Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 7 (1925)
- Issue
- Heft 2334 (21.8.1925)
- Date
- 1925-08-21
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2979076-2981191-2981420--23763-3011246- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
20 Groschen Redaktion, Administration: Wien, lI.Taborstr. 1 Telephone: 44-0-38,43-3-19 Ab 6 Uhr: 21-102, 25-2-82 IX. Universitätsstrasse 6— 8 (Druckerei Ign. Steinmann) Oesterreichisches Postsparkassen-Konto Nr. 150.693 Bezugsbedingungen für Oesterreich monatlich 5 8 KOMGRESSflÜSG&BE Wiener orgmMimg I. Kärntnerstr. 11-15 In mein Bestanranl HENII S 4.- FÜNF-UHR-TEE BONBONS etc. AMERICAN BAR!U 9lr. 2334 ffliett, Freitag. 21. August 1323 7. Zahrgang Zer vierzehnte zioniftenkongreß. Dritter Lag. Sie Generaldebatte. A VICTROSA FEINE HERRENBEKLEIDUNG WIEN, I. GRABEN Nr. 16 TELEPHON NR. 70-2*93 (EINGANG HABSBURGERGASSE 2) Möbelfabrik J. Spira WIEN, VII. Siebensterngasse 1—2 S (Ecke Karl-Schweighofer-Gasse) r: ' 70 Grosses Lager ir'l'iTX"?. Aus Stes Sftacl. Der jüdische Landbesitz — über eine Million Dunam. Nach einem vom Jüdischen Nationalfonds herausgegebenen Bericht Me rischreitet der gesamte in Erez Israel von Juden erworbene Boden jetzt eine Million Dutt am. Insgesamt beträgt jetzt der den Juden gehörende Boden 5,5 Prozent des Mandatlandes gegenüber,3,78 Prozent zur Zeit des «letzten Zionistenbongresses im Jahre 1928, Ein Testament von 2250 Pfund für den Keren Kajerneth. Das Jerusalemer Hauptbureau des Keren Kajemeth hat aus Südafrika 2250 Pfund erhaltet!, die ihm der dort verstoribeue Herr I. Epstein testamentarisch hinterlassen hat. Das Krankenkassenwesen. Nächst der Hadassah sorgt die Kupath Cholim (Krankenkasse) i>n ständig wachsendem Maße für die ärztliche Me im Lande. Ihre -Mitgliederzahl ist von 1200 im Jahve 1919 auf 10.900 gegen Ende 1924 gestiegen. und an mehr als 70 Orten wird den Mitgliedern und ihren Familien jede Art ärztlicher Hilfe geleistet. Die Kupath Cholim unterhält 3 städtische und einige 40 ländliche Kliniken, außerdem ein Erholungsheim ™ Mozah mit 30 Betten, die auf 60 erhöht werden sollen, während nn nächsten Jahre auf dem Karmel ein zweites Sanatorium erbaut werden soll. Ihr Budget in den Jahren 1922-24 belief sich auf 72.454 Pfund. Der Keren Hajesfod trug in den letzten 22 Monaten 14.342 Pfund bei. Die Tagesordnung des Kongresses. Vierter Tag. Beginn der Vormittagssitzung halb 10 Uhr. Fortsetzung der politischen Generaldebatte. Nachmittags: Schluß der Generaldebatte. Erklärungen der Exekutive. Gestern begann der Kongreß die große Aussprache über die Grundfragen der zionistischen Bewegung, jene Aussprache, der seit Monaten schon in den Rechen der Parteien durch vielfache Meinungsäußerungen präludiert worden war. Zur erschöpfenden Abwicklung dieser Generaldebatte wird der Kongreß heute den ganzen Tag arbeiten. Am Nachmittag sollen heute die Vertreter der Exekutive auf die Ausführungen der Kritiker antworten. Die Sitzung soll heute bis halb 6 Uhr nachmittags geführt werden. Gleich der erste Abschnitt der Debatte zeigt, daß die Kongreßdelegierten sich über die verschiedenen Grundprobleme der zionistischen Politik, des Aufbauwerkes und seiner finanziellen Fundierung bereits ihre festen Meinungen gebildet haben, die — im Gegensatz zu früheren Kongressen — rasch zur Bildung von Fraktionen und Gruppen nach politischer Einstellung, nicht nach dem Landsmannschaftssystem, führen. Die stärksten Gruppen des Kongresses kamen denn auch gleich in der gestrigen Sitzung zu Worte, der 45 Mitglieder zählende M i s r a ch i (die Partei der gesetzestreuen Zionisten) und die 40 Mitglieder zählende amerikanische Gvuppe, welche ihre in der letzten Konferenz der amerikanischen Zionisten zu Washington formulierten grundsätzlichen Thesen zu den. zionistischen Problemen durch Louis Lipsky vorbrachte. Im Namen der Koufevenzgemeinschaft radikaler Zionisten, welche 18 Mitglieder umfaßt,, sprach Delegierter I. G r ü n b a u m, und die 22 Delegierte zählende Gruppe der Hitachduth, jener zionistischen Gruppe, welche unter Ablehnung des KlasserEampfes das Prinzip des Aufbaues Palästinas im Sinne sozialistischer Ideen vertritt, kam ebenso wie die beiden der zionistischen Weltorganisation angeschlossenen Arbeitergruppen, der Poale Zion und Zeire Zion, zu Wort. Die Gesamtmeinung der deutschen Landsmannschaft wurde von dem Delogierten Kurt Blumenfeld zum Ausdruck gebracht. Der erste Tag der Generaldebatte, die sich zunächst unter dem Vorsitz des Vizepräsidenten Motzkin abwickelte, stand nicht nur im Zeichen scharf umrissener programmatischer, sondern auch fundamental theoretischer Meinnngsäußerung und des außerordentlich stürmisch sich vollziehenden Aufeinanderstoßens der grundsätzlichen Meinungsgegenfätze. Dies drückte sich scholl in dem den Auftakt zur Generaldebatte bildenden Korreferat von Dr. Soskin Mer die Kolonisation Palästinas und die Begründung seines Projekts einer auf intensiver Landwirtschaft beruhenden Kolonie aus. Dr. Soskius Plan ist darauf gerichtet, durch Intensivierung der Arbeitsmethoden die für die Erhaltung einer Familie erforderliche Bodenfläche möglichst herabzudrücken, was zur Erreichung einer möglichst hohen Zahl von jüdischen Siedlern in Erez Israel bei der beschränkten Möglichkeit des Bodenerwerbs und der Mittel von großer Bedeutung ist. Soskin will, wie er ausführte, die bisherige Siedluugsform der Kwuzah mit ihrer extensiven Uebergangswirtschaft nur auf ein kurzes Stadium beschränken. Die Kolonisierung müsse bald darauf durch zahlreiche Familien geschehen. Die Kolonisation soll erfolgen, indem große Kolonien von vielen hundert Familien angelegt werden, in denen die Kultivierung hochwertiger Produkte (an Stelle von Getreidebau und Milchwirtschaft) betrieben wird, mit dem Ziel, daß in Erez Israel, ähnlich der Nordküste von Algier, eine nach dem Auslande gerichtete Landwirtschaft eingerichtet wird, die zufolge der Hochwertigkeit ihrer Produkte höhere Rentabilität ermöglicht. Die scharfe Note wurde, obwohl auch schon Dr. Soskin in seinen Ausführungen Angriffe gegen das Kolonisationsdepartement der Zionistischen Exekutive gerichtet hatte, in besonderem Maße von dem Redner des Misrachi, dem Sejmdeputierten Farbstein, den seine Fraktion, wie man hört, in die Exekutive entsenden will, angeschlagen. Farbstein erklärte, der einzige politische Erfolg der Exekutive sei die Eröffnung der hebräischen Universität in Jerusalem gewesen. Die Unterschrift der Exekutive auf dem Churchillschen Weißbuch habe die Partei des Redners schon auf dem 13. Kongreß als einen Fehler erklärt, und die Entwicklung der politischen Lage Hobe d^rie Auffassung bestätigt. An der Verstärkung der n e u e n Einwanderung, der sogenannten vierten Alijäh, habe die Exekutive gar keine Verdienste. Es bestehe die Gefahr, daß es zu einer neuen Drosselung der Einwanderung kommt. Darauf weise die Auffassung des englischen Kolonialministers Amery hin, daß die Juden nie die Mehrheit in Palästina bilden würden, eine Auffassung, gegen die, da es die Exekutive nicht getan habe, der Kongreß protestieren müsse. Amerh habe sich auch gegen die städtische Kolonisation ausgesprochen. Daß die englische Regierung mit der Jewish Agency und mit der Meinung des jüdischen Volkes nicht rechnet, dafür sei der Beweis die ohne Wissen der Jewish Agency erfolgte Ernennung Lord Plumers zum Oberlkommissär von Erez Israel; diese Tatsache könne aber auch eine Nachlässigkeit unserer politischen Vertreter beweisen. Redner bemängelt, daß bei der Einwanderung nach Erez Israel ein Zensus obwalte. Die 1,5 Millionen Pfund, welche von uns für Agrarkulturarbeit in Erez Israel ausgegeben wurden, hätten nicht die errtfprechenden Ergebnisse gehabt. Die landwirtschaftlichen Arbeiter führen ein erbärmliches Leben. Die Exekutive habe sich um die vierte Mijah, die Einwanderung von Mittelständlern, nicht gekümmert. Für die Industrialisierung des Landes sei nichts getan worden. In der Frage der Jewish Agency sei der Misrachi für eine Erweiterung, fordere aber vorerst einen all jüdischen Kongreß. Der Vertreter der Gruppe polnischer Zionisten, Eth Liwnoth, Dr. G o t t l i e b, weist auf die Bedeutung der Mittelstands Wanderung nach Erez Israel hin, ' die in so starkem Maße aus Polen vor sich geht und fordert gebührende Berücksichtigung dieser eine große moralische Kraft repräsentierenden Einwandevungsbewegung. In diesem Zusammenhang beleuchtet er die Tätigkeit der zionistischen Palästinaämter, die infolge des dort Herrschenden Parteigeistes viel zu wünschen übrig läßt. Auch der Redner der Hitachduth, Delegierter A r loser oss, hebt hervor, daß die Wirtschafts- und Finanzorgane der Zionistischen Organisation der steigenden Immigration und der mit ihr zusammenhängenden Probleme nicht gewachsen sind. Er betrachtet die Einwanderungs¬ und Kolonisationsfragen vom Standpunkt der Arbeit. Auch das Problem der vierten Alijah müsse vom Gesichtspunkt der Schaffung produktiv arbeitender Elemente, selbstarbeitender jüdischer Landwirte in Palästina angefaßt und gelöst werden. Die Pläne Dr. Soskius lehnt Redner und seine Fraktion ab. Die Forderungen seiner Gruppe faßt er dahin zusammen, daß an die Spitze des Kolonisationswerkes und der Wirtschaftspolitik eine Exekutive treten müsse, die sich nicht treiben läßt, sondern eine großzügige Politik führt und den Weg des großen Kolonisationserfolges der landwirtschaftlichen Arbeiterkolonisation konsequent weitergeht, sowie daß die Zionistische Organisation in vollem Zusammenwirken aller Faktoren die zur Verwirklichung dieser Aufgabe notwendigen Kapitalsinstrumente schafft. HÜBNER'S KURSALON DER STADT WIEN BESTE JAZZ-BAND WIENS EINTRITT FREI