Antiquariat Handschriften vmmmnr am ma n konzertmaus / loosnfoyer / m. stock 38093^5264796^34

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