Mannheim
Compact Memory

Wiener Morgenzeitung · 1925-08-20 · Heft 2333 (20.8.1925) · p. Seite 7

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
7 (1925)
Issue
Heft 2333 (20.8.1925)
Date
1925-08-20
Page
Seite 7 (sequence 7)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
91% known words query
IRI
…/2979076-2981191-2981419--23752-3011234
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Nr. 2333 W(cu, T oiiuoix. .Vty, Wie»»er M^rgett^eiLung 20. August 1925 Seit« % Der Hakenkreuzradau. Sestern Ruhe in Men. - K« lleberfall in »ade«. - Stimmen des «urlMdes. Der gestrige Abend brachte keine Wiederholung der völkischen Demonstrationen und verlief vollständig ruhig. Bor den Ausschreitungen am Dienstag abends wurden Zwei Wachepersonen verletzt. Es .wurden insgesamt 73 Nerihaftungen vorgenommen. . \ - . Mn Beschluß der Wiener Chriftlichsozinlen. Die Wiener christlich soziale Parteileitung «trat gestern unter dem Vorsitz ihres Obmann-Stellvertreters, Abgeordneten P a r t i f, zu einer Sitzung zusammen, in der die Parteileitung feststellte, daß keine offizielle Organisation der Wiener christlichsozialen Partei an der Veranstaltung der Demonstrationen vom 17. August beteiligt war. Sie warnt die ParteiangehVvigen »davor, sich an Demonstrationon zu beteiligen, die etwa von anderer Seite veranstaltet werden und zu Zusammenstößen mit den Organen der öffentlichen Sicherheit zu führen drohen. Die Vorgänge der letzten Tage sind auf eine tiefgreifende Erregung der Wiener Bevölkerung Zurückzuführen, die nicht erst durch den Iionistenkongreß ausgelöst worden ist. Der Antisemitismus der bodenständigen Bevölkerung richtet sich nicht gegen die nationalen Bestrebungen der zionistischen Juden,' sondern gegen jenes Judentum, das durch seine Wühlarbeit auf kulturellem, seine Ueberhebnng auf »wirtschaftlichem und politischem Gebiete und die Ausschreitungen der von ihn: geleiteten zügellosen Presse Moral und Wirtschaft unseres Volkes untergräbt. Die Führung dieses berechtigten Mb- Wehrkampfes, den die christlichsoziale Partei nach wie vor mit allen gesetzlichen Mitteln fortzusetzeu entschlossen ist, kann nicht unverantwortlichen Gruppen in die Hand gegeben werden, soll nicht die ganze Bewegung in falsche Bahnen gedrängt werden. - Gleichzeitig beschloß die Parteileitung, beim Polizeipräsidenten vorstellig zu werden, um eine gleichmäßige Behandlung aller Staatsbürger durch die Polizeiorgane sicherzustellen und sich von der Durchführung der gestern schon von Bundeskanzler Dr. Ramek gemachten ib!tsichexu,.yge n zu überzeugen. * ' Aus diesem Beschluß ist deutlich die Verlegenheit der christlichsozialen Partei zu erkennen, in welche die christlichsoziale Partei durch .das Verhalten einiger ihrer führenden Mitgliedern, wie z. B. des Ie r zabe k und ihres führenden Organs geraten ist. Wir haben keine Ursache, uns in diese internen Borgänge der Partei zu mengen, die die wichtigsten Ressorts der Regierung inne hat. Wir möchten aber konstatieren, daß es durchaus falsch ist, bei der Betrachtung der Exzesse der letzten Tage eine Differenzierung des Zielpunktes vorzunehmen. Es ist unwahr, daß „das Jdentum" auf kulturellem Gebiet wühlt, daß es auf wirtschaftlichem und politischem Gebiet sich überhebl und daß es eine Presse leitet, die die Moral und Wirtschaft untergräbt. Das weiß übrigens die christlichsoziale Partes sehr genau. Wenn es eine zügellose Presse geben sollte, so ist das 'Judentum für sie genau so wenig verantwortlich zu machen wie das deutsche Volk und 'das Christentum für die Zügellosigkeiten von Zeitungen wie der „Wiener Stimmen" und des,M'strnen Besen". , Im übrigen »wird es gut sein, diesem Beschluß der chvistlichfoziialen Partei die nachfolgende Resolution der -Kaisertreuen Volkspartei" gegenübevzustellen, welche ihre Entrüstung darüber ausspricht, 'daß bei den Raufereien am Montag abends christlich-konservative Elemente beteiligt waren. Wir bedauern, in-dem Beschluß der christlichsozialen ,Partei joden Hinweis ausf diese hier nun festgestellte Tatsache zu vermissen. Wir haben sicherlich nichts 'dagegen, daß eine gleichmäßige Behandlung aller Statsbürger durch die Polizeiorgane erfolgen soll, aber wir und mit uns viele Tausende österreichischer Staatsbürger ha'ben bisher noch nichts davon vernommen, daß die Mordbüben und ihre Redner, die auf offener Straße in offener Rede zum -Mord und Brand ansfordern, vou der zuständigen Behörde zur Verantwortung gezogen worden wären. Die christlichsoziale Partei würde sehr gut tun, wenn sie auf der strikten Einhaltung aller vom Gesetz vorgesehenen Kautelen bestehen und es z. B. verhindern würde, daß Kaffeehausbesucher von, sagen wir, österreichischen Staatsbürgern mit Biergläsern und .Stühlen beworfen und mit Stöcken verprügelt werden. » Die Kaisertreue Volkspartei. Gelegentlich der gestrigen Vertrauensmännerkonferenz der Kaisertreuen Volkspartei wurde nachstehende Resolution einstimmig angenommen: Die Partei verurteilt auf das schärfste die Vorgänge vom 17. August auf den Freiheitsplatz und gibt ihrer gerechten Entrüstung darüber Ausdruck, daß selbst christlich-konservative Elemente daran beteiligt waren, die sich in der letzten Zeit unter der Maske eines Radauantisemitismus als Vorspann für die deuffchnatiouale Hakenkreuzbewegnng hergeben. Das Christuskreuz ist nicht identisch mit dem Hakenkreuz. Die Kaisertreue Volkspartei nimmt an dem Volkstag am 25. d. M. nicht teil, da dessen Abhaltung lediglich eine Demonstration gegen den Zionistenkongreß darstellt und dadurch nur geeignet ist, die bestehenden Gegensätze zwischen den einzelnen Klaffen und Raffen zu verschärfen und den Ruf Wiens. ÄL Kulturzentrum Mtteleuropas schwer zu schädigen. Ein Protest Set Kaffeesieder. Die Genossenschaft der Kaffeesieder hat sich mit einem Telegramm an den Polizeipräsidenten gewendet, in welchem sie aus Anlaß der Demonstration vom 17. d. um wittfamen Schutz für ihre Mitglieder bittet. Der Genossenschaft wurde von der Polizeidirektion geantwortet, daß sie den Schutz der Geschäftsleute vor Ausschreitungen unverantwortlicher Elemente und des Straßenmobs jederzeit als ihre selbstverständliche Pflicht erachtet hat und auch weiterhin dafür sorgen wird, daß die Geschäftsleute im ruhigen Betrieb ihres Gewerbes nicht g est ö r t werden; sie wird insbesondere die in Betracht kommenden Kaffeehäuser zu schützen wissen und aus Wunsch solcher Genossenschaftsmitglieder, die aus irgend welchen Gründen für ihr Geschäft besondere Besorgnis hegen, auch eine besondere Bewachung ohne Ersatz irgend welcher Kosten bereitstellen, .! . > Die Teilnahme der „Erwachenden". Aus Budapest wird uns gemeldet: Wie hier sestgestellt wurde, ha»ben sich auch Mitglieder der ,M r w a ch e n d e n" zu den Wiener Demonstrationen begeben. Vor einiger Zeit hatte der Verein an seine Mitglieder ein R u n d s ch r e ib e n gerichtet, in welchem die Mitglieder anfgsfordert ivurden, nach Wien zu kommen, um die Demonstrationen der deutschnatioualen Rafsenschützler nach Möglichkeit zu unterstützen. Dieses Zirkular wurde in sehr vielen Exemplaren verbreitet. Die Kosten dieses Ausfluges sollen angeblich vom Abgeordneten H i r bestritten worden sein. Es wird hier daraus verwiesen, daß diese Aktion mit einem vollständigen Mßevsolg endete, j:; Allen — voran! Kleiderhaus Mger-Preise L000 prima farbig« Herrenhemden .» . .8 3000 hochpr. Zephirhemden S 3000 Pa« hochpr. Makko« socken. . . . .8— .90.8 l.tO 1000 Dtzd. engl. Taschentücher, per Sn. 8 —.60,8 l,M Tausende Modekrawatten. 8 3.40 Prima Damenu. Herren« Lederhandschuhe .... 8 ZOO Herrenkragen, weich und steif . . . . . 8—.40, S — SO Herrenunlerhose», kurz und lang .S 4.50 Schlager-Hüte . »8 12.— 3 Stockwerke HERREN . KLEIDER DAKEN.KLE1DER HERRENWÄSCHE (Gegründet 1863) 28 Schaufenster Eine völkische Vevsanrmlung ttm Samstag. Die Poligeidirektion Hat die Anmeldung der für Samstag von den deutschchristlichen und nationalsozialistischen Verbänden in Aussicht genommenen Versammlungen unter freiem Himmel entgegengenommen und gegen die Abhaltung der Versammlung nichts eingewendet, wenn die Bedingungen erfüllt werden, daß die Versammlung spätestens um halb 5 Uhr nachmittags beginnt und vor 7 Uhr beendet ist. Die Verbände übernehmen die Verpflichtung, in ihren Reihen keine fremden Elemente zu dulden und einen Anschluß solcher Elemente -während des Aufmarsches nicht zuzulassen. HakenkreuzleMberfall im Badener Bahnhof- Park. Aus Badest bei Wien wird Ms gemeldet: Der hier zur Kur wellende Kaufmann Hornstein kam gestern mit dem Zuge der Südbahn, der um halb 12 Uhr nachts hier eintrifft, an. Als er durch den Bahnhofpark ging, bemerkte er, daß Hm vier junge Burschen folgten. Plötzlich sah er sich von ihnen umringt und einer von denselben vorsetzte ihm von der Sette mit einem Stock, an dessen Ende ein Eisenstück befestigt war, einen derartigen Hieb über das rechte Auge, daß der Zwicker in Trümmer ging und das Auge derart schiver vorletzt wurde, daß Hornstein sofort einen Arzt auffuchen und sich einen Verband anlegen lassen mußte. Nach dem Ueberfall ergriffen die Burschen die Flucht. Hornstein machte noch in derselben Nacht die Anzeige bei der Polktzei, Ke Üfe Eruierung der Täter eingeleitet hat. Der Verletzte konnte eine genaue Personsbeschreibung des Täters geben und gab ferner an, daß die Burschen Windjacken trugen und dem Aussehen nach einer Hakerckreuzlevilfchen Formation angehörev. Die Meinung des Auslandes. England. London, 19. Arkgust. (Tel. der „Wiener Movgenzeitung".) Auch heute hat die gesamte Londoner Preffe eingehende Berichte ihrer Korrespondenten über die Wiener Ausschreitungen veröffentlicht. „Times" sagen, die Zahl der 132 Verhafteten beweise angesichts der polizeilichen Duldsamkeit, wie groß die Zahl der Demonstranten gewesen sei, die sich gegen die öffentliche Ordnung vergingen. Das ergebe sich auch aus der großen Zahl der verwundeten Polizeibeamten. Das Blatt bespricht auch die Haltung der Wiener Rechtspresse, die nicht den exzedierenden Pöbel, sondern das Verhalten der Regierung und der Polizei kritisiere. Besonders bemerkenswert sei die Haltung der christlichsozialen >,R eichspo st", weil die Seipel-Gruppe das Verbot der Kundgebungen bekämpft habe und jetzt die Machtlosigkeit der Polizei gegen die Regierung ausspiele. Nicht die Krawalle an sich, sondern der politische Hintergrund sei wichtig. Lady Drum m o n d, die Bertretevin des ,Mwly Expreß", die persönlich mit Steinen beworfen wurde, telegraphierte gleichfalls, daß die Bewegung auf den Sturz des Bundeskanzlers Hinziiele und daß der Antisemitismus hauptsächlich nur ein Vorwand zur Verwirklichung der Absichten der Reaktion und des Nationalismus sei.' Amerika. London, 19. August. (Tel. der „Wiener Movgenzer-. tung".) Meldungen aus New-Iork besagen, daß die amerikanischen Blätter in ausführlicher Weilst über die Wiener Ausschreitungen berichten. Allgemein werden die Demou-. strationen bedauert und hinzugesügt, daß die Straßenkrawalle geeignet sind, die Aussichten künftiger ö st e r r e r ch i s ch e r Anleihen sin Amerika zu verringern, da sie Zweifel Über Oesterreichs Konsolidierung Hervorrufen könnten. ___ ein starkes Fernbeben. Aus Rom wird' gemeldet: Die seismographischen Appai rate in Faenza haben heute ein außerordentliches Beben! verzeichnet, und zwar in einer Entfernung von 95 00 Kilometer. Die .Bewegung dauerte vier Stunden am Die Erschütterungen waren derart stark, daß bei manchen! Apparaten die Zeiger zerbrachen. Im redaktionellen Teile enthaltene entgeltliche Mitteilunge« sind durch ein vorangesetztes e gekennzeichnet.; "v:i;:'7!: Wien, 20. August. .5 * Das Wetter. Das Schönwetter war nicht von langer Duer. Gestern bis mittags war noch wolkenloser Himmel und Hitze. Dann trat Bewölkung ein. Abends entlud sich ein^ kurz dauerndes Gewitter. Die Voraussage meldet; Einbruch kWler Luft und ansgedchnte Gewitter. . . u!. -; i*-;4 * Das Brot wieder um vier Groschen billiger. Die Ankerbrotwevke haben von gestern angelfangen den Preis für einen Laib Weiß- oder Schwarzbrot «nt vier G ros chen herabgesetzt. Dieselbe Preisermäßigung nehmen die Hammer- und Kronenbvotwerke vor. Der Preis der weißen Wecken ist bereits' vorgestern von 42 auf 40 Groschen heralbgeisetzt worden. Die Semmeln werden vorläufig nicht billiger, da eine Verminderung des Preises um weniger als einen Groschen nicht möglich ist, Die Erzeugnisse der Bäcker ivechen vorläufig nicht billiger. ... ■; . . j:. :; * Wiederum Vergiftungen durch Schwämme. Am gestrigen Tage wurden vier Fälle von Schwämmevergiftungen ve- 'kannt. Es ist daher große Vorsicht beim Genüsse von PiAen Nötig. Der Private Viktor Kami ach erkrankte nach dem Genüsse stlbstgepflückter Schwämme. — Die 63jährige Pfründner in Katharina B e r s a r e, ihre Tochter und ihr SoihU mußten ins Spital überführt werden, weil sie Vegrstungs- 'erscheinungen zeigten. Die Pilze sollen aus dem Ü^arkte emt Viktor-Adler-Platz gekauft worden sein, * Die Obdachlosen im Polizeigefängenhaüs müssen de» Hakenkreuzlern Platz machen. Gestern abends wurde eiitt Tml der im Polizei,gebäude Roßauerlände nächtigenden 61 obdachi losen Parteien in dem demnächst fertigwevdenden Nubau, 9. Bez., Gussenbauergasse. für eine Nacht unteraebracht. Der Grund hichür war, daß die Polizei die Räume auff der Roßauer. lande für die bei den Straß enkrawallen Verhafteten benötigte. Obzwar den Leuten durch die Bewachungsorgane mitgetellt wurde, daß sie nur über eine Nacht in diesem Gebäude, das noch nicht fertiggesteM ist, bleiben können, wen qerteit sich die Parteien, zunächst, trotz der emdrmÄrcho» Vorstellungen des Wohuungsanites, das Objekt zu vermffe«, ronntm aber dann doch entfernt werden. * Basar des Keren Kajemeth. Die zionistischen Bezirkssektionen, Vereine, akademische Verbindungen, werden gebeten» wcchrend der Kongreßzeir ihren Stammtisch in den Basar des Keren Kajenreth im Kuchalmr (Marmorsaal), 1. Bez., Stadtpark. zu verlegen. Durch die große Nähe zum KongrevSebäuloe erscheint dieses Lokal als Zusammenknnstsovt, wahrend per Kongreßzeit für die Gesinnungsgenossen Prädestimert, * Das Schachturnier in Debreezen. In der achten des Schachnwistertumiers siegten Johnvr über Nagtz, Pr^epiorki über Steiner, Knroch über Mattison. Remis endoton die Partien Vukobic—Prokeisch, Asztalos—Seitz, Vajda—GrülUs feld und Havasi—Tartakotzver. Im Hauptturtnor gevxmn Müller (Oesterreich) gegen Krones (Budapest) sowie Höhnlrnge-r (Oostorroich) gegen Heim (Budapest). GRXTZER PELZE DAS GUT EMPF0HLENE HA^s ~ L Rot«Ttunmtr.H. für moderne Pelze aller Ar* ... . ,4ü.iijitiiUj*:: ÄtadH»-* v:.o «f;■ <-;/>.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.